Die FSOJs haben eine Menge Ahnlichkeit mit den Gogleskanern, fiel Conway dazu ein, und er fugte lachelnd hinzu: „Aber das ist eher eins von meinen Problemen. Ein ganz anderes besteht darin sicherzustellen, da? Sie Ihres umfassend begreifen.“
Nun folgte eine lange und zeitweilig hitzig gefuhrte Diskussion, nach der die Beteiligten samtliche Probleme einsahen — einschlie?lich der Notwendigkeit zur Eile. Schlie?lich konnte der Beschutzer nicht fur alle Zeiten auf der alten tralthanischen Beobachtungsstation auf Ebene zweihundertzwei gefangen bleiben, wo sich zwei hudlarische Wartungsingenieure damit abwechselten, mit Metallstangen auf ihn einzuschlagen. Die beiden FROBs waren trotz ihrer immensen Kraft und ihres furchteinflo?enden Aussehens liebenswurdige Wesen, denen die Arbeit ungeachtet der standigen Versicherungen, da? die Schlage fur das Wohlbefinden des Beschutzers unbedingt erforderlich seien, schweres psychisches Unbehagen bereitete.
Jeder hat sein Problem zu tragen, dachte Conway, doch sein vordringlichstes, der Hunger namlich, war leicht zu beheben.
Den Kantinenbesuch hatte er zeitlich auf die Essenspause des medizinischen Teams der Rhabwar abgestimmt, vor allem, um Murchison zu sehen, die er zusammen mit Prilicla, Naydrad und Danalta an einem fur melfanische ELNTs gebauten Tisch entdeckte. Die Pathologin sagte nichts, bis Conway seine Bestellung eingegeben hatte, ein riesiges Steak mit der doppelten Portion Beilagen.
„Offensichtlich bist du noch immer du selbst“, stellte Murchison mit einem neidischen Blick auf seinen Teller fest, „oder bei deinen Alter ego handelt es sich nicht um Vegetarier. Trotzdem macht auch synthetisches Fleisch dick, wei?t du? Wie kommt es eigentlich, da? du noch keinen Bauch wie eine schwangere Creppelianerin hast?“
„Dafur ist meine psychologische Einstellung zum Essen verantwortlich“, erwiderte Conway grinsend, wahrend er einen umfangreicheren chirurgischen Eingriff am Steak einleitete. „Nahrungsmittel sind nichts weiter als ein Brennstoff, der verbrannt werden mu?. Euch allen mu?te es doch deutlich in die Augen springen, da? mir das hier keinen Spa? macht.“
Naydrad stie? einen unubersetzbaren kelgianischen Laut aus und a? weiter. Prilicla setzte kommentarlos den ruhigen Schwebeflug uber dem Tisch fort, und Danalta war gerade dabei, ein Paar melfanischer Greiforgane auszustulpen, wahrend sein ubriger Korper einer ungleichma?igen grunen Pyramide mit einem Auge auf der Spitze glich.
„Ich bin noch immer ich selbst, allerdings mit einem kleinen Schu? gogleskanischem FOKT“, sagte Conway zu Murchison. „Man hat mir unter anderem die Sache mit dem Beschutzer ubertragen, und daruber wollte ich mit dir sprechen. Fur einige Zeit bin ich Diagnostiker auf Probe mit voller Verantwortung und Befugnis in Behandlungsfragen und darf um jede benotigte Unterstutzung bitten. Ich brauche wirklich dringend Hilfe, wei? aber bis jetzt noch nicht genau, wie diese auszusehen hat. Au?erdem will ich keinen anderen Diagnostikern auf die Nerven gehen, auch nicht auf die hofliche Tour, und ganz bestimmt nicht dem leitenden Diagnostiker der Pathologie. Deshalb mu? ich es hintenherum machen und mich Thornnastor uber dich, seine Chefassistentin, nahern, um den Rat zu bekommen, den ich brauche.“
Murchison sah seiner Brennstoffaufnahme einen Augenblick lang schweigend zu und entgegnete dann in ernstem Ton: „Wei?t du, bei Thornnastor brauchst du nicht vorsichtig zu sein. Der mochte unbedingt an dem Beschutzer-Projekt beteiligt werden und hatte auch die Leitung bekommen, wenn du nicht der Chefarzt gewesen warst, der die unmittelbare Erfahrung mit dem FSOJ besitzt und der bereits fur den Rang eines Diagnostikers in Betracht gezogen wurde. Thorny wird dir mit Vergnugen in jeder erdenklichen Weise helfen.
Wenn du ihn nicht darum bittest“, schlo? sie lachelnd, „wird dir unser Leiter der Pathologie sogar mit seinen sechs Riesenstampfern aufs Dach steigen.“
„Ich wurde Ihnen ebenfalls gerne helfen, mein Freund“, bot ihm Prilicla an. „Aber angesichts der kraftigen Muskulatur der Patientin kann ich nur aus sicherer Distanz mitarbeiten.“
„Ich bin auch dabei“, schlo? sich Danalta an.
„Und ich“, sagte Naydrad, wobei sie von dem grunen Mischmasch aufsah, den ihre kelgianischen Geschmacksknospen so kostlich fanden, „werde weiterhin das tun, was man mir auftragt.“
Conway lachte. „Vielen Dank, meine Freunde.“ An Murchison gewandt fuhr er fort: „Nach dem Essen werde ich dich in die Pathologie begleiten und mit Thornnastor daruber reden. Und ich habe keinen falschen Stolz. Wenn ich Gelegenheit habe, das Problem mit den Gogleskanern zu erwahnen und das mit der FROB-Geriatrie und all die anderen Kleinigkeiten, die ich.“
„Auch dafur interessiert sich Thornnastor“, stellte sie in bestimmtem Ton fest. „Der steckt sein gewaltiges Riechorgan gern in alles hinein.“
Zwar nahm das Gesprach mit dem Leiter der Pathologie den gesamten Rest von Conways Arbeitstags in Anspruch — da der Wach- und Schlafzyklus eines Tralthaners sehr viel langer als der eines Terrestriers dauerte, hatte Thornnastor ein vollig anderes Zeitempfinden —, doch fuhlte sich Conway danach erheblich besser. Thornnastor war die gro?te Klatschbase des Hospitals; keinen einzigen seiner Munder konnte er halten, doch seine Auskunfte zu praktisch jedem Aspekt extraterrestrischer Pathologie sowie zu vielen anderen Bereichen, die eigentlich au?erhalb seines Spezialgebiets lagen, waren absolut zuverlassig.
Thornnastor wollte alles wissen und war keineswegs verschwiegen, egal, worum es sich handelte.
„Wie Sie ja bereits wissen, Conway“, sagte er schwerfallig, als der Chefarzt schon gehen wollte, „werden wir Diagnostiker von den Mitgliedern unseres Berufsstands im allgemeinen hoch geachtet, und zu dem uns erwiesenen Respekt, soweit man den in diesem Tollhaus uberhaupt zeigen kann, gesellt sich noch Mitleid mit den psychischen Qualen, die wir erleiden, und eine fast unbekummerte Anerkennung der medizinischen Wunder, die wir vollbringen.
Wir sind Diagnostiker, und als solche werden von uns medizinisch eben Wundertaten erwartet“, fuhr der Tralthaner fort. „Doch das Vollbringen wahrer medizinischer Wunder oder die radikalen chirurgischen Verfahren oder der erfolgreiche Abschlu? einer xenobiologischen Forschungsreihe kann fur eine bestimmte Sorte Arzt personlich unbefriedigend sein. Damit meine ich jene Praktiker, die trotz ihrer Begabung, Intelligenz und Hingabe an ihre Kunst fur die von ihnen geleistete Arbeit ein ziemliches Ma? an Anerkennung brauchen.“
Conway schluckte. So hatte der leitende Diagnostiker der Pathologie noch nie mit ihm gesprochen, und die Worte hatten eher zu einer Standpauke des Chefpsychologen uber seine personlichen Mangel gepa?t. Wollte Thornnastor, der Conways Vorliebe kannte, mit moglichst wenig Ruckfragen Entscheidungen zu treffen und Behandlungen einzuleiten, damit andeuten, da? er, Conway, lediglich nach Effekten hasche und deshalb zum Diagnostiker ungeeignet sei? Offenbar nicht.
„Als Diagnostiker findet man nur selten vollkommene Befriedigung, wenn man gute Arbeit abliefert, weil man sich nie ganz sicher sein kann, ob die geleistete Arbeit oder die Ideen, die man gehabt hat, von einem selbst stammen“, fuhr der Tralthaner fort. „Zugegebenerma?en statten einen die Schulungsbander nur mit dem Gedachtnis einer anderen Lebensform aus, aber die lediglich in der Einbildung vorhandene Verschmelzung mit der Personlichkeit desjenigen, der das Band zur Verfugung gestellt hat, hinterla?t bei einem das Gefuhl, alle Anerkennung, die zukunftiger Arbeit gebuhrt, teilen zu mussen. Hat der betreffende Arzt drei, funf, vielleicht sogar zehn Schulungsbander im Kopf gespeichert, dann ist das Lob sehr dunn gesat.“
„Aber niemand im Hospital wurde im Traum daran denken“, protestierte Conway, „einem Diagnostiker die gebuhrende Anerkennung vorzuenthalten, der.“
„Naturlich nicht“, unterbrach ihn Thornnastor. „Es ist ja auch der Diagnostiker selbst, der sich die Anerkennung versagt, nicht seine Kollegen. Das ist selbstverstandlich unnotig, gehort aber zu den personlichen Problemen, die man als Diagnostiker hat. Es gibt noch weitere, fur deren Uberwindung Sie Ihre eigenen Methoden finden mussen.“
Der Tralthaner hatte alle vier Augen herumgedreht, um Conway zu betrachten — ein seltenes Ereignis und gleichzeitig der Beweis, da? sich Thornnastors unerme?licher Verstand ausschlie?lich auf Conways Fall konzentrierte. Der Diagnostiker auf Probe lachte nervos.
„Dann ist es hochste Zeit, bei O'Mara vorbeizuschauen und mir ein paar Bander im Kopf speichern zu lassen, damit ich eine bessere Vorstellung davon habe, wie meine zukunftigen Probleme aussehen“, sagte er. „Ich denke, zuerst nehme ich ein Hudlarerband, dann eins von einem Melfaner und zum Schlu? noch ein kelgianisches. Wenn ich mich daran gewohnt habe, sofern ich mich jemals daran gewohne, werde ich O'Mara bitten, mir ein paar der ausgefalleneren.“
„Einige der geistig-seelischen Tricks meiner Kollegen sehen zum Beispiel so aus, da? sie ihrem Lebensgefahrten durchaus von den eigenen Problemen erzahlen konnen, aber unter gar keinen Umstanden
