Das Ministerium schickte einen Tierarzt, der Herrn Obernik nach sorgfaltiger Untersuchung ein amtliches Gesundheitszeugnis ausstellte. Die Rechnung ging an Herrn Meyer. Obernik hatte gesiegt. Am nachsten Ersten zog Familie Meyer aus.
„Recht geschieht ihm', sagte Frau Krassnitzer da, „warum hat er nicht zuruckgebellt?'
Eines Abends meinte die beste Ehefrau von allen, da? wir uns einen Hund anschaffen sollten. Ich lehnte ab.
„Schon wieder?' fragte ich. „Wir haben doch schon einmal daruber gesprochen, und ich habe schon einmal nein gesagt. Erinnere dich an unseren Zwinji, er ruhe in Frieden, und an seine Vorliebe fur den roten Teppich!'
„Aber die Kinder mochten so gerne -'
„Die Kinder, die Kinder. Wenn ein Hund erst einmal im Haus ist, gewohnen wir uns an ihn und werden ihn nie wieder los. ' Ich versuchte am nachstenTag, mit Amir und Renana zu sprechen. Aber beide fingen an zu heulen, und ich konnte nur die Worte „Papi' und „Hund' deutlicher verstehen. Also entschlo? ich mich, nachzugeben.
„Schon', sagte ich, „ich kaufe euch einen Hund. Was fur einen wollt ihr denn haben?'
„Einen reinrassigen', erklarte die beste Ehefrau von allen anstelle der Kinder. „Einen mit Stammbaum. ' Aus der Bestimmtheit, mit der sie das sagte, ging hervor, da? sie uber den bevorstehenden Kauf bereits mit unseren Nachbarn gesprochen hatte, deren reinrassige Monster die Gegend unsicher machen.
„Au?erdem will ich', meinte sie weiter, „weder eines dieser unformigen Kalber, die das ganze Haus schmutzig machen, noch irgendein Miniaturtier, das einer Ratte ahnlicher sieht als einem Hund. Wir mussen auch bedenken, da? junge Hunde uberall hinpinkeln und da? alte Hunde Asthma haben. Wir brauchen ein gut gebautes Tier, das nicht zu laut bellt und auch sonst wenig Larm macht. Gerade Beine, ein glattes Fell, stubenrein und folgsam. Und auf keinen Fall einen weiblichen Hund, weil Hundinnen alle paar Monate laufig werden. '
„Ist das der Hund, den unsere Kinder haben wollen?' fragte ich. „Ja' antwortete die beste Ehefrau von allen. Ich machte mich auf den Weg, um einen Hund zu suchen, der den Anforderungen meiner Familie entsprach. Als ich am Postamt vorbeikam, fiel mir ein, da? ich Briefmarken brauchte. Vor mir in der Schlange stand ein Mann, der von starkem Husten geplagt wurde und sich standig umdrehte. Dabei schaute er mich an. Offenbar zog er aus meiner sorgenvollen Miene den richtigen Schlu?. Er hatte ein Hundchen zu verkaufen, meinte er, wir konnten es gleich besichtigen, er wohne nur um die Ecke. Neugierig geworden, ging ich mit ihm. Im Garten seines Hauses zeigte er mir das Tierchen. Es lag in einer Schuhschachtel, hatte ein lockiges Fell, krumme Beine und eine schwarze Schnauze mit rosa Punkten. Es saugte gerade an seinem kleinen Schwanz, horte jedoch sofort auf, als es mich sah, und sprang bellend an mir hoch. Das Hundchen gefiel mir auf den ersten Blick. „Wie hei?t es denn?' fragte ich. Wie Sie wollen. Sie konnen ihn haben. ' ??
„Ist er reinrassig?'
„Er vereint sogar mehrere reine Rassen in sich. Wollen Sie ihn nun oder nicht?'
Um den Mann nicht weiter zu verargern, bejahte ich.
„Und wieviel kostet er?'
„Nichts. Nehmen Sie ihn nur gleich mit. '
Er wickelte das Tierchen in Zeitungspapier, legte es mir in den
Arm und schob uns beide zur Gartentur hinaus.
Schon nach wenigen Schritten fielen mir die Worte meiner Frau ein, und ich blieb wie angewurzelt stehen. Das war, so durchfuhr es mich mit Schrecken, nicht der Hund, den sie sich vorgestellt hatte. Wenn ich diesen Hund nach Hause bringe, gibt es Arger.
Schnell kehrte ich um und trug ihn zu seinem fruheren Besitzer zuruck.
„Darf ich ihn spater abholen?' fragte ich bittend. „Ich mu? in der Stadt noch verschiedene Besorgungen machen und mochte ihn nicht die ganze Zeit mit mir herumschleppen. ' „Horen Sie', antwortete der Mann, „ich zahle Ihnen gerne ein paar Mark, wenn Sie nur -'
„Nicht notig. Das Tier gefallt mir. In ein paar Stunden bin ich wieder da, machen Sie sich keine Sorgen. ' Als ich nach Hause kam, fragte die beste Ehefrau von allen: „Nun, hast du etwas gefunden?' „Einen Hund kauft man nicht im Handumdrehen' antwortete ich kuhl. „Ich habe mich mit mehreren Fachleuten beraten und verschiedene Angebote erhalten. Ein Terrier und zwei Setter waren auch dabei, aber sie schienen mir nicht reinrassig genug zu sein. ' Obwohl ich mich nicht besonders gut auskenne, hatte ich meine Gattin zumindest uberzeugt, da? ich nicht blindlings alles kaufen wurde, was man mir anbot. Sie war beruhigt. „La? dir Zeit', sagte sie, „man kauft schlie?lich nicht jeden Tag einen Hund. ' Ich stimmte eifrig zu: „Eben. So etwas will uberlegt sein. Wenn es dir recht ist, mochte ich noch einigen Zeitungsanzeigen nachgehen. ' Angeblich um das zu erledigen, verlie? ich am folgenden Tag das Haus. Ich ging an den Strand, badete ein wenig, spielte einige Partien Tischtennis. Gegen Mittag machte ich mich auf den Heimweg. Vorher wollte ich aber noch kurz bei meinem Hundchen vorbeischauen... Sein frohliches Bellen mischte sich mit dem trockenen Husten seines Besitzers, der mir das Tier sofort wieder mitgeben wollte. Ich wehrte ab:
„Morgen. Heute geht es nicht. Unsere ganze Familie wird geimpft, da mochte ich keinen Hund nach Hause bringen. Morgen, spatestens ubermorgen hole ich ihn ab. Sie sehen ja, da? ich ihn haben will, sonst ware ich nicht gekommen. ' Und ich ging schnell weg. Zu Hause erklarte ich meiner wartenden Gattin: „Diese Zeitungsanzeigen sind uberhaupt nichts wert. Du wirst nicht glauben, was fur Mischlinge man mir gezeigt hat. ' , Zum Beispiel?' Ihr Tonfall hatte etwas, als wollte sie mich in die Enge treiben. „Das Beste war noch ein Pudel in Ramat Gan', antwortete ich bedachtig. „Aber sein Stammbaum reicht nur vier Generationen zuruck. '
„Das ist bei Hunden nichts Au?ergewohnliches' entgegenete sie mir hochmutig.
„Fur mich kommt so etwas nicht in Frage!' Es war an der Zeit, meine Stellung als Familienoberhaupt hervorzukehren. „Ich, wenn du nichts dagegen hast, stelle mir unter Reinrassigkeit etwas ganz Bestimmtes vor. Entweder finde ich ein wirklich vornehmes Tier, oder aus der ganzen Sache wird nichts!' Die beste Ehefrau von allen blickte bewundernd zu mir auf. „Wie recht du doch hast', flusterte sie, „ich habe dich unterschatzt. Ich dachte, du wurdest den ersten besten Stra?enkoter mit nach Hause bringen, der dir uber den Weg lauft. '
„Ach so?' zornbebend fuhr ich sie an. „Damit du es nur wei?t: Morgen fahre ich nach Haifa zu Doktor Munzinger, dem bekannten Fachmann fur Schaferhunde... '
Am nachsten Morgen suchte ich ohne Umwege meinen hustenden Freund auf, um mit Franzi - so nannte ich das Hundchen inzwischen - ein wenig zu spielen. Franzi zerfetzte mir vor lauter Wiedersehensfreude beinahe den Anzug. Ich versuchte, ihm einige Grundregeln der guten Hundesitten beizubringen. Leider lie? es nicht nur Franzi an der erforderlichen Gelehrigkeit missen. Auch sein Herr wurde widerspenstig und drohte mir mit den furchterlichsten Folgen, wenn ich die verdammte Hundin auch diesmal nicht mitnahme.
„Entschuldigen Sie, bitte', unterbrach ich sein Fluchen, „sagten Sie eben Hundin?'
„Hundin', wiederholte er, „und nun schnellstens hinaus mit ihr. ' Der flehende Blick, mit dem Franzi mich ansah, schien zu besagen: „So nimm mich doch endlich mit!'
„Ich arbeite daran', versuchte ich ihr mit Blicken klarzumachen. „Nur noch ein wenig Geduld!'
Erschopft von den Strapazen der Autofahrt nach Haifa lie? ich mich zu Hause in einen Sessel fallen.
„Ich war gerade bei Doktor Munzinger. Er hat mir ein paar recht schone Tiere vorgefuhrt, aber es war nichts wirklich Perfektes dabei.'
„Gehst du da nicht ein wenig zu weit?' erkundigte sich die beste Ehefrau von allen. „Ich glaube kaum, da? es etwas wirklich Perfektes uberhaupt gibt. '
„Sei nicht so kleinmutig', antwortete ich. „Denn jetzt endlich wei? ich, was ich will. Ich habe mich entschlossen, ein garantiert reinrassiges Prachtstuck aus einer beruhmten Schweizer Zucht zu kaufen. ' „Und was soll er kosten?'


„Frag mich nicht danach. Es handelt sich um einen dunkelwei?en Zwergschnauzer. '
„Gro?artig. Und du bist dir ganz sicher, da? man dich nicht betrugt?' „Mich betrugen? Dagegen habe ich alle
