Mit diesen Worten kehrte er ihm den Rucken zu.
»Ich bin ein Verwandter des Meisters.«
Der Mann erstarrte und fuhr dann herum.
»Hat dir der Meister nicht schon genug Geld gegeben? Warum gibst du nicht endlich Ruhe?«, grummelte er, wahrend er Bernat einen Schubs gab. Arnau begann zu weinen. »Du hast es doch gehort: Wenn du dich noch einmal hier blicken lasst, zeigen wir dich an. Grau Puig ist ein einflussreicher Mann.«
Bernat war zuruckgewichen, wahrend der Mann ihn vor sich her stie?. Er wusste nicht, wovon er sprach.
»Hort mich an«, verteidigte er sich, »ich …«
Arnau weinte.
»Hast du mich nicht verstanden?«, uberbrullte der Mann Arnaus Geschrei.
Doch dann kam aus einem der Fenster im Obergeschoss ein Schrei, der noch lauter war.
»Bernat! Bernat!«
Bernat und der Mann sahen zu der Frau hinauf, die mit dem Oberkorper aus dem Fenster lehnte und winkte.
»Guiamona!«, rief Bernat zuruck.
Die Frau verschwand, und Bernat wandte sich wieder dem Mann zu, der die Augen zusammengekniffen hatte.
»Du kennst Dona Guiamona?«, fragte er ihn.
»Sie ist meine Schwester«, antwortete Bernat trocken. »Und damit du es wei?t, mir hat niemand jemals irgendwelches Geld gegeben.«
»Es tut mir leid«, entschuldigte sich der Mann mit hochrotem Kopf. »Ich meinte die Bruder des Meisters: Erst kommt der eine, dann der nachste, und dann noch einer und noch einer.«
Als Bernat seine Schwester aus dem Haus kommen sah, lie? er den Mann einfach stehen und lief zu ihr hin, um sie zu umarmen.
»Und Grau?«, fragte Bernat seine Schwester, nachdem sie es sich bequem gemacht hatten. Zuvor hatte er sich das Blut vom Auge gewischt, Arnau der maurischen Sklavin ubergeben, die sich um die kleinen Kinder von Guiamona kummerte, und zugesehen, wie der Junge eine Schussel Milch mit Getreide gegessen hatte. »Ich wurde ihn gerne in die Arme schlie?en.«
Guiamona verzog das Gesicht.
»Was ist los?«, wunderte sich Bernat.
»Grau hat sich sehr verandert. Er ist jetzt wohlhabend und einflussreich.«
Guiamona wies auf die zahlreichen Truhen, die entlang der Wande standen, einen Schrank – ein Mobelstuck, das Bernat noch nie zuvor gesehen hatte – mit einigen Buchern und Keramiken, die Teppiche, die den Boden zierten, und die Vorhange, die vor den Fenstern hingen.
»Er kummert sich kaum noch um die Werkstatt und den Verkauf; das macht Jaume, sein erster Geselle, den du auf der Stra?e getroffen hast. Grau handelt jetzt mit Schiffen, Wein und Ol. Er ist Zunftmeister und ein angesehener Mann in der Stadt, und er will unbedingt in den Rat der Hundert gewahlt werden.«
Guiamona lie? ihren Blick durchs Zimmer schweifen.
»Er ist nicht mehr der Alte, Bernat.«
»Du hast dich auch sehr verandert«, unterbrach Bernat sie.
Guiamona sah an ihrem fullig gewordenen Korper hinunter und nickte lachelnd.
»Dieser Jaume«, hakte Bernat nach, »hat etwas uber Graus Verwandte gesagt. Was meinte er damit?«
Guiamona schuttelte den Kopf, bevor sie antwortete.
»Nun, er meinte, dass sie alle in der Werkstatt aufgetaucht sind, als sie erfuhren, dass ihr Bruder zu Geld gekommen war. Bruder, Vettern und Neffen flohen von ihrem Land, um Graus Hilfe zu erbitten.«
Guiamona entging der Gesichtsausdruck ihres Bruders nicht.
»Du etwa auch …?«
Bernat nickte.
»Aber … du hattest so ein wunderbares Stuck Land!«
Guiamona konnte die Tranen nicht zuruckhalten, wahrend Bernat seine Geschichte erzahlte. Als er ihr von dem Jungen in der Schmiede berichtete, stand sie auf und kniete neben dem Stuhl nieder, auf dem ihr Bruder sa?.
»Aber das erzahlst du niemandem«, riet sie ihm. Dann horte sie ihm weiter zu, den Kopf an sein Bein angeschmiegt.
»Mach dir keine Sorgen«, schluchzte sie, als Bernat mit seiner Erzahlung zu Ende war. »Wir werden dir helfen.«
»Aber Schwester«, sagte Bernat, wahrend er ihr uber den Kopf strich, »wie wollt ihr mir helfen, wenn Grau nicht einmal seinen eigenen Brudern geholfen hat?«
»Weil du anders bist!«, flusterte Guiamona schniefend.
Es war bereits dunkel, als ihr Mann nach Hause kam. Der kleine, schmale Grau kam aufgeregt schimpfend die Treppe hinauf. Guiamona hatte auf ihn gewartet und horte ihn kommen. Jaume hatte Grau uber die neue Situation informiert: »Euer Schwager schlaft in der Scheune bei den Lehrlingen und das Kind … bei Euren Kindern.«
Grau ging wutend auf seine Frau los, als sie ihm entgegentrat.
