Notwendigkeit, drei gro?ere Eingriffe gleichzeitig vorzunehmen.

Wegen der Art der Verletzungen von FROB zehn war das Absorptionssystem zu weniger als funfzig Prozent funktionsfahig, und sogar dieser Zustand konnte nur noch unter gro?en Schwierigkeiten aufrechterhalten werden. Zudem war es keineswegs sicher, da? sich die Verfassung nicht im Verlauf der nachsten Stunden weiter verschlechterte. Da der Absorptionsmechanismus entweder das Betaubungsmittel oder das Nahrungspraparat aufnehmen konnte, aber nicht beides gleichzeitig, war es unbedingt erforderlich, die Narkose des Patienten so kurz wie moglich zu halten. Und wahrend es sich bei der Verpflanzung der Gliedma?en um relativ simple mikrochirurgische Eingriffe handelte, wurde die Entnahme des zerstorten Organs bei FROB zehn und die des gesunden bei dem verstorbenen FROB achtzehn kompliziert und nur geringfugig weniger schwierig werden, als das Spenderorgan in den Empfanger zu verpflanzen.

Unter den der galaktischen Foderation bekannten warmblutigen, sauerstoffatmenden Lebensformen waren die Absorptionsorgane der FROBs etwas Einzigartiges — obwohl die Hudlarer genaugenommen gar nicht atmeten. Unter der Haut auf jeder Korperseite gelegen, stellten die Organe gro?e halbkreisformige und uberaus komplexe Gebilde dar, die mehr als ein Sechstel des Korpervolumens einnahmen und an ihren oberen Randern vom Ruckgrat geteilt wurden. Sie bildeten mit der Haut ein Ganzes, die an den entsprechenden Stellen von Tausenden von kleinen Schlitzen durchlochert war. Die Offnungs- und Schlie?bewegungen dieser Schlitze wurden von einem Geflecht willkurlicher Muskeln gesteuert, und sie erstreckten sich bis zu einer Tiefe in den Korper, die ungefahr zwischen funfundzwanzig und vierzig Zentimetern schwankte.

Da die beiden gro?en Organe sowohl als Magen als auch als Lunge fungierten, nahmen sie die Mischung aus Nahrungspraparat und Luft auf, aus der die dichte, suppenartige Atmosphare des Planeten Hudlar bestand, verarbeiteten in beachtlich kurzer Zeit die verwertbaren Inhaltsstoffe des gasformigen Gemischs aus flussigen und festen Bestandteilen und leiteten die Ruckstande in ein einzelnes, kleineres und biologisch weniger komplexes Organ an der Unterseite des Korpers, wo die Abfallstoffe als eine milchige Flussigkeit ausgeschieden wurden.

Da die beiden Herzen — die, geschutzt von der den Korper in der Mitte durchziehenden Wirbelsaule, hintereinander zwischen den Absorptionsorganen lagen — das Blut mit einer solchen Geschwindigkeit und einem derartigen Druck zirkulieren lie?en, waren die fruhen Versuche der Hudlarerchirurgie fur die Patienten ausgesprochen riskant gewesen. Seit dem Eintritt des Planeten in die Foderation hatte man jedoch eine Menge chirurgischer Fachkenntnisse uber FROBs gesammelt, und, was noch wichtiger war, ein Hudlarer war nur sehr schwer zu toten.

Sofern er nicht, wie in diesem Fall, schon mehr als halbtot war.

Ein gro?er Vorteil bestand fur das Team darin, da? es sich bei samtlichen Eingriffen, den verschiedenen Verpflanzungen der Gliedma?en und der Absorptionsorgane, um offene Operationen handelte. Das angestrengte Suchen und Schneiden und Nahen in winzigen, begrenzten Organzwischenraumen wurde es also gar nicht erst geben. Falls erforderlich, konnten mehrere Chirurgen am Operationsfeld gleichzeitig arbeiten, und Conway wu?te mit Sicherheit, da? das Operationsgestell von FROB zehn schon bald der belebteste Ort im ganzen Krankenhaus sein wurde.

Als Edanelt den Schwestern die letzten Anweisungen erteilte, in welche Lage der Patient zu bringen sei, wandte sich Conway ab, um nach FROB dreiundvierzig zu sehen. Allmahlich bekam er das Gefuhl, wieder im Weg zu sein, einen Eindruck, an den er sich in zunehmendem Ma?e gewohnt hatte, seit es sein standiger Aufstieg in den vergangenen Jahren immer haufiger erforderlich gemacht hatte, Vollmachten und Verantwortlichkeiten auch an andere zu ubertragen. Wie er zudem wu?te, war Edanelt als einer der fuhrenden Chefarzte des Hospitals ein viel zu verantwortungsbewu?ter Arzt, als da? er auch nur eine Sekunde lang zogern wurde, um Conway um Hilfe zu bitten, falls er tatsachlich in Schwierigkeiten geraten sollte.

Schon eine oberflachliche Untersuchung von FROB dreiundvierzig hatte ergeben, da? es nicht schlecht um die Patientin stand. Alle sechs Glieder waren noch vorhanden und befanden sich in eindeutig unverletztem Zustand, die porose Haut uber den Absorptionsorganen war unversehrt, und der Schadel und das Ruckgrat hatten, wie deutlich zu sehen war, keine Schaden davongetragen — obwohl sich diese Hudlarerin in einem Abschnitt der zerstorten Wohneinheit befunden hatte, in dem die schwersten Opfer zu beklagen waren. In den Aufzeichnungen zu diesem Fall fand sich die kurze Erwahnung, da? sie durch den Korper eines anderen FROB, der nur geringe Uberlebenschancen besa?, geschutzt worden war.

Doch das Opfer des Gefahrten von FROB dreiundvierzig — aller Wahrscheinlichkeit nach ihr Lebensgefahrte — war vielleicht vergebens gewesen. Direkt unterhalb der Mittelgliedma?e an der rechten Unterseite des Korpers von FROB dreiundvierzig befand sich namlich eine tiefe, von einem provisorischen Druckverband bedeckte Stichwunde, die von einem Stuck Metallstange verursacht worden war, das die Haut wie ein stumpfer Speer durchbohrt hatte. Dabei war die Gebarmutter an der Seite aufgerissen worden — die Patientin hatte zur Zeit des Unfalls dem weiblichen Geschlecht angehort —, und obwohl die Stange die Hauptblutgefa?e in diesem Bereich verfehlt hatte, war sie nur wenige Millimeter vor dem hinteren Herzen steckengeblieben.

Der Fotus schien in gutem Zustand zu sein, auch wenn die Metallstange wenige Zentimeter an seiner Wirbelsaule vorbeigegangen war. Wahrend das Herz selbst keine Schaden aufwies, hatte das stumpfe Ende der Stange die Blutzufuhr zur Herzmuskulatur auf der entsprechenden Seite so stark abgeklemmt, da? bleibende Schaden aufgetreten waren. Zwar wurde die Herztatigkeit durch das Lebenserhaltungssystem aufrechterhalten, doch selbst mit dieser Unterstutzung drohte ein Herzstillstand, so da? eine Transplantation dringend angezeigt war. Conway seufzte, da er nach der Operation eine weitere emotional schmerzhafte Erfahrung auf sich zukommen sah.

„Zur Transplantation steht das Herz von FROB achtzehn zur Verfugung“, sagte er Hossantir, dem tralthanischen Chefarzt, der die Operation von FROB dreiundvierzig leitete. „Wir entnehmen ihm bereits die Absorptionsorgane und samtliche unverletzten Gliedma?en, also durfte es ihm nichts ausmachen, uns auch sein Herz zu spenden.“

Hossantir richtete eins seiner vier Augen auf Conway und entgegnete: „Da FROB achtzehn und dreiundvierzig Lebensgefahrten waren, haben Sie hochstwahrscheinlich recht.“

„Das wu?te ich gar nicht“, erwiderte Conway unangenehm beruhrt, da er eine indirekte Kritik des Tralthaners an seinem respektlosen Gerede vermutete; denn die FGLIs hielten — im Gegensatz zu den Hudlarern — ihre jungst Verstorbenen in hohen Ehren. „Wie werden Sie vorgehen?“ fragte er den Tralthaner.

Hossantir hatte vor, das immer noch in der Wunde steckende Stuck Metallstange dort zu lassen. Von den Mitgliedern des Rettungsteams war es direkt an der Haut abgeschnitten worden, um die Verungluckte leichter transportieren zu konnen, doch sie hatten klugerweise nicht die gesamte Stange entfernt, weil sie die Verletzungen sonst womoglich noch verschlimmert hatten. Da das untere Ende der Stange durch die Stillung der tieferen inneren Blutungen einen guten Zweck erfullte, wurde das vordringliche Vernahen des Risses in der Gebarmutter bedeuten, da? die fur die spater erfolgende Herztransplantation erforderlichen Instrumente an der Gebarmutter vorbeikommen mu?ten, ohne dabei den Fotus zu gefahrden.

Die Wundoffnung befand sich zwar nicht an der Stelle, die Hossantir fur eine Herztransplantation gewahlt hatte, lag aber fur das nach der operativen Vergro?erung angestrebte Ziel nahe genug — ein Verfahren, durch das man vermied, die Patientin dem zusatzlichen seelischen Schock eines weiteren tiefen Einschnitts auszusetzen.

Als der Tralthaner seine Erlauterungen beendet hatte, sah sich Conway das Operationsgestell und die Operationsmannschaft an, die schwerelos in der Nahe schwebte. Sie bestand aus einem Melfaner, zwei Orligianern und einem weiteren Tralthaner, die allesamt Assistenzarzte waren, sowie aus funf kelgianischen und zwei ianischen Schwestern, die ihn samt und sonders schweigend musterten. Conway wu?te nur zu gut, da? Chefarzte auf scheinbare Eingriffe in ihre Autoritat au?erst empfindlich reagieren konnten, insbesondere, wenn sie aufgrund eines einfachen Versaumnisses ihrerseits die Anweisung erhielten, etwas Bestimmtes zu tun. Sein kelgianisches Alter ego wollte ihn direkt zur Sache kommen lassen, wahrend der tralthanische Bestandteil seines Gehirns zu einem diplomatischeren Ansatz riet.

„Selbst nach einer operativen Vergro?erung der Wunde wird der Zugriff auf das Operationsfeld eingeschrankt sein“, sagte er vorsichtig.

„Naturlich“, erwiderte Hossantir.

Jetzt versuchte Conway es auf direkterem Weg. „Es werden nicht mehr als zwei Chirurgen gleichzeitig operieren konnen. Folglich ist ein betrachtlicher Teil Ihres Teams uberflussig.“

„Selbstverstandlich“, bestatigte Hossantir.

„Chefarzt Edanelt braucht Hilfe“, gab Conway nun unmi?verstandlich zu verstehen.

Zwei von Hossantirs Augen schwenkten herum und verfolgten die an Edanelts Gestell stattfindenden

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