Krabbe war wirklich komisch. Die hat da etwas gesagt so ahnlich wie, friedliche Kunst sei gute Therapie fur blutdurstige, Fleisch fressende Barbaren.« Sie grinste. »Blo? dass es verdammt schwierig war, den Kerl zu zeichnen, weil die sich namlich nicht ruhig halten konnen, wei?t du?«
Er schmunzelte, und dann setzte wieder Schweigen ein, weil er sich auf die Stra?e konzentrierte und sie sich wieder einen von Marilyns Liebesromanen vorgenommen hatte.
Schlie?lich wichen die Berge sanften Hugeln mit allen moglichen Laubbaumen, deren Namen sie nicht einmal dann gekannt hatte, wenn man ihr viel Geld dafur gegeben hatte, und ein paar Trauerweiden dazwischen. Je flacher das Terrain wurde, desto haufiger konnte man auf den Hugeln wei?e oder schwarze Bretterzaune sehen, hinter denen Pferde oder Ponys weideten, die meisten mit Fohlen. Als sie das erste Mal in Kentucky gewesen war, war sie sehr enttauscht gewesen, weil das Gras dort uberhaupt nicht blau war. Selbst jetzt, wo sie es besser wusste, war es irgendwie enttauschend.
Der extraterrestrische Markt fur Pferde war eines der seltsameren Ergebnisse des Kontakts mit den Galaktern gewesen. Die Indowy waren von den intelligenten, geselligen Pflanzenfressern entzuckt gewesen, und selbst die Tchpth hatten gelegentlich gemeint, dass es auf der Erde eine angehend intelligente und
Reefer hatte voraustelefoniert, als sie die Grenze zum Pferdeland uberschritten hatten. Als sie daher auf der Fahrt durch Lexington die Interstate verlie?en und auf den Parkplatz eines
»Wie war’s, wenn du reingehst und uns einen Platz besorgst? Wir konnten ja eigentlich hier zu Mittag essen.« Reefer deutete mit einer Kopfbewegung auf das Restaurant. Es stand an einer verkehrsreichen Hauptstra?e neben einer Menge anderer Restaurants, aber er hatte so geparkt, dass ihn nur wenige Leute sehen konnten, wahrend er seine Ware an den Mann brachte. Unglucklicherweise bedeutete das, dass ihr der Gestank eines Mullcontainers ins Gesicht schlug, als sie auf den hei?en Asphalt trat, was dazu fuhrte, dass sie etwas wehmutig zu dem eleganten italienischen Kettenrestaurant auf der anderen Stra?enseite blickte, wahrend sie auf den Eingang des
Als Reefer hereinkam, sa? sie an der Theke, hatte neben sich einen Sitz freigehalten und bereits ihren Kaffee bekommen; jetzt pickte sie an einer Pecan-Waffel herum. Er brauchte nicht lange, um ein Omelette und eine Cola zu verputzen, dann ging die Fahrt weiter. Obwohl sie das Stadtzentrum links liegen lie?en, waren doch die vielen historischen Bauten Lexingtons nicht zu ubersehen. Sie hatte ein etwas seltsames Gefuhl in der Kehle und fragte sich, ob sie vielleicht eine Erkaltung ausbrutete. Es war, als wurden sie durch ein winziges Stuck Vorkriegserde fahren, und sie konzentrierte sich bewusst auf ihren Bildschirm, als drau?en die Landschaft vorbeihuschte und gelegentlich langsamer wurde, wenn ein Zirpen von irgendwo unter dem Armaturenbrett die Anwesenheit des hochst illegalen dort unten versteckten Gerats verriet.
Als das Zirpen zum ersten Mal zu horen war, spurte sie, wie er zu ihr herubersah. Als sie zu ihm aufblickte und die Achseln zuckte und sich dann wieder ihrem Buch zuwandte, grunzte er nichts sagend und schob sich wieder einmal einen Kaugummi in den Mund, schien aber von dem Augenblick an nicht mehr beunruhigt, wenn sich der Detektor vernehmen lie? — er wurde lediglich langsamer, bis das kleine rote Licht an seinem Wurfelspieler erlosch.
Am spaten Nachmittag setzte er sie an einer Tankstelle in der Nahe der Ausfahrt Hopple Street in Cincinnati ab. Als sie ihren Rucksack und ihren Koffer aus dem Wagen hievte, ihm die Hand schuttelte, hoflich, ein weiteres Jobangebot ablehnte und dem VW-Bus nachsah, wie er die Zufahrt zur Interstate hinaufrollte, konnte sie immer noch die Musik seiner Wurfel horen …
Als er ihren Blicken entschwunden war, trug sie ihre Sachen zu der Telefonzelle, um sich ein Taxi zu rufen. Dann setzte sie sich auf die Bank neben dem Telefon und wartete, studierte ihre Umgebung und die Mischung aus hohen, ganz schmalen alten Stadthausern und kleinen Industriebauten beiderseits der Stra?e. Die Busstation befand sich zwischen der Tankstelle und einer Reparaturwerkstatte fur Haushaltsgerate. Auf der anderen Stra?enseite konnte sie durch die Lucken zwischen zwei Hausern die Skyline der Innenstadt erkennen, die allerdings zum gro?ten Teil vom Smog verdeckt war, sodass man nur undeutliche geometrische Konturen erkennen konnte.
General Beed vermittelte es ein Gefuhl der Wichtigkeit, dass man ihn zu einer Besprechung in Chicago einbestellt — nun ja, eigentlich eingeladen — hatte, um dort seinen nachsten Auftrag zu besprechen. Nach dem Krieg gab es, nun ja, eine gro?e Zahl alter Generale mit gro?er Erfahrung, die, so wie die Dinge jetzt standen, sehr lange leben wurden. Er hatte das Gluck gehabt, im aktiven Dienst bleiben zu konnen und leitete die Kriminalermittlungsabteilung der Region Sudost. Das war eine wesentlich wichtigere Position, als es auf den ersten Blick den Anschein gehabt hatte, schlie?lich war der Sudosten fur den Wiederaufbau der restlichen achtundvierzig Staaten der kontinentalen USA von lebenswichtiger Bedeutung.
Der Konferenzsaal hatte vor dem Krieg jedem an der Borse notierten Gro?konzern zur Ehre gereicht — der Konferenztisch aus auf Hochglanz poliertem Holz, Gemalde an den Wanden, uppiger Teppichboden in elegantem Rosa, wofur es wahrscheinlich einen hochtrabenden Namen gab, und frisch getunchte Wande — alles Erinnerungen an eine Art von Vorkriegsopulenz, wie man sie heutzutage nur noch selten zu sehen bekam, ganz besonders beim Militar. Und der Ausblick vom Fleet Strike Tower war atemberaubend grandios. Rang brachte ganz eindeutig Privilegien mit sich. Er hob die Hand, um sich durch Tasten zu vergewissern, dass sein Schnurrbart in Ordnung war, strich sich vorsichtig uber das dunkelblonde Haar, um den Sitz seiner Frisur zu kontrollieren, dabei sorgsam darauf bedacht, sie nicht in Unordnung zu bringen — obwohl das nach reichlicher Benutzung von Haarspray keine gro?e Gefahr darstellte.
Als der Major General schlie?lich den Raum betrat, beeindruckte er Beed in keiner Weise. Der Austausch von Ehrenbezeigungen verschaffte ihm, wie immer, einen kurzen Augenblick, um sich ein Bild von dem anderen Mann zu machen und einen ersten Eindruck zu entwickeln. Die Verjungungsbehandlung half naturlich, und er konnte weder an der Uniform des Mannes noch seinem gepflegten Aussehen einen Makel erkennen. Dennoch sollte ein General von Fleet Strike wie ein General aussehen, und die krumme Nase, die fast zusammengewachsenen Augenbrauen und aus seiner Jugend ubrig gebliebene Aknenarben hinterlie?en einen allgemeinen Eindruck einer, nun ja, Gewohnlichkeit, die nach der Erfahrung seines Gastes nicht dem Bild eines guten Generals entsprach. Unglucklicherweise hatte ihn auch niemand nach seiner Meinung gefragt. Dennoch, man erwies dem Rang den gebuhrenden Respekt, und der Mann schien zumindest auf eine Art und Weise fit, die auf ein lobenswertes Ma? an Fitnesstraining hindeutete. Er war, ebenso wie Beed, drahtig und schlank gebaut, eine typische Lauferfigur, wie man sie gewohnlich mit guten Soldaten in Verbindung brachte, und das lie? in ihm ein wenig freundlichere Gefuhle gegenuber dem anderen aufkommen.
»General, man hat Sie in Verbindung mit einem hochst sensiblen Einsatz im Bereich der Nachrichtendienste hierher beordert. Lassen Sie mich bitte etwas vorweg sagen, ehe ich fortfahre. Die Information, die Sie jetzt von mir erhalten werden, ist
»Ich verstehe, Sir«, sagte Beed wurdevoll und bemuhte sich, noch eine Spur aufrechter zu stehen.
»Wir haben in letzter Zeit gewisse Informationen und schlussige Beweise dafur erhalten, dass eine sowohl der Foderation wie auch Fleet Strike feindlich gesonnene Organisation existiert, die den Willen und die Fahigkeit
