Haupttranslator im Orbit Hospital zu bringen und um Sie und das Translatorprogramm hierherzulegen.“
Nach an einer kurzen Pause fuhr der Captain fort: „Sie an Bord zu haben, Doktor, stellt fur uns eine hochst willkommene Abwechslung von der Eintonigkeit eines sechsmonatigen Kartographieeinsatzes in Sektor zehn dar, und ich hoffe, wir haben Ihnen mit unseren Fragen nicht allzusehr zugesetzt.“
„Uberhaupt nicht, Captain“, antwortete Conway. „Ist eigentlich die Umrandung des Landeplatzes gesichert?“
„Nur durch Drahtgeflecht, Doktor, um die nichtintelligenten Gras- und Aasfresser davor zu bewahren, von unserem Heckstrahl gebraten zu werden. Wie ich gehort habe, statten die Einheimischen der Basis hin und wieder einen Besuch ab, aber ich habe noch nie einen gesehen.“
Conway nickte und wandte sich dann wieder dem Bildschirm zu, auf dem jetzt die wichtigsten naturlichen Merkmale des Planeten sichtbar wurden. Mehrere Minuten lang sagte er nichts, weil Sachan-Li und die ubrigen Offiziere — ein kleiner Nidianer mit rotem Fell und zwei Terrestrier — mit den letzten Checks zur Vorbereitung der Landung beschaftigt waren. Er beobachtete, wie der Planet uber den Bildschirmrand hinauswuchs und sich seine Oberflache allmahlich von einer senkrechten Wand vor dem Schiff in den Boden darunter verwandelte.
Die Trennelgon, die die Form eines Uberschallgleiters hatte, flog ruttelnd durch die obere Atmosphare und verlor dabei mit abnehmender Hohe an Geschwindigkeit. Unter ihr glitten Meere und Gebirge sowie grune und gelbe Wiesen dahin, die immer noch normal, vertraut und ahnlich wie auf der Erde aussahen. Dann verschwand der Horizont auf einmal am unteren Bildschirmrand. Die Trennelgon stieg wieder empor, verlor an Geschwindigkeit und naherte sich immer langsamer mit dem Heck voran dem Boden, um zur Landung anzusetzen.
„Wurde es Ihnen etwas ausmachen, dem Kommandanten des Stutzpunkts dieses Sprachprogramm zu geben, Doktor?“ fragte Sachan-Li, nachdem das Schiff aufgesetzt hatte. „Wir sollen Sie namlich hier nur absetzen und sofort wieder starten.“
„Uberhaupt nichts“, antwortete Conway und verstaute das kleine Packchen in einer Tasche seiner Uniform.
„Ihre personlichen Sachen befinden sich bereits in der Luftschleuse, Doktor. Es war mir ein Vergnugen, Sie kennengelernt zu haben“, verabschiedete sich der Captain.
Die Trennelgon startete nicht sofort, aber die vom Heckfeuer herruhrende Hitze spurte Conway sogar noch hei? im Nacken, als das Schiff einen Kilometer hinter ihm abhob. Er setzte seinen Weg auf die drei dicht beieinander stehenden Halbkugeln fort, bei denen es sich um die Unterkunfte handelte, die normalerweise fur provisorische Stutzpunkte mit einem Minimum an Personal benutzt wurden. Weil seine Habseligkeiten leicht in einen Rucksack und eine gro?e Tragetasche pa?ten, hatte er fur sein Gepack keinen G-Schlitten benutzt, aber da die Abendsonne sehr warm auf ihn niederschien, hielt er es fur angebracht, die Tasche fur einen Augenblick abzustellen und sich auszuruhen — zumal die Dringlichkeit seines Auftrags gleich Null war.
Erst jetzt ging ihm die Fremdartigkeit dieses Planeten auf.
Er blickte nach unten auf die Erde, die nicht von der Erde stammte, auf Gras, das sich auf feine Weise von den terrestrischen Wiesen unterschied, und auf Gestrupp, wilde Blumen, Pflanzen und ferne Baume, die ungeachtet au?erer Ahnlichkeiten das Ergebnis eines grundverschiedenen Evolutionsprozesses waren. Als ihn das Gefuhl des Eindringens uberkam, das er immer bei solchen Anlassen verspurte, ergriff ihn trotz der Hitze ein leichtes Frosteln, und er dachte an die weniger feinen Unterschiede, die sich bald an der dominanten Lebensform dieses Planeten offenbaren wurden. Schlie?lich nahm er die Tragetasche vom Boden auf und setzte sich wieder in Bewegung.
Als er noch einige Minuten vom gro?ten der drei kuppelformigen Gebaude entfernt war, glitt bereits dessen Haupteingang auf, und eine Gestalt kam auf ihn zugeeilt, um ihn zu begru?en. Der Mann trug die Uniform und die Rangabzeichen eines Lieutenant der Kulturkontaktabteilung des Monitorkorps, aber keine Mutze — entweder handelte es sich bei ihm um einen von Natur aus schlampigen Menschen oder um einen der Akademiker des Korps, die es zumeist als Zeitverschwendung empfanden, sich um Uniformen oder etwaige andere Kleidungsstucke zu kummern. Er war kraftig gebaut, hatte an der Stirn bereits lichtes Haar und au?erst lebhafte Gesichtszuge.
Obwohl er noch etliche Meter von Conway entfernt war, stellte er sich bereits vor: „Ich bin Wainright. Sie mussen der Arzt vom Orbit Hospital sein. Doktor Conway, stimmt's? Haben Sie das Sprachprogramm mitgebracht?“
Conway nickte und griff mit der linken Hand in die Uniformtasche, in der sich das Packchen befand. Als er dem Lieutenant die rechte Hand zum Gru? anbot, wich Wainright sofort einen Schritt zuruck.
„Nein, Doktor“, sagte er in entschuldigendem, aber bestimmtem Ton. „Jemandem die Hand zu geben oder irgendeine andere Art der Korperberuhrung herzustellen, mussen Sie sich hier abgewohnen. So etwas macht man auf diesem Planeten allenfalls unter ganz bestimmten und au?erst seltenen Umstanden, und die Einheimischen empfinden es als. nun ja, als hochst beunruhigend, wenn sie uns dabei beobachten. Aber Ihre Tasche sieht ziemlich schwer aus. Wenn Sie die auf den Boden stellen und sich dann ein Stuck davon entfernen konnten, wurde ich mich freuen, sie fur Sie tragen zu durfen.“
„Das schaffe ich schon selbst, danke“, entgegnete Conway abwesend. Ihm gingen gleich mehrere Fragen auf einmal durch den Kopf, die sich alle regelrecht darum zu drangeln schienen, als erste ausgesprochen zu werden. Schlie?lich setzte er sich in Richtung auf die Kuppel in Bewegung, wobei der neben ihm gehende Lieutenant peinlich darauf achtete, zwischen ihnen eine Entfernung von wenigstens drei Metern zu lassen.
„Das Band wird fur uns sehr nutzlich sein, Doktor“, sagte Wainright. „Unser Ubersetzungscomputer mu?te jetzt die Sprache sehr viel besser beherrschen konnen, so da? viel weniger Mi?verstandnisse auftreten werden. Allerdings hatten wir niemals damit gerechnet, da? so schnell jemand vom Orbit Hospital hergeschickt werden wurde. Danke, da? Sie gekommen sind, Doktor.“
Conway machte mit der freien Hand eine fast abfallige Geste und entgegnete: „Erwarten Sie von mir aber bitte nicht, da? ich Ihr Problem so mir nichts, dir nichts losen kann, egal, worum es sich dabei handelt. Ich bin lediglich hierhergeschickt worden, um die Lage zu beobachten und daruber nachzudenken. Au?erdem soll ich.“ Er hielt kurz inne und dachte an den hauptsachlichen Grund, aus dem ihn O'Mara nach Goglesk geschickt hatte, namlich um sich Gedanken uber seine Zukunft am Orbit Hospital zu machen. Aber er hatte keine Lust, dem Lieutenant gerade jetzt davon zu erzahlen, deshalb fuhr er fort: „…nun, au?erdem soll ich mich hier erholen.“
Wainright warf ihm einen skeptischen Blick zu, und sein Gesicht verriet ernsthafte Besorgnis. Doch ganz offensichtlich war der Lieutenant viel zu hoflich, als da? er sich getraut hatte, Conway zu fragen, warum ein Chefarzt vom gro?ten Hospital der Foderation, in dem jede nur vorstellbare medizinische und psychologische Behandlung durchgefuhrt werden konnte, ausgerechnet auf diesen Planeten fliegen wollte, um sich zu erholen.
Statt dessen fragte er: „Wo wir gerade von Erholung sprechen, Doktor, wie spat war es auf dem Schiff? Ist es fur Sie kurz nach dem Fruhstuck, mitten am Tag oder bereits hochste Zeit zum Schlafengehen? Wurden Sie sich jetzt gerne ausruhen? Hier ist es jetzt spat am Nachmittag, und von mir aus konnen wir uns gern erst morgen fruh miteinander unterhalten.“
„Danke, aber bis vor zwei Stunden habe ich noch gut geschlafen und mochte lieber gleich mit Ihnen sprechen. Und wenn Sie mich nicht daran hindern, Ihnen Fragen zu stellen, dann werden Sie noch derjenige sein, der eine Menge Schlaf versaumt, Lieutenant.“
„Ich werde Sie bestimmt nicht daran hindern, Doktor.“ Wainright lachte. „Damit mochte ich keineswegs unterstellen, da? meine Assistenten keine unterhaltsamen Leute sind, so bedienen sie sich zum Beispiel hin und wieder ihrer Fingerfertigkeit, um beim Kartenspielen dem Wahrscheinlichkeitsgesetz nachzuhelfen, aber es ist trotzdem schon, mal jemand anderen hier zu haben, mit dem man sich unterhalten kann. Ubrigens, bei Sonnenuntergang verschwinden die Einheimischen, und dann konnen wir uns in aller Ruhe uber diese Aliens unterhalten, allerdings hat uns das bislang nicht besonders weit gebracht.“
Gefolgt von Conway betrat er das Gebaude. Im Innern befand sich ein schmaler Gang, und auf einer der ersten Turen stand der Name des Lieutenant. Wainright blieb direkt davor stehen, blickte sich rasch nach rechts und links um und bat dann Conway um das Band.
„Kommen Sie herein, Doktor“, forderte er den Chefarzt auf, schob die Tur zur Seite und ging durch das gro?e Buro zu einem Schreibtisch, auf dem ein Ubersetzungscomputer stand. Conway sah sich im Buro um, das von dem warmen, orangefarbenen Schein der fast untergegangenen Sonne erleuchtet war. Der Raum wirkte relativ leer, da der Schreibtisch, die Aktenschranke, die Projektionsgerate und selbst die Stuhle fur Besucher allesamt an der Wand gegenuber vom Fenster zusammengedrangt waren. Neben dem Fenster stand eine gro?e, rundliche, kaktusahnliche Pflanze, deren Stacheln und Haare vielfarbige Muster aufwiesen, die anscheinend immer
