mich schuldig gefuhlt, wenn ich sah, wie die Schonheit und die Gesundheit dahinwelkten, die Gott diesem Madchen schenkte, welches das Gluck hatte, von einem gutigen Menschen wie dir aufgenommen zu werden. Ich will mich nicht auch noch am Tod eines Mannes schuldig fuhlen, der unter Einsatz seines eigenen Lebens, das er uns heute anbietet, gekommen ist, um das zu einem guten Ende zu bringen, was durchzusetzen wir nicht fertigbrachten. Stimme der Heirat zu. Ich an deiner Stelle, wenn du meine Meinung horen willst, wurde zustimmen.«
Arnau schwieg. Das ganze Heer wartete gespannt auf seine Antwort. Joan nutzte den Moment, um Elionor anzusehen. Er glaubte, ein stolzes Lacheln auf ihren Lippen zu erkennen.
»Willst du damit sagen, dass ich an alldem schuld bin?«, fragte Arnau Joan.
»Nein, Arnau, ich bin schuld. Ich hatte dich uber die Vorschriften der Kirche und die gottliche Bestimmung in Kenntnis setzen mussen, doch das habe ich nicht getan … Und ich bereue es.«
Guillems Augen spruhten Funken.
»Was will das Madchen?«, fragte Arnau Felip de Ponts.
»Ich bin ein Ritter Konig Pedros«, antwortete dieser, »und seine Gesetze – dieselben, die euch heute hierhergefuhrt haben – messen bei einer Heirat dem Willen der Frau keine Bedeutung bei.« Ein zustimmendes Raunen ging durch die Reihen des Heeres. »Ich, Felip de Ponts, katalanischer Ritter, biete Eurer Ziehtochter die Ehe an. Solltest du, Arnau Estanyol, Baron von Katalonien und Seekonsul von Barcelona, einer Heirat nicht zustimmen, so nehmt mich fest und richtet uber mich. Stimmst du jedoch zu, so hat der Willen des Madchens wenig Bedeutung.«
Erneut murmelte das Heer zustimmend zu den Worten des Ritters. So war das Gesetz, und alle hielten sich daran und verheirateten ihre Tochter unabhangig davon, was diese wollten.
»Es geht nicht darum, was sie will, Arnau«, flusterte Joan ihm zu. »Es ist deine Pflicht. Finde dich damit ab. Niemand fragt seine Tochter nach ihrer Meinung. Es wird entschieden, was fur sie am besten ist. Dieser Mann hat Mar entjungfert, da geht es nicht mehr darum, was das Madchen will. Entweder sie heiratet ihn oder ihr Leben wird die Holle sein. Die Entscheidung liegt bei dir, Arnau: ein weiterer Toter oder die gottliche Losung fur unsere Versaumnisse.«
Arnau sah zu seinen Freunden und Verwandten. Guillem starrte voller Wut zu dem Ritter heruber. Elionor, mit der er auf Befehl des Konigs verheiratet war, hielt seinem Blick stand. Arnau sah sie fragend an. Elionor nickte. Zuletzt wandte er sich Joan zu.
»Es ist das Gesetz«, sagte dieser.
Arnau sah den Ritter an, dann die Soldaten. Diese hatten die Waffen gesenkt. Keiner dieser dreitausend Manner schien die Argumente Felip de Ponts infrage zu stellen, keiner dachte mehr an Krieg. Sie warteten auf Arnaus Entscheidung. So war das katalanische Gesetz. Was erreichte er, wenn er kampfte, den Ritter totete und Mar befreite? Was fur ein Leben erwartete das Madchen, nachdem man es entfuhrt und geschandet hatte? Ein Kloster?
»Ich stimme zu.«
Fur einen Moment herrschte Stille. Dann ging ein Raunen durch die Reihen der Soldaten, als Arnaus Entscheidung die Runde machte. Manche begru?ten laut seinen Entschluss, ein anderer jubelte. Weitere schlossen sich an, und schlie?lich brach das ganze Heer in Jubelrufe aus.
Joan und Elionor sahen sich erleichtert an.
Keine hundert Meter entfernt beobachtete die Frau, uber deren Zukunft soeben beschlossen worden war, aus ihrem Gefangnis in Felip de Ponts Wehrturm die Menge, die sich am Fu? der kleinen Anhohe drangte. Warum kamen sie nicht hinauf? Warum griffen sie nicht an? Was hatten sie mit diesem Unhold zu besprechen? Was riefen sie da?
»Arnau, was rufen deine Manner da?«
45
Der Jubel des Heeres bestatigte ihm, dass er richtig gehort hatte: »Ich stimme zu.« Guillem presste die Lippen fest zusammen. Jemand klopfte ihm auf die Schulter und fiel in den Jubel ein. »Ich stimme zu.« Guillem sah Arnau an, dann sah er zu dem Ritter, dessen Gesicht entspannt wirkte. Was konnte ein einfacher Sklave wie er unternehmen? Erneut betrachtete er Felip de Ponts. Jetzt grinste dieser. »Ich habe mich mit Mar Estanyol vereint.« Wie konnte Arnau zulassen …?
Jemand hielt ihm einen Weinschlauch hin. Guillem stie? ihn missmutig weg.
»Trinkst du nicht, Christ?«, horte er jemanden fragen.
Sein Blick begegnete jenem von Arnau. Die Ratsherren gratulierten Felip de Ponts, der immer noch auf seinem Pferd sa?. Die Leute tranken und lachten.
»Trinkst du nicht, Christ?«, horte er erneut jemanden hinter sich fragen.
Guillem gab dem Mann mit den Weinschlauch einen Sto? und sah erneut zu Arnau hinuber. Die Ratsherren gratulierten auch ihm. Von Leuten umringt, reckte Arnau den Kopf, um Guillem anzusehen.
Unterdessen feierte das gesamte Heer die friedliche Einigung. Die Manner hatten Lagerfeuer entzundet und sa?en singend um diese herum.
»Trink auf unseren Konsul und das Gluck seiner Ziehtochter«, sagte ein anderer und hielt ihm erneut einen Weinschlauch hin.
Arnau war in Richtung Gehoft verschwunden. Guillem schob erneut den Weinschlauch beiseite.
»Du willst nicht auf sie trinken?«
Guillem sah den Mann an. Dann wandte er sich ab und machte sich auf den Ruckweg nach Barcelona.
Das Larmen des Heeres wurde immer leiser und verstummte schlie?lich ganz. Guillem befand sich alleine auf dem Weg in die Stadt. Er ging schleppend, ganz allein mit seinen Gefuhlen und dem bisschen Mannesstolz, der einem Sklaven blieb.
Arnau lehnte den Kase ab, den ihm die zitternde Alte anbot, die sich um Felip de Ponts Gehoft kummerte. Zunftmeister und Ratsherren drangten sich im Obergeschoss uber den Stallen, wo sich der gro?e steinerne
