Ge eingestellte Gravitationsgurtel und schwere Schutzanzuge zu tragen, deren dicke Handschuhe durch enganliegende Operationsmembranen ersetzt worden waren, die die Auswirkungen des hohen Au?endrucks auf ein Mindestma? herabsetzen sollten.

Wie ein Schwarm unbeholfener Fische scharten sie sich um den Patienten, die bereit waren, mit dem chirurgischen Knabbern zu beginnen, dachte Conway.

„Die hinteren Glieder sind mit oberflachlichen Verletzungen davongekommen und werden auf naturlichem Wege verheilen“, berichtete Yarrence, eher fur die mitlaufenden Aufnahmegerate als fur Conway. „Die beiden mittleren und die linke vordere Gliedma?e sind abgetrennt worden, und die Stumpfe mussen operativ zugeschnitten und mit Kappen bedeckt werden, um sie fur das Anpassen von Prothesen vorzubereiten. Das rechte Vorderglied sitzt immer noch am Korper, ist aber so stark zerquetscht, da? trotz der Bemuhungen, die Blutzufuhr zu den betroffenen Bereichen wiederherzustellen, bereits Wundbrand eingetreten ist. Diese Gliedma?e mu? amputiert werden und der Stumpf..“

Zwar wurde der FROB in seinem Kopf plotzlich furchtbar unruhig und schien Einwendungen erheben zu wollen, aber Conway schwieg, weil er nicht wu?te, wogegen sich sein hudlarischer Gehirnpartner wehrte.

„…mit einer Kappe versehen werden“, fuhr der kelgianische Chefarzt fort. „In den rechten Brustbereich ist ein Metallsplitter eingedrungen und hat eine wichtige Vene verletzt, deren Blutung durch die Anwendung von au?erem Druck nicht ganz eingedammt worden ist. Dieser Zustand mu? dringend korrigiert werden. Auch der Schadel weist eine Verletzung auf, eine gro?e Trummerfraktur, die den Hauptnervenstrang zusammenpre?t und die Beweglichkeit der hinteren Gliedma?en beeintrachtigt. Die Genehmigung vorausgesetzt“, Yarrence warf einen kurzen Blick in Conways Richtung, „werden wir die verletzte Vordergliedma?e amputieren, was den Mitgliedern des Teams, die am Schadelbereich operieren, einen leichteren Zugang ermoglicht, und die Stumpfe auf das Anpassen.“

„Nein“, schnitt ihm Conway in bestimmtem Ton das Wort ab. Zwar konnte er unter dem schweren Schutzanzug nichts weiter als den kegelformigen Kopf des Kelgianers erkennen, doch fiel es ihm nicht schwer, sich vorzustellen, wie dessen Fell vor Wut Buschel bildete. „Bedecken Sie die Stumpfe der Vorderglieder nicht mit Kappen, sondern bereiten Sie sie statt dessen fur die Ubertragung und Transplantation der hinteren Gliedma?en vor. Ansonsten ist Ihre Ma?nahme so, wie Sie sie umrissen haben, genehmigt.“

„Fur den Patienten besteht dann aber ein gro?eres Risiko, und die Operationsdauer wird um wenigstens zwanzig Prozent erhoht“, widersprach Yarrence in scharfem Ton. „Halten Sie das fur wunschenswert?“

Einen Moment lang schwieg Conway und dachte uber die verschiedenen Lebensqualitaten nach, die den Patienten nach dem Gelingen der einfachen beziehungsweise nach der komplizierteren Operation erwarteten. Verglichen mit den ungeheuer kraftigen und exakt kontrollierbaren Vordergliedern eines normalen FROB waren die ausziehbaren, dreh- und schwenkbaren Prothesen geradezu lachhaft schwach und nutzlos. Au?erdem fanden es hudlarische Amputierte vom asthetischen Standpunkt her als unangenehm und peinlich, wenn die Vorderglieder kunstlich waren,

zumal diese den Augen am nachsten lagen und fur die feinfuhligeren korperlichen Tatigkeiten benutzt wurden, zu denen auch die langen und komplizierten Einleitungen zur Paarung gehorten. Folglich war es unendlich besser — wenn auch angesichts des geschwachten Zustands des Patienten riskant —, die hinteren Gliedma?en nach vorne zu verpflanzen, weil der FROB im Falle eines Gelingens der Operation uber Vorderglieder verfugen wurde, die nur geringfugig weniger feinfuhlig und prazise als die Originale waren. Da die Gliedma?en von demselben Lebewesen stammten, durfte es auch keine Schwierigkeiten mit dem Immunsystem oder mit Gewebeabsto?ungen geben.

Der Hudlarer in Conways Kopf behauptete beharrlich, da? er die Risiken au?er acht lasse, wahrend sich sein eigener Verstand verzweifelt bemuhte, sie zu verringern.

„Verschieben Sie die Transplantation, bis die Brust- und Schadeloperationen erfolgreich abgeschlossen sind — sonst ware die Verpflanzung vergebliche Muhe“, sagte er schlie?lich. „Vergessen Sie nicht, regelma?ig die Haut zu reinigen und danach wieder mit Betaubungsmittel zu bespruhen. In Fallen wie diesem wird namlich der Absorptionsmechanismus stark in Mitleidenschaft gezogen, und zwar von dem allgemeinen Zustand der.“

„Ich wei?, ich wei?.“, unterbrach ihn Yarrence ungeduldig.

„Naturlich wissen Sie das“, fuhr Conway fort. „Sie haben ja auch das Hudlarerband im Kopf gespeichert, wahrscheinlich sogar dasselbe wie ich. Die Operation enthalt ein gro?es Gefahrenelement, liegt aber ohne weiteres im Bereich Ihrer Fahigkeiten, und wenn der Patient bei Bewu?tsein ware, hatte ich keinen Zweifel, da? er.“

„Ich will das Risiko ja auch eingehen“, schnitt ihm Yarrence zum zweitenmal das Wort ab. „Aber wenn der Hudlarer in meinem Kopf so denkt, fuhle ich mich als Chirurg verpflichtet, in seinem Interesse zur Vorsicht zu raten. Doch stimme ich Ihnen in allen Belangen zu, Conway — der Eingriff ist absolut wunschenswert.“

Conway loste sich vom Operationsgestell und machte Yarrence auf diese Weise indirekt das Kompliment, nicht die Anfangsstadien der Operation beobachten zu wollen. Um die au?erst widerstandsfahige Haut eines FROB aufzuschneiden, brauchte man jedenfalls eher die Instrumente einer Reparaturwerkstatt als die eines Operationssaals, weil beim Einsatz feiner Laserstrahlen, der bei inneren chirurgischen Eingriffen eigentlich unumganglich war, am Rand kauterisierte Wunden entstanden, wodurch das Verheilen an den Hauteinschnitten ernstlich gehemmt wurde. Bei den Klingen, die benutzt werden mu?ten, handelte es sich um kelgianische Skalpelle der Gro?e sechs mit zwei Griffen, die sowohl mit viel korperlicher Anstrengung als auch mit einem hohen Ma? an geistiger Konzentration benutzt werden mu?ten, und haufig drohte dabei dem Arzt von der Klinge gro?ere Gefahr als dem Patienten. Dies schien der geeignete Zeitpunkt, Yarrence von jeder unnotigen Ablenkung zu befreien, wozu auch die Anwesenheit eines angehenden Diagnostikers gehorte, und sich zu FROB zehn zu begeben.

Auf den ersten Blick war klar, da? dieser Patient seinen Heimatplaneten nie wiedersehen wurde. Funf der sechs Gliedma?en waren entweder beim Unfall gewaltsam abgetrennt oder uber jegliche Moglichkeiten operativer Wiederherstellung hinaus verletzt worden. Zudem hatte sich der FROB eine tiefe Schnittwunde an der linken Korperhalfte zugezogen, die sich bis ins Absorptionsorgan dieser Seite erstreckte und dessen Funktion lahmgelegt hatte. Durch die Dekompression, so kurz sie auch gewesen war, bevor sich die selbstschlie?ende Rettungsblase des Opfers in der Unterkunft ausgebreitet hatte, war auch das Absorptionsorgan auf der rechten Seite in Mitleidenschaft geraten, da die Korperflussigkeit schlagartig zu der offenen, Nulldruck ausgesetzten Schnittwunde auf der linken Seite gestromt war. Aus diesem Grund konnte FROB zehn kaum noch genugend von dem Nahrungspraparat zum Weiterleben aufnehmen, und das galt auch nur dann, wenn er sich nicht in irgendeiner Weise anstrengte.

Einen sich standig ausruhenden FROB konnte man sich nur schwer vorstellen. Wenn so etwas uberhaupt moglich war, dann wurde es sich dabei auf jeden Fall um einen hochst unglucklichen Hudlarer handeln.

„Ein Eingriff, bei dem allerlei ausgetauscht werden mu?“, berichtete Chefarzt Edanelt gerade, wobei er auf den sich nahernden Conway ein Auge richtete und ihn nun damit ansah. „Wenn wir ein wichtiges inneres Organ ersetzen mussen, hat es keinen Zweck, statt echter Gliedma?en Prothesen anzupassen. Aber das macht mir Sorgen, Conway. Mein hudlarisches Alter ego empfiehlt mir, uns mit diesem FROB nicht allzuviel Muhe zu geben, wahrend sich mein eigener, rein selbstsuchtiger melfanischer Verstand in erster Linie dafur interessiert, mehr chirurgische Erfahrungen mit anderen Spezies zu sammeln.“

„Sie gehen mit sich selbst zu streng ins Gericht“, entgegnete Conway und fugte dann nachdenklich hinzu: „Andererseits bin ich sehr froh, da? das Hospital Verwandte vom Besuch der Patienten abhalt. Das postoperative Gesprach mit dem Patienten ist schon schlimm genug, insbesondere in einem Fall wie diesem.“

„Falls Ihnen die Aussicht darauf schwere psychische Qualen bereitet, ubernehme ich es gern, Sie davon zu befreien“, schlug Edanelt schnell vor.

„Danke, nein“, antwortete Conway, obwohl er sich versucht fuhlte. „Das ist jetzt ja meine Aufgabe.“ Schlie?lich war er bei diesen Fallen der leitende Diagnostiker.

„Naturlich“, sagte Edanelt. „Gehe ich recht in der Annahme, da? die Ersatzorgane und — glieder sofort zur Verfugung stehen?“

„Patient achtzehn ist vor ein paar Minuten gestorben“, antwortete Conway. „Die Absorptions- und Verdauungsorgane sind unversehrt, und es sind drei verwendbare Gliedma?en vorhanden. Von Thornnastor werden Sie weitere erhalten, sobald oder falls Sie welche brauchen. Der Unfall war so schlimm, da? er uns keinen Mangel an Ersatzorganen beschert hat.“

Als er den Satz beendet hatte, befestigte sich Conway neben Edanelt an dem Operationsgestell und besprach mit ihm die besonderen Schwierigkeiten, die sich bei diesem Fall ergeben wurden, insbesondere die

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