aus, und er betete, wie er noch nie im Leben gebetet hatte. Schlie?lich bestatigte Elionor, die behauptete, die Information von einem durchreisenden Handler zu haben, seine Befurchtungen. Das Madchen war von einem Ritter namens Felip de Ponts entfuhrt worden, einem seiner Schuldner, der sie in einem Wehrhof in der Nahe von Mataro festhielt, keine Tagesreise nordlich von Barcelona.
Arnau entsandte die
Niemand wagte es, ihn zu storen. Selbst die Handwerker hielten in ihrer Arbeit inne. Vor dem kleinen steinernen Gnadenbild kniend, das ihm ein Leben lang so viel bedeutet hatte, versuchte Arnau, die schrecklichen Szenen zu verdrangen, die ihn zehn Tage lang gequalt hatten und die sich nun in seinen Gedanken mit dem Gesicht Felip de Ponts verbanden.
Felip de Ponts hatte Mar in ihrem eigenen Haus uberfallen, geknebelt und geschlagen, bis das Madchen schlie?lich erschopft seinen Widerstand aufgab. Er hatte sie in einen Sack gesteckt und diesen auf einen mit Reitgeschirr beladenen Karren gehievt, der von einem seiner Bediensteten gelenkt wurde. So hatten sie das Stadttor passiert, ohne dass jemand Verdacht schopfte, denn es sah so aus, als ware der Ritter in die Stadt gekommen, um Zugel und Zaumzeuge zu kaufen oder reparieren zu lassen. Auf seinem Hof angekommen, brachte er das Madchen in den befestigten Turm und schandete es immer wieder, mit zunehmender Rucksichtslosigkeit und Lust, je deutlicher ihm die Schonheit seiner Geisel bewusst wurde und je verzweifelter sie versuchte, ihren Korper, wenn schon nicht mehr ihre Jungfraulichkeit, zu schutzen. Eigentlich hatte Felip de Ponts Joan versprochen, Mar zu entjungfern, ohne sie zu entkleiden oder ihr seine eigene Blo?e zu zeigen und dabei nur so viel Gewalt anzuwenden, wie unbedingt notig war. Beim ersten Mal hielt er sich auch daran; und dabei hatte es bleiben sollen, doch die Wollust war starker als sein ritterliches Ehrenwort.
Nichts von dem, was sich Arnau unter Tranen und mit wehem Herzen in der Kirche Santa Maria ausmalte, konnte mit dem mithalten, was das Madchen durchlitt.
Als die
»Ehrenwerter Herr Konsul, es stimmt. Eure Tochter wurde entfuhrt und befindet sich in der Gewalt des Ritters Felip de Ponts.«
»Habt ihr mit ihm gesprochen?«
»Nein, Herr Konsul. Er hat sich im Turm verschanzt und unsere Autoritat in Abrede gestellt, da es keine Handelsangelegenheit betrifft.«
»Wisst ihr etwas von dem Madchen?«
Der Hauptmann senkte den Blick.
Arnau grub die Fingernagel in das Holz des Betstuhls.
»Ich habe keine Autoritat? Die soll er haben«, presste er hervor.
Die Nachricht von Mars Entfuhrung verbreitete sich rasch. Am nachsten Tag begannen bei Tagesanbruch samtliche Kirchenglocken Barcelonas durchdringend zu lauten, und das
Wie so oft schon verwandelte sich die Plaza del Blat in den Sammelplatz des Burgerheeres von Barcelona, an dem sich samtliche Zunfte der Stadt einfanden. Es fehlte keine, und die bewaffneten Zunftmitglieder sammelten sich unter ihren Bannern. An diesem Morgen legte Arnau seine Prunkgewander ab und zog erneut jene einfachen Kleider an, in denen er damals unter dem Befehl Eiximen d'Esparcas und dann gegen Pedro den Grausamen gekampft hatte. Er benutzte immer noch die herrliche Armbrust seines Vaters. Er hatte sie nicht gegen eine andere eintauschen wollen und war nun so dankbar dafur wie nie zuvor. Am Gurtel trug er denselben Dolch, mit dem er vor Jahren seinen Feinden den Tod gebracht hatte.
Als Arnau auf den Platz kam, wurde er von uber dreitausend Mannern begru?t. Die Fahnentrager erhoben die Banner. Schwerter, Lanzen und Armbruste wurden uber den Kopfen geschwenkt, wahrend ein ohrenbetaubendes
»War das in unseren Planen vorgesehen?«, fragte der Dominikanermonch Elionor inmitten des Larms.
Elionor starrte verloren in die Menge. Ganz Barcelona stand hinter Arnau. Johlend schwenkten sie ihre Waffen. Und das alles wegen dieser kleinen Hexe.
Da entdeckte Arnau das Banner. Die Menge lie? ihn durch, wahrend er zum Sammelpunkt der
»War das in unseren Planen vorgesehen?«, fragte der Monch noch einmal. Die beiden gingen langsam hinter Arnau her. Elionor gab keine Antwort. »Sie werden unseren Ritter vernichten. Sie werden sein Land verwusten, sein Gehoft zerstoren, und dann …«
»Und dann was?«, blaffte Elionor, wahrend sie nach vorn sah.
Ich werde meinen Bruder verlieren, dachte Joan. Vielleicht bleibt uns noch Zeit, etwas zu unternehmen. Das kann nicht gut gehen …
»Sprecht mit ihm«, bat er Elionor.
»Seid Ihr verruckt geworden?«
»Und wenn er der Ehe nicht zustimmt? Und wenn Felip de Ponts alles erzahlt? Sprecht mit ihm, bevor sich das Heer in Marsch setzt. Tut es. Bei Gott, Elionor!«
»Bei Gott?« Nun sah Elionor Joan an. »Sprecht Ihr mit Eurem Gott, Monch!«
Die beiden erreichten das Banner der
Arnau sah Elionor mit gerunzelter Stirn an, als er sie bemerkte.
»Sie ist auch meine Ziehtochter«, rief sie.
Die Ratsherren gaben den Befehl zum Abmarsch und das Burgerheer von Barcelona setzte sich in Bewegung. Die Banner von Sant Jordi und der Stadt zogen voran, gefolgt von den
