»Aber es stimmt«, verteidigte sich der Maure.

»Nein. Das ist nicht wahr«, sagte Arnau und wurde mit einem Lacheln belohnt. »Der Konig kommt, um unsere Unterstutzung bei der Eroberung Sardiniens zu erbitten.«

»Und Geld? Will er auch Geld?«, fragte das Madchen, nachdem es Guillem zugezwinkert hatte.

Arnau betrachtete zuerst das Madchen und dann Guillem. Die beiden lachelten ihn verschmitzt an. Wie gro? Mar geworden war! Sie war schon fast ein junges Madchen, hubsch, klug, von einem Liebreiz, der jeden entzuckte.

»Und Geld? Will er auch Geld?«, fragte das Madchen erneut und riss ihn aus seinen Gedanken.

»Jeder Krieg kostet Geld!«, musste Arnau zugeben.

»Aha!«, sagte Guillem und breitete die Arme aus.

Donaha begann ihre Teller zu fullen.

»Warum erzahlst du ihr nicht, dass uns der Krieg im Grunde kein Geld kostet, sondern dass wir in Wirklichkeit an ihm verdienen?«, fuhr Arnau fort, als Donaha sie bedient hatte.

Mar sah Guillem mit gro?en Augen an.

Guillem zogerte.

»Seit drei Jahren zahlen wir Sonderabgaben«, erklarte er, nicht gewillt, Arnau recht zu geben. »Drei Jahre Krieg, die uns Barcelonesen Geld kosten.«

Mar verzog den Mund zu einem Lacheln und sah Arnau an.

»Das stimmt«, gab Arnau zu. »Vor genau drei Jahren haben die Katalanen ein Bundnis mit Venedig und Byzanz geschlossen, um Krieg gegen Genua zu fuhren. Unser Ziel war es, Korsika und Sardinien zu erobern, die laut dem Vertrag von Agnani den Katalanen zustehen und sich doch in der Hand der Genuesen befinden. Achtundsechzig bewaffnete Galeeren!« Arnau erhob die Stimme. »Achtundsechzig bewaffnete Galeeren, dreiundzwanzig katalanische, der Rest venezianische und griechische, trafen im Bosporus auf funfundsechzig genuesische Galeeren.«

»Und was geschah dann?«, fragte Mar, als Arnau plotzlich verstummte.

»Es gab keinen Sieger. Unser Admiral, Ponc de Santa Pau, starb in der Schlacht, und nur zehn der dreiundzwanzig katalanischen Galeeren kehrten zuruck. Was geschah dann, Guillem?« Der Sklave schuttelte abwehrend den Kopf. »Erzahl es ihr, Guillem«, drangte Arnau.

Guillem seufzte.

»Die Byzantiner verrieten uns«, begann er. »Sie paktierten mit den Genuesen und gestanden ihnen das Handelsmonopol zu.«

»Und dann?«, setzte Arnau nach.

»Wir verloren eine der wichtigsten Handelsrouten auf dem Mittelmeer.«

»Und haben wir auch Geld verloren?«

»Ja.«

Mar sah vom einen zum anderen, wahrend sie das Gesprach verfolgte. Sogar Donaha, die am Herd stand, sah zu ihnen hinuber.

»Viel Geld?«

»Ja.«

»Mehr als wir spater dem Konig gaben?«

»Ja.«

»Nur wenn uns das Mittelmeer gehort, konnen wir in Frieden Handel treiben«, schloss Arnau.

»Und die Byzantiner?«, fragte Mar.

»Im darauffolgenden Jahr stattete der Konig eine Flotte von funfzig Galeeren unter dem Kommando von Bernat de Cabrera aus und besiegte die Genuesen in Sardinien. Unser Admiral eroberte dreiunddrei?ig Galeeren und versenkte weitere funf. Achttausend Genuesen starben, weitere dreitausendzweihundert wurden gefangen genommen, doch nur vierzig Katalanen kamen ums Leben! Die Byzantiner«, fuhr er fort und sah Mar an, deren Augen vor Neugier funkelten, »lenkten ein und offneten ihre Hafen wieder fur unseren Handel.«

»Drei Jahre Sonderabgaben, und wir zahlen immer noch«, bemerkte Guillem.

»Aber wenn der Konig Sardinien hat und wir den Handel mit Byzanz, was will er dann noch?«, fragte Mar.

»Die Adligen der Insel, angefuhrt von einem gewissen Richter von Arborea, haben sich gegen Konig Pedro erhoben, und nun muss er dorthin, um den Aufstand niederzuschlagen.«

»Der Konig sollte sich damit zufriedengeben, dass die Handelswege frei sind und er seine Steuern bekommt«, wandte Guillem ein. »Sardinien ist ein raues, hartes Land. Wir werden es nie beherrschen konnen.«

Der Konig scheute keinen Prunk, um sich seinem Volk zu prasentieren. Da er auf dem Podest stand, fiel der Menge nicht auf, wie klein er war. Er trug seine prachtigsten Gewander in einem leuchtenden Karminrot, das in der Wintersonne mit den Edelsteinen, die es zierten, um die Wette leuchtete. Er hatte nicht vergessen, zu diesem Anlass die goldene Krone zu tragen sowie naturlich den kleinen Dolch, den er stets am Gurtel hatte. Sein Gefolge von Adligen und Hofbeamten stand ihm in nichts nach und war ebenso kostbar gekleidet wie sein Herr.

Der Konig sprach zum Volk. Er schaffte es, die Menge mitzurei?en. Wann hatte sich schon einmal ein Konig an die einfachen Burger gewandt, um ihnen zu erklaren, was er zu tun gedachte? Er sprach von Katalonien, von den katalanischen Besitzungen und Interessen. Er sprach von dem Verrat von Arborea auf Sardinien und die Leute reckten die Fauste in die Hohe und verlangten nach Rache. Vor dem Hintergrund der Kirche Santa Maria

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