»Du kannst das Tor jetzt schlie?en«, sagte er zu dem Alten, der ihnen geoffnet hatte.
Sie gingen schweigend zur Wechselstube, doch bevor sie eintraten, blieb Arnau stehen.
»Ein Spaziergang am Strand?«
Mar nickte.
»Sind deine Schulden jetzt beglichen?«, fragte sie, als sie das Meer sahen.
Sie gingen weiter.
»Die werden niemals beglichen sein, Mar«, horte ihn das Madchen nach einer Weile murmeln. »Niemals.«
38
Arnau hatte in der Wechselstube zu tun. Es war mitten in der Schifffahrtssaison und die Geschafte liefen gut. Arnau war mittlerweile einer der reichsten Manner der Stadt, doch er bewohnte nach wie vor gemeinsam mit Mar und Donaha das kleine Hauschen an der Ecke Canvis Vells und Canvis Nous. Arnau wollte nichts von Guillems Vorschlag wissen, in den Stadtpalast der Puigs umzuziehen, der seit vier Jahren leer stand. Mar wiederum war nicht weniger halsstarrig als Arnau und hatte sich in all der Zeit einer Eheschlie?ung strikt verweigert.
»Weshalb willst du mich loswerden?«, fragte sie ihn eines Tages, in ihren Augen standen Tranen.
»Ich will dich doch nicht loswerden!«, stammelte Arnau.
Mar weinte immer noch und lehnte sich an seine Schulter.
»Sei ganz ruhig«, sagte Arnau und strich ihr uber den Kopf. »Ich werde dich nie zu etwas zwingen, was du nicht willst.«
Und so blieb Mar bei ihnen.
Als an diesem 9. Juni auf einmal eine Glocke zu lauten begann, hielt Arnau in der Arbeit inne. Eine weitere Glocke fiel ein, und dann noch viele andere.
Er trat auf die Stra?e. Die Handwerker an der Kirche Santa Maria kletterten blitzschnell von den Gerusten, Maurer und Steinmetzen kamen durch das Hauptportal nach drau?en, und die Menschen liefen durch die Stra?en, das
In diesem Moment sah er Guillem aufgeregt herbeieilen.
»Es ist Krieg!«, rief er.
»Das Burgerheer wird einberufen«, sagte Arnau.
»Nein, nein.« Guillem machte eine Pause, um Luft zu schopfen. »Nicht nur das von Barcelona, sondern die Truppen samtlicher Stadte und Dorfer im Umkreis von zwei Meilen. Es betrifft nicht nur Barcelona.«
Es betraf auch Sant Boi und Badalona, Sant Andreu und Sarria, Provencana, Sant Feliu, Sant Genis, Cornella, Sant Just Desvern, Sant Joan Despi, Sants, Santa Coloma, Esplugues, Vallvidrera, Sant Marti, Sant Adria, Sant Gervasi, Sant Joan d'Horta … Die Glocken waren bis in zwei Meilen Entfernung zu horen.
»Der Konig macht Gebrauch vom
»Er greift Barcelona an?«, unterbrach ihn Arnau.
»Ja. Barcelona.«
Die beiden eilten ins Haus.
Als sie wieder herauskamen, war Arnau bewaffnet wie damals als Soldat unter Eiximen d'Esparca. Sie wollten durch die Calle de la Mar zur Plaza del Blat, doch die Leute rannten in die entgegengesetzte Richtung.
»Was ist los?« Arnau versuchte einen der bewaffneten Manner aufzuhalten, die die Stra?e hinunterliefen.
»Zum Strand!«, rief ihm der Mann zu, wahrend er sich losriss. »Zum Strand!«
»Ein Angriff von See?« Arnau und Guillem sahen sich fragend an, dann schlossen sich die beiden der Menge an, die zum Strand hinunterlief.
Als sie zum Ufer kamen, drangten sich dort bereits zahlreiche mit Armbrusten bewaffnete Barcelonesen, den Blick zum Horizont gerichtet, wahrend immer noch die Glocken lauteten. Das
Guillem hielt die Hand vor die Augen, um sich vor der kraftigen Junisonne zu schutzen, und begann die Schiffe zu zahlen: eins, zwei, drei, vier …
Das Meer war ruhig.
»Sie werden uns vernichten«, horte Arnau hinter sich.
»Sie werden die Stadt uberrennen.«
»Was konnen wir schon gegen eine ganze Armee ausrichten?«
Siebenundzwanzig, achtundzwanzig … Guillem zahlte immer noch.
