Unterstutzung nicht mehr weiterkommen.
So, wie ich Sie kenne, Doktor“, fugte er murrisch hinzu, „ist es schwierig zu sagen, wer von uns beiden in der Frage schwerer zu uberzeugen ware.“
Conway nickte. Es war nicht das erstemal, da? ihn O'Mara wegen seines zu gro?en Berufsstolzes — beziehungsweise seiner Sturheit — kritisiert hatte. Doch ernsthafte Schwierigkeiten hatte Conway stets vermeiden konnen, weil er in den meisten Fallen eben auch recht behalten hatte.
Er rausperte sich und entgegnete leise: „Ich verstehe. Trotzdem scheint es mir immer noch wichtig, da? man sich mit der Lage auf Goglesk umgehend befassen mu?.“
„Das ist bei dem Problem in der geriatrischen Abteilung fur FROBs nicht anders“, hielt O'Mara ihm entgegen. „Ganz zu schweigen von der dringenden Notwendigkeit, eine Unterkunft fur ein schwangeres Wesen und dessen Nachkommen zu entwerfen, und erst recht von den verschiedenen Lehrverpflichtungen, den praxisbezogenen Vortragen im OP und allen moglichen anderen Gelegenheitsarbeiten, die sich ergeben konnten und fur die Sie sich mit Ihren beruflichen Qualitaten so eignen. Einige dieser Probleme haben wir schon eine lange Zeit, obwohl naturlich nicht so viele Tausende von Jahren wie unsere gogleskanischen Freunde. Als angehender Diagnostiker tragen Sie au?erdem die Verantwortung fur die Entscheidung, welcher Fall oder welche Falle vorrangig behandelt werden sollten. Naturlich erst nach reiflicher Uberlegung.“
Conway nickte. Seine Stimmbander hatten offenbar die Verstandigung mit dem Gehirn abgebrochen, das die ganzen Auswirkungen einer wahren Flut von Auftragen in sich aufzunehmen versuchte, zumal deren komplette Erledigung praktisch unmoglich erschien. Einige dieser Probleme und auch die Diagnostiker, die sich mit ihnen befa?t hatten, kannte er, und die Geruchtekuche des Hospitals hatte etliche grauenerregende Berichte uber verschiedene Fehlschlage verbreitet. Und wahrend seiner Probezeit als Diagnostiker hatte er nun offensichtlich diese Probleme am Hals.
„Sitzen Sie hier nicht so tatenlos rum, und glotzen Sie mich nicht so dumm an“, sagte O'Mara. „Ich bin mir sicher, Sie finden eine sinnvollere Beschaftigung.“
10. Kapitel
Fur Conway war es insofern eine ungewohnliche Besprechung, als da? er unter den Anwesenden der einzige Mediziner war — bei den ubrigen Teilnehmern handelte es sich ausschlie?lich um Offiziere des Monitorkorps, die fur verschiedene Aufgaben der Instandhaltung und Versorgung des Orbit Hospitals verantwortlich waren, sowie um Major Fletcher, den Captain der Rhabwar. Die Besprechung war gleich in zweifacher Hinsicht ungewohnlich, weil Conway die goldumrandete Armbinde eines Diagnostikers auf Probe mit einer Unbekummertheit zur Schau trug, von der er in Wirklichkeit selbst nichts verspurte, zumal er vollig auf sich allein gestellt war.
Schulungsbander, die ihm bei seinem Problem hatten helfen konnen, gab es nicht, sondern nur die Erfahrung von Major Fletcher und ihm selbst.
„Als erstes benotige ich eine Unterkunft, Nahrungsvorrate und Behandlungsgerate fur eine schwangere Vertreterin der FSOJ-Spezies, deren Angehorige einigen von uns besser als Beschutzer der Ungeborenen bekannt sind“, begann Conway formlich. „Dabei handelt es sich um eine au?erst gefahrliche Lebensform, die im Erwachsenenalter uber keine Intelligenz verfugt und auf ihrem Heimatplaneten von der Geburt bis zum Tod, der normalerweise zwischen den Tentakeln und Zahnen des zuletzt geborenen Nachkommens eintritt, standigen Angriffen ausgesetzt ist. Captain, wenn Sie nun so freundlich waren.“
Fletcher druckte auf dem Schaltpult einige Knopfe, und auf dem Instruktionsschirm erschien das Bild eines erwachsenen Beschutzers, das auf einem der Rettungseinsatze der Rhabwar aufgenommen worden war, gefolgt von Bildmaterial uber andere FSOJs, das man auf dem Heimatplaneten der Spezies gesammelt hatte. Doch es war nicht der Beschutzer selbst, sondern seine zuschnappenden Zahne und wild umherschlagenden Tentakel, mit denen er die Innenverkleidung des Ambulanzschiffs einschlug und verbeulte, die den Zuschauern ein unglaubiges Stohnen entlockten.
„Wie Sie selbst sehen“, setzte Conway die Erlauterung fort, „handelt es sich bei dem FSOJ um einen gro?en und au?erst kraftigen Sauerstoffatmer mit einem Panzer, aus dessen Offnungen die vier starken Tentakel sowie ein Kopf und ein Schwanz entspringen. Die Tentakel und der Schwanz haben gewaltige knocherne Enden, die mit Nageln versehenen Keulen ahneln, und die Hauptmerkmale des Kopfs machen die tiefliegenden, au?erst gut geschutzten Augen und die Kiefer aus. Zudem werden Sie bemerken, da? die vier kurzen, aus der Unterseite des Panzers hervortretenden Beine knocherne Sporne besitzen, durch die diese Gliedma?en zu zusatzlichen Angriffswaffen werden. Auf dem Herkunftsplaneten dieser Lebensform werden all diese Waffen benotigt.
Die Jungen bleiben so lange im Mutterleib, bis sie korperlich gut genug entwickelt sind, um die Geburt in ihrer unglaublich grausamen Umwelt zu uberleben, und als Embryo sind sie Telepathen. Aber diese Seite des Problems fallt nicht in Ihren Bereich.
Der standige brutale Kampf ist ein derart grundlegender Bestandteil des FSOJ-Lebens“, fuhr Conway fort, „da? sie ohne ihn erkranken und sterben. Aus diesem Grund wird sich der Bau einer Unterkunft fur diese Lebensform weit schwieriger gestalten als jede andere Ausstattung, um die Sie bisher gebeten worden sind. Der Raum mu? eine au?erst stabile Konstruktion haben. Captain Fletcher hier kann Sie uber die Korperkraft und Beweglichkeit des FSOJ informieren, und falls seine Ausfuhrungen ubertrieben klingen sollten, glauben Sie mir, das sind sie nicht. Der Frachtraum der Rhabwar mu?te vollstandig wiederaufgebaut werden, nachdem der FSOJ wahrend eines elfstundigen Flugs zum Orbit Hospital darin eingesperrt gewesen war.“
„Mein Schienbein bedurfte ebenfalls einer Reparatur“, fugte Fletcher grinsend hinzu.
Bevor Conway fortfahren konnte, wurde er erneut unterbrochen. Colonel Hardin, der Leiter der Abteilung fur Ernahrungsfragen, meldete sich zu Wort: „Ich habe den Eindruck gewonnen, Doktor, da? Ihr FSOJ mit seiner Nahrung kampft, bevor er sie fri?t. Nun mussen Sie sich uber den hiesigen Grundsatz im klaren sein, da? niemand mit lebendem Futter versorgt wird, sondern nur mit synthetisch erzeugtem tierischen Zellgewebe oder mit eingeflogenen Pflanzen, wenn die Nahrungssynthesizer nicht zur Herstellung von Fleisch in der Lage sind. Einige Beutetiere der Mitgliedspezies der Foderation haben gro?e Ahnlichkeit mit vernunftbegabten galaktischen Burgern, von denen viele den Verzehr nichtpflanzlicher Stoffe absto?end finden und au?erdem.“
„Kein Problem, Colonel“, unterbrach ihn Conway. „Der FSOJ wird alles fressen. Die gro?ten Kopfschmerzen wird Ihnen die Unterkunft bereiten, die eher einer mittelalterlichen Folterkammer als einem Krankenzimmer gleichen wird.“
„Werden wir auch noch uber den Zweck dieses Vorhabens aufgeklart?“ erkundigte sich ein Offizier, den Conway noch nie zuvor gesehen hatte. Er trug die gelben Streifen eines Wartungsspezialisten und die Rangabzeichen eines Majors. Lachelnd fuhr er fort: „Bei der Arbeit an den ersten Entwurfen wurde uns das nicht nur zur Orientierung dienen, sondern auch unsere Neugier stillen.“
„Das Projekt ist nicht geheim“, antwortete Conway, „und der einzige Grund, warum ich es nicht zum allgemeinen Gesprachsgegenstand machen mochte, ist der, da? unsere Erwartungen enttauscht werden konnten. Da man mir die Leitung dieses Unternehmens ubertragen hat, konnte es mich in Verlegenheit bringen, das ist alles.
Bei jedem Mitglied dieser Spezies findet eine standige Empfangnis statt“, fuhr er abrupt fort. „Der Zweck des Projekts besteht darin, diesen Vorgang genau zu untersuchen, und zwar mit dem Endziel, die Wirkung des Mechanismus, der den vernunftbegabten und telepathischen Teil des Embryogehirns vor der Geburt zerstort, aufzuheben. Wenn ein neugeborener Beschutzer die Vernunft und seine telepathischen Fahigkeiten behalt, konnte er sich rechtzeitig mit dem eigenen Ungeborenen verstandigen und hoffentlich eine Verbindung zu ihm aufbauen, die es beiden unmoglich machen wurde, sich gegenseitig etwas anzutun. Au?erdem werden wir versuchen, nach und nach die Heftigkeit der Schlage zu vermindern, die die FSOJs bekommen und durch die ihre Umwelt simuliert wird, und die Absonderung der Korpersekrete, die durch die Schlage ausgelost wird, eher medizinisch als physisch anzuregen. Auf diese Weise durften die FSOJs allmahlich die Gewohnheit ablegen, alles, was ihnen vor die Augen kommt, zu toten und zu fressen. Daruber hinaus mussen die Antworten, auf die wir sto?en, die FSOJs in die Lage versetzen, weiterhin auf ihrem scheu?lichen Planeten zu uberleben, und ihnen dabei helfen, sich aus der ihnen durch die Evolution gestellten Falle zu befreien, die der Spezies jede Chance genommen hat, eine kultivierte Zivilisation zu entwickeln.“
