unter Beweis gestellt hat, auf ziemlich hohem Niveau Agenten bei Fleet Strike einzuschleusen und diese Agenten uber langere Zeitraume unentdeckt operieren zu lassen. Das ist praktisch die gesamte Information, die uns uber jene Organisation zur Verfugung steht, und auch das wussten wir ohne eine Kombination aus einer Sicherheitspanne auf Seiten jener Organisation und sehr viel Gluck und kluges Handeln vor Ort auf unserer Seite nicht.«
»Sir, das klingt …«
»Lacherlich, unglaublich, unerhort — ja, ich wei?. Alles das und noch mehr. Wir haben uns mit Spekulationen sehr zuruckgehalten, um nicht irgendwelche Vorurteile aufkommen zu lassen, haben aber dennoch eine Liste bekannter Gruppen oder Ideologien mit feindseliger Einstellung gegenuber der galaktischen Foderation oder den nicht menschlichen Rassen oder Fleet Strike selbst aufgestellt. Diese Liste reicht von Elementen in der Regierung der Vereinigten Staaten bis hin zu der humanistischen Bewegung der Familien fur Christus.«
»Familien fur Christus?«, wiederholte Beed unglaubig.
»Sie sind offenbar in hohem Ma?e mit der gro?en Zahl von Ehen nicht einverstanden, die zerbrochen sind, nachdem nur der Ehemann verjungt worden ist. Sie behaupten, es gabe da eine erfolgreiche Verschworung von Satanisten, die sich die Zerstorung der amerikanischen Familie zum Ziel gesetzt hat. Und selbstverstandlich gibt es Querbeziehungen zwischen dieser Gruppe und den Humanisten.«
»Wenn Sie hier von der Regierung der Vereinigten Staaten sprechen, denken Sie vermutlich an den Konstitutionalisten-Club der Republikanischen Partei?«
»Jede Gruppe hat ihre extremen Randelemente. Sie sind immer noch sehr unzufrieden damit, dass die ursprunglichen Vertrage mit den Galaktern fur den Bau der Suburbs ausdrucklich jede Anderung der internen Regeln verbieten, die sie zu waffenfreien Zonen fur Zivilpersonal machen.« Vanderberg zuckte die Achseln. »Wie ich schon sagte, bei dieser Feststellung handelt es sich ausschlie?lich um Spekulationen. Konkret wissen wir erschutternd wenig. Ihr Einsatz steht in Verbindung mit einem Operationsplan, den wir entwickelt haben, um dieses Problem zu losen.«
Vanderberg stand auf und begann auf und ab zu gehen.
»Sie werden in Kurze das Kommando uber die Dritte MP-Brigade ubernehmen, deren Hauptquartier sich auf der Basis Titan befindet. Der gro?te Teil der Brigade befindet sich unter fahigen, Ihnen unterstellten Offizieren im vorgeschobenen Einsatz. Ihr XO, Colonel Tartaglia, ist ein au?erst tuchtiger Mann, der schon langst befordert worden ware, wenn es die durch Verjungung entstandenen Beforderungshindernisse nicht gabe. Das Buro Ihres Hauptquartiers befindet sich ganz nahe bei der CID, was Ihnen eine konzeptuell vertraute Umgebung einbringt und reichlich Zeit und Energie, um sich auf diese Aufgabe zu konzentrieren. Weil Sie eine Person brauchen werden, der Sie absolut und uneingeschrankt vertrauen konnen, werde ich Ihnen meinen personlichen Adjutanten als Ihren neuen Adjutanten zur Verfugung stellen. Er verfugt uber eine volle Freigabe fur Hartford-Material, und Sie werden sicherlich seine Dienste als ebenso hilfreich empfinden, wie das bei mir der Fall war.«
»Ah, ich bitte um Vergebung, General, aber sagten Sie Basis Titan? Das ist ohne Zweifel ein erstrangiges Kommando, dennoch verblufft es mich, dass wir ausgerechnet diesen Stutzpunkt fur eine nachrichtendienstliche Operation auswahlen.«
»Die Sicherheit in physischer Hinsicht ist auf Titan bedeutend hoher. Aus verschiedenen Grunden glauben wir nicht, dass die gegnerische Organisation, was auch immer sich hinter ihr verbirgt, dort ebenso stark sein wird. Nach erfolgreichem Abschluss der ersten Phase mochten wir nicht, dass Sie irgendwelche Risiken eingehen. Aber wollen wir doch fortfahren und Ihren neuen Adjutanten rufen.« Er kratzte sich kurz am Kinn.
»Jenny«, wies er dann sein AID an, »schick uns Lieutenant Pryce rein.«
»Aber gern, Peter«, antwortete eine kuhle Sopranstimme.
Beed war zwar nicht davon begeistert, dass man ihm bei der Wahl seines personlichen Adjutanten keine Mitbestimmung einraumte, aber sein erster Eindruck des schlanken, dunkelhaarigen jungen Mannes war durchaus positiv. Dem Lieutenant war in Anbetracht der vollig normalen Nervositat in Gegenwart hochrangiger Vorgesetzter unangenehm, dass ihn das Tablett mit Kaffee, das er trug, davon abhielt, die gebotene Ehrenbezeigung auszufuhren. Der General hatte gerade Zeit zu der Uberlegung gehabt, dass die graue Seidenuniform des jungen Mannes makellos war, wie es sich auch gehorte, als der erste Eindruck abrupt ins Gegenteil umkippte, indem dieser Idiot Pryce uber die eigenen Fu?e stolperte und ihm das ganze Tablett mit hei?em Kaffee und allem, was dazugehorte, in den Scho? kippte.
»Verdammte Schei?e!« Beed sprang hoch, das Gesicht vor Schmerz, Wut und Schrecken puterrot, als der unselige Offizier anfing, mit den kleinen Papierservietten, die mit dem Kaffee auf dem Tablett gewesen waren, an Beeds nasser Seide herumzutupfen. Wahrscheinlich hatte es etwas genutzt, wenn die Servietten nicht schon selbst mit vergossenem Kaffee getrankt gewesen waren.
So verzichtete er unter gro?er Zuruckhaltung darauf, diesem Vollidioten eine Standpauke zu halten, die dieser verdiente, weil er wusste, dass das vor dem ranghoheren General und, was noch viel schlimmer war, seinem infernalischen AID, schlechten Eindruck machen wurde. Die verdammten Dinger zeichneten schlie?lich alles auf, einschlie?lich verstandlicher, aber dennoch peinlicher Augenblicke, die man am besten verga?. Die augenblickliche Situation war zwar peinlich, aber ganz entschieden
»Jenny, konntest du bitte Corporal Johnston mit ein paar Papierservietten hereinschicken?« Dem General schien der gesellschaftliche Fauxpas seines Adjutanten kaum etwas auszumachen. »Pryce, wurden Sie bitte dem General eine frische Tasse Kaffee besorgen.«
»Ah, nein! Ich meine, das ist schon in Ordnung. Nicht notig.«
»Tatsachlich sind wir mit all den Dingen, die personlich diskutiert werden mussen, ohnehin praktisch fertig. Sie wollen sich sicherlich sobald wie moglich umziehen, und deshalb ware es vielleicht am besten, wenn ich Pryce mit einem Ausdruck samtlichen Hintergrundsmaterials uber Ihr neues Kommando mitschicken wurde. Ich wei?, dass Sie Hardcopy vorziehen.« Vanderberg stand auf und streckte Beed die Hand hin, was diesem keine andere Wahl lie?, als sie zu schutteln, obwohl er von seinem neuen Vorgesetzten alles andere als entzuckt war. »Willkommen an Bord.«
»Freut mich, dass ich diese Gelegenheit bekomme, Sir.«
Nachdem der mit Kaffee getaufte Brigadier General den Raum verlassen hatte, wandte Vanderberg sich dem ungluckseligen Lieutenant zu und grinste breit. »Die Streifen eines Lieutenant stehen Ihnen gut, General Stewart. Besonders mit diesem Bartflaumgesicht.«
»Hey, kann ich was dafur, dass man mich erst vor kurzem runderneuert hat? Warum waren Sie eigentlich so scharf darauf, dass ich diesem Trottel den Kaffee auf die Hose schutte?« General James Stewart schenkte sich von dem Tablett ein, das Corporal Johnston gleich nach Beeds Abgang hereingebracht hatte.
»Dann habe ich Ihnen wohl gar nicht gesagt, warum ich den Kerl nicht ausstehen kann?« Er zog eine Schreibtischschublade auf, entnahm ihr eine Metallflasche ohne Etikett, schraubte sie auf, schuttete einen reichlichen Schuss ihres Inhalts in seine Tasse und sah dann den jungeren Mann mit fragend hochgeschobenen Augenbrauen an.
»Nein, General, ich hab’s Ihnen einfach geglaubt, dass Sie sehr gute Grunde hatten.« Er hielt ihm die Tasse hin und ruhrte den hervorragenden Scotch, um den es sich dem Geruch nach handelte, in den Kaffee.
»Sie haben doch Benson kennen gelernt. Sie hat, ehe sie Urlaub nahm, um eine Familie zu grunden, in der Logistik fur mich gearbeitet.« Vanderberg lehnte sich an seine Schreibtischkante und nahm genie?erisch einen Schluck aus seiner Tasse.
»Brunett, etwa so gro??« Stewarts Hand zeigte auf einen Punkt etwa in gleicher Hohe mit seinem Kinn.
»Genau die. Sie hat vorher fur Beed gearbeitet. Der hat ihr eine der schlechtesten Beurteilungen gegeben, die ich je gesehen habe. Und hat damit eine viel versprechende Karriere zerstort. Benson war ubrigens in Logistik
»Sie wollen sagen, dass sie sich die lausige Beurteilung nicht verdient hat.«
»Ich will sagen, dass der Mistkerl sie fertig gemacht hat, weil sie sich nicht von ihm hat flachlegen lassen. Aber das konnte sie nicht beweisen. Kein Wunder, dass der Dreckskerl nirgendwo in seiner Umgebung ein AID duldet. Ganz zu schweigen, dass es mehrere Falle gegeben hat, wo seine Kumpel aus der Hudson School for Boys es gerade noch mit Muhe geschafft haben, seinen Hintern zu retten.«
»Okay. Das erklart den Kaffee.« Stewart grinste. »Aber warum dieses Theater und die ganze
