es war, das magische Licht des Mittelmeers zu filtern, um Stunde fur Stunde, Minute fur Minute fast, mit den Formen und Farben im Innenraum der Kirche zu spielen.
Die gewaltige Fensterrose in der Hauptfassade lie? bereits die zukunftige Komposition erkennen: In der Mitte befand sich eine kleine Mehrpassrosette, von der wie eigensinnige Strahlen, einer sorgfaltig gearbeiteten Sonne aus Stein gleich, die Lanzettfenster ausgingen, welche die Rosette gliedern sollten. An diese schlossen sich eine Reihe spitzbogiger Dreipasse und eine weitere Reihe runder Vierpasse an, die den Abschluss der gro?en Rosette bildeten. In dieses Ma?werk wurde, genau wie an den schmalen Fenstern der Fassade, im Anschluss die Bleiverglasung eingepasst werden. Im Moment allerdings sah die Fensterrose wie ein riesiges Spinnennetz aus fein gemei?eltem Stein aus, der darauf wartete, dass die Glasermeister die Lucken fullten.
Es war noch viel zu tun, dachte Joan beim Anblick der vielen hundert Manner, die hingebungsvoll an dem Traum eines ganzen Volkes arbeiteten. In diesem Augenblick kam ein
»Nur Mut«, flusterte Joan in das Geschrei hinein, das nun losbrach. Die
Es war ein Leichtes fur Aledis, den Herrn von Bellera und Genis Puig ausfindig zu machen. Au?er dem Handelshof fur auswartige Handler, die nach Barcelona kamen, gab es in der graflichen Stadt lediglich funf Herbergen. Sie wies Teresa und Eulalia an, sich an dem Weg hinauf zum Montjuic zu verstecken, bis sie sie holen kam. Aledis blickte ihnen stumm hinterher, wahrend schmerzliche Erinnerungen in ihr wach wurden.
Als die leuchtenden Kleider der Madchen nicht mehr zu sehen waren, machte sie sich auf die Suche. Zunachst im Hostal del Bou ganz in der Nahe des Bischofspalasts, an der Plaza Nova. Der Hausbursche jagte sie davon, als sie am Hintereingang klopfte und nach dem Herrn von Bellera fragte. Im Hostal de la Massa in der Portaferrissa, ebenfalls unweit des Bischofspalasts, sagte ihr eine Frau, die am Hintereingang sa? und Teig knetete, dass die besagten Herrschaften nicht dort wohnten. Daraufhin ging Aledis zum Hostal del Estanyer an der Plaza de la Llana. Dort musterte ein schamloser Bursche die Frau von oben bis unten.
»Wer interessiert sich fur den Herrn von Bellera?«, fragte er.
»Meine Herrin«, antwortete Aledis. »Sie ist ihm aus Navarcles hinterhergereist.«
Der Bursche, der gro? und durr war, starrte auf die Bruste der Dirne. Dann streckte er die Hand aus und wog eine in seiner Hand.
»Was will deine Herrin von diesem Adligen?«
Aledis lie? die Beruhrung reglos uber sich ergehen, wahrend sie sich ein Lacheln verkniff.
»Das geht mich nichts an.« Der Bursche begann sie zu befingern. Aledis presste sich an ihn und griff ihm zwischen die Beine. Der Bursche zuckte bei der Beruhrung zusammen. »Aber falls sie hier sind«, sagte sie, jedes Wort dehnend, »kann es gut sein, dass ich heute Nacht im Garten schlafen muss, wahrend meine Herrin …«
Aledis streichelte den Burschen zwischen den Beinen.
»Heute morgen sind zwei Manner gekommen und haben eine Unterkunft gesucht«, stammelte er.
Aledis lachelte. Fur einen Moment uberlegte sie, den Jungen stehen zu lassen, aber … warum eigentlich nicht? Sie hatte schon lange keinen jungen, unerfahrenen, nur von der Leidenschaft getriebenen Korper mehr auf sich gespurt …
Aledis schob ihn in einen kleinen Verschlag. Beim ersten Mal hatte der Bursche nicht einmal Zeit, die Hosen herunterzuziehen, doch dann saugte die Frau das ganze Ungestum aus dem launischen Objekt ihrer Begierde.
Als Aledis aufstand, um sich anzuziehen, blieb der Junge keuchend auf dem Boden liegen, den Blick irgendwo an der Decke des Verschlags verloren.
»Wenn du mich irgendwo wiedersiehst«, sagte sie, »dann kennst du mich nicht, verstanden?«
Aledis musste zweimal nachfragen, bis der Junge es versprach.
»Ihr seid meine Tochter«, erklarte sie Teresa und Eulalia, nachdem sie ihnen die Kleider uberreicht hatte, die sie gekauft hatte. »Ich bin seit Kurzem verwitwet, und wir sind auf der Durchreise nach Gerona, wo wir bei einem Bruder von mir unterkommen wollen. Wir sind vollig mittellos. Euer Vater war ein einfacher Geselle … ein Kurschner aus Tarragona.«
»Dafur, dass du frisch verwitwet bist und kein Geld hast, strahlst du ganz schon«, bemerkte Eulalia, wahrend sie das grune Kleid abstreifte, und zwinkerte Teresa zu.
»Stimmt«, pflichtete diese bei. »Du solltest diesen befriedigten Gesichtsausdruck ablegen. Man konnte meinen, du hattest gerade …«
»Keine Sorge«, unterbrach Aledis sie. »Wenn es an der Zeit ist, werde ich den Schmerz an den Tag legen, der einer jungen Witwe zusteht.«
»Aber nicht langer als notig«, erklarte Teresa. »Konntest du nicht die Sache mit der Witwe einmal kurz vergessen und uns erzahlen, warum du so frohlich bist?«
Die beiden Madchen lachten. Im Gebusch am Hang des Montjuic verborgen, konnte Aledis nicht aufhoren, ihre nackten, vollkommenen, sinnlichen Korper zu betrachten. Fur einen Moment erinnerte sie sich daran, wie sie selbst vor vielen Jahren an diesem Ort …
»Iiih!«, rief Eulalia. »Das kratzt!«
