»Du bist mein Mann!« Ihre Stimme uberschlug sich. Sie hatte alle Moglichkeiten tausendmal erwogen. Sie konnte nicht hierbleiben, aber sie konnte auch nicht an den koniglichen Hof zuruck. Arnau machte ein ungehaltenes Gesicht. »Wenn du fortgehst und mich zurucklasst, werde ich mich an den Konig wenden«, setzte Elionor hinzu.
Ihre Worte klangen Arnau drohend in den Ohren. »Wir werden uns an den Konig wenden!«, hatten ihm die Adligen gedroht. Den Angriff der Adligen glaubte er abwehren zu konnen, doch … Er betrachtete die Dokumente, die er soeben unterzeichnet hatte. Wenn sich seine eigene Frau, die Ziehtochter des Konigs, den Klagen der Adligen anschloss …
»Unterschreib«, bat er sie und schob ihr die Dokumente hin.
»Weshalb sollte ich das tun? Wenn du die Leibeigenschaft aufhebst, haben wir keine Einnahmen mehr.«
»Unterschreib, und du wirst in einem Palast in der Calle de Monteada in Barcelona leben. Du wirst nicht auf diese Pachtzinsen angewiesen sein. Du wirst so viel Geld haben, wie du willst.«
Elionor trat an den Tisch, nahm die Feder und beugte sich uber die Dokumente.
»Was garantiert mir, dass du Wort haltst?«, fragte sie plotzlich und sah Arnau an.
»Die Tatsache, dass ich dich umso seltener sehe, je gro?er das Haus ist. Das ist die Garantie. Je besser du lebst, umso weniger wirst du mich belastigen. Reichen dir diese Garantien? Ich habe nicht vor, dir eine andere zu geben.«
Elionor sah Mar und Joan an, die hinter Arnau standen. War das ein Lacheln auf dem Gesicht des Madchens?
»Werden sie bei uns leben?«, fragte sie und deutete mit der Feder auf die beiden.
»Ja.«
»Auch das Madchen?«
Mar und Elionor tauschten einen eisigen Blick.
»Habe ich mich nicht deutlich genug ausgedruckt, Elionor? Unterschreibst du jetzt oder nicht?«
Sie unterschrieb.
Arnau wartete nicht, bis Elionor ihre Vorbereitungen getroffen hatte. Er reiste noch am selben Tag nach Barcelona ab, in den Abendstunden, um der Augusthitze zu entkommen, und zwar genauso, wie er gekommen war: auf einem gemieteten Wagen.
Keiner von ihnen blickte zuruck, als der Wagen durch das Burgtor rumpelte.
»Weshalb mussen wir mit ihr zusammenleben?«, fragte Mar Arnau auf der Ruckfahrt.
»Ich darf den Konig nicht vor den Kopf sto?en, Mar. Man wei? nie, wie die Antwort eines Konigs aussieht.«
Mar schwieg nachdenklich.
»Hast du ihr deshalb diese ganzen Angebote gemacht?«
»Nein … Nun ja, auch, aber vor allem wegen der Bauern. Ich will nicht, dass sie sich beschwert. Der Konig hat uns vermeintliche Pachteinkunfte zugestanden, obwohl diese in Wirklichkeit nicht existieren oder verschwindend gering sind. Wenn sie nun zum Konig geht und sich beklagt, dass ich durch mein Vorgehen diese Einkunfte verschleudert hatte, konnte er womoglich meine Anordnungen ruckgangig machen.«
»Der Konig? Warum sollte der Konig das tun?«
»Du musst wissen, dass der Konig vor einigen Jahren eine Verfugung gegen die unfreien Bauern erlassen hat und die Privilegien einschrankte, die er und seine Vorganger den Stadten gewahrt hatten. Die Kirche und der Adel haben ihn gedrangt, etwas dagegen zu unternehmen, dass die Bauern fliehen und das Land unbestellt zurucklassen … Und das hat er getan.«
»Ich hatte nicht gedacht, dass er so etwas tun konnte.«
»Er ist auch ein Adliger, Mar. Der Erste unter ihnen.«
Sie ubernachteten in einem Gehoft au?erhalb von Monteada. Arnau entlohnte die Bauern gro?zugig. Im Morgengrauen brachen sie auf und erreichten Barcelona, bevor es hei? wurde.
»Die Lage ist dramatisch, Guillem«, erklarte Arnau, als sie nach der ersten Begru?ung alleine zuruckblieben. »Um das Prinzipat ist es noch wesentlich schlechter bestellt, als wir dachten. Hier erreichen uns nur vage Nachrichten, doch man muss mit eigenen Augen sehen, in welchem Zustand sich die Felder und das Land befinden. Es sieht nicht gut fur uns aus.«
»Ich habe schon langst Ma?nahmen ergriffen«, uberraschte ihn Guillem. Arnau bat ihn fortzufahren. »Die Krise hat sich schon lange angekundigt. Wir haben bereits einmal daruber gesprochen. Unsere Wahrung verliert im Ausland immer mehr an Wert, doch der Konig hier in Katalonien unternimmt nichts dagegen. Die Wechselkurse sind unhaltbar. Die Stadt verschuldet sich immer tiefer, um zu erhalten, was sich Barcelona geschaffen hat. Der Handel wirft keine Gewinne mehr ab und die Leute sehen sich nach sichereren Orten fur ihr Geld um.«
»Und unser Geld?«
»Ist im Ausland. In Pisa, in Florenz, sogar in Genua. Dort kann man noch zu vernunftigen Kursen handeln.« Die beiden schwiegen. »Castello wurde fur bankrott erklart«, erklarte Guillem dann. »Das Unheil nimmt seinen Lauf.«
Arnau erinnerte sich an den freundlichen, dicken, stets schwitzenden Geldwechsler.
»Was ist geschehen?«
»Er war unvorsichtig. Die Leute haben begonnen, ihre Einlagen zuruckzuverlangen, und er konnte sie nicht auszahlen.«
»Wird er zahlen konnen?«
»Ich glaube nicht.«
Am 29. August kehrte der Konig siegreich von seinem Mallorca-
