Feldzug gegen Pedro den Grausamen zuruck. Als die katalanische Flotte vor den Balearen auftauchte, war der Kastilier von Ibiza geflohen, nachdem er die Insel zuvor erobert und geplundert hatte.
Als einen Monat spater Elionor eintraf, bezogen die Estanyols den Palast in der Calle de Monteada. Auch Guillem zog mit ein, obwohl er sich anfanglich geweigert hatte.
Nach zwei Monaten gewahrte der Konig dem Vogt von Montbui eine Audienz. Tags zuvor hatten Gesandte des Konigs um ein weiteres Darlehen in Arnaus Wechselstube ersucht. Als man es ihnen gewahrte, schickte der Konig den Vogt weg und lie? Arnaus Anordnungen bestehen.
Nach weiteren zwei Monaten war die Frist von sechs Monaten abgelaufen, die das Gesetz einem Bankrotteur zugestand, um seine Schulden zu begleichen, und der Geldwechsler Castello wurde vor seiner Wechselstube an der Plaza dels Canvis enthauptet. Samtliche Geldwechsler der Stadt mussten der Hinrichtung in der ersten Reihe beiwohnen. Arnau sah, wie sich nach einem sicheren Hieb des Henkers Castellos Haupt vom Rumpf trennte. Gerne hatte er wie so viele andere die Augen geschlossen, doch er konnte nicht. Er musste hinsehen. Es war eine Mahnung zur Vorsicht, die er niemals vergessen durfte, sagte er sich, wahrend sich das Blut auf das Schafott ergoss.
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Er sah sie lacheln. Arnau sah seine Schutzpatronin weiterhin lacheln, und auch das Leben zeigte ihm sein freundliches Gesicht. Er war nun vierzig Jahre alt, und trotz der Krise liefen seine Geschafte gut und warfen gro?e Gewinne ab, von denen er einen Teil an die Bedurftigen gab oder an die Kirche Santa Maria stiftete. Mit der Zeit gab Guillem ihm recht: Die einfachen Leute aus dem Volk zahlten ihre Darlehen Munze fur Munze zuruck. Arnaus Kirche wuchs weiter in die Hohe. Das dritte Mittelschiffjoch und die beiden Achteckturme an der Hauptfassade waren im Entstehen begriffen. In Santa Maria wimmelte es vor Handwerkern: Steinmetze und Bildhauer, Maler, Glaser, Zimmerleute und Schmiede. Es gab sogar einen Orgelbauer, dessen Arbeit Arnau aufmerksam verfolgte. Wie wurde die Musik in dieser gewaltigen Kirche klingen?, fragte er sich oft. Nach dem Tod des Erzdiakons Bernat Llull und dem vorubergehenden Wirken zweier anderer Kanoniker hatte nun Pere Salvete de Montirac, mit dem Arnau regelma?ig zu tun hatte, dieses Amt inne. Auch der gro?e Baumeister Berenguer de Montagut und sein Nachfolger Ramon Despuig waren gestorben. Nun war Guillem Metge mit der Leitung der Bauarbeiten befasst.
Aber Arnau war nicht nur mit den Propsten von Santa Maria gut bekannt. Durch seine finanzielle Situation und seine neue Aufgabe pflegte er auch einen vertrauten Umgang mit den Ratsherren und Zunftmeistern der Stadt sowie den Mitgliedern des Rats der Hundert. Seine Meinung wurde an der Borse gehort und Handler und Geschaftsleute folgten seinen Ratschlagen.
»Du musst das Amt annehmen«, hatte ihm Guillem geraten.
Arnau bedachte sich kurz. Man hatte ihm einen der beiden Posten als Seekonsul von Barcelona angeboten. Der Seekonsul war der oberste Vertreter des Handels in der Stadt, mit eigener Rechtsbefugnis bei geschaftlichen Auseinandersetzungen, unabhangig von allen anderen Institutionen in Barcelona, dafur zustandig, Probleme im Hafen und unter den Arbeitern zu losen und darauf zu achten, dass die Vorschriften und Satzungen des Handels eingehalten wurden.
»Ich wei? nicht, ob ich das kann …«
»Niemand ist besser dafur geeignet als du, Arnau, glaub mir«, unterbrach ihn Guillem. »Du kannst das. Ganz sicher kannst du das.«
Und so willigte Arnau ein, einer der beiden neuen Konsuln zu werden, wenn die Amtszeit der Vorganger endete.
Santa Maria, seine Geschafte, seine kunftigen Pflichten als Seekonsul – das alles schuf eine Mauer rund um Arnau, hinter der sich der ehemalige
Arnau hatte sein Versprechen gegenuber Elionor gehalten, doch sein Verhalten bestatigte auch die Grunde, deretwegen er ihr dieses Angebot unterbreitet hatte. Ihr Verhaltnis war kuhl und distanziert und beschrankte sich auf das Allernotigste. Unterdessen war Mar zwanzig Jahre alt und weigerte sich nach wie vor zu heiraten. Weshalb sollte sie, wo sie doch Arnau hatte? Was wurde er ohne sie tun? Wer sollte ihm die Schuhe ausziehen und ihn umsorgen, wenn er von der Arbeit nach Hause kam? Wer sollte mit ihm reden und sich seine Probleme anhoren? Elionor vielleicht? Joan, der sich mehr und mehr in seine Studien vertiefte? Die Sklaven? Oder Guillem, mit dem er bereits den Gro?teil des Tages verbrachte?
Jeden Tag wartete Mar ungeduldig auf Arnaus Heimkehr. Wenn sie ihn an das gro?e Portal klopfen horte, schlug ihr Herz schneller, und mit einem Lacheln auf den Lippen sturmte sie los, um ihn oben an der Treppe zur Adelsetage zu erwarten. Wahrend des Tages, wenn Arnau nicht da war, war ihr Leben eintonig und eine standige Qual.
»Kein Rebhuhn!«, tonte es da durch die Kuche. »Heute gibt es Kalbfleisch.«
Mar wandte sich zu der Baronin um, die in der Kuchentur stand. Arnau mochte Rebhuhn, also war sie mit Donaha welches kaufen gegangen. Sie hatte das Geflugel selbst ausgewahlt, es an einem Balken in der Kuche aufgehangt und taglich seinen Zustand gepruft. Schlie?lich befand sie, dass es abgehangen genug war, und ging fruhmorgens nach unten in die Kuche, um es zuzubereiten.
»Aber …«, wollte Mar widersprechen.
»Kalbfleisch«, bestimmte Elionor und warf Mar einen vernichtenden Blick zu.
Mar sah Donaha an, doch die Sklavin zuckte beinahe unmerklich mit den Schultern.
»Was in diesem Haus gegessen wird, bestimme ich«, setzte die Baronin hinzu, diesmal an die gesamte Dienerschaft in der Kuche gewandt. »In diesem Haus habe ich das Sagen!«
Damit drehte sie sich um und ging.
An diesem Tag wartete Elionor ab, welche Folgen ihr Affront hatte. Wurde sich das Madchen an Arnau wenden oder wurde es die Auseinandersetzung fur sich behalten? Auch Mar dachte daruber nach, ob sie Arnau davon erzahlen sollte. Was gewann sie damit? Wenn Arnau fur sie Partei ergriff, wurde er Streit mit Elionor bekommen, und sie war ja tatsachlich die Hausherrin. Und wenn er nicht fur sie Partei ergriff? Die Vorstellung versetzte ihr einen Stich. Arnau hatte einmal gesagt, dass er den Konig nicht vor den Kopf sto?en durfe. Und wenn Elionor sich ihretwegen beim Konig beschwerte? Was wurde Arnau dann sagen?
Am Abend warf Elionor dem Madchen ein abschatziges Lacheln zu, als sie feststellte, dass Arnau sich ihr gegenuber genauso verhielt wie immer. Mit der Zeit wurde dieses Lacheln zu Mars standigem Begleiter. Elionor untersagte ihr, mit den Dienern zum Einkaufen zu gehen und die Kuche zu betreten. Sie postierte Bedienstete vor
