welches Programm sie brauchen wurde, um die Anwendung zu knacken. Am besten war, sie hatte alle bei sich. Trotzdem uberprufte sie fur alle Falle den Verschluss der kleinen Essigflasche.

Wieder zuruck im Buro, arbeitete sie ein paar Akten auf und wartete dann darauf, dass Pryce mit dem Abendessen zuruckkam. Sie hatte ihn gebeten, Bier und Chicken Wings zu kaufen. Alle tranken zu Chicken Wings Bier.

Heute hatten sie keine vorgegebene Zeitgrenze. Beeds Frau hatte offenbar endlich darauf bestanden, dass er einmal einen Abend zu Hause mit ihr verbrachte. Verdammt schade, diesen Abend damit vergeuden zu mussen, dass sie Pryce etwas ins Bier schuttete, aber ihr Job war wichtiger als ihre Hormone. Au?erdem, wenn sie herausfand, wer die undichte Stelle war, und das wurde sie uber kurz oder lang, wurde alles ohnehin ohne ein Lebewohl zu Ende sein.

Aber vielleicht wurde sie das heute Abend noch nicht herausbekommen. Vielleicht war es dort, wo Beed bei seinen langen Inspektionsgangen hinging. Vielleicht sogar druben im Gefangniskomplex. Sicher genug war der jedenfalls.

Beed dazu zu uberreden, sie mitzunehmen, wurde ein Leichtes sein. Sie brauchte ihm blo? einen schwachen Vorwand zu liefern. Dieser geile Mistkerl wurde sich die Gelegenheit bestimmt nicht entgehen lassen …

Sie lachelte betrubt, als sie die Tur des Vorzimmers horte. Wirklich jammerschade, dass sie das tun musste, aber sie wusste keine bessere Methode, sich die Zeit zu verschaffen, die sie brauchte um unbeobachtet suchen zu konnen, ohne ihm dabei einen Schaden zuzufugen. Nun ja, allenfalls einen Schaden an seiner Manneswurde. Sie brachte ihre Gesichtszuge unter Kontrolle und grinste, als er zur offenen Tur hereinkam.

»Mhmm. Da riecht etwas gut.« Sie sog genie?erisch die Luft ein. »Und das Abendessen riecht auch recht gut.«

»Nett.« Er sah sie von der Seite an und holte die Bierflaschen und die Kartons mit den Chicken Wings aus der Tute. »Wolltest du uberhaupt etwas zu essen? Ich meine, wenn du nicht hungrig sein solltest …« Er grinste viel sagend.

»Mhmm, ich hab tatsachlich Hunger. Ich meine, ich will essen. Zuerst.« Sie lie? die Augenlider ein wenig heruntersinken, damit es ihr anzumerken war, wie sehr sie sich nach ihm sehnte. Sie spurte einen Klo? in der Kehle. Manchmal hasste sie ihren Job.

»Okay.« Er offnete die Bierflaschen und ging seinen Burosessel holen. Also brauchte sie die List gar nicht anzuwenden, die sie sich vorgenommen hatte.

Es dauerte nur eine Sekunde, in die Schreibtischschublade zu greifen und zwei Tropfen in sein Bier fallen zu lassen.

15

Springfield

Dienstag, 18. Juni, 19:30

Wo zum Teufel stecken die? Morrison unterlie? es bewusst, zum zehnten Mal auf die Uhr zu sehen, und war sich inzwischen einigerma?en sicher, dass man sie hereingelegt hatte. Er war jetzt seit einer Stunde hier, zwei Bier, einen Whiskey und zwei Ausnuchterungspillen lang. Die erste Pille hatte er genommen, ehe er das Lokal betreten hatte, die zweite gerade eben. Sie wurden den Alkohol in seinem Magen abbauen, ehe er in seinen Blutkreislauf gelangte. Nun ja, gro?tenteils jedenfalls. Zehn Prozent kamen durch, aber damit kam seine Leber klar.

Das Wexford Pub war eine kleine Kneipe, in der es Lammeintopf, Roggenbrot, fettige Fish and Chips und dazu Bier und billigen Fusel gab, billig oder eben so gut, wie man ihn sich leisten konnte. Dem Geruch nach begnugten sich die meisten Gaste hier mit dem billigsten Fra?, den sie kriegen konnten.

Er gab sich alle Muhe, die drei Manner und die beiden Frauen nicht anzusehen, die im Pub verteilt waren und zu ihm gehorten, und tat so, als interessiere er sich fur das Fu?ballspiel, das auf dem antiken Fernseher an der Wand ablief. Ein langweiliger Sport — nichts von wegen guten Zweikampfen. Von dem Kommentar des Reporters konnte er bei all dem Gedudel, hauptsachlich alte Aufzeichnungen von irgendwelchen Pseudo-Folk- Songs, die ihm machtig auf den Geist gingen, kaum etwas horen. Wenn die wenigstens nicht die kitschigsten Versionen ausgesucht hatten, die den Krieg uberlebt hatten. Er wusste wirklich nicht, was er tun wurde, falls die auch nur noch ein einziges Mal »Toora Loom Loom« spielen wurden.

Ein Dutzend Grunde konnte er sich ausmalen, alle davon recht unerfreulich, weshalb die Zielpersonen nicht erschienen waren. Unglucklicherweise sah ihr Geh-zur-Holle-Plan fur den Fall ihres Nichterscheinens vor, dass sie zwei Stunden uber den verabredeten Zeitpunkt hinaus an Ort und Stelle blieben, weil sie keine andere Wahl hatten und vielleicht doch noch Gluck haben wurden.

Zum wiederholten Mal vermied er es, auf die Uhr oder nach seinen Leuten zu sehen.

Morrison hasste das Warten. Das erzeugte bei ihm immer einen Juckreiz im Nacken.

Wo zum Teufel bleiben die? Bobby schuttelte den Krampf aus seiner rechten Hand, ehe er sie wieder an den Abzug seiner Waffe legte, und hoffte innig, dass die anderen drei Schutzen, die Johnny gebracht hatte, das auch taten. Es wurde immer wahrscheinlicher, dass etwas die Zielpersonen verscheucht hatte.

Trotzdem, solange die Typen von Fleet Strike warteten, mussten sie das auch. Seine Anweisungen waren in dem Punkt eindeutig. Er durfte unter keinen Umstanden zulassen, dass Fleet Strike irgendeine der Zielpersonen lebendig bekam. Die Zielpersonen durften unter keinen Umstanden lebend entkommen. Wenn die es schafften, einen von ihnen lebend in die Hand zu bekommen, ware das ein Gluckstreffer. Er hatte ein Sanitatsteam in Bereitschaft, hielt aber einen solchen Gluckstreffer fur unwahrscheinlich.

Verdammt, dieses Warten war wirklich ekelhaft. Besonders, da man ja nicht wissen konnte, wie lange diese Typen von Fleet Strike warten wurden, ehe sie aufgaben und selbst nach Hause gingen.

»Wo zum Teufel bleiben die?« Kevin Collins, der Leiter von Team Jason, druckte im Aschenbecher des Taxis eine Zigarette aus und blickte mit leicht anklagendem Blick nach hinten auf seinen »Fahrgast«, als hielte er es fur moglich, dass die andere Agentin irgendwie das uberfallige Team aus ihrer Tasche ziehen konnte.

»Woher soll ich das wissen? Meine Schuld ist es jedenfalls nicht!« Ihre Stimme klang leicht verletzt.

»Ach, komm schon, Martin, das wei? ich doch. Ich bin nur immer noch der Meinung, dass du bei diesem Einsatz nichts verloren hast.«

»Na und, man hat dich eben uberstimmt. Wenn es so weit ist, mochte ich an Ort und Stelle sein und Levon und die anderen rausholen.« Sie kramte ihre Puderdose hervor, klappte sie auf und zog sich, nach einem schnellen Blick auf den Spiegel, nervos die Lippen nach.

»Und wenn es nicht so weit kommt?« Seine Stimme war ohne jeden Ausdruck.

»Dann befolge ich die Befehle, ob es mir passt oder nicht. Levon wurde es genauso machen. Wir wissen beide, worum es geht und welche Risiken damit verbunden sind.« Sie wischte sich mit der Fingerspitze einen Fussel weg.

»Ihr steht einander zu nahe.«

»Ja, wei? ich.« Sie klappte die Puderdose zu und steckte sie und den Lippenstift wieder in die Handtasche.

»Solltest du auch.« Er zundete sich eine neue Zigarette an und ging um die nachste Biegung auf dem gewundenen Weg rings um die Zielzone.

George Schmidt war im Einsatz meist routinema?ig als Teenager getarnt. Wenn er daher als Erwachsener auftreten musste, erforderte das ein paar sehr altmodische Veranderungen an seinem Aussehen.

So sehr ihm auch Schuhe verhasst waren, die einen gro?er erscheinen lie?en, in diesem Fall waren sie einfach notwendig. Polster in den Backen machten sein Babygesicht erwachsener. Und braunes Haar lie? ihn aus irgendwelchen Grunden ein wenig alter erscheinen als sein naturliches Blond. Sorgfaltige kosmetische Arbeit erweckte den Eindruck dunkler Bartstoppeln, die man selbst beim naheren Hinsehen nicht als unecht erkennen

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