Vorbereitungen. Dann teilte der Tralthaner schnell seine beiden orligianischen und den tralthanischen Arzt zur Unterstutzung des anderen Chefarzts ein und gab ihnen die Anweisung, um die Hilfe von Schwestern zu bitten, sowie oder falls dies erforderlich sein sollte.
„Das war unverzeihlich selbstsuchtig und gedankenlos von mir“, entschuldigte sich Hossantir bei Conway. „Ich danke Ihnen fur die taktvolle Art, in der Sie mich vor meinen Untergebenen an meine Unachtsamkeit erinnert haben. Aber seien Sie bitte in Zukunft etwas direkter. Ich habe standig ein kelgianisches Schulungsband im Kopf gespeichert und werde an einem scheinbaren Eingriff in meine Autoritat keinen Ansto? nehmen. Offen gestanden beruhigt mich Ihre Anwesenheit au?erordentlich, Conway, da meine Erfahrungen mit tiefen operativen Eingriffen bei Hudlarern nicht sonderlich umfangreich sind.“
Wenn ich meine eigenen Erfahrungen auf dem Gebiet hudlarischer Chirurgie einzeln aufzahlen mu?te, dachte Conway sarkastisch, warst du moglicherweise von meiner Anwesenheit uberhaupt nicht mehr beruhigt.
Dann lachelte er plotzlich, als er sich erinnerte, wie O'Mara die Funktion eines Diagnostikers im Operationssaal sardonisch als gro?tenteils psychologisch bezeichnet hatte — der Diagnostiker war vor allem anwesend, um sich Sorgen zu machen und die Verantwortung zu ubernehmen, die seine Untergebenen moglicherweise nicht tragen konnten.
Wahrend er zwischen den drei Patienten umherging, rief er sich seine ersten Jahre nach der Beforderung zum Chefarzt in Erinnerung und wie er die Verantwortung ubernommen und manchmal geradezu eifersuchtig gehutet hatte. Bei der Arbeit unter Aufsicht hatte er stets zu beweisen versucht, da? der anwesende Diagnostiker eigentlich uberflussig war. Mit der Zeit war ihm das immer erfolgreicher gelungen, denn die Aufsicht hatte sich auf ein Mindestma? beschrankt und hin und wieder sogar vollig gefehlt. Einige Male war es allerdings auch vorgekommen, da? Thornnastor oder einer der anderen Diagnostiker, die Conway bei den Operationen im Nacken gesessen und ihn argerlicherweise abgelenkt hatten, hereinkam und auf diese Weise sowohl das Leben eines Patienten als auch die beruffiche Laufbahn eines frischgebackenen Chefarzts rettete, dessen Begeisterung zeitweilig an Verantwortungslosigkeit grenzte.
Wie es diese Diagnostiker geschafft hatten zuzusehen, ohne einzuschreiten, Alternativma?nahmen vorzuschlagen oder ihn in jeder Phase schrittweise anzuleiten, wu?te Conway nicht, weil er es selbst fast unmoglich fand, so zu verfahren.
Wahrend die Stunden verstrichen, gelang es ihm, mit dem fast Unmoglichen fortzufahren und seine Aufmerksamkeit zwischen den Operationsplatzen von Yarrence, Edanelt und Hossantir und den Tatigkeiten rings um den verstorbenen FROB achtzehn aufzuteilen, bei dem die zur Entnahme der Spenderorgane und der Glieder notwendigen Eingriffe mit der gleichen Sorgfalt und Prazision vorgenommen wurden wie bei den Empfangern. Bei diesen Arbeiten gab es mehrere Aspekte, zu denen er sich hatte au?ern konnen, allerdings nicht in allzu kritischen Worten, deshalb schwieg er und erteilte nur Ratschlage, wenn er darum gebeten wurde. Doch obwohl die drei Chefarzte hervorragende Arbeit leisteten und er sorgfaltig darauf achtete, seine Zeit gleichma?ig unter ihnen aufzuteilen, beobachtete er Hossantir am genauesten. Wenn einer der Patienten Schwierigkeiten bereiten wurde, dann FROB dreiundvierzig.
Es geschah in der funften Stunde der verschiedenen chirurgischen Eingriffe. Die Operation des eingedruckten Schadelbruchs und der Arterien bei FROB drei war gut verlaufen, und die weniger kritische Verpflanzung der Gliedma?en ging in zufriedenstellender Weise voran. Bei FROB zehn waren die Transplantation der Absorptionsorgane abgeschlossen und die Dekompressionsschaden behoben worden, so da? sich auch dieser Patient nur noch den langwierigen mikrochirurgischen Arbeiten an den Gliedma?en unterziehen mu?te. Darum war es nur naturlich, da? sich Conway am Gestell von FROB dreiundvierzig festhakte, um Hossantir bei den au?erst heiklen ersten Schritten zuzusehen, das Spenderherz in den neuen Korper einzusetzen.
Plotzlich scho? lautlos eine Fontane Hudlarerblut hervor.
15. Kapitel
Hossantir stie? einen Laut aus, der nicht ubersetzt wurde, und seine Greiforgane, die die Instrumente mit den langen Griffen hielten, tasteten ungeheuer langsam in dem vollkommen vom Blut verdeckten Operationsfeld umher. Sein Assistent, dessen Bewegungen ebenfalls jede Eile vermissen lie?en — was nur auf den subjektiven Eindruck der sich in Conways Kopf uberschlagenden Gedanken zuruckzufuhren sein konnte —, fuhrte eine Klammer ein, konnte jedoch nicht das blutende Gefa? finden. Dank der Ubung, auf solche Notfalle schnell und sicher zu reagieren, bewegte sich Conway nicht langsam.
Er konnte sich uberhaupt nicht bewegen.
Seine Hande, seine dummen funfingrigen, terrestrischen und vollig fremdartigen Hande zitterten unkontrollierbar, wahrend sich sein aus vielen Teilen bestehender Verstand verzweifelt zu entscheiden bemuhte, was er mit ihnen anstellen sollte.
Da? Arzten, die zu viele Bander im Kopf gespeichert hatten, etwas Derartiges zusto?en konnte, wu?te Conway, aber ihm war auch klar, da? es nicht zu oft geschehen durfte, wenn der betreffende Arzt hoffte, seinen Weg als Diagnostiker erfolgreich zu gehen. Krampfhaft versuchte er, die widerstreitenden Parteien in seinem Kopf zur Ordnung zu bringen, indem er sich an O'Mara erinnerte, der, was konfuses Denken betraf, absolut kein Mitgefuhl besa? — vor allem erfuhr er aus der Erinnerung an den Chefpsychologen, was die Schulungsbander bedeuteten und — noch wichtiger — was sie nicht bedeuteten.
Egal, welche subjektiven Eindrucke er hatte, die fremden Personlichkeiten, die offenbar den Verstand mit ihm teilten, ubernahmen nicht die Kontrolle daruber — sein terrestrisches Gehirn hatte lediglich eine gro?e Menge extraterrestrischen Wissens erhalten, aus dem es schopfen konnte. Doch es war au?erst schwierig, sich selbst davon zu uberzeugen, da die Kenntnisse von anderen Spezies in seinem Kopf von Arzten stammten, die ganz eigene Vorstellungen davon hatten, wie er auf diesen Notfall reagieren sollte.
Diese Vorstellungen waren au?erst gut, besonders die des melfanischen und des tralthanischen Bestandteils. Doch sie erforderten den Einsatz der Zangen der ELNTs beziehungsweise der primaren Greiforgane der FGLIs, nicht terrestrischer Finger, und Conway wurde dazu gedrangt, zu viele Dinge auf einmal mit den falschen Organen zu tun.
Hossantirs melfanischer Assistent, dessen Kennkarte, wie alles in unmittelbarer Nahe des Operationsfelds, durch den blutigen Spruhnebel nicht zu erkennen war, rief in eindringlichem Ton: „Ich kann nichts mehr sehen. Mein Visier ist vollig.“
Schnell sauberte ihm eine der Schwestern den Helm vor den Augen, ohne Zeit mit dem Rest der durchsichtigen Kugel zu verschwenden. Aber wahrend Conway hinsah, wurde das runde Etwas schon wieder von einem feinen, gelben Spruhnebel bedeckt. Und das war nicht das einzige Problem, denn die Lichtquellen der Instrumente tief im Operationsfeld waren genauso getrubt.
Der tralthanische Chefarzt war der Blutfontane am nachsten gewesen, deshalb war nur der Vorderteil seines Kugelhelms betroffen. Eins seiner Augen schwenkte nach hinten, um Conway durch die immer noch durchsichtige hintere Halfte zu betrachten.
„Wir benotigen Hilfe, Conway. Konnen Sie uns einen Vorschlag machen?“ setzte Hossantir an. Dann bemerkte er die zitternden Hande des Diagnostikers in spe und fragte: „Ist Ihnen nicht gut?“
Langsam ballte Conway die Fauste — alles schien im langsamsten Zeitlupentempo abzulaufen — und antwortete: „Das ist nur vorubergehend.“
das hoffe ich jedenfalls, fugte er im stillen hinzu.
Aber die fremden Personlichkeiten, die nicht wirklich da waren, verlangten immer noch lautstark um Aufmerksamkeit. Er versuchte, immer alle bis auf eine zur Zeit zu ignorieren, wobei ihm dunkel das Prinzip des divide et impera vorschwebte, doch das funktionierte auch nicht. Alle seine Gehirnpartner boten ihm medizinischen oder chirurgischen Rat an, alle besa?en unter den gegenwartigen Umstanden potentielles Gewicht, und alle verlangten eine sofortige Reaktion. Die einzigen vorhandenen Kenntnisse, die sich nicht in den Vordergrund drangten, waren die versehentlich von Khone bereitgestellten gogleskanischen Informationen, und die waren sowieso von geringem Wert. Doch aus irgendeinem Grund kehrten Conways Gedanken immer wieder gerade zu ihnen zuruck und klammerten sich an diese erschreckte, aber willensstarke fremde Personlichkeit, als ware sie eine Art psychologischer Rettungsinsel.
