beschaftigt hatte. Stattdessen galt sein Denken, wie es ja haufig und bei vielen Menschen der Fall war, dem Thema Geld. Genauer gesagt der Herausforderung, mehr davon an sich zu bringen und dabei seinen Arbeitgeber im Unklaren uber die Herkunft der Gelder und die blo?e Existenz seiner zusatzlichen Mittel zu lassen.
Der Ort, an dem er sich augenblicklich befand, hatte mit dieser Herausforderung viel zu tun. Er hatte eine Vorliebe fur schnelle Autos, gro?e Hauser sowie Designerkleidung und unterschied sich darin nicht von vielen seiner Zeitgenossen, aber in seinem Alltagsleben hatte er sich damit verraten. Stattdessen hatte er einen Kompromiss gefunden, der es ihm erlaubte, einen Teil seines nicht ganz legalen Einkommens zu nutzen, ohne dass seine Freude an anderen kleinen Luxusgutern getrubt wurde. Der Atmung, beispielsweise. Und so lebte er im Alltagsleben von seinem seiner Ansicht nach vollig unzureichenden Gehalt. Und ein- oder zweimal im Jahr, wenn er Urlaub hatte, verschwand er von der Bildflache. Aus der Sicht seiner Arbeitskollegen war er ein Naturfreund, der seine Urlaube auf anstrengenden Wanderpfaden in der Natur verbrachte. In Wirklichkeit freilich hielt er sich dann an Orten wie diesem auf, wo er teure Kleidung tragen, in teuren Lokalen essen, in teuren Hotels absteigen, sich mit teuren Frauen vergnugen und, ganz allgemein gesprochen, in dem Stil leben konnte, den er vorzog. Am Ende seines Urlaubs wanderte seine Kleidung in irgendeine wohltatige Sammelstelle, was ihn zwar ziemlich argerte, was er aber als eines der kleinen Opfer so lange hinzunehmen bereit war, bis er es sich leisten konnte, in den Ruhestand zu treten. Sehr anonym, naturlich.
Plotzlich versperrten zwei eindeutig mannliche Beine seinen bis zu diesem Zeitpunkt au?erst befriedigenden Ausblick auf eine schlanke Brunette in einem Monokini. Sie verfugte nicht uber sehr reichliche weibliche Attribute, aber was sie hatte, war auf attraktive Weise verteilt. Er blickte leicht verstimmt aus zusammengekniffenen Augen zu seinem unwillkommenen Besucher auf.
»Mr … Jones. Schon, Sie hier zu finden«, sagte der andere Mann. Er war eher schmachtig gebaut und mit einer Badehose bekleidet, aber etwas an seinem Haarschnitt und seiner Haltung deutete auf militarischen oder polizeilichen Hintergrund. Mit seinem dunklen Haar und den dunklen Augen wirkte er beinahe wie ein Teenager, allenfalls Anfang zwanzig, aber die alten Augen lie?en sofort den Runderneuerten erkennen.
»Mr. Smith. Wir waren doch erst heute Abend verabredet.« Die Stimme des Mannes mit der beginnenden Glatze wirkte leicht gereizt.
»Nun ja, sagen wir, ich habe mich nach Ihrer faszinierenden Gesellschaft gesehnt, Mr. Jones.«
»Nun, dann setzen Sie sich doch«, meinte Mr. Jones und deutete auf den Sand neben sich, wobei er den anderen mit einem etwas reptilhaften Lacheln musterte. Die Ungeduld konnte Geld bedeuten. Geld bedeutete schone, langbeinige Frauen in wesentlich intimerer Umgebung. Er wurde sich fur Mr. Smith Zeit nehmen.
»Ihre andere Information hat sich als richtig erwiesen, wie Sie ja sicherlich bereits festgestellt haben, als Sie zuletzt Ihren Kontostand uberpruften. Das steigert die Aussicht auf weitere Geschafte. Wir waren beispielsweise bereit, gro?zugig fur den Namen einer Organisation zu bezahlen.«
»Ich halte sehr viel von beruflicher Sicherheit, Mr. Smith. Zu viel zu schnell macht mich ersetzbar. Oder, noch schlimmer, verzichtbar. Wie ware es mit dem Namen eines anderen Agenten — an einer Stelle, wo Sie bereits penetrieren konnten?«
»Dafur wurden wir einhunderttausend FedCreds bezahlen.«
»Was?! Das ist ja nur
»Die
Der Mann mit der Glatze knirschte mit den Zahnen, wahrend der militarisch aussehende Mann ihn lachelnd musterte. Es war kein sonderlich nettes Lacheln. Es wirkte irgendwie wissend und auf die Weise alles andere als freundlich.
»Ich werde ein wenig daruber nachdenken mussen, was ich Ihnen in dieser Hinsicht anbieten kann.«
»Das verstehe ich durchaus, Mr. Jones. Vergessen Sie nur bitte nicht, dass wir fur
Cally fuhr in ihrem Bett in die Hohe und sah sich im Zimmer um, als eine unbekannte Stimme vergnugt drohnte: »Mann! Raus aus den Federn. Die Brandung ist da, und das wird ein
»Hey, Reef, Konvoizeit.« Sie schuttelte ihn an der Schulter und zog ihm das Kissen weg.
Seine rot geranderten Augen offneten sich, und er starrte sie desorientiert an, ehe er schlie?lich die Beine uber den niedrigen Bettrand schwang und in seine Jeans schlupfte.
»Der Morgen«, verkundete er weise, »ist eine Ungehorigkeit in sich.«
Sie legte den Kopf etwas zur Seite, musterte ihn prufend und uberlegte, wie klug es wohl war, in einem von diesem Mann gesteuerten Fahrzeug unterwegs zu sein.
»Provigil?«, bot sie vergnugt an.
»Schei?e, ja, wenn du welches hast«, sagte er.
Sie wuhlte eine Weile in ihrem Rucksack und brachte dann eine Tablette zum Vorschein, die sie ihm in die Hand druckte. Seine Augen weiteten sich, als er auf der himmelblauen Pille das in der Mitte eingepragte »C« sah.
»Du scheinst gute Quellen zu haben.« Er schluckte die Pille trocken und spulte dann mit abgestandenem Bier vom Vorabend nach. »Dieser Schei? ist Militarstandard.«
»Haben wir Zeit fur funf Minuten Duschen?« Sie rieb sich die linke Gesichtsseite, die nach ungewaschenem Mann roch, was ihr verriet, dass er in der Nacht ihr Kissen gewesen war.
»Wenn du wirklich funf Minuten meinst und es dir nichts ausmacht, dass ich mir nebenher das Gesicht einschaume und die Zahne putze, wahrend du dort drinnen bist. Vielleicht sollte ich auch duschen. Ich glaube, ich miefe ziemlich. Tut mir Leid«, sagte er.
»Kein Problem.« Sie griff sich mit einer Hand ihren Rucksack und ging.
Spater, als sie darauf warteten, dass der Konvoi sich formierte und in Bewegung setzte, trank sie Kaffee, mampfte einen Proteinriegel und blickte zu dem Berggipfel auf, der sich uber der Urb erhob. Scott Mountain stand auf der Tafel. Wie der kleinere Berg im Osten hie? wusste sie nicht, aber zwischen den Baumen waren noch die Uberreste der alten Befestigungsanlagen zu sehen. Jetzt naturlich unbesetzt. Das Eis arbeitete sich sicherlich jeden Winter tiefer in die Fugen.
»Danke fur letzte Nacht«, riss Reefer sie aus ihren Gedanken. »Ah … Janet sagt, du kannst jederzeit wieder bei ihr ubernachten.«
»Ich habe fast die ganze Zeit geschlafen.« Sie nahm einen gro?en Schluck Kaffee. »Will ich eigentlich wissen, was du mit den beiden gemacht hast?«
»Wahrscheinlich nicht.« Er grinste.
»Todlich?«
»Oh, Teufel, nein! Man kann doch nicht rumlaufen und Bullen umbringen, und wenn sie noch so damlich sind. Das ware ungesund, Mann.«
»Okay.« Sie schuttelte den Kopf. »Tut mir Leid, ich bin immer noch nicht wach.
»Keine Panik.« Er legte ihr beruhigend die Hand auf den Arm. »In den zweiundvierzig Jahren meines Lebens hat man mich erst zweimal erwischt, wei?t du? Und in den letzten zehn uberhaupt nicht. Bullen sind auch nur
