merkwurdiges oder uncharakteristisches Verhalten darstellte.
„Du meinst, da? du ein Schulungsband im Kopf gespeichert hast und dich O'Mara nach Goglesk geschickt hat, ohne es zu loschen?“ fauchte Murchison ihn wutend an. „Was ist es denn, ein Tralthaner, ein Melfaner? Ich wei?, beide Spezies finden den Korper einer terrestrischen Frau alles andere als begehrenswert. Oder bist du freiwillig mit einem Schulungsband im Kopf in den Urlaub gegangen? Toller Urlaub!“
Conway schuttelte den Kopf. „Es ist kein Physiologieband, und O'Mara hat nichts damit zu tun. Ich hatte mit Khone einen sehr engen und ziemlich intensiven telepathischen Kontakt. Das ist ganz unvermutet passiert, ein Unfall, aber die gogleskanische FOKT-Klassiffkation besitzt einige au?ergewohnliche Verhaltensmerkmale, und dazu gehort auch.“
Bevor sich Conway zuruckhalten konnte, beschrieb er schon die Gesamtsituation auf Goglesk und seine Erlebnisse mit Khone und vor allem mit dem Gruppenwesen, das eine ganze Stadt zerstort hatte. Als eine der fuhrenden Pathologinnen des Hospitals, uber der nur noch der gro?e Thornnastor hochstpersonlich stand, hatte diese Schilderung eigentlich Murchisons fachliches Interesse erregen mussen. Das sollte zwar auch noch kommen, doch in diesem Moment war deutlich zu erkennen, da? sie an nichts anderes dachte als an den Zustand, in dem sie Conway noch ein paar Stunden zuvor vorgefunden hatte.
„Der fur mich wichtige Punkt ist, da? du niemanden an dich heranlassen willst, sofern er nicht wie ein bunter Heuhaufen aussieht“, sagte sie und versuchte dabei zu lacheln. „Als Entschuldigung ist das allemal besser als K opfschmerzen.“
Conway erwiderte das Lacheln. „Das stimmt uberhaupt nicht. Korperkontakt kann jederzeit hergestellt werden, ohne einen Zusammenschlu? herbeizufuhren, vorausgesetzt, es steckt eine Absicht dahinter, die etwas mit Fortpflanzung zu tun hat.“ Mit der einen Hand griff er nach oben und zog Murchisons Gesicht mit sanftem Druck seiner Handflache auf ihren Nacken zu sich herunter. „Mochtest du den letzten Satz noch mal horen?“
„Du bist au?erst geschwacht“, gab sie mit einem erleichterten Blick zu bedenken und versuchte, den Kopf unter seiner Hand herauszuziehen, wobei sie sich allerdings nicht sonderlich bemuhte. Conway spreizte die Finger in ihrem Haar und lie? auch nicht los, als ihre Gesichter nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt waren. „Du bringst mir noch die ganze Frisur durcheinander“, hauchte sie ihm ins Ohr.
Conway schob ihr die andere Hand um die Hufte. „Keine Angst. Dadurch bekommst du viel mehr Ahnlichkeit mit einem begehrenswerten Heuhaufen…“
Er hatte keinerlei Beschwerden und fuhlte sich auch nicht besonders geschwacht, aber auf einmal zitterte er, als ihn der verspatete Schock von dem Zwischenfall mit Khone uberkam. Plotzlich erinnerte er sich an die qualvollen Muskelkrampfe, und erst jetzt wurde ihm bewu?t, wie nah er dem Tod gewesen war. Murchison hielt ihn fest, bis das Zittern aufgehort hatte, und auch noch eine lange Zeit danach.
Da? sich der sanfte und verstandnisvolle Prilicla in seiner Unterkunft zwei Decks uber ihnen uber die emotionale Ausstrahlung jedes Lebewesens auf dem Schiff im klaren war, wu?ten sie beide. Der Empath wurde schon dafur sorgen, da? sie niemand storte, bis diese Art der Heilbehandlung abgeschlossen war.
Zehn Stunden spater — die Rhabwar hatte es nicht notig gehabt, auf dem Ruckfug irgendwelche Rekorde zu brechen — dockte das Ambulanzschiff an der Unfallaufnahmeschleuse auf Ebene einhundertdrei an. Oberschwester Naydrad, die es mit den Bestimmungen manchmal geradezu fanatisch genau nahm, bestand darauf, Conway mit der Trage auf die Beobachtungsstation zu bringen. Conway beharrte seinerseits genauso nachdrucklich darauf, wenigstens das Verdeck zuruckzuschieben und beim Transport aufrecht zu sitzen, um die terrestrischen und extraterrestrischen Kollegen zu beruhigen, die in der Einla?schleuse warteten und sich beunruhigt nach seinem Zustand erkundigten. Murchison hatte ihn verlassen, um Thornnastor Bericht zu erstatten, und Prilicla war vorausgegangen, um den etwas ungestumen Emotionen zu entgehen, die um Conways Trage herum ausgestrahlt wurden.
Doch auf der Beobachtungsstation brauchten der leitende Arzt und sein Stab weniger als eine Stunde, um die Untersuchung abzuschlie?en und Conways Selbstdiagnose zu bestatigen, da? er korperlich in jeder Hinsicht in guter Verfassung war.
Wiederum eine Stunde spater befand sich Conway im Buro von Major O'Mara, der sich um die korperliche Verfassung des Chefarztes keine uberma?igen Sorgen machte.
„Das ist nicht der ubliche Eindruck, den die Schulungsbander hervorrufen“, sagte der Chefpsychologe, als Conway seine Erlebnisse mit Khone beschrieben hatte. „Normalerweise sind auf einem Schulungsband ja samtliche Gehirnstrome desjenigen Wesens aufgezeichnet, von dem es zur Verfugung gestellt worden ist, und trotz der psychologischen Streiche, die demjenigen gespielt werden, der das Band im Kopf gespeichert hat, ist die Personlichkeit auf dem Band vollig von der des Empfangers getrennt. Die Aufnahme kann nicht verandert werden. Darum ist es moglich, das Band ohne schadliche Auswirkungen auf die Personlichkeit oder die Geistesverfassung des Empfangers wieder aus dessen Kopf zu loschen. Doch zwischen Ihnen und dieser Khone hat ein vollstandiger Austausch stattgefunden, und das bedeutet, Sie haben einen ganz schonen Schwall an Erinnerungen, Gefuhlen und Denkprozessen in den kargen Nahrboden Ihres Verstands aufgenommen, und die bedauernswerte Khone — Gott stehe ihrer geistigen Gesundheit bei! — hat wiederum einen ziemlich gro?en Teil Ihrer Welt abbekommen. Sowohl Ihr als auch Khones Verstand war sich des Vorgangs bewu?t und wurde durch ihn verandert. Aus diesem Grund sehe ich keine Moglichkeit, bei Ihnen gezielt die gogleskanischen Eindrucke zu entfernen, ohne Schaden an Ihrer Personlichkeit zu riskieren, so geschadigt diese bereits auch sein mag. Psychologisch gesehen hat, von beiden Gehirnen ausgehend, eine gegenseitige Beeinflussung stattgefunden.
Eine Moglichkeit gibt es allerdings, wenn auch nur eine geringe“, fuhr O'Mara murrisch fort. „Falls Khone uberredet werden konnte, hierherzukommen und ein eigenes Schulungsband zur Untersuchung zur Verfugung zu stellen, ware es moglich, etwas zu versuchen, das.“
„Sie wurde niemals hierherkommen“, erwiderte Conway.
„Nach dem zu urteilen, was Sie mir erzahlt haben, neige ich ausnahmsweise einmal dazu, Ihnen zuzustimmen“, sagte der Chefpsychologe, wobei sich sogar ein Anflug von Mitgefuhl in seine Stimme stahl. „Das hei?t, Sie sitzen jetzt mit Ihrem gogleskanischen Alter ego da, Conway. Ist es. schlimm?“
Conway schuttelte den Kopf. „Abgesehen davon, da? ich mir bei den Reaktionen auf eine bestimmte Situation manchmal nicht sicher bin, ob sie nun von mir ausgegangen ist oder von Khone, ist es auch nicht viel fremdartiger als ein Melfanerband. Ich glaube, ich werde ohne psychiatrischen Beistand damit fertig.“
„Gut“, erwiderte O'Mara trocken und fugte hinzu: „Wie ich Sie kenne, befurchten Sie, da? die Behandlung schlimmer als das Leiden selbst werden konnte, und da haben Sie wahrscheinlich auch recht.“
„Trotzdem gibt es noch etwas zu bedenken“, sagte Conway in bestimmtem Ton. „Die Geschichte mit den Gogleskanern, meine ich. Die gesamte Spezies wird durch einen artspezifischen Reflex am Fortschritt gehindert. Gegen dieses Problem mit dem zerstorungswutigen Gruppenwesen mussen wir irgend etwas unternehmen.“ „Nicht wir, sondern Sie werden etwas dagegen unternehmen mussen“, berichtigte ihn O'Mara, „und zwar neben ein paar anderen Aufgaben, die wir fur Sie vorgesehen haben. Schlie?lich sind Sie derjenige unter uns, der den besten Einblick in die Lage auf Goglesk hat, weshalb sollte ich also jemand anderen beauftragen? Doch zunachst einmal nehme ich an, da? Sie neben der Zerstorung gogleskanischer Stadte und dem fehlgeschlagenen Versuch, sich von Ihrer FOKT-Kollegin zu Tode stechen zu lassen, noch ein wenig Zeit fur die Entscheidung erubrigt haben, ob Sie sich nun um die Stelle eines Diagnostikers bemuhen wollen oder nicht. Wahrscheinlich haben Sie auch mit Ihrer personlichen Pathologin die damit verbundenen. ahm. Probleme bereits erortert, nicht wahr?“
Conway nickte. „Wir haben uns daruber unterhalten, und ich werde es versuchen. Aber was die anderen Aufgaben angeht, von denen Sie gesprochen haben ich bin mir nicht sicher, ob ich in der Lage bin.“
Der Chefpsychologe hob die Hand. „Naturlich sind Sie dazu in der Lage. Sowohl Chefarzt Prilicla als auch Pathologin Murchison haben Sie in jeder Hinsicht fur physisch und psychisch gesund erklart.“
Er blickte Conway fest ins Gesicht, dann fugte er hinzu: „Murchison ist nicht auf Einzelheiten eingegangen, sie hat nur gesagt, sie sei zufrieden. Haben Sie noch weitere Fragen?“
„Um wie viele weitere Aufgaben handelt es sich denn?“ erkundigte sich Conway argwohnisch.
„Um mehrere“, antwortete O'Mara. „Auf dem Video, das Sie sich im Vorzimmer geben lassen konnen, sind sie genau beschrieben. Ach ja, Doktor, ich hatte von Ihnen keine andere Entscheidung erwartet. Doch von nun an werden Sie fur Ihre Diagnosen, Entscheidungen und Behandlungsdirektiven ein gro?eres Ma? an Verantwortung auf sich nehmen mussen, als Sie es als Chefarzt gewohnt waren, und das fur Patienten, die normalerweise ausschlie?lich Ihre Untergebenen sehen werden, sofern nicht irgend etwas vollig danebengeht. Naturlich werden Sie weiterhin Kollegen vom Range eines Diagnostikers oder jedes anderen Dienstgrads um Rat und Hilfe bitten durfen, aber nur, wenn Sie mich und sich selbst davon uberzeugen konnen, da? Sie ohne eine derartige
