»Gehen wir hinauf?«, fragte Guillem.
»Gehen wir. Bring mich zu deinem Herrn … nein, zu Grau Puig«, korrigierte er sich, an den Sklaven gewandt.
Sie gingen durch den Palast. Mar und Guillem sahen sich alles genau an. Arnau blickte starr geradeaus. Der Sklave fuhrte sie zum Salon.
»Kundige mich an!«, sagte Arnau zu Guillem, bevor dieser die Tur offnete.
»Arnau Estanyol!«, rief sein Freund, nachdem er die Tur geoffnet hatte.
Arnau erinnerte sich nicht mehr, wie der gro?e Salon des Palastes ausgesehen hatte. Er hatte nicht darauf geachtet, als er damals dort gewesen war … auf Knien. Auch jetzt hatte er keinen Blick fur seine Umgebung. Isabel sa? in einem Sessel vor einem der Fenster. Neben ihr standen Josep und Genis. Der Erste hatte, wie auch seine Schwester Margarida, geheiratet. Genis war noch ledig. Arnau sah sich nach Joseps Familie um. Sie war nicht da. In einem weiteren Sessel sa? Grau Puig, alt und hinfallig.
Isabels Augen blitzten vor Wut.
Arnau blieb mitten im Salon stehen, neben einem Esstisch aus edlem Holz, der doppelt so lang war wie der Tisch in seiner Wechselstube. Mar stand hinter ihm, neben Guillem. An der Tur des Salons drangten sich die Sklaven.
Arnau sprach laut genug, damit seine Stimme im ganzen Raum gehort wurde.
»Guillem, diese Schuhe gehoren mir«, sagte er und deutete auf Isabels Fu?e. »Sie sollen sie ihr ausziehen.«
»Ja, Herr.«
Mar sah den Mauren erstaunt an. Herr? Sie kannte Guillems Status, doch noch nie zuvor hatte sie gehort, dass er Arnau mit diesen Worten ansprach.
Guillem winkte zwei der Sklaven heran, die an der Tur standen, und zu dritt traten sie zu Isabel. Die Baronin erwiderte immer noch hochmutig Arnaus Blick.
Einer der Sklaven kniete nieder, doch bevor er sie beruhren konnte, streifte Isabel die Schuhe ab und lie? sie zu Boden fallen, ohne den Blick von Arnau abzuwenden.
»Ich will, dass du samtliche Schuhe in diesem Haus einsammelst und sie im Hof verbrennst«, sagte Arnau.
»Ja, Herr«, antwortete Guillem.
Die Baronin sah ihn immer noch hochmutig an.
»Die Sessel.« Arnau deutete auf die Sitzgelegenheiten der Puigs. »Bring sie weg.«
»Ja, Herr.«
Grau wurde von seinen Sohnen hochgehoben. Die Baronin stand auf, bevor die Sklaven ihren Sessel nahmen und ihn zusammen mit den anderen in eine Ecke trugen.
Aber sie sah ihn immer noch an.
»Dieses Kleid gehort auch mir.«
Hatte sie gezittert?
»Du willst doch nicht …?«, begann Genis Puig und richtete sich auf, seinen Vater immer noch auf den Armen.
»Dieses Kleid gehort mir«, fiel ihm Arnau ins Wort, ohne Isabel aus den Augen zu lassen.
Zitterte sie?
»Mutter«, schaltete sich Josep ein, »geh dich umziehen.«
Sie zitterte.
»Guillem!«, rief Arnau.
»Mutter, bitte.«
Guillem trat zu der Baronin.
Sie zitterte.
»Mutter!«
»Und was soll ich anziehen?«, schrie Isabel ihren Stiefsohn an.
Isabel sah erneut zu Arnau. Auch Guillem sah ihn an. Willst du wirklich, dass ich ihr das Kleid ausziehe?, schien sein Blick zu sagen.
Arnau runzelte die Stirn, und langsam, ganz langsam, blickte Isabel zu Boden. Sie weinte vor Wut.
Arnau gab Guillem ein Zeichen und lie? einige Sekunden verstreichen, wahrend Isabels Schluchzen den Salon des Palasts erfullte.
»Noch heute Abend«, sagte er zu Guillem, »hat dieses Gebaude leer zu sein. Sag ihnen, sie konnen nach Navarcles gehen, das sie nie hatten verlassen sollen.« Josep und Genis sahen ihn an, Isabel schluchzte immer noch. »Ich habe kein Interesse an diesem Land. Gib ihnen Sklavenkleider, aber keine Schuhe. Die verbrennst du. Verkaufe alles und verriegle dieses Haus.«
Arnau drehte sich um und begegnete Mars Blick. Er hatte sie ganz vergessen. Dem Madchen war das Blut ins Gesicht gestiegen. Er nahm sie beim Arm und ging mit ihr hinaus.
