Arnau hatte Mar beiseitegeschoben, doch noch immer lag seine Hand auf ihrer Schulter.

»Joan!«, brachte er nach einigen Sekunden heraus.

Mar sah, wie Arnau stotternd und mit ausgebreiteten Armen auf die schwarze Gestalt zuging, die sie erschreckt hatte. Guillem legte den Arm um das Madchen, das immer noch auf der Turschwelle stand.

»Das ist sein Bruder«, flusterte er ihr zu.

Donaha hatte sich in einer Ecke der Kuche versteckt.

»Mein Gott!«, rief Arnau und schloss Joan in die Arme. »Mein Gott! Mein Gott!«, wiederholte er immer wieder, wahrend er Joan in die Luft hob.

Lachelnd gelang es Joan, sich von Arnau loszumachen.

»Du wirst mich in Stucke rei?en …«

Aber Arnau horte nicht hin.

»Warum hast du mir nicht Bescheid gegeben?«, fragte er. Dann fasste er ihn an den Schultern. »Lass dich ansehen. Du hast dich verandert!« Dreizehn Jahre ist es her, wollte Joan sagen, doch Arnau lie? ihn nicht zu Wort kommen. »Seit wann bist du in Barcelona?«

»Ich …«

»Warum hast du mir nicht Bescheid gegeben?«

Arnau schuttelte seinen Bruder bei jeder Frage.

»Wirst du hierbleiben? Sag ja. Bitte!«

Guillem und Mar mussten grinsen. Der Monch sah ihre belustigten Gesichter.

»Arnau!«, rief er und trat einen Schritt zuruck. »Genug, Arnau! Du bringst mich ja um.«

Arnau nutzte den Abstand, um ihn zu betrachten. Nur die Augen waren noch genauso lebhaft und strahlend wie bei jenem Joan, der damals aus Barcelona weggegangen war. Davon abgesehen war er fast kahl, hager und ausgezehrt … Der schwarze Habit, der schlaff von seinen Schultern herabhing, lie? ihn noch unheimlicher aussehen. Er war drei Jahre junger als Arnau, doch er wirkte wesentlich alter.

»Isst du denn nichts? Wenn das Geld nicht ausgereicht hat, das ich dir geschickt habe …«

»Doch«, unterbrach ihn Joan, »es war mehr als genug. Von deinem Geld habe ich meinen Geist genahrt. Bucher sind sehr teuer, Arnau.«

»Du hattest mehr verlangen sollen.«

Joan winkte ab und setzte sich an den Tisch, gegenuber von Guillem und Mar.

»Also, stell mir dein Mundel vor. Wie ich feststelle, ist sie seit deinem letzten Brief gewachsen.«

Arnau gab Mar ein Zeichen und diese trat vor Joan. Das Madchen senkte den Blick, verstort von der Strenge, die in seinen Priesteraugen zu erkennen war. Als der Monch sie lange genug betrachtet hatte, stellte Arnau ihm Guillem vor.

»Das ist Guillem«, sagte Arnau. »Ich habe dir in meinen Briefen schon viel von ihm erzahlt.«

»Ja.« Joan machte keine Anstalten, ihm die Hand zu reichen, und Guillem zog seine Hand wieder zuruck, die er Joan angeboten hatte. »Erfullst du deine christlichen Pflichten?«, wollte er von ihm wissen.

»Ja …«

»Bruder Joan«, setzte Joan hinzu.

»Ja, Bruder Joan«, wiederholte Guillem.

»Das ist Donaha«, warf Arnau rasch ein.

Joan nickte, ohne sie auch nur anzusehen.

»Und du bist Ramons Tochter, nicht wahr?«, sagte er, an Mar gewandt, und bedeutete ihr, sich zu setzen. »Dein Vater war ein wunderbarer Mann, flei?ig und gottesfurchtig wie alle Bastaixos.« Joan sah Arnau an. »Ich habe oft fur ihn gebetet, seit Arnau mir mitteilte, dass er gestorben ist. Wie alt bist du, Madchen?«

Arnau trug Donaha auf, das Essen zu servieren, und setzte sich zu Tisch. Erst jetzt bemerkte er, dass Guillem abseits des Tisches stehen geblieben war, als wagte er es angesichts des neuen Gastes nicht, sich zu setzen.

»Setz dich, Guillem«, bat er ihn. »Mein Tisch gehort dir.«

Joan lie? sich nichts anmerken.

Das Essen verlief schweigsam. Mar war ungewohnlich still, als hatte der Neuankommling ihr die Naturlichkeit genommen. Joan seinerseits a? nur wenig.

»Erzahl mir, Joan«, sagte Arnau, als sie fertig gegessen hatten. »Wie ist es dir ergangen? Wann bist du angekommen?«

»Ich habe die Ruckreise des Konigs genutzt und ein Schiff nach Sardinien genommen, als ich von seinem Sieg erfuhr. Von dort ging es dann weiter nach Barcelona.«

»Hast du den Konig gesehen?«

»Er hat mich nicht empfangen.«

Mar bat um Erlaubnis, sich zuruckziehen zu durfen. Guillem tat es ihr nach. Die beiden verabschiedeten sich von Bruder Joan. Die Unterhaltung zog sich bis in die spate Nacht hin. Bei einer Flasche Dessertwein holten die

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