Einmal im Jahr, meistens im Fruhjahr, findet auch bei uns ein gro?er Hausputz statt. Wie sich das Ganze im letzten Jahr abspielte, geht aus den Seiten des folgenden Tagebuchs hervor:
Als ich diesmal nach Hause kam, war aus dem kleinen munteren Bachlein ein rei?ender Bach geworden. Durch die Hausture konnte ich auch nicht mehr gehen, weil der Tapezierer samtliche Stuhle und Sessel aus allen Raumen in der Eingangsdiele zusammengestellt hatte. Die Mobel aus dem Vorraum waren in der Kuche, die Kuchengerate im Badezimmer, und das Badezimmer war auf der Terrasse. Ich sprang durch das Fenster in das Haus und fiel in einen Bottich mit Kalk.
Meine Frau meinte nur: „Wei?t du, ich dachte, da? wir bei dieser Gelegenheit auch die Zimmerwande neu wei?en lassen sollten. ' Sie stellte mich dem Maler vor und beauftragte mich, mit diesem einen Preis auszuhandeln. Schlie?lich einigten wir uns auf 500 Pfund, einschlie?lich aller Turen.
Der Schlosser schaute die Fensterangeln an, die ich gebracht hatte und sagte: Diese hier sind nur zwei Zoll lang. Wir brauchen aber drei Zoll lange. '
Er schickte mich zuruck zu Fuhrmann nach Jaffa. In dieser Nacht schlief meine Frau mit Rafi, unserem Jungsten, im Bucherregal. Ich schlief in der Wiege. Zum Abendessen gab es Ruhreier.
Dazu verlangte er noch eine besondere Art von Furnierholz, einen bestimmten Lack, zwei Packchen Zigaretten und einen Strohhut. Die Zahl seiner Gehilfen war mittlerweile auf vier angewachsen. Sie sangen frohlich bei der Arbeit. In dieser Nacht losten wir das Schlafproblem ohne Schwierigkeiten. Ich raffte alle Kleider aus dem gro?en Kleiderschrank zusammen und stopfte sie in den Kuhlschrank. Dann legte ich den Schrank rucklings auf den Balkon und legte mich darin zum Schlafen nieder.
Die beste Ehefrau von allen schlief mit Rafi im gro?en Waschekorb. Zum Abendessen gab es wieder einmal weiche Eier.
„Ich habe mit dem Gebaudeverwalter gesprochen', teilte mir die beste Ehefrau von allen mit. „Er riet mir, die Zwischenwand zwischen Rafis Zimmer und deinem Arbeitszimmer niederzu- rei?en. Dann bekommen wir endlich ein gro?es Gastezimmer. Das bisherige kleine Gastezimmer brauchen wir dann nicht mehr. Wir konnen eine neue Wand einziehen, damit du dein Arbeitszimmer erhaltst und Rafi sein Zimmer. ' Um nicht sinnlos herumzustehen holte ich mir eine Leiter, nahm eine Schere und schnitt alle Deckenlampen ab. Danach suchte ich mir den alten Schrankkoffer heraus, um mich schlafen zu legen. Da storte mich aber der Gebaudeverwalter: „Es wird das beste sein, wenn Sie die Kuche auf den Dachboden verlegen, und das Badezimmer zur Rumpelkammer machen Das ganze ist ziemlich billig, es kostet nicht mehr als 300 Pfund. ' Ich bat ihn, das mit meiner Frau zu besprechen. Sie wollte ja eigentlich nur einige kleinere Reparaturen ausfuhren lassen. Meine Frau war aber mude und wollte nicht mehr reden. Sie versteckte sich hinter einigen Balken. Nach dem Abendessen, das heute aus zwei rohen Eiern bestand, legte ich mich in meinem Schrankkoffer zur Ruhe.
'Ich dachte, da? wir den kleinen Hausputz eigentlich dazu verwenden konnten, alles niederzurei?en. Dann konnen wir gleich neu bauen und haben es so, wie wir es uns vorstellen. ' Ermattet sank ich auf den Boden.
'Du hast vollkommen recht, meine Liebe. Aber warten wir doch noch ein bi?chen, bis alles wieder billiger geworden ist. ' Seitdem wohnen wir in einem hubschen Mietshaus. Wir haben uns hier gut eingelebt und wollen eigentlich gar nicht mehr bauen.
Wohnungen, die zu ebener Erde liegen, haben einen Vorteil und einen Nachteil. Der Vorteil ist: Man mu? keine Treppen steigen. Und der Nachteil ist: Auch die Ameisen mussen keine Treppen steigen. Deshalb wandert jeden Morgen eine Ameisenarmee uber unsere Turschwelle und kriecht die Kuchenwand hinauf bis zum Brotkorb. Hier la?t sich ein Teil der lieben Tierchen nieder, die anderen laufen weiter bis zum Abwaschbecken. Brotkorb und Waschbecken sind fest in der Hand der Ameisen, hier befinden sich ihre Ausgangspositionen fur den ganzen Tag. Es beginnt ein standiges Kommen und Gehen; heuer ist ein besonders ameisenreicher Sommer.
„Es hilft nichts, einige von ihnen zu erschlagen', meinte die beste Ehefrau von allen, „wir mussen das Nest suchen. ' Und so verfolgten wir die Prozession in entgegengesetzter Richtung. Der Weg fuhrte in den Garten, verschwand fur kurze Zeit unter einem Gebusch, tauchte wieder auf und verlief im Zickzack Richtung Norden. der Stadtgrenze blieben wir schnaufend stehen. Sie kommen von auswarts', schwer atmend drehte sich meine Frau um. „Aber wie haben sie gerade den Weg zu unserem Haus gefunden?' Solche Fragen kann niemand beantworten, au?er vielleicht die Ameisenkonigin. Die Arbeiterinnen gehorchen nur ihren Vorgesetzten, sie erfullen ihren Auftrag.
Nachdem wir unsere Hausgenossen einige Tage sorgfaltig beobachtet hatten, kauften wir ein Ameisenvertilgungspulver, das von der Werbung als sehr wirksam empfohlen worden war. Damit bestreuten wir den Weg von der Hausschwelle bis zur Kuche und hier bis hinauf zum Abwaschbecken. Am nachsten Morgen
