Khones Ausstrahlung war uberhaupt nicht wie die deutlichen, intensiven und kunstlich verstarkten Eindrucke, die die Schulungsbander hervorriefen. Er stellte fest, da? er sich auf die geistigen Eindrucke des kleinen Wesens konzentrierte, obwohl die merkwurdigen und optisch furchterregenden Kreaturen rings um das Operationsgestell drohten, es zu einer Panikreaktion zu verleiten. Aber zum gogleskanischen Wissen gehorten auch Kenntnisse uber Conways Arbeit am Orbit Hospital, und die hatten Khone bis zu einem gewissen Grad auf genau solch ein Erlebnis wie dieses vorbereitet. Au?erdem gehorte Khone zu einer Spezies von Individualisten, deren Denkvorgange geschickt jede Beruhrung mit den Wesen in ihrer Nahe vermieden, beziehungsweise deren Einflu? uberwanden.

Khone wu?te besser als jedes andere Lebewesen, das Conway kannte, wie man andere ignorierte.

Ganz plotzlich zitterten seine Hande nicht mehr, und das Stimmengewirr der Aliens in seinem Kopf war zu einem leisen Murmeln geworden, das er nach Belieben uberhoren konnte. Er tippte dem melfanischen Assistenten Hossantirs hart auf den Panzer.

„Bitte treten Sie zuruck, und lassen Sie die Instrumente an ihrem Platz“, sagte er. An den tralthanischen Chefarzt gewandt, fugte er hinzu: „Das Blut schlagt sich auf allem im Operationsfeld nieder, auch auf den Lupen und Lichtquellen der Instrumente und, wenn wir nahe herankommen, auf den Visieren. Wir mussen.“

„Die Absaugpumpe funktioniert nicht, Conway!“ fiel ihm Hossantir ins Wort. „Solange die Blutung nicht an der Austrittsstelle gestoppt wird, kann sie das auch gar nicht. Aber die Austrittsstelle konnen wir nicht sehen!“

„Benutzen Sie die Scanner in Verbindung mit Ihren Handen und Augen“, fuhr Conway in ruhigem Ton fort und umfa?te die kleinen, hohlkegelformigen Griffe der melfanischen Klammer mit seinen terrestrischen Fingern.

Da das normale Sehvermogen wegen der unmittelbaren Nahe des Helms zum Spruhnebel aus der Wunde nutzlos war, hatte Conway die Absicht, Hossantir die beiden Scanner so angewinkelt halten zu lassen, da? sie aus zwei verschiedenen Blickwinkeln und so gro?er Entfernung wie moglich auf das Operationsfeld gerichtet waren. Das wurde ein exaktes, raumliches Bild von den Vorgangen ergeben, die ihm der Chefarzt beschreiben konnte, und gleichzeitig ware Hossantir in der Lage, die Bewegungen der Klammer zu dirigieren. Conway wollte blind operieren, aber nur so lange, bis er das blutende Gefa? gefunden und verschlossen hatte. Danach konnte die Operation auf normale Weise fortgesetzt werden. Hossantir standen ein paar au?erst unangenehme Minuten bevor, in denen zwei seiner vier Augen bis an den Rand des abgeflachten, ovalen Helms ausgestreckt werden mu?ten. Au?erdem solle er sich vorubergehend von der Operation zuruckziehen, erklarte ihm Conway in entschuldigendem Ton, um seine Scanner und den Helm nicht mit dem Spruhnebel in Beruhrung kommen zu lassen.

„Dadurch konnten meine Augen zwar anfangen, fur immer zu schielen, aber das macht mir nichts“, stellte Hossantir fest.

Keins von Conways Alter egos konnte an der Vorstellung von einem gro?en elefantenartigen Tralthaner, der mit zweien seiner vier Augen schielte, irgend etwas Komisches entdecken. Zum Gluck war ein unterdrucktes terrestrisches Lachen unubersetzbar.

Seine Hande und die Instrumente erweckten den Eindruck, schwer und unbeholfen zu sein, und zwar nicht nur, weil er melfanische Klammern benutzte. Das Schwerkraftneutralisierungsfeld um ihn herum erstreckte sich zwangslaufig nicht auf den Patienten, deshalb war alles im Operationsbereich viermal so schwer wie normal. Doch der Tralthaner benutzte die Scanner, um ihn durch Worte zu dem Blutgefa? zu leiten, von dem die massive Blutung ausgehen mu?te, und angesichts des hohen Blutdrucks der hudlarischen Lebensform rechnete Conway damit, beim Abklemmen des Gefa?es Widerstand zu spuren.

Aber da war keiner, und die Blutung hielt mit unverminderter Starke an.

Eines seiner Alter ego hatte wahrend einer Transplantation bei einer vollkommen anderen Lebensform schon einmal etwas Ahnliches wie diese Situation erlebt, und zwar bei einem kleinen Nidianer, dessen Blutdruck nur einen Bruchteil von dem des Hudlarers betrug. In dem Fall hatte die Blutung ebenfalls aus einem feinen Spruhnebel und nicht aus dem fur eine offene Arterie typischen pulsierenden Strahl bestanden, und das Problem war nicht auf eine schlechte Operationstechnik, sondern auf mechanisches Versagen zuruckzufuhren gewesen.

Zwar wu?te Conway nicht genau, ob das auch hier das Problem war, doch da sich ein Teil seines vielfach zusammengesetzten Verstands sicher war, entschlo? er sich, diesem Teil zu vertrauen.

„Schalten Sie das kunstliche Herz aus“, sagte er in bestimmtem Ton. „Stoppen Sie die Blutzufuhr zu der betreffenden Stelle.“

„Den Blutverlust konnen wir zwar leicht ausgleichen“, wandte Hossantir besorgt ein, „aber die Blutzufuhr fur mehr als ein paar Minuten zu stoppen konnte der Patientin das Leben kosten.“

„Schalten Sie es aus!“ sagte Conway.

Innerhalb weniger Sekunden war der leuchtend gelbe Spruhnebel erst schwacher geworden und schlie?lich ganz versiegt. Eine Schwester reinigte Conway das Visier, wahrend Hossantir mit der Absaugpumpe das Operationsfeld sauberte. Sie brauchten keine Scanner, um zu sehen, was geschehen war.

„Techniker, schnell!“ rief Conway.

Bevor er das zweite Wort uber die Lippen gebracht hatte, schwebte neben seinem Ellbogen schon ein kleiner, pelziger Nidianer, der in seinem durchsichtigen Operationsanzug wie ein als Geschenk verpackter Teddybar aussah.

„Das Ruckschlagventil im Verbindungsschlauch hat sich in geschlossener Stellung verklemmt“, stellte der Nidianer in seiner abgehackten, bellenden Sprechweise fest. „Ich wurde sagen, das wurde durch eins der chirurgischen Instrumente verursacht, das versehentlich gegen das Ventil gesto?en ist und die Einstellung verandert hat. Dadurch ist der Blutstrom aus dem kunstlichen Herzen gestaut worden und hat sich durch die Aussparung der Reguliervorrichtung des Ventils einen Weg nach drau?en gebahnt, daher der feine, mit hohem Druck ausgetretene Spruhnebel. Das Ventil selbst ist nicht beschadigt, und wenn Sie das Organ anheben wurden, damit ich Platz habe, um das Ventil nachzustellen.“

„Ich wurde das Herz lieber nicht bewegen“, entgegnete Conway. „Wir haben sehr wenig Zeit.“

„Ich bin kein Arzt“, sagte der Nidianer verargert. „Diese Reparatur sollte eigentlich auf einer Werkbank durchgefuhrt werden oder zumindest in einem Raum, wo ich Platz fur meine zugegebenerma?en kleinen Ellbogen habe. In enger Beruhrung mit lebendem Gewebe zu arbeiten ist. ist mir zuwider. Trotzdem sind meine Werkzeuge fur solche Notfalle sterilisiert und bereit.“

„Ist Ihnen ubel?“ erkundigte sich Conway besorgt, da er den kleinen Nidianer sich schon in den Helm erbrechen sah.

„Nein“, antwortete der Techniker, „ich bin nur verargert.“

Conway zog die melfanischen Instrumente zuruck, um dem Techniker mehr Platz zum Arbeiten zu verschaffen. Inzwischen hatte eine Schwester neben ihm am Gestell ein Tablett mit Instrumenten fur terrestrische DBDGs befestigt, und mit der Zeit hatte sich Conway die Instrumente ausgesucht, die er brauchen wurde, sobald der Nidianer die verklemmte Ventilklappe befreit hatte. Er bedankte sich gerade bei dem Techniker fur die schnelle Reparatur, als ihn Hossantir unterbrach.

„Ich schalte jetzt wieder das kunstliche Herz an“, sagte er.

„Nein, warten Sie“, entgegnete Conway scharf. Er hatte auf den Monitor geblickt und das Gefuhl bekommen — ein sehr vages Gefuhl, das nicht einmal stark genug war, um die Bezeichnung Ahnung zu verdienen —, da? jede weitere Verzogerung gefahrlich ware.

„Mir gefallen die Lebenszeichen nicht. Es ist nichts da, was nicht da sein sollte, obwohl die Blutzufuhr vom kunstlichen Herzen unterbrochen war, zuerst durch das verklemmte Ventil im Verbindungsschlauch und spater, als das Gerat fur die Reparatur abgeschaltet worden ist. Mir ist bewu?t, da? im Gehirn nicht ruckgangig zu machende Veranderungen stattfinden werden, die zum Tod fuhren, wenn das kunstliche Herz nicht innerhalb der nachsten Minuten eingeschaltet wird. Trotzdem habe ich das Gefuhl, es ware besser, das kunstliche Herz nicht wiederanzuschalten, sondern statt dessen sofort das Spenderherz einzusetzen.“

Ihm war klar, da? Hossantir protestieren und lieber den sicheren Weg einschlagen wollte, erneut das kunstliche Herz in Betrieb zu nehmen und zu warten, bis man sicher war, da? der Blutkreislauf des Patienten wieder optimal funktionierte, um dann wie ursprunglich geplant fortzufahren. Normalerweise hatte Conway nichts dagegen einzuwenden gehabt, da er es selbst ebenfalls vorzog, keine unnotigen Risiken einzugehen. Doch in seinem Hinterkopf — oder in einem seiner Hinterkopfe — norgelte irgend jemand herum, und dabei ging es um die Auswirkungen von langwierigen seelischen Schocks auf gewisse schwangere, unter hoher Schwerkraft lebende

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