»Hey, ihr beiden, besorgt euch ein Zimmer«, rief Janet uber die Schulter gewandt nach hinten.
»Aber gern doch, deins.« Cally grinste zuruck. »Na ja, schon, jedenfalls deinen Futon.«
Abgesehen von dem unvermeidbaren Futon war das Erste, was Cally an dem Apartment auffiel, dass irgendwer den Auslass fur den Rauchmelder mit Isolierband verklebt hatte und dass die Filter uber den Luftauslassen geflickt waren. Das Zweite war der tragbare Luftreiniger in der Ecke, der an einer Steckdose in der Wand hing. Der ohnehin schon kleine Raum wirkte infolge der dusteren holographischen Plakate diverser Musiker und Gruppen, mit denen der Gro?teil der Wande bepflastert war, noch kleiner. Einzige Ausnahme bildete der Quadratmeter Wandflache, wo der dunne Vidscreen hing. Schwarze, rote und silberne »Fantasiefische«, in deren Schuppenmuster diverse Motive einprogrammiert waren, schwammen auf dem Bildschirmschonerprogramm hin und her. Cally entdeckte ein Ankh, ein Eiderzeichen (komplett mit einer neonblauen Flamme), ein Spinnennetz und einen Davidsstern im Kreis und und und.
Der Futon befand sich in Couchstellung an der dem Bildschirm gegenuberliegenden Wand. Zwei Turen fuhrten in andere Raume. Bei dem einen handelte es sich eindeutig um das Bad, das konnte man aus dem nackten GalPlas-Boden schlie?en. Das andere musste das Schlafzimmer sein. In derselben Ecke wie der Luftreiniger stand unter einem Schreibtisch eine kleine improvisierte Kucheneinheit — Mikrowelle mit einer gro?en Schussel und einem Wasserbehalter oben und einem kleinen Kuhlschrank unten. Diverse Fertiggerichte fullten die Regale des Schreibtischs. Schmutzige Wasche, leere Lebensmittelpackungen, leere Flaschen und Dosen und Wurfelbehalter bedeckten den Fu?boden.
»Mogt ihr gerne Filme?« Ihre Gastgeberin kam ohne die geringsten Anzeichen von Verlegenheit herein, wischte den Kram von einem der beiden Stahlrohrklappsessel auf den Boden, hob eine Hand voll Wurfel auf und sortierte sie. Dann blickte sie zu Thad auf. »Was meinst du, Su?er, Die
»Keine Ahnung.« Er ging zum Kuhlschrank, offnete ihn und fing an, Bier zu verteilen. »
Der warf Cally einen verlegenen Blick zu, musste aber dann zu dem Schluss gelangt sein, dass es schon in Ordnung sei, denn er schlupfte aus den Trageriemen seines Rucksacks, legte seine Klamotten auf den Boden und zog ein ziemlich gro?es vakuumversiegeltes Packchen in klarem Plastik heraus. Janets Laune schien das erheblich zu steigern, denn sie zog eine kleine Plastikwaage unter dem Futon heraus und warf das Packchen darauf. »Ein ganzes Kilo? Fur uns? Verdammt, Reefer, da hast du ja einen Treffer gelandet. Taugt der Shit was?«
»Und ob! Ihr konnt’s mir glauben. Als ob ich euch verarschen wurde! Das ist der gewaltigste Jamaica Blue, den ihr je gesehen habt«, sagte er.
»Also, nicht dass ich je an dir zweifeln wurde, Mann, aber das habe ich schon mal gehort.« Das Madchen musterte die Packung argwohnisch. »Also, schon, der ubliche Preis vorab, wir probieren den Stoff, und wenn es wirklich guter Shit ist, und ich meine
»Waaas? Willst du sagen, du
»Yeah, wenn man mal von dem Zeug absieht, das mit Oregano verschnitten war«, sagte sie.
»Okay,
»Na ja, Reef, das muss ich ja zugeben. Trotzdem,
»Funfzehn in FedCreds«, konterte er.
»Reef, ich muss in der Lage sein, den Stoff zu einem Preis zu verkaufen, den meine Kunden sich leisten konnen. Du bist schlie?lich nicht der einzige Typ, der hier mit einem Konvoi durchkommt, wei?t du. Zehn in FedCreds ist absolut das Maximum fur mich — elf, wenn du noch ein weiteres Kilo davon hast. Und wenn der Stoff so gut ist, wie du behauptest«, schrankte sie dann ein.
Er lachelte schief, zog ein zweites Packchen aus dem Rucksack und legte es zu dem ersten auf die Waage. Janet prufte das Gewicht, nahm dann in jede Hand ein Packchen und verglich sie sorgfaltig, um sich zu vergewissern, dass sie gleich aussahen, ehe sie sie neben die Waage auf den Boden legte, nickte und ins Schlafzimmer zuruckging. Cally horte ein leises metallisches Klicken, dann kam die Frau mit einem gro?en Umschlag in das Zimmer zuruck, zahlte einen gemischten Stapel aus Dollar- und FedCred-Banknoten vor ihrem Lieferanten und anschlie?end einen weiteren Stapel FedCreds auf eine Milchkiste mit einem Sperrholzdeckel, die offenbar als eine Art Couchtisch fungierte.
»Hey, Janny, wenn du jetzt dann mit Kaufen fertig bist, konnten wir uns doch etwas von dem Stoff reinziehen, oder?«, erkundigte sich Thad mit weinerlicher Stimme. Dann nahm er den Wurfel, den sie vorher neben den Stuhl hatte fallen lassen, und klickte ihn in das Abspielgerat unter dem Bildschirm. »Dieser Film ist echt cool, ich wette, du kamst nie darauf, dass der nach einem Buch gemacht ist, das irgend so ein
Der jungere Mann schob ein schmutziges T-Shirt beiseite, hob ein alteres Buch vom Boden und klappte es auf. Es war nicht zu ubersehen, dass man einen Teil der Seiten herausgeschnitten hatte, damit das Buch als eine Art Kassette fur Zigarettenpapier dienen konnte. Cally drehte den Kopf etwas zur Seite und konnte auf dem Buchrucken
Das Madchen steckte den vollen Beutel in einen leeren, schnitt die Versiegelung mit einer Rasierklinge auf, holte einen Rei?verschlussbeutel aus der Milchkiste und bemerkte dabei, wie Cally sie mit hochgeschobenen Augenbrauen beobachtete, als sie ein Paper auf die Waage legte und ein sorgfaltig abgezirkeltes Quantum davon und die gleiche Menge aus dem gerade gekauften Beutel dazu tat.
»Bester North-Carolina-Tabak. Der Beste, den die anzubieten haben. Mein Alter ist Pramienfarmer«, meinte sie und tippte dabei auf den Beutel Marihuana, »aber das hier zuchtet er nicht. Schade eigentlich, aber er will einfach nicht. Immerhin kann man Zigarettenpapier von ihm kriegen.«
Sie rollte mit geschickter Hand einen Joint, zundete ihn an, nahm einen tiefen Zug, behielt den Rauch einen Augenblick in der Lunge. Dann blies sie den Rauch wieder aus, legte kennerisch den Kopf zur Seite, kicherte kurz und reichte den Joint ihrem Freund weiter.
»Verdammt, Reefer, du hast Recht. Das ist wirklich klasse Shit«, sagte sie und nickte ihm zu. Er griff sich den Stapel FedCreds und stopfte sie in seinen Rucksack.
Als Cally an der Reihe war, bemerkte sie, wie die beiden Kaufer sie beobachteten und Reefer sich gro?e Muhe gab, sie
»Mir reicht’s. Das Knabberzeug macht schlie?lich dick.« Sie musterte Cally abschatzig. »Du solltest wahrscheinlich auch aufhoren, Marilyn. Nimm mir’s nicht ubel, aber du hast ein wenig zu viel auf den Huften.«
»Na ja, ich bin auf das Zeug nicht gerade uberma?ig scharf.« Cally lachelte kuhl und amusierte sich uber den unbegrundeten Vorwurf.
»Also, ich schon, Mann.« Thad wuhlte in den Regalen herum, zog einen Beutel heraus und setzte sich dann neben Reefer. »Kasegeback?«
»Hey, klar, Mann. Danke.« Das Marihuana zeigte sichtlich Wirkung bei ihm, und er beugte sich vor, um sich einen frischen Joint zu rollen, wobei er auf den Tabak verzichtete.
