»Gratuliere! Wirklich einmal eine kreative neue Art sicherzustellen, dass wir beide umgebracht werden. Hast du je die Moglichkeit in Betracht gezogen, dass das
»Klappe halten, Buckley.«
»Geht in Ordnung.«
Indowy-Wohnungen waren etwa ein Viertel so gro? wie die normaler menschlicher Wesen. Das lag nicht einmal daran, dass sie Platzangst gehabt hatten. Es kam einfach daher, dass sie sich in Gruppen viel sicherer fuhlten. Trotzdem hatte Aelool das Opfer gebracht, sich ein Zimmer fur sich allein zu nehmen, weil er gelegentlich Menschen zu sich einladen musste. Selbst auf Chicago Basis zogen die meisten Indowy es vor, sich lieber nicht mit Fleischfressern einzulassen, wenn das Zusammentreffen nicht unbedingt notwendig war. Davon waren nur die wenigen Menschenkinder ausgenommen, die in Sohon als Lehrlinge tatig waren und deren Familien man unter den Bane Sidhe speziell auf ihre Anpassungsfahigkeit hin ausgewahlt hatte. Diese Menschenkinder waren Vegetarier. Dass sie als Teil einer Spezies zur Welt gekommen waren, die bis jetzt ihre fleischfresserischen Wurzeln noch nicht ganz aufgegeben hatte, war ja nicht gerade ihre Schuld.
Seine Einzelwohnung schien auch fur menschliche Besucher bequemer zu sein, die sich gewohnlich zu zweit oder in kleinen Gruppen wohl fuhlten, aber unglucklicherweise auf gro?ere Ansammlungen negativ reagierten. Die wenigen Wissenschaftler, die die Geschichte der Menschen trotz einer naturlichen Abneigung fur dieses von Gewalt durchsetzte Thema studiert hatten, waren, nachdem sie das Verhalten von Menschen in gro?eren Ansammlungen ihrer eigenen Spezies im Laufe ihrer Geschichte studiert hatten, zu etwa gleichen Teilen geteilter Meinung daruber, ob die Menschen nun pathologische Einzelganger oder versteckte Xenophoben waren. Er neigte der ersten Hypothese zu und verhielt sich auch dementsprechend. Fur ihn hatte das bisher gut funktioniert. Ehrlich, solange man dafur sorgte, dass sie nicht in ein zu dichtes Gedrange kamen, waren viele Menschen im Grunde genommen gar nicht so ubel.
Im Augenblick bereitete er sich auf seinen haufigsten Besucher vor, Nathan O’Reilly, dem man die Sorge fur die Hauptbasis der Bane-Sidhe-Operationen auf der Erde anvertraut hatte. Obwohl die Informationsgewinnung und auch andere Operationen am besten mit einem Zellensystem funktionierten, lie? sich doch eine gewisse Burokratie nicht ganz vermeiden, sobald man ein gewisses Niveau der Komplexitat uberschritten hatte. O’Reillys ganz spezielle philosophische Disziplin erforderte es, dass er sich nicht verheiratete und auch keinen Nachwuchs hatte, und demzufolge verfugte er auch nicht uber einen nennenswerten Clan, aber seine Position und seine hohe Bildung setzten ihn mit einer Art hochrangigem Altesten gleich. Aelool empfand gro?en Respekt fur den Monsignore. Sie teilten eine Leidenschaft fur Logikspiele, und Father O’Reilly hatte ihn mit dem Schachspiel vertraut gemacht. Es ganz zu meistern wurde zumindest ein Jahrhundert in Anspruch nehmen. Vielleicht wurde er sich dann fur den Gefallen revanchieren und seinen Freund Aethal lehren konnen.
Die angemessene Gastfreundschaft gegenuber menschlichen Besuchern erforderte die rituelle Zubereitung einer Bohnenbruhe, die bei dieser Spezies in hohem Ansehen stand. Er hatte diese Kunst vom besten Experten gelernt, den er hatte ausfindig machen konnen. Ein perfekt sauberer Topf und die entsprechende Apparatur, eine winzige Prise Salz, dann die im Handel erhaltlichen getrockneten und vorgerosteten Bohnen durch ein grobes Mahlwerk treiben, dazu Quellwasser aus Flaschen, dann die einzelnen Komponenten an den jeweils richtigen Stellen in die Maschine eingeben, und die Suppe wurde jedes Mal perfekt zubereitet. Er konnte nicht verstehen, wie es eine Saison fur Wasser geben konnte, aber wenn er es bestellte, wussten die immer, was er meinte, und deshalb legte er sich auch nicht mit ihnen an.
Aelool hatte gelernt, dass manche Schachspiele abstrakter als andere waren. Dasjenige, das er gewahlt hatte, hatte Holzfiguren, die au?erst fein geschnitzt waren. Das Pferd gefiel ihm besonders. Er war einige Male Pferden begegnet. Sie waren nicht gerade vernunftbegabt, aber dennoch hatte er gern einmal eines in seiner Wohnungsgruppe gehabt, falls man sie klein genug zuchten konnte.
Nachdem er alles fur seinen Gast bereit gemacht hatte, sa? er ein paar Minuten still da und arbeitete an der Konstruktion seines neuesten Projekts. Als das Licht leicht ins Gelbe umschlug und damit das Eintreffen des Gelehrten ankundigte, legte er das Projekt still beiseite und druckte den Knopf der Sprechanlage.
»Es ist offen«, sagte er.
»Aelool, wie geht es Ihnen heute Nachmittag?«
»Gut«, erwiderte er in dem rituellen Gru?. »Darf ich Ihnen Kaffee anbieten?«
»Ja, bitte. Schwarz.«
Der Indowy stellte eine Tasse Kaffee und ein Glas Wasser mit einer Olive auf das Tablett. Tatsachlich war der Kaffee nicht schwarz. Er war dunkelbraun. Und wenn man mit Fett und Nahrstoffen angereicherten Saugetierschwei? hinzufugte, machte ihn das nicht wei?, sondern eher hellbraun. Aber er hatte sich daran gewohnt, dass Menschen in solchen Dingen zu ubertreiben pflegten.
Sie begannen ihr Schachspiel. Er hatte Wei? — was in seinem Fall tatsachlich wei? war -, also eroffnete er das Spiel. Zurzeit war er dabei, Variationen der Turmeroffnung zu lernen. Wahrend sie spielten, brachte O’Reilly ihn auf den neuesten Stand hinsichtlich der Erdoperationen.
»Denen wird es nicht leicht fallen, Worth zu ersetzen. Die meisten Kampfveteranen, die sie haben, sind es gewohnt, Posleen zu toten, nicht Mitmenschen. Zugegeben, sie verfugen immer noch uber die Profis, die er rekrutiert und ausgebildet hat, aber die Darhel haben schon immer mehr dazu geneigt, sich ihre Erkenntnisse durch Hacken und durch grundliches Aktenstudium zu beschaffen und sich weniger auf wirklich vernunftbegabte Agenten oder Einsatzspezialisten zu stutzen. Ihre Ausbildungssysteme sind schwach, und jeder Verlust tut ihnen weh.«
»Die undichte Stelle macht mir mehr Sorgen. Wir brauchen Tarnung. Der Plan ist sehr langfristig angelegt, und wenn er vorzeitig bekannt wurde, konnte ihn das zum Scheitern bringen.«
»Team Isaac hat eine beeindruckende Erfolgsrate.«
»Dann kann man ihnen nur Gluck wunschen.«
4
Es war wenige Minuten vor sechs, und die Rander der uber den Himmel verstreuten Wolken leuchteten in strahlendem Rosa, als Cally am Columbia-Tor des Walls aus dem stadtischen Bus stieg. Sie hatte ihren Rucksack und einen Rollkoffer bei sich und trug ein altes Paar Shorts mit einem T-Shirt, dazu eine grell bunte Strandmutze und einen leuchtend gelben Folly Beach Visor. Ihr Gesichtsausdruck vermittelte an leichte Verzweiflung grenzende Hoffnung, als sie den Blick an den Fahrzeugen entlangwandern lie?, die sich fur den morgendlichen Konvoi aufreihten. Sie ging auf einen ziemlich heruntergekommen wirkenden wei?en Van zu, aber die finsteren Blicke der Frau hinter dem Steuer lie?en sie nach einer anderen Fahrgelegenheit suchen. Ziemlich am Ende der Schlange entdeckte sie einen VW-Bus, der wahrscheinlich schon an die achtzig Jahre alt war. Die Malereien an den Seitenflachen waren unterschiedlich stark verblasst, aber offenkundig doch im Laufe der Jahre immer wieder mit Sorgfalt nachgebessert worden. Der Totenschadel mit den oben herauswachsenden Rosen war absolut perfekt, ebenso die liebevoll aufgemalte Schrift, die sie bereits kannte, ehe sie weit genug an den anderen Fahrzeugen vorbei war, um sie zur Ganze lesen zu konnen.
Ehe sie naher trat, kummerte sie sich um ihren Buckley, schaltete Stimmzugang und Antwort ab, reduzierte die Emulationen bis herunter auf zwei und stopfte das Ding dann in ihre Handtasche zuruck. Das wurde ja gerade noch fehlen, dass das Ding im falschen Augenblick das Falsche sagte.
Der Fahrer des VW-Busses hatte langes, blondes Haar, einen buschigen Schnurrbart, doch einen gepflegten Bart. Er war gebaut wie ein kleiner Bar. Beim Naherkommen konnte sie einen schwachen Hauch von Eichenblattern und Patchouli wahrnehmen, das sich in den Salz- und Fischgeruch von den Tanks hinten mischte. Die Musik aus
