beiden Bruder die dreizehn Jahre nach, die sie getrennt gewesen waren.

37

Zur Beruhigung von Arnaus Familie beschloss Joan, im Kloster Santa Caterina zu wohnen.

»Dort ist mein Platz«, sagte er zu seinem Bruder, »aber ich werde euch jeden Tag besuchen kommen.«

Arnau, dem nicht entgangen war, dass sich sowohl sein Mundel als auch Guillem wahrend des Essens am Vorabend unwohl gefuhlt hatten, insistierte nicht langer als unbedingt notwendig.

»Wei?t du, was er mich gefragt hat?«, flusterte er Guillem nach dem Mittagessen zu, als alle vom Tisch aufstanden. Guillem beugte sich naher zu ihm. »Was wir unternommen hatten, um Mar zu verheiraten.«

Guillem erstarrte und sah zu dem Madchen hinuber, das Donaha half, den Tisch abzuraumen. Sie verheiraten? Aber sie war doch noch …! Guillem sah Arnau an. Keiner der beiden hatte sie jemals so betrachtet, wie sie es nun taten. Tatsachlich: Sie war eine Frau geworden!

»Wo ist unser kleines Madchen geblieben?«, flusterte Arnau seinem Freund zu.

Die beiden betrachteten Mar. Sie war flink, schon, heiter und selbstsicher. Wahrend sie die Teller abtrug, blickte Mar immer wieder zu ihnen heruber.

Ihr Korper zeigte bereits die Sinnlichkeit einer Frau. Ihre Kurven waren nicht zu ubersehen und ihre Bruste zeichneten sich unter dem Hemd ab. Sie war vierzehn Jahre alt.

Mar blickte erneut zu ihnen und bemerkte ihre Verwirrung. Diesmal lachelte sie nicht. Fur einen kurzen Moment schien es, als errotete sie.

»Was schaut ihr so?«, warf sie ihnen dann vor. »Habt ihr nichts zu tun?«, setzte sie hinzu, wahrend sie sich ernst vor den beiden aufbaute.

Die beiden nickten gleichzeitig. Kein Zweifel: Sie war eine Frau geworden.

»Sie wird eine Mitgift bekommen wie eine Prinzessin«, sagte Arnau zu Guillem, als sie wieder am Wechseltisch sa?en. »Geld, Kleider, ein Haus … nein, einen Palast!« Er wandte sich brusk zu seinem Freund um. »Was ist mit den Puigs?«

»Sie wird uns verlassen …«, murmelte Guillem, ohne auf Arnaus Frage zu achten.

Die beiden schwiegen.

»Sie wird uns Enkel schenken«, sagte Arnau schlie?lich.

»Mach dir nichts vor. Sie wird ihrem Mann Kinder schenken. Au?erdem haben Sklaven keine Kinder und folglich auch keine Enkel.«

»Wie oft habe ich dir die Freiheit angeboten?«

»Was sollte ich als freier Mann tun? Es geht mir gut so, wie es ist. Aber Mar und heiraten! Ich wei? nicht, warum, aber ich versichere dir, dass ich ihn jetzt schon hasse, wer auch immer es sein mag.«

»Ich auch«, murmelte Arnau.

Sie sahen sich erneut an, grinsten und brachen in Lachen aus.

»Du hast mir nicht geantwortet«, sagte Arnau, als sie sich wieder beruhigt hatten. »Was ist mit den Puigs? Ich will diesen Palast fur Mar.«

»Ich habe Anweisungen nach Pisa geschickt, zu Filippo Tescio. Wenn es jemanden gibt, der unsere Plane ausfuhren kann, dann ist das Filippo.«

»Was hast du ihm gesagt?«

»Dass er Piraten anheuern soll, wenn es notig ist, aber die Warenlieferungen der Puigs unter keinen Umstanden in Barcelona ankommen durfen. Genauso wenig wie jene, die Barcelona mit entgegengesetztem Ziel verlassen haben. Er soll die Waren stehlen oder anzunden, ganz wie er will, nur ihr Ziel durfen sie nicht erreichen.«

»Hat er dir geantwortet?«

»Filippo? Das wurde er nie tun. Weder schriftlich, noch wurde er die Nachricht jemandem anvertrauen. Wenn einer davon erfuhre … Wir mussen das Ende der Seefahrtsaison abwarten. Es ist nur noch ein knapper Monat. Wenn die Lieferungen der Puigs bis dann nicht eingetroffen sind, konnen sie ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen und sind ruiniert.«

»Haben wir ihre Kredite gekauft?«

»Du bist Grau Puigs gro?ter Glaubiger.«

»Sie sollen Qualen ausstehen«, murmelte Arnau vor sich hin.

»Hast du sie nicht gesehen?« Arnau fuhr zu Guillem herum. »Sie sind schon eine ganze Weile am Strand. Zuerst nur die Baronin und eines ihrer Kinder; nun ist auch noch Genis hinzugekommen, der soeben aus Sardinien zuruckgekehrt ist. Sie blicken stundenlang zum Horizont, um nach einem Mast Ausschau zu halten … Und wenn ein Schiff in den Hafen einlauft, das sie nicht erwartet haben, verflucht die Baronin die Wellen. Ich dachte, du wusstest das …«

»Nein, das wusste ich nicht.« Arnau lie? einen Augenblick verstreichen. »Gib mir Bescheid, wenn eines unserer Schiffe in den Hafen einlauft.«

»Es kommen mehrere Schiffe auf einmal«, sagte Guillem eines Morgens, als er vom Konsulat zuruckkam.

»Sind sie da?«

»Naturlich. Die Baronin steht so nahe am Wasser, dass die Wellen ihre Schuhe beruhren …« Guillem verstummte plotzlich. »Es tut mir leid … Ich wollte nicht …«

Arnau lachelte.

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