verkaufte mir eine dicke Plastikhulle, garantiert pfiffdicht. Ich ging nach Hause, stulpte bei Einbruch der Dunkelheit die Hulle uber den Kafig, ging zu Bett und schlief wie ein Mehlsack bis 3 Uhr fruh, als die beste Ehefrau von allen aufstand und die Hulle wieder entfernte.
„Soll das arme Tier im Gefangnis leben?' fragte sie. Ihr machte das alle Ehre.
Dem Papagei machte es Freude. Meinen Schlaf machte es zunichte. Als Renana sich eine Erkaltung zuzog, begann Werwer prompt zu husten. Renana erfreut sich als einziges Mitglied unserer Familie der Zuneigung Werwers. Das zeigt sich immer wieder und hatte eines Tages bose Folgen.
Wenn das kluge Kind Renana allein zu Hause ist, offnet sie niemals die Ture, ohne vorher mit ihrer lieben kleinen Kinderstimme zu fragen: „Wer ist da?' Einmal aber war Werwer allein zu Hause. An diesem Nachmittag geschah es. Der Mann von der Wascherei brachte unsere Wasche und lautete an der Ture. Von drinnen kam eine liebe kleine Kinderstimme: „Wersda?' „Die Wasche', antwortete der Waschemann. „Wersda?' erklang es noch einmal. „Der Mann mit der Wasche. ' „Wersda?' „Die Wasche!' „Wersda?' „DieWa-a-sch-e!'
Wie lange das Drama dauerte, wei? niemand. Als wir gegen Abend nach Hause kamen, fanden wir den Garten voll mit Hemden, Unterhosen und Taschentuchern, uberallhin verstreut. Der Mann von der Wascherei, so horten wir, war mit einem Schreikrampf und wild um sich schlagend von einem Krankenwagen weggebracht worden... Vorsichtig betraten wir die Wohnung. Ein heiserer Zuruf begru?te uns:
„Wasche! Wasche! Waschewaschewasche!... ' Zusammen mit Sagsag, Werwer, Wuffwuff, Wersda und verschiedenen Formen des Hustens ergab das einen recht ansehnlichen Wortschatz. Nur Schalom hat er nie gelernt.
In allen Stadten der Welt ist es sehr schwierig, einen Parkplatz zu finden. In New York ist dies jedoch fast unmoglich. Ich bekam das am eigenen Leib zu spuren, als ich dort letzthin meine Tante Trude besuchte.
Eines Morgens erwachte ich mit Zahnschmerzen. Es waren ganz gewohnliche, sehr schmerzhafte Zahnschmerzen in meinem linken Unterkiefer.
Ich fragte Tante Trude, ob es in der Nahe einen guten Zahnarzt gebe. Tante Trude kannte drei, alle in nachster Nahe, was in New York ungefahr soviel bedeutet wie eine Entfernung von circa 25 Kilometern.
Auf meine Frage, welcher von den drei Zahnarzten der beste sei, dachte Tante Trude lange nach. Dann meinte sie: „Das kommt darauf an. Der erste hat seine Praxis in einer Hauptgeschaftsstra?e. Dort wimmelt es von Zeitungsreportern, die jeden sofort ansprechen. Ich wei? nicht, ob du das mit deinen Zahnschmerzen riskieren willst. Der zweite hat zwar eine direkte Busverbindung vor seinem Haus zum nachsten Parkplatz, aber er ist kein sehr angenehmer Arzt. Ich wurde dir zu Dr. Blumenfeld raten. Er wohnt in einem Viertel mit Einfamilienhausern und hebt in seinen Zeitungsanzeigen immer hervor, da? es nicht allzu schwierig sei, in der Nahe einen Parkplatz zu finden. ' Das war fur mich entscheidend. Meine Backe war mittlerweile so stark angeschwollen, da? ich schnellstens etwas unternehmen mu?te.
Ich borgte mir Onkel Harrys Wagen aus und fuhr los. Bald hatte ich Dr. Blumenfelds Haus gefunden. Aber ein Parkplatz war nirgends zu sehen. An beiden Stra?enseiten standen die geparkten Autos so dicht hintereinander, da? man nicht einmal mehr dazwischen durchgehen konnte. Eine Zeitlang fuhr ich suchend durch die Gegend. Dann geschah ein Wunder. Das hei?t, ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen. Ein Mann machte sich an der Tur eines Autos zu schaffen.
Schnell hielt ich neben ihm an und fragte ihn: „Fahren Sie vielleicht weg?'
„Wie bitte? Ob ich wegfahre? Sie sind wohl verruckt! Ich habe auf diesen Parkplatz drei Jahre lang gewartet und ihn erst im letzten
Herbst erobert. Damals hat ein Wirbelsturm alle geparkten Autos weggefegt!'
Jetzt fiel mir auf, da? sein Wagen, genau wie alle anderen, mit einer dicken Staubschicht bedeckt war. Es gab also keine Hoffnung fur mich.
Ob er denn wu?te, wo ich fur kurze Zeit einen Parkplatz finden konnte, fragte ich ihn noch.
Er dachte nach und kratzte sich am Hinterkopf. Dann sagte er zogernd:
„Einen Parkplatz? Einen freien Parkplatz? Ich habe keine Ahnung. Im Umkreis von drei?ig Kilometern finden Sie hier sicher keinen. Am besten, Sie machen es so wie ich. ' Mit diesen Worten offnete er seinen Kofferraum und zog einen kleinen Motorroller heraus. Dann brauste er los, ohne sein Auto abzuschlie?en.
„He', rief ich ihm nach, „Sie haben Ihren Wagen nicht abgesperrt!' „Wozu', antwortete er mir, „den stiehlt sowieso niemand. Wo sollte er ihn denn parken?'
Meine Zahnschmerzen wurden immer schlimmer, aber es war anscheinend sinnlos weiterzusuchen. Wohin ich auch schaute, entweder standen Autos dicht hintereinander geparkt, oder es war irgendein Verbotsschild zu sehen.
Nachdem ich eine weitere Stunde herumgeirrt war, schien ich endlich Gluck zu haben. Vor einem gro?en Gebaude mit einem ganz leeren Parkplatz stand ein Schild: „Kostenloses Parken fur unsere Kunden. ' Schnell stellte ich meinen Wagen ab und betrat das Haus. Hier packte mich ein Mann von hinten an den Schultern, druckte mich auf einen Stuhl nieder. Offenbar war ich im Buro einer Versicherung gelandet.
„Guten Morgen, mein Herr', begru?te mich der Mann. „Wie lange wollen Sie denn parken?' Ungefahr eineinhalb Stunden' antwortete ich muhsam. Der Zahn schmerzte immer mehr und erschwerte mir das Sprechen. Per Versicherungsagent blatterte in seinen Akten. Dann mussen Sie eine Feuerversicherung in Hohe von 10 000 Dollar abschlie?en', sagte er endlich. Ich erklarte ihm, da? der Wagen bereits versichert sei. „Das sagen alle, aber darauf konnen wir keine Rucksicht nehmen. ' „Und ich kann keine Versicherung in dieser Hohe abschlie?en!' „Dann mussen Sie eben wieder wegfahren!' „Das werde ich auch tun!'
Ich irrte weiter in der Gegend herum, hatte aber keinen Erfolg. Als es bereits anfing dunkel zu werden, ging mir das Benzin aus. Ich fuhr zu einer Tankstelle. Wahrend der Tankwart Benzin einfullte, erkundigte ich mich nach der Toilette. Dort kletterte ich durch das Fenster, kroch durch einen Schacht und kam in das Magazin. Von hier aus stieg ich durch eine Tur in einen dunkeln Raum, in dem es nach Leder roch. Es war mein Auto, das die Tankwarter hier abgestellt hatten. Anscheinend hatten sie Ahnliches schon ofter erlebt. Verzweifelt fragte ich:
„Und was konnen Sie sonst noch mit dem Auto machen?' Prompt kam die Antwort:
„Ein Olwechsel dauert zehn Minuten. Uberholen des Motors eine halbe Stunde. Lackieren eine Stunde. '
„Dann lackieren Sie ihn bitte grasgrun und wechseln Sie das Ol!' Hastig startete ich in Richtung Dr. Blumenfeld. Ich rannte, denn auf dem Zettel, den man mir an der Tankstelle in die Hand gedruckt hatte, stand zu lesen: „Wenn Sie nicht punktlich in einer Stunde und zehn Minuten Ihren Wagen abholen, wird er verschrottet. ' Da ich schon lange nicht mehr schnell gelaufen war, geriet ich bald au?er Atem. Also nahm ich das nachstbeste Taxi. Als ich bei Dr. Blumenfeld ankam, waren funfzig Minuten vergangen, ich mu?te also schleunigst umkehren. An der Tankstelle kam ich gerade zurecht, als die Tankwarter mein Auto in die Verschrottungsanlage fahren wollten.
Jetzt gab es nur noch eine Moglichkeit, und ich war entschlossen, diese auszunutzen. Ich fuhr mit meinem Auto vor Dr. Blumenfelds Haus und lie? es krachend auf einem Laternenpfahl aufprallen. Erlost betrachtete ich den Blechschaden und begab mich in die Praxis.
Gerade als Dr. Blumenfeld mit der Behandlung fertig war, ertonte von unten zorniges Hupen. Durch das Fenster sah ich, da? dicht hinter meinem Auto ein anderes stand. Einer von Dr. Blumenfelds Patienten empfing mich wutschnaubend: „Was bilden Sie sich eigentlich ein, da? Sie hier so lange stehenbleiben? Glauben Sie, die Laterne gehort nur Ihnen?' Ich mu?te ihm recht geben. Selbst im reichen Amerika kann sich niemand den Luxus einer eigenen Parklaterne leisten. Seither gehe ich zu Fu? oder ich fahre mit dem Bus. Es ist bequemer, und ich wei?, da? ich mein Ziel so auch wirklich erreiche.
