linken Bein. Zu keiner Bewegung fahig, fiel er auf die Seite und landete mit dem Gesicht zur durchsichtigen Trennwand auf dem Boden. Die beiden betroffenen Gliedma?en schienen in hellen Flammen zu stehen.

Nun befiel der Krampf auch die Muskeln im Nacken und im Bereich des Schulterblatts, und das Feuer breitete sich vom Einstich in der Hufte bis zu den Bauchmuskeln aus. Angstlich fragte er sich, ob das Gift auch die nicht dem Willen unterworfenen Muskeln in Mitleidenschaft ziehen wurde, insbesondere diejenigen, die zur Funktion von Herz und Lunge erforderlich waren. Sollte das der Fall sein, hatte er nicht mehr lange zu leben. Die Schmerzen waren derma?en stark, da? ihn der Gedanke an den Tod nicht so sehr erschreckte, wie er es eigentlich erwartet hatte. Voller Verzweiflung versuchte er, sich etwas einfallen zu lassen, was er noch vor dem Ohnmachtigwerden tun konnte.

„Wainright…“, stammelte er mit schwacher Stimme.

Khones Notruf war leiser geworden, und die Arztin hatte keinen weiteren Versuch unternommen, ihn zu stechen — offensichtlich stellte Conway keine Bedrohung mehr fur sie dar. Etwa einen Meter von ihm entfernt stand die Gogleskanerin, deren Haar von den flach am Kopf anliegenden Stacheln hin- und herbewegt wurde. Sie sah wie ein harmloser bunter Heuhaufen aus. Conway versuchte es noch einmal.

„Wainright“, sagte er langsam und mit Muhe. „Die gelb-schwarze Phiole. Injizieren Sie mir den gesamten Inhalt.“

Aber der Lieutenant befand sich nicht mehr auf der anderen Seite der Trennwand, und die Verbindungstur war immer noch geschlossen. Vielleicht hatte Wainright vor, um das Gebaude herum zur Au?entur zu eilen und Conway nach drau?en zu ziehen, aber er schaffte es nicht mehr, sich herumzudrehen, um nachzusehen. Allmahlich fiel es ihm schwer, uberhaupt noch etwas zu sehen.

Bevor er ohnmachtig wurde, bemerkte er noch regelma?ige Helligkeitsschwankungen in der Beleuchtung, die ihn an etwas erinnerten. Eine gro?e Energiebelastung, dachte er mit letzter Kraft, wie man sie braucht, um einen Funkspruch durch den Hyperraum zu senden.

9. Kapitel

Als er aus dem ungewohnten Blickwinkel des Patienten zu den Displays aufblickte und das angenehme Gefuhl geno?, seine von den qualvollen Krampfen befreiten Gliedma?en in voller Lange ausgestreckt zu haben, gewann Conway den Eindruck, an jedes Me?- und Uberwachungsgerat in der Anlage angeschlossen zu sein, das zur Verfugung stand. Er bewegte die Augen und erblickte Prilicla, der ihn von der Decke aus aufmerksam betrachtete, sowie Murchison und Naydrad, die auf der einen Seite am Bett standen und ebenfalls auf ihn heruntersahen. Zwischen ihnen befand sich ein auf einem langen, rohrenformigen Stiel sitzendes gro?es Auge, das Danalta in derselben Absicht voll ausgefahren hatte.

Conway befeuchtete sich die Lippen und fragte: „Was ist denn passiert?“

„Das ist eigentlich erst die zweite Frage“, entgegnete Murchison. „Die erste lautet stets: Wo bin ich?“

„Ich wei?, wo ich bin, verdammt noch mal. Auf dem Unfalldeck der Rhabwar. Und warum bin ich immer noch an dieses Ding angeschlossen? Du kannst doch bestimmt sehen, da? die Biosensoren ein optimales Niveau aller Lebensfunktionen anzeigen. Was ich wissen will, ist, wie ich hierhergekommen bin.“

Die Pathologin atmete schwach durch die Nase aus. „Das Denken und das Gedachtnis sind offensichtlich nicht beeintrachtigt worden, und du, braust genauso leicht auf wie immer. Aber du mu?t dich ausruhen. Die Wirkung des gogleskanischen Gifts ist zwar neutralisiert worden, aber trotz der Displayanzeigen bist du korperlich noch merklich erschopft und konntest aufgrund eines schweren geistigen Traumas durchaus noch einen verspateten Schock erleiden. Darum ist au?erste Ruhe angezeigt, und zwar wenigstens so lange, bis wir ins Hospital zuruckgekehrt sind und dich dort einer grundlichen Gesamtuntersuchung unterzogen haben.

Und glaub blo? nicht, du konntest mir gegenuber den Chefarzt spielen,

nur um aus dem Bett zu kommen“, fuhr sie mit sauselnder Stimme fort, als Conway in genau dieser Absicht den Mund offnete. „Diesmal bist du der Patient und nicht der Arzt, Doktor.“

„Dies ist ein guter Augenblick, um uns zuruckzuziehen und es Ihnen zu ermoglichen, die Ruhe zu finden, die Sie brauchen, mein Freund“, warf Prilicla an dieser Stelle ein. „Wir sind alle sehr erleichtert und freuen uns, da? Sie sich auf dem Weg der Besserung befinden, und ich glaube, es ware weniger anstrengend fur Sie, wenn wir jetzt alle hinausgehen, damit Freundin Murchison Ihre Fragen allein beantworten kann.“

Der GLNO eilte an der Decke entlang auf den Eingang zu, Naydrad murmelte irgend etwas vor sich hin, das der Translator nicht ubersetzte, und folgte dem Empathen. Danalta zog den Augenstiel ein, verfestigte sich zu einer dunkelgrunen, ungleichma?igen Kugel und rollte hinterher. Schweigend und mit mehr Konzentration, als die Arbeit normalerweise verdiente, nahm Murchison dem Chefarzt die uberflussigen Biosensoren ab und schaltete die Monitore aus.

„Was ist denn nun passiert?“ fragte Conway leise. Als er keine Antwort erhielt, fuhr er fort: „Dieses Gift. Ich habe versucht, mich selbst zu verknoten. Wainright sollte mir das Muskelrelaxans injizieren, aber er war nicht da. Dann, glaube ich mich zu erinnern, wurde das Licht schwacher, und ich wu?te, da? er den Hyperraumfunk benutzte. Aber ich habe nicht damit gerechnet, auf derRhabwar aufzuwachen.“

… oder uberhaupt wieder aufzuwachen, fugte er in Gedanken hinzu.

Noch immer ohne ihn anzublicken, erklarte Murchison, da? das Ambulanzschiff gerade mit der kompletten Besatzung an Bord direkt au?erhalb der Sprungdistanz zum Orbit Hospital neue Gerate getestet habe. Da ihnen die genauen Koordinaten von Goglesk bekannt gewesen seien, als der Hyperraumfunkspruch des Lieutenant einging, hatten sie mit startbereiter Landefahre in unmittelbarer Nahe des Planeten in den Normalraum eintreten konnen, und seien so in der Lage gewesen, Conway in etwas weniger als vier Stunden zu erreichen.

Als sie ihn gefunden hatten, habe er immer noch versucht, sich zu verknoten, doch seien die Muskelkrampfe durch die Verabreichung einer starken Dosis des Relaxans DM82 wesentlich verringert worden. Dadurch hatten sich die Verkrampfungen in Grenzen gehalten, so da? er sich keine Knochen gebrochen oder irgendwelche Muskeln oder Sehnen gerissen habe. Er habe sehr gro?es Gluck gehabt.

Conway nickte und entgegnete mit ernster Stimme: „Also hat es der Lieutenant tatsachlich noch geschafft, mit dem Muskelrelaxans rechtzeitig zu mir zu gelangen. Ich wurde sagen, keine Sekunde zu spat.“

Murchison schuttelte den Kopf. „Es war die einheimische Gogleskanerin namens Khone, die dir das DM82 verabreicht hat. Nachdem sie dich um ein Haar umgebracht hatte, hat sie dir das Leben gerettet! Als wir dich von dort fortgeschafft haben, hat sie uns standig von weitem gefragt, ob du auch wirklich wieder gesund wirst, und erst damit aufgehort, als die Einstiegsluke geschlossen war. Da hast du dir ja eine merkwurdige Freundin angelacht, Doktor.“

„Um mir diese Spritze zu geben, mu?te sie sich psychisch ungeheuer anstrengen, vielleicht mehr, als ich es unter den gleichen Umstanden gekonnt hatte“, merkte Conway an. „Wie nah ist sie denn an euch herangekommen, als ihr mich zur Landefahre gebracht habt?“

Murchison uberlegte einen Augenblick lang und antwortete dann: „Als Lieutenant Haslam, der die Fahre geflogen hat, und ich von Wainright an der Schleuse empfangen wurden, hat sie sich uns bis auf etwa zwanzig Meter genahert. Als dann Naydrad, Prilicla und Danalta mit der Trage herausgekommen sind, wurde sie immer unruhiger und hat sich ungefahr auf die doppelte Entfernung zuruckgezogen. Wainright hat uns erzahlt, was zwischen dir und Khone alles vorgefallen ist. Naturlich haben wir nichts getan oder gesagt, was von ihr als feindlicher Akt ausgelegt werden konnte. Ehrlich gesagt hatte ich ihr fur das, was sie dir angetan hat, trotzdem gerne einen Tritt in das Korperteil gegeben, wo sich bei ihr der Musculus glutaeus maximus befindet. Vielleicht hat sie einfach Angst vor der Strafe gehabt.“

„So gut, wie ich Khones Gefuhle kenne, hatte sie die Strafe gerne auf sich genommen“, erwiderte Conway mit ernster Miene. Erneut atmete Murchison durch die Nase aus und setzte sich auf die Bettkante, wobei sie sich Conway mit dem Gesicht zuwandte und sich mit den Handen auf der Decke neben seinen Schultern abstutzte. Auf ihrem Gesicht war nun auch nichts mehr von der kuhlen Sachlichkeit zu sehen, und mit zittriger Stimme sagte sie: „Verdammt, Doktor, du hast dich beinahe umgebracht.“

Plotzlich hatten sich ihre Arme um ihn geschlungen, und ihr Gesicht befand sich nah an seinem. Ohne zu uberlegen, zog Conway schnell den Kopf weg. Mit einem uberraschten Blick richtete sich Murchison auf.

„Ich. ich bin heute nicht ganz auf dem Posten“, entschuldigte er sich. Wiederum ohne nachzudenken, hatte er sich der stehenden Redewendung bedient, die am Orbit Hospital die annehmbare Entschuldigung fur

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