schwierig genug sein wird. Bei der Operation mochte ich nur die unbedingt notwendige Minimalbesetzung des OP- und Hilfspersonals im Raum haben, und diejenigen, die anwesend sind, haben ihre Gedankengange nach meinen Anordnungen unter Kontrolle zu halten. Haben Sie Ihre Anweisungen verstanden?“
„Ja, Doktor“, bestatigte die Kelgianerin, aber ihr Fell zeigte Zweifel und Mi?billigung. Eine Folge von Erschutterungen, die sich vom Boden durch seine Schuhe fortpflanzten, verrieten Conway, da? Thornnastor erneut mit den Fu?en aufstampfte.
„Entschuldigen Sie die Unterbrechungen“, sagte er zum Tralthaner. „Ich wollte gerade darauf hinweisen, da? eine vollstandige Ruhigstellung ohne ernsthafte Schaden fur den Patienten fur die zum Abschlu? der Operation erforderliche Zeitspanne durchaus moglich sein konnte. Bevor wir uns dieser Argumentation anschlie?en, mussen wir uns erst uberlegen, was vor, wahrend und nach einer umfangreicheren Operation an einer der Lebensformen geschieht, die im Gegensatz zum FSOJ regelma?ig und haufig in dem uns als Schlaf bekannten Zustand das Bewu?tsein verlieren. In derartigen Fallen.“
„Die bekommen Beruhigungsmittel, um die Unruhe vor der Operation auf das Mindestma? herabzusetzen, werden wahrend des Eingriffs narkotisiert und danach unter Beobachtung gestellt, bis sich der Stoffwechsel und die Lebenszeichen stabilisiert haben“, unterbrach ihn Thornnastor, dessen Fu?e nach wie vor seine Ungeduld verrieten. „Das ist doch ganz einfach!“
„Das ist mir klar. Ich hoffe nur, die Losung fur unser Problem ist genauso einfach“, gab Conway zu bedenken. Er schwieg einen Moment lang, um seine Gedanken zu ordnen, und fuhr dann fort: „Sie werden mir zustimmen, da? ein Patient trotz Vollnarkose negativ auf den gerade stattfindenden chirurgischen Eingriff reagiert. Ware er bei Bewu?tsein, wurde er mit unserem OP-Personal das machen wollen, worum sich der Beschutzer bemuht, das hei?t versuchen, es zu toten und oder vor der Bedrohung zu fliehen, die es fur ihn darstellt. Selbst unter Narkose reagiert ein normaler Patient unterbewu?t auf einen Zustand hochster Belastung. Sein Organismus ist mit der jeweiligen Entsprechung von Adrenalin vollgepumpt, die Blut-, Zucker- und Sauerstoffvorrate sind erhoht, und er ist zum Kampf oder zur Flucht bereit. Das ist ein Zustand, an dem sich unser Beschutzer standig erfreut, falls das uberhaupt das richtige Wort dafur ist. Er kampft oder flieht unaufhorlich, weil er permanenten Angriffen ausgesetzt ist.“
Thornnastor und Murchison sahen ihn aufmerksam an, sagten aber beide nichts.
„Da wir ihm dreidimensionale und erschreckend detaillierte Bilder seiner naturlichen Umgebung zeigen und ihn — chirurgisch gesehen — mit einer Heftigkeit angreifen werden, die er bestimmt noch nie erlebt hat, hoffe ich, ihm und seinem endokrinen Drusensystem weiszumachen, seine Gliedma?en wurden immer noch den Angriff abwehren oder davor zu ffiehen versuchen“, fuhr Conway fort. „Schlie?lich wehren sich die Glieder gegen die Mittel zur Ruhigstellung, und die dafur erforderliche Muskelanstrengung ist vergleichbar.
Wir werden ihn mit einem gro?en Kaiserschnitt attackieren, den wir — ohne Narkose — nicht im Unterleibsbereich anlegen, sondern durch den Ruckenpanzer fuhren werden, und ich rechne fest damit, da? der Beschutzer genugend Schmerzen haben und im Kopf ausreichend verwirrt sein wird, um zu vergessen, da? sich der Korper nicht in Bewegung befindet, zumindest fur die relativ kurze Zeit, die fur die Vollendung der Operation notig ist.“
Murchison starrte ihn mit ausdruckslosem Gesicht an, das jedoch so bleich wie ihre wei?e Uniform war. Jetzt erst ging Conway die volle Bedeutung dessen, was er gerade gesagt hatte, auf, und ihm wurde regelrecht schlecht. Er schamte sich. Die Au?erung stand im direkten Widerspruch zu allem, was man ihm als Arzt und Wohltater beigebracht hatte.
Um Gute zu beweisen, mu? man grausam sein, hatte ihm zwar irgend jemand mal gesagt, aber zweifellos war damit nicht eine derartige Grausamkeit gemeint gewesen.
„Der terrestrische Teil meines Gehirns ist uber ein solch beispielloses Benehmen erschuttert und emport“, bemerkte Thornnastor schwerfallig.
„Dieser DBDG“, entgegnete Conway und tippte sich dabei selbst argerlich auf die Brust, „empfindet dasselbe. Aber Ihr DBDG vom Band mu?te auch keinen Beschutzer entbinden.“
„Das mu?te auch sonst noch niemand“, stellte Thornnastor fest.
Murchison wollte gerade etwas sagen, als es gleich eine doppelte Unterbrechung gab.
„Die Geburtsoffnung beginnt sich zu weiten“, berichtete die kelgianische Schwester, „und die Lage des Fotus hat sich ein klein wenig verandert.“
„Die emotionale Ausstrahlung beider Lebewesen erreicht einen Hochststand“, meldete Prilicla uber den Kommunikator. „Sie werden nicht mehr lange warten mussen, Freund Conway. Machen Sie sich keine Sorgen, schlie?lich kann man sich normalerweise stets auf Ihre medizinischen Uberlegungen verlassen.“
Der Cinrussker findet doch immer das passende Wort, dachte Conway dankbar, als ihm Thornnastor zum Operationsgestell folgte.
Zuerst untersuchten sie die Korperunterseite und gingen dabei so dicht wie moglich an den Beschutzer heran, wichen jedoch gleichzeitig den wild um sich schlagenden Beinen und dem Hudlarer aus, der mit einer Metallstange auf die Bestie einschlug, um die Angriffe des kleinen Raubtiers mit den scharfen Zahnen vom Heimatplaneten des Beschutzers zu simulieren. Die mit den Beinen verbundenen Muskeln befanden sich in standiger zuckender Bewegung, und im mittleren Bereich des Korpers wurde die Geburtsoffnung langsam langer und breiter.
Fur die Aufnahmegerate berichtete Conway: „Aus dieser Offnung wird das Junge nicht herauskommen. Normalerweise ist fur einen Kaiserschnitt ein langer Schnitt im Unterleib erforderlich, durch den der Fotus entnommen wird. Doch in diesem Fall erscheint ein solches Verfahren aus zwei Grunden als schadlich. Erstens mu?ten dafur mehrere Beinmuskeln durchtrennt werden, und da dieses Wesen nicht in der Lage ist, ein verletztes Glied wahrend des Heilungsprozesses zu schonen, wurde die klinische Verletzung nie heilen, und die betroffenen Gliedma?en trugen bleibende Schaden davon. Zweitens kamen wir mit dem Schnitt sehr nah an die beiden Drusen heran, die, wie wir praktisch mit Sicherheit wissen, die Sekrete zur Umkehr der Lahmung vor der Geburt und der Ausloschung des Verstands enthalten. Beide Drusen sind, wie Sie auf dem Scanner sehen konnen, mit der Nabelschnur verbunden und entleeren ihren Inhalt im Verlauf der spateren Stadien des Geburtsvorgangs in den Fotus. Bei dieser physiologischen Klassifikation wurde ein traditioneller Kaiserschnitt die Drusen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vorzeitig zusammendrucken, und der Zweck der Operation, die Entbindung eines intelligenten Ungeborenen, ware vereitelt. Deshalb mussen wir es auf die harte Tour machen, indem wir einen Schnitt in einem Winkel durch den Ruckenpanzer fuhren, der die darunterliegenden lebenswichtigen Organe so wenig wie moglich beeintrachtigt.“
Wahrend die Schwester den Beschutzer fur die Operation in die richtige Lage gebracht hatte, waren die Bewegungen des Ungeborenen nicht wahrnehmbar gewesen, doch jetzt zeigte der Scanner ein langsames, stetes Vorrucken in Richtung des Geburtskanals. Conway mu?te sich zwingen, auf die andere Seite des Operationsgestells zu gehen, da er plotzlich den Instinkt verspurte, lieber einfach davonzulaufen; dann vergewisserte er sich, da? sich Thornnastor und Murchison in Position befanden, und sagte leise: „Stellen Sie den Patienten ruhig.“
Die vier Ruckententakel waren zu voller Lange ausgestreckt und fast reglos, bis auf ein ganz leichtes Zittern, das von der Anstrengung herruhrte, die Mittel zur Ruhigstellung zu uberwinden. Conway versuchte, nicht an die Verwustung zu denken, die schon eins dieser Glieder unter dem OP-Personal anrichten konnte, falls es ihm gelange, sich zu befreien, und auch nicht daran, da? er am nachsten stand und das erste Opfer ware.
„Es ist wunschenswert — genaugenommen vielleicht sogar lebensnotwendig —, vor dem Abschlu? der Operation telepathischen Kontakt mit dem Ungeborenen herzustellen“, sagte Conway uber das Surren seiner Operationssage hinweg. „Beim ersten Zustandekommen eines derartigen Kontakts waren nur Lebewesen einer physiologischen Klassifikation zugegen, die terrestrischen DBDGs Pathologin Murchison,
Captain Fletcher von der Rhabwar und ich. Moglicherweise erschwert die Vielfalt physiologischer Typen und der Gedankenstrukturen die Herstellung einer Verbindung, oder vielleicht ist es ein wenig einfacher, mit DBDGs in telepathischen Kontakt zu treten. Deshalb mussen.“
„Soll ich gehen?“ fragte Thornnastor.
„Nein“, antwortete Conway entschieden. „Ich brauche Ihre Hilfe, sowohl als Arzt als auch als Endokrinologe. Aber es ware nutzlich, wenn Sie versuchen wurden, den terrestrischen Teil Ihres Gehirn in den Vordergrund zu rucken und sich auf dessen Gedankengange zu konzentrieren.“
„Ich verstehe“, willigte der Tralthaner ein.
Thornnastor und Conway arbeiteten rasch und schnitten ein gro?es dreieckiges Stuck aus dem Panzer
