lachelte erneut und Arnau verstand sein Lacheln falsch.

»Es ist schlimmer, als du denkst«, erklarte er ernst. Was konnte schlimmer sein als ein Darlehen an die Kirche?, war der Maure zu fragen versucht. Dann begru?te er den Zunftmeister der Bastaixos.

»Wir haben ein Problem«, erklarte Arnau.

Die drei Manner sahen den Mauren an. »Nur wenn Guillem einverstanden ist«, hatte Arnau gesagt. Die Einwande des Priesters, dass es sich nur um einen Sklaven handele, hatte er uberhort.

»Habe ich dir schon einmal von Ramon erzahlt?« Guillem verneinte. »Ramon war ein wichtiger Mensch in meinem Leben. Er hat mir geholfen … sehr geholfen.« Guillem stand immer noch, wie es sich fur einen Sklaven geziemte. »Er und seine Frau sind an der Pest gestorben und die Zunft kann sich nicht langer um seine Tochter kummern. Wir haben gerade daruber gesprochen, und ich wurde gebeten …«

»Weshalb fragst du mich, Herr?«

Pater Juli Andreu wandte sich erwartungsvoll zu Arnau um.

»Das Almosenhaus und die Armenkuche kommen mit der Arbeit nicht mehr nach«, fuhr Arnau fort. »Sie konnen nicht einmal mehr taglich Brot, Wein und Suppe an die Bedurftigen ausgeben wie fruher. Die Pest hat schlimme Spuren hinterlassen.«

»Was willst du tun, Herr?«

»Man hat mir angetragen, das Madchen an Kindes statt anzunehmen.«

Guillem betastete erneut die Wechsel. »Du konntest zwanzig Waisen aufnehmen«, dachte er.

»Wenn es dein Wunsch ist«, antwortete er lediglich.

»Ich habe keine Ahnung von Kindern«, gestand Arnau.

»Sie brauchen nichts weiter als ein wenig Zuwendung und ein Zuhause«, wandte Sebastia ein. »Ein Zuhause hast du … und wie mir scheint auch genug Liebe.«

»Wirst du mir helfen?«, fragte Arnau Guillem, ohne Sebastia zuzuhoren.

»Ich werde dir in allem gehorchen, was du wunschst.«

»Ich will keinen Gehorsam. Ich will … Ich bitte dich um Hilfe.«

»Deine Worte ehren mich. Du wirst sie bekommen, von Herzen«, versprach Guillem. »Alle Hilfe, die du brauchst.«

Das Madchen war sechs Jahre alt. Es hie? Mar, nach der Schutzpatronin des Meeres. Nachdem drei Monate vergangen waren, begann sie allmahlich den Schicksalsschlag zu uberwinden, den die Pest und der Tod der Eltern ihr zugefugt hatten. Von nun an erfullten ihr Lachen und ihre Schritte das Haus und ubertonten das Klingen der Munzen auf dem Wechseltisch und das Kratzen der Feder in den Buchern. Hinter dem Tisch sitzend, schimpften Arnau und Guillem mit ihr, wenn es ihr gelang, der Sklavin zu entwischen, die Guillem gekauft hatte, damit sie sich um das Madchen kummerte. Doch wenn die Kleine dann in die Wechselstube lugte, konnten die beiden Manner nicht anders, als sich lachelnd anzusehen.

Arnau war nicht begeistert gewesen, als Guillem Donaha ins Haus brachte.

»Ich will keine weiteren Sklaven!«, wischte er aufgebracht Guillems Argumente beiseite.

Doch da brach das dunne, schmutzige Madchen in den zerrissenen Kleidern in Tranen aus.

»Wo konnte es ihr besser gehen als hier?«, wollte Guillem daraufhin von Arnau wissen. »Wenn es dir so missfallt, dann versprich ihr die Freiheit, aber dann wird sie sich an einen anderen verkaufen. Sie muss essen … Und wir brauchen eine Frau, die sich um das Kind kummert.« Das Madchen fiel vor Arnau auf die Knie. Der versuchte sie abzuschutteln. »Wei?t du, was sie durchgemacht haben muss?« Guillems Augen wurden zu schmalen Schlitzen. »Wenn ich sie zuruckbringe …«

Widerwillig gab Arnau nach.

Auch fur das Geld aus dem Verkauf der Sklaven fand Guillem eine Losung. Nachdem er Hasdai als Handelspartner der Verkaufer in Barcelona ausbezahlt hatte, ubergab er den betrachtlichen Gewinn einem Juden von Hasdais Vertrauen, der auf der Durchreise in Barcelona weilte.

Abraham Levi erschien eines Morgens in der Wechselstube. Er war ein gro?er, schlanker Mann mit lichtem wei?en Bart. An seinem schwarzen Rock prangte das gelbe Zeichen. Abraham Levi begru?te Guillem und dieser stellte ihn Arnau vor. Nachdem der Jude ihnen gegenuber Platz genommen hatte, ubergab er Arnau einen Wechsel uber den gemachten Gewinn.

»Ich mochte dieses Geld bei Euch hinterlegen, Meister Arnau«, sagte er.

Arnau riss erstaunt die Augen auf, als er die Summe sah. Dann reichte er Guillem das Dokument und bat ihn nervos, es zu lesen.

»Aber … das ist viel Geld«, sagte er, wahrend Guillem versuchte, uberrascht zu wirken. »Weshalb wollt Ihr es bei mir anlegen und nicht bei einem von Euren …?«

»… Glaubensbrudern?«, half ihm der Jude. »Ich habe stets Vertrauen in Sahat gehabt«, sagte er mit einem Blick auf den Mauren. »Ich glaube nicht, dass sein Namenswechsel etwas an seinen Fahigkeiten geandert hat. Ich gehe auf eine Reise, eine sehr lange Reise, und ich mochte, dass Ihr und Sahat mit meinem Geld arbeitet.«

»Solche Summen wachsen bereits um ein Viertel, wenn sie einfach nur auf der Bank liegen, nicht wahr, Guillem?« Der Maure nickte. »Wie sollen wir Euch Eure Ertrage auszahlen, wenn Ihr zu dieser langen Reise aufbrecht? Wie konnen wir uns mit Euch in Kontakt setzen?«

Was sollten diese ganzen Fragen?, dachte Guillem. Er hatte Abraham keine ausfuhrlichen Anweisungen gegeben, doch der Jude lie? sich nicht aus der Ruhe bringen.

»Investiert sie«, antwortete er, »und sorgt Euch nicht um mich. Ich habe weder Kinder noch Familie, und dort, wo ich hingehe, brauche ich kein Geld. Eines fernen Tages werde ich es vielleicht abholen oder jemanden schicken, der es abholt. Bis dahin braucht Ihr Euch keine Gedanken zu machen. Ich werde mich mit Euch in Kontakt setzen. Oder ist Euch das unangenehm?«

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