Waffe sind meine Fingerabdrucke. Die abgefeuerten Geschosse sind sicher identisch, und auf dem Tonband, das wir nicht gehort haben, ist meine Stimme zu horen. Okay, was sagst du dazu?«

»Ich habe den starken Verdacht«, antwortete Cruz, »da? du tief in der Schei?e steckst.«

»Tatsachlich«, sagte Jensen, »stecke ich tiefer drin, als du denkst.«

2

»Ich werde dir alles erzahlen«, sagte Jensen, der mit seinem Anwalt Stephen Cruz in einem Vernehmungsraum der Mordkommission sa?.

Wahrend seine Geschichte aus ihm heraussprudelte, bemuhte Cruz sich, Entsetzen, Unglaubigkeit und zuletzt Resignation zu verbergen, was ihm jedoch nur unvollstandig gelang. Nach langer, nachdenklicher Pause fragte er schlie?lich: »Patrick, das hast du nicht blo? erfunden, das ist nicht etwa nur ein Expose fur einen neuen Roman? Du willst mir diese Story nicht blo? erzahlen, um zu horen, was ich davon halte?«

»Fruher hatte ich so etwas vielleicht getan«, antwortete Jensen niedergeschlagen. »Leider ist jedes Wort wahr.«

Jensen empfand gewisse Erleichterung daruber, da? nun wenigstens in diesem beschrankten Rahmen alles an den Tag gekommen war. Schon die Tatsache, da? er daruber reden konnte, schien die Last, die er so lange allein getragen hatte, spurbar leichter zu machen. Aber sein gesunder Menschenverstand warnte ihn, dieses Gefuhl sei vermutlich nur eine Illusion. Was Cruz als nachstes sagte, bestatigte seinen Verdacht.

»Ich glaube, du brauchst weniger einen Anwalt als einen Geistlichen oder sonst jemanden, der mit dir betet.«

»Vielleicht spater einmal, wenn ich keinen anderen Ausweg mehr sehe«, wehrte Jensen ab. »Vorerst habe ich einen Anwalt, von dem ich Tatsachen horen mochte: Wo stehe ich? Was sollte ich anstreben? Wie stehen meine Chancen?«

»Also gut.« Cruz stand auf, ging in dem kleinen Raum auf und ab und behielt Jensen im Auge, wahrend er sprach. »Nach eigener Aussage bist du in funf Morde verwickelt, die du zum Teil selbst verubt hast. Angefangen hat's mit deiner Exfrau und ihrem Geliebten; danach kommt Rice, dieser Mann im Rollstuhl. Und dann kommen Gustav und Eleanor Ernst, die wichtige Leute gewesen sind, was sehr wohl einen Unterschied macht; im Fall Ernst liegt eindeutig Mord vor. Wegen der Ermordung des Ehepaars Ernst - vielleicht auch wegen der beiden ersten Opfer -konntest du zum Tod verurteilt werden. Was haltst du von diesen Tatsachen?«

Jensen wollte etwas sagen, aber Cruz brachte ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen. »Hattest du nur deine Exfrau und ihren Geliebten erschossen, hatte ich auf ein Verbrechen aus Leidenschaft pladieren konnen. Du hattest dich wegen Totschlags schuldig bekannt, worauf bei Schu?waffengebrauch eine Hochststrafe von drei?ig Jahren steht. Da du nicht vorbestraft bist, hatte ich erreicht, da? du mit funfzehn, vielleicht sogar nur zehn Jahren davonkommst. Aber mit weiteren Morden in den Kulissen...« Der Anwalt schuttelte den Kopf. »Damit andert sich alles.«

Cruz sah aus dem Fenster. »Mit einer Tatsache solltest du dich schon jetzt abfinden, Patrick. Selbst wenn du der Todesstrafe entgehst, wirst du unweigerlich zu einer Haftstrafe verurteilt, bestimmt zu einer sehr hohen. Ich halte es fur unwahrscheinlich, da? wir jemals wieder Racquetball miteinander spielen konnen.«

Jensen verzog das Gesicht. »Nachdem du jetzt wei?t, was fur ein Schuft ich bin, wurdest du wahrscheinlich nicht mehr mit mir spielen wollen.«

Cruz machte eine wegwerfende Handbewegung. »Solche Bewertungen uberlasse ich Richtern und Geschworenen. Solange ich dein Anwalt bin - wir mussen ubrigens bald uber Geld reden, und ich warne dich: Ich bin nicht billig -, hast du wie alle meine Mandanten Anspruch darauf, da? ich mein Bestes fur dich gebe, und ich versichere dir, ich bin gut!«

»Das akzeptiere ich alles«, sagte Jensen. »Aber ich habe noch eine Frage.«

Cruz nahm wieder Platz. »Bitte!«

»Wie sieht Cynthias rechtliche Position aus?« fragte Jensen. »Ich meine, nachdem sie erst verschwiegen hat, was sie uber den Mord an Naomi und Holmes wu?te, und dann alles Beweismaterial - Revolver, Kleidungsstucke, Tonband und so weiter verschwinden lie??«

»Sie wird sicher wegen Behinderung der Justiz angeklagt, was ein Verbrechen und im Zusammenhang mit einem Mord besonders schwerwiegend ist, und durfte au?erdem der Strafvereitelung beschuldigt werden, wofur ihr eine Gesamtstrafe von funf bis zehn Jahren Haft droht. Nimmt sie sich einen erstklassigen Anwalt, kommt sie vielleicht mit zwei Jahren Haft oder sogar, was aber unwahrscheinlich ist, mit einer Bewahrungsstrafe davon. Jedenfalls ist ihre Karriere im offentlichen Dienst damit zu Ende.«

»Das hei?t also, da? Cynthia wesentlich besser wegkame als ich.«

»Naturlich. Du hast gestanden, die beiden ermordet zu haben. Sie hat vorher nichts von deiner Absicht gewu?t, und was sie getan hat, ist alles nach der Tat passiert.«

»Aber was ist mit dem Mord an Cynthias Eltern? Davon hat sie vorher gewu?t. Sie hat ihn selbst geplant!«

»Ja, das behauptest du. Und ich neige dazu, dir zu glauben. Aber Cynthia Ernst wird alles leugnen, und wie willst du das Gegenteil beweisen? Ist sie zum Beispiel jemals mit diesem Virgilio zusammengetroffen, den du als den wahren Morder bezeichnest?«

»Nein.«

»Hat sie jemals etwas schriftlich festgelegt?«

»Nein.« Jensen machte eine Pause. »Doch, eigentlich schon. Nicht viel, aber...« Er beschrieb die Werbebroschure mit dem Stra?enplan von Bay Point, auf dem Cynthia das Haus ihrer Eltern angekreuzt und dann in seiner Gegenwart vermerkt hatte, wann das Dienstmadchen dort arbeitete und da? der Butler Palacio und seine Frau jeden Donnerstagabend au?er Haus waren.

»Wieviel hat sie geschrieben?«

»Vielleicht ein Dutzend Worter - wenn man die Abkurzungen mitzahlt. Aber eindeutig in ihrer Handschrift.«

»Du hast recht, das ist nicht viel. Sonst noch was?« Wahrend sie miteinander sprachen, machte Cruz sich Notizen.

»Na ja, wir sind zusammen auf den Cayman Islands gewesen, drei Tage auf Grand Cayman. Dort hat Cynthia mir erstmals erzahlt, sie wolle ihre Eltern ermorden.«

»Bestimmt nicht vor Zeugen?«

»Okay, das konnte ich also nicht beweisen. Aber...« Cruz horte zu, wahrend Jensen ihm schilderte, wie sie einzeln angereist waren und in getrennten Hotels gewohnt hatten. »Ich bin mit Cayman Airways geflogen und habe mein Ticket aufbewahrt. Sie ist unter dem Namen Hilda Shaw mit American Airlines geflogen; ich habe ihr Ticket gesehen.«

»Wei?t du zufallig die Flugnummer?«

»Sie hat die Morgenmaschine genommen; da gibt's nur eine. Der Name Shaw mu? auf der Passagierliste stehen.«

»Was immer noch nichts beweist.«

»Es beweist einen Zusammenhang, weil Cynthia spater diese vierhunderttausend Dollar von ihrem Konto bei einer Bank auf Grand Cayman abgehoben haben mu?.«

Cruz hob abwehrend die Hande. »Kannst du dir vorstellen, wie aussichtslos es ware, eine dortige Bank zu einer Aussage uber ein Kundenkonto zu bewegen?«

»Naturlich. Aber was ware, wenn Cynthias Bankkonto bei der hiesigen Steuerbehorde aktenkundig ware?«

»Wie kommst du darauf?«

»Weil's so ist!« Jensen schilderte, wie er einen Blick in Cynthias Aktenkoffer geworfen, die Kontounterlagen entdeckt und sich die wichtigsten Punkte notiert hatte. »Ich habe den Namen ihrer Bank, die Kontonummer, das damalige Guthaben und den Namen des Mannes, der ihr das Geld geschenkt hat. Dieser >Onkel Zachary< ist Gustav Ernsts Bruder, der auf den Cayman Islands lebt.«

»Jetzt kann ich mir vorstellen, wie du Bucher geschrieben hast«, sagte der Anwalt. »Wer hat die Steuerbehorde ins Spiel gebracht?«

»Cynthia selbst. Um nicht gegen amerikanische Gesetze zu versto?en, hat sie sich an ihren Steuerberater

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