gewandt - ich habe seinen Namen und seine Adresse in Fort Lauderdale -, der ihr mitgeteilt hat, alles sei okay, wenn sie die Zinsen als Einkommen angebe und versteuere. Das hat sie auch getan. Dazu gibt es ein Schreiben der Steuerbehorde.«

»Dessen Einzelheiten du bestimmt auch kennst.«

»Ja.«

»Erinnere mich daran«, sagte Cruz, »niemals meinen Aktenkoffer aus der Hand zu legen, wenn du in der Nahe bist.« Er lachelte schwach. »Obwohl diese Sache nicht viel Lustiges an sich hat, ist es fast amusant, wie Cynthia Ernst im Bestreben, alles legal abzuwickeln, Fakten geschaffen hat, die sie belasten konnten. Andererseits beweist ihr vieles Geld uberhaupt nichts, es sei denn...«

»Es sei denn?«

»Es sei denn, dein selbstgefalliges Grinsen - das mir ubrigens nicht gefallt - wurde bedeuten, da? du noch mehr hast. Also heraus damit!«

»Okay«, sagte Jensen. »Ich habe eine Tonbandaufnahme, ein anderes Tonband. Es liegt in einem Banksafe und enthalt den Beweis fur alles, was ich dir erzahlt habe. Und alle Papiere, die ich erwahnt habe - der Prospekt mit Cynthias Handschrift, meine Aufzeichnungen uber die Unterlagen aus ihrem Aktenkoffer und mein Flugticket -, liegen auch darin.«

»Schlu? mit den Andeutungen!« Cruz beugte sich zu Jensen hinuber und flusterte drohend: »Dies ist kein gottverdammtes Spiel, Patrick. Du konntest auf dem besten Weg zum elektrischen Stuhl sein, deshalb mu? ich sofort wissen, ob du tatsachlich eine wichtige Aufnahme hast, verstanden?«

Jensen nickte eingeschuchtert; dann beschrieb er die Aufnahme, die er vor eindreiviertel Jahren bei dem Mittagessen in Boca Raton gemacht hatte. Damals hatte Cynthia sich damit einverstanden erklart, Virgilio als Killer anzuheuern, und zugestimmt, Virgilio und Jensen je zweihunderttausend Dollar zu zahlen; sie hatte ihren eigenen Plan erlautert, den Mord an ihren Eltern als die Tat eines Serienmorders hinzustellen, und von Jensen erfahren, da? Virgilio den Rollstuhlmord verubt hatte - eine Tatsache, die sie ebenfalls fur sich behalten hatte.

»Du lieber Himmel!« Der Anwalt schuttelte staunend den Kopf. »Zahlt man das alles zusammen, konnte es alles andern... Okay, naturlich nicht alles. Aber ziemlich viel.«

»Mein Mandant ist bereit, mit Ihnen zusammenzuarbeiten, wenn ihm dafur bestimmte Gegenleistungen garantiert werden«, teilte Stephen Cruz dem Staatsanwalt mit, als sie wieder zu funft im Vernehmungsraum der Mordkommission sa?en.

»In welcher Beziehung will er mit uns zusammenarbeiten?« fragte Curzon Knowles. »Unser Beweismaterial reicht fur eine Verurteilung Mr. Jensens wegen Mordes an Naomi Jensen und Kilburn Holmes aus. Meiner Uberzeugung nach konnen wir wahrscheinlich sogar die Todesstrafe erwirken.«

Jensen wurde bla?. Er streckte eine Hand aus und beruhrte den Arm seines Anwalts. »Los, erzahl's ihm.«

Cruz drehte sich nach ihm um und funkelte ihn an.

»Was sollen Sie mir erzahlen?« fragte Knowles mit schwachem Lacheln.

Cruz fand seine Selbstbeherrschung wieder. »Nun, aus meiner Sicht haben Sie sehr viel weniger Beweise, mit denen Sie Commissioner Cynthia Ernst konfrontieren konnen.«

»Ich wei? nicht, warum Sie sich daruber den Kopf zerbrechen, Steve, aber ich kann Ihnen versichern, da? sie ausreichen. Sie hat als Polizeibeamtin einem Verbrechen Vorschub geleistet, es geduldet und verheimlicht. Wir werden vermutlich zwanzig Jahre Haft beantragen.«

»Und womoglich einen Richter finden, der sie zu funf oder auch nur zwei Jahren verurteilt. Sie konnte sogar auf Bewahrung freikommen.«

»Eine Bewahrungsstrafe ist ausgeschlossen, aber ich verstehe noch immer nicht... «

»Das wird Ihnen gleich klarwerden«, versicherte Cruz ihm. »Horen Sie sich bitte folgendes an: Kommt die Anklagebehorde ihm entgegen, kann mein Mandant dafur sorgen, da? Sie einen weit gro?eren Fisch an die Angel bekommen - Cynthia Ernst als Organisatorin des Mordes an ihren Eltern, Gustav und Eleanor Ernst.« Im Vernehmungsraum herrschte atemlose Stille. Alle Augen waren auf Cruz gerichtet. »Welches Strafma? Sie dafur beantragen wollen, mu?ten Montesino und Sie entscheiden, Curzon - aber in diesem Fall konnten sie naturlich bis an die Hochstgrenze gehen.«

Anwalte und Staatsanwalte lernen fruhzeitig, sich eisern zu beherrschen, und auch Knowles verzog keine Miene. Aber er zogerte merklich, bevor er fragte: »Und durch welche Hexerei ware Ihr Mandant dazu imstande?«

»Er bewahrt in einem sicheren Geheimversteck zwei Schriftstucke, die Ms. Ernst belasten, und - noch wichtiger - eine unbearbeitete Tonbandkassette auf. Dieser Originalmitschnitt eines Gesprachs mit Cynthia Ernst enthalt samtliche Beweise, die Sie fur eine Verurteilung brauchen.«

Mit Hilfe seiner Notizen fa?te Cruz zusammen, welche Aussagen Cynthias das Band enthielt, ohne dabei Patrick Jensen oder den Rollstuhlmord zu erwahnen. Abschlie?end stellte er fest: »Au?erdem wird auf dem Band als eine Art Dreingabe der Name eines Mannes genannt, der einen ganz anderen, bisher nicht aufgeklarten Mord verubt hat.«

»Ist Ihr Mandant in diese beiden weiteren Straftaten verwickelt?«

Der Anwalt lachelte. »Diese Frage mochte ich im Interesse meines Mandanten vorerst nicht beantworten.«

»Haben Sie diese angeblich existierende Aufnahme schon gehort, Counselor? Oder die versteckten Schriftstucke im Original gesehen?«

»Nein, bisher nicht.« Cruz hatte mit dieser Frage gerechnet. »Aber ich vertraue darauf, da? mein Mandant den Inhalt zutreffend wiedergegeben hat. Au?erdem mu?te uber alles, worauf Sie und ich uns vielleicht einigen, neu verhandelt werden, falls das ubergebene Beweismaterial doch weniger brauchbar ware.«

»Dann ware unsere Ubereinkunft null und nichtig«, stellte Knowles fest.

Cruz zuckte mit den Schultern. »Vermutlich.«

»Aber nehmen wir mal an, dieses Material ware brauchbar was wurden Sie dafur erwarten?«

»Fur meinen Mandanten? Nun, unter Berucksichtigung aller Umstande sollte die Anklage auf Totschlag lauten.«

Knowles warf seinen Kopf in den Nacken und lachte schallend. »Respekt, Steve! Das macht Ihnen so leicht keiner nach! Aber mir ist's ein Ratsel, wie Sie's schaffen, unter solchen Umstanden eine milde Bestrafung vorzuschlagen, ohne dabei rot zu werden.«

Cruz zuckte mit den Schultern. »Ich halte meinen Vorschlag fur vernunftig. Aber wie sieht Ihr Gegenangebot aus?«

»Ich habe keines, denn was wir tun konnten, haben wir getan«, erklarte Knowles ihm. »Alle weiteren Entscheidungen mu? Adele Montesino treffen, die uns zu sich bestellen wird, vermutlich noch heute.« Der Staatsanwalt wandte sich an Ainslie. »Malcolm, wir machen Schlu?. Ich mu? dringend telefonieren.«

Knowles fuhr zu Generalstaatsanwaltin Montesino, wahrend Stephen Cruz in seine Kanzlei in der Innenstadt zuruckkehrte und dort abrufbereit blieb.

Weil abzusehen war, da? das Police Department in diese Sache hineingezogen werden wurde, hatte Lieutenant Newbold inzwischen Major Manolo Yanes, der als Leiter des Referats Verbrechen gegen Personen sein Vorgesetzter war, in groben Zugen uber den Verdacht gegen Cynthia Ernst informiert. Yanes hatte seinerzeit mit Major Mark Figueras gesprochen, und der Leiter der Abteilung Verbrechensbekampfung setzte sofort eine Besprechung in seinem Dienstzimmer an.

Als Newbold mit Ainslie und Ruby Bowe eintraf, wurden sie bereits von Yanes und Figueras erwartet. Vom Kopfende seines rechteckigen Konferenztischs aus forderte Figueras nachdrucklich: »Wir mussen alles durchsprechen, was bisher bekannt ist - alles

Obwohl ihre Vorgesetzten regelma?ig uber die Tatigkeit der Mordkommission informiert wurden, erfuhren sie aus Geheimhaltungsgrunden selten Details laufender Ermittlungen. Auf Newbolds Aufforderung hin schilderte Ainslie jetzt jedoch seine fruhen Zweifel in bezug auf den Mordfall Ernst, die sich bestatigt hatten, als Elroy Doil zwar vierzehn Morde gestanden, aber strikt geleugnet hatte, auch das Ehepaar Ernst ermordet zu haben. »Obwohl Doil uns naturlich als pathologischer Lugner bekannt war, habe ich mit Erlaubnis des Lieutenants weitere Nachforschungen angestellt.« Ainslie erlauterte, wie er die Ermittlungsakten durchforstet, Unstimmigkeiten gefunden und Bowe ins Metro-Dade Police Department und nach Tampa geschickt hatte.

Er nickte Ruby zu, die nun weiterberichtete, wahrend Yanes und Figueras ihr aufmerksam zuhorten. Dann

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