begeisterte der Konig das Volk. Als er schlie?lich um die Hilfe bat, die er benotigte, hatten sie ihm ihre Kinder gegeben, wenn er sie darum gebeten hatte.
Alle Barcelonesen leisteten ihren Beitrag. Arnau bezahlte die Summe, die er als stadtischer Geldwechsler zu erbringen hatte, und der Konig brach mit einer Flotte von hundert Schiffen nach Sardinien auf.
Als das Heer Barcelona verlie?, kehrte erneut Normalitat in die Stadt ein. Arnau widmete sich wieder seiner Wechselstube, Mar und Santa Maria und half jenen, die zu ihm kamen, um ihn um ein Darlehen zu bitten.
Guillem musste sich daran gewohnen, dass Arnau ganz anders war als die Geldwechsler und Handler, die er bisher gekannt hatte. Am Anfang widersetzte er sich haufig und tat Arnau seine Meinung kund, wenn dieser wieder einmal die Borse offnete, um einem der vielen Arbeiter, die Geld brauchten, ein Darlehen zu geben.
»Zahlen sie etwa nicht? Begleichen sie nicht ihre Schulden?«, fragte Arnau.
»Es sind zinslose Darlehen«, gab Guillem zu bedenken. »Dieses Geld sollte eigentlich Gewinn abwerfen.«
»Wie oft hast du mir gesagt, wir sollten einen Stadtpalast kaufen und besser leben? Wie viel wurde das alles kosten, Guillem? Unendlich viel mehr als alle Darlehen, die wir diesen Menschen geben, das wei?t du genau.«
Guillem blieb nichts anderes ubrig, als zu schweigen. Denn es stimmte. Arnau lebte bescheiden in seinem Haus an der Ecke der Canvis Nous und der Canvis Vells. Das Einzige, woran er nicht sparte, war Mars Erziehung. Das Madchen wurde im Haus eines befreundeten Handlers von Hauslehrern unterrichtet und naturlich in Santa Maria. Es dauerte nicht lange, und der Baurat der Pfarrei wurde bei Arnau vorstellig, um finanzielle Hilfe zu erbitten.
»Ich habe bereits eine Kapelle«, antwortete Arnau, als ihm der Rat anbot, als Stifter fur eine der Seitenkapellen von Santa Maria aufzutreten. »Ja doch«, setzte er zur Uberraschung der Abordnung hinzu, »meine Kapelle ist die Sakramentskapelle, die Kapelle der
Was braucht ihr? Wie viel willst du? Mit wie viel kommst du zurecht? Genugt das? Guillem musste sich an diese Fragen gewohnen, bis er es schlie?lich auch genoss, wenn ihn die Leute gru?ten, ihm zulachelten und ihm dankten, wahrend er am Strand entlangging oder durch das Ribera-Viertel schlenderte. Vielleicht hatte Arnau recht, uberlegte er. Er war fur die Leute da, aber war er nicht auch fur ihn und die drei judischen Kinder da gewesen, als sie mit Steinen beworfen wurden, obwohl Arnau sie gar nicht kannte? Ware nicht sein freundlicher Charakter gewesen, er, Raquel und Jucef waren wahrscheinlich tot. Weshalb sollte er sich verandern, nur weil er nun reich war? Und genau wie Arnau begann Guillem den Leuten zuzulacheln, denen er begegnete, und Unbekannte zu gru?en, die seinen Weg kreuzten.
Doch fur einige Entscheidungen, die Arnau im Laufe der Jahre getroffen hatte, gab es andere Grunde. Dass er sich nicht an Warengeschaften oder Kauffahrern beteiligen wollte, die mit dem Sklavenhandel zusammenhingen, erschien ihm logisch, doch weshalb, so fragte sich Guillem, schlug er manchmal die Beteiligung an Geschaften aus, die nichts mit Sklaverei zu tun hatten?
Die ersten Male lie? sich Arnau auf keine Diskussion ein.
»Ich halte es nicht fur ratsam.«
»Es gefallt mir nicht.«
»Ich bin mir nicht im Klaren.«
Schlie?lich wurde der Maure ungeduldig.
»Es ist ein gutes Geschaft, Arnau«, sagte er, nachdem die Handler die Wechselstube verlassen hatten. »Was ist los? Manchmal schlagst du Geschafte aus, die uns guten Gewinn bringen konnten. Ich begreife es nicht. Es steht mir nicht zu, dich …«
»Doch, es steht dir zu«, unterbrach er ihn, ohne ihn anzusehen, wahrend sie nebeneinander hinter dem Tisch sa?en. »Es tut mir leid. Es ist …« Guillem wartete ab. »Wei?t du, ich werde mich nie an einem Geschaft beteiligen, bei dem Grau Puig seine Finger im Spiel hat. Mein Name soll nie mit seinem in Verbindung gebracht werden.«
Arnau sah starr geradeaus, durch die Hauswand hindurch.
»Erklarst du mir das?«
»Warum nicht?«, murmelte Arnau und sah den Mauren an. Und dann begann er zu erzahlen.
Guillem kannte Grau Puig, denn dieser hatte geschaftlich mit Hasdai Crescas zu tun gehabt. Der Maure fragte sich, warum der Baron unbedingt mit Arnau zusammenarbeiten wollte, wenn Arnau gar kein Interesse daran hatte. Musste ihre Abneigung nicht gegenseitig sein, nach dem, was ihm Arnau erzahlt hatte?
»Kannst du dir das erklaren?«, fragte er eines Tages Hasdai Crescas, nachdem er ihm im Vertrauen Arnaus Geschichte erzahlt hatte.
»Es gibt viele Leute, die nicht mit Grau Puig zusammenarbeiten wollen. Auch ich gehore seit langerer Zeit dazu, und es gibt viele andere, denen es genauso geht wie mir. Er ist davon besessen, etwas Besseres zu sein, als ihm von Geburt aus zusteht. Solange er ein einfacher Handwerker war, war er vertrauenswurdig. Heute sind seine Ziele andere … Er wusste nicht, worauf er sich eingelassen hat, als er in den Adel einheiratete.« Hasdai schuttelte den Kopf. »Um adlig zu sein, muss man als Adliger geboren werden. Man muss den Adel mit der Muttermilch aufgesogen haben. Nicht, dass ich das guthie?e oder verteidigte, aber nur ein Adliger, dem der Adel in die Wiege gelegt wurde, kann sich dort halten und auch die Gefahren abschatzen. Wer wurde es wagen, sich mit einem katalanischen Baron anzulegen, wenn dieser ruiniert ist? Sie sind stolz, uberheblich, dazu geboren, zu befehlen und uber den anderen zu stehen, auch im Ruin. Grau Puig konnte nur durch Geld seinen Adelstitel wahren. Er hat ein Vermogen fur die Mitgift seiner Tochter ausgegeben. Das hat ihn beinahe in den Ruin getrieben. Ganz Barcelona wei? das! Hinter seinem Rucken lacht man uber ihn, selbst seine Frau bekommt das mit. Was hat ein einfacher Handwerker in einem Palast in der Calle Monteada zu suchen? Und je mehr sich die anderen lustig machen, umso mehr muss er seinen Einfluss unter Beweis stellen, indem er mit Geld um sich wirft. Was ware Grau Puig ohne Geld?«
»Willst du damit sagen …?«
»Ich will gar nichts sagen, aber ich wurde keine Geschafte mit ihm machen. Arnau handelt vollig richtig, auch wenn seine Grunde andere sein mogen.«
Von diesem Tag an spitzte Guillem die Ohren, wenn in einer Unterhaltung der Name Grau Puig erwahnt wurde. Und an der Borse, im Seekonsulat, bei Verhandlungen, Warenkaufen und Gesprachen uber die Lage des Handels wurde viel uber den Baron gesprochen – zu viel.
