konnte.
Jetzt war sein Ausweis, auf dem ›Mitte zwanzig‹, stand, durchaus glaubwurdig.
Er war recht gut im Zeitplan und hatte Barrys zusatzliche Stunde in einer Spielearkade mit Holo- und VR- Spielen totgeschlagen. Das war einer der Vorteile eines ewigen Teenagers: man wusste nicht nur, was bei den Kids gerade in Mode war, sondern man kannte sich auch wirklich damit aus. Falls die Tarnung es erforderte, konnte er sich auch damlich anstellen, aber das Gegenteil vorzutauschen, war verdammt schwierig.
Also, jetzt war es jedenfalls Zeit. Er sah sich in dem faden, unaufgeraumten Apartment um, das ganz so aussah, als konnte es einem Teenager gehoren, der schon auf eigenen Beinen stand — bis hin zu dem Geruch nach billigem Fichtennadel-Luftauffrischer und schmutzigen Socken. Jedenfalls alles andere als komfortabel. Er knipste das Licht aus und ging hinaus.
Zwanzig Minuten spater verwunschte er immer noch den umgekippten Sattelschlepper und das Gewimmel von Ambulanzen und Polizeifahrzeugen. Nichts zu machen — er wurde schon wieder zu spat kommen.
Cally knabberte an Pryces Ohrlappchen und zerrte an seinen Armen, um ihn auf den Boden herunterzuziehen.
»Danke, dass du mit Simms gesprochen hast.« Sie deutete auf die Tur, hinter der der MP immer noch Wache stand. »Tut gut zu wissen, dass wir den ganzen Abend fur uns haben und uns keiner erwischen oder unterbrechen kann.«
»Warum ziehst du mich dann auf den Boden herunter?«
»Ich dachte, es wurde mal Spa? machen, oben zu sein«, hauchte sie an seinem Nacken.
»Das soll wohl hei?en, dass du den Ton angeben willst?« Er hob sie auf und druckte sie gegen die Wand, presste sich an sie und kusste ihr Haar. »Wie war’s mit hier?«
»Mhm.« Ihre Beine klammerten sich um seine Taille, spielten mit dem Seidenzeug, das immer noch im Weg war. »Okay.«
Sie kletterte lange genug herunter, um ihre Seide herunterrutschen und ein kleines Haufchen auf dem Boden bilden zu lassen.
Am liebsten hatte sie vor Enttauschung laut aufgeschrien, als er plotzlich von ihr ablie? und seine Uniform packte, um zur Toilette zu rennen.
»Ich warte auf dich«, rief sie, als er hinauseilte.
Das einzige Mobiliar im Raum bestand aus einem Schreibtisch und einem Sessel, und in der Schublade lag ein Laptop.
Es dauerte blo? eine Sekunde, ihren PDA einzustopseln.
»Knacken, Buckley.«
»Wusstest du, dass die Wahrscheinlichkeit achtundneunzig Komma zwei Prozent betragt, dass man uns erwischt und wir hier sterben werden?«
»Halt die Klappe, Buckley, und knack das verdammte Ding. Die Routinen sind auf dem Wurfel.«
»Geht in Ordnung.«
Au?erdem war naturlich genug von den alten Daten auf dem Wurfel, um den Buckley kooperativ zu machen. Na ja, so kooperativ eben, wie er uberhaupt sein konnte. Den Buckley aufzuwecken war riskant, aber Cally konnte einfach eine Spur schneller mit einem arbeiten, weil sie genau wusste, wann sie ihm gut zureden und wann sie ihn unter Druck setzen musste, wenn wieder einmal seine Paranoia einsetzte.
In diesem Teil einer Operation lief die Zeit immer schrecklich langsam. Obwohl sie das wusste, war sie nervos, wahrend der Buckley arbeitete. Es bestand immer die Moglichkeit, dass die Schutzvorkehrungen moderner als die Routinen waren, die Sicherheitslocher ausfindig machten.
Aber Tommy und Jay waren zwei der Besten in ihrem Fach. Sie war ziemlich schnell drinnen. Dann war ihre menschliche Intelligenz gefordert, um die Dateien zu durchsuchen und die zu finden, die sie brauchte.
»Die Daten senden, Buckley, jetzt gleich.«
»In diesem Raum ist mit Sicherheit Sendeschutz. Man wird uns erwischen.«
»Senden, verdammt! Jetzt gleich!«
»Geht in Ordnung. Ist gesendet. Wie schnell kannst du rennen?«, fragte der PDA.
»Gut.« Sie druckte den Wurfel heraus, holte die Essigflasche, lie? das belastende Material hineinfallen, wo es sich unter frohlichem Zischen aufloste.
»Buckley, vollige, komplette Abschaltung ausfuhren. Sofort.«
»Na klar,
Cally nahm das kaum aus dem Augenwinkel wahr, weil sie voll damit beschaftigt war, wieder in ihre Kombination zu schlupfen.
Die Tur schob sich auf, ehe sie die vordere Schlie?e halb geschlossen hatte. Es war Pryce, und sie hatte irgendwie nicht das Gefuhl, dass seine Blasse etwas mit dem Praparat zu tun hatte, das sie ihm verabreicht hatte. Sie starrte in die Mundung seiner Neun-Millimeter, die er mit fester Hand auf sie gerichtet hatte.
»Du warst das?! O mein Gott … du bist verhaftet«, sagte er.
»Pryce …« Sie streckte die Hand aus.
»Eigentlich hei?e ich Stewart. Major General James Stewart.«
Ihre Schultern sackten nach vorne. »Eine Falle.«
Plotzlich schoss ein Blutstrom aus seinem Bauch, als die Tur sich erneut aufschob und er zu Boden glitt, beide Hande auf die Wunde gepresst, die er verstandnislos anstarrte.
»Geschieht Ihnen gerade recht, Sie unverschamter Angeber. Sie hat mir gehort!« General Beed stieg uber Stewart hinweg zur Seite und trat die Waffe weg, die der andere hatte fallen lassen. Er blickte zu Cally auf. »Und du, damit das klar ist — du magst zwar eine Hure sein, aber du bist meine H …«
Weiter kam er nicht, denn ein grauer Schemen, zu dem Cally geworden war, wirbelte herum und kam mit Pryces Waffe wieder hoch, feuerte auf Beed, zweimal in die Brust und einmal in den Kopf, feuerte, bis die Waffe nur mehr ein leeres Klicken von sich gab.
»Ich denke, er ist tot«, stie? Stewart hervor, »und ich werde es auch nicht mehr lange machen. Beeil dich jetzt. Du magst ja gut sein, aber du hast dir sicherlich auch einen Fluchtweg uberlegt.« Seine Stimme klang angespannt, aber sanft.
»Nein.« Sie rutschte auf dem Boden zu ihm hinuber und sah sich seine Wunde kurz an, ehe sie das Oberteil ihrer Seidenkombination aufriss, den zahen GalTech-Stoff wie Papier zerfetzte. Fix bildete sie eine Notkompresse daraus, schob seine Hande uber die Wunde und druckte sie darauf, ehe er noch mehr Blut verlor.
»Wenn man das verdammte Hiberzine braucht, ist nie welches da, wie?« Sie lachelte ihn an, was er freilich nur wie durch einen Nebel wahrnahm, und presste die andere Hand uber die Eintrittswunde in seinem Rucken.
»Du wirst mir nicht unter den Handen sterben.« Das klang fest und entschlossen, als ware das einfach nicht erlaubt.
»Ich glaube, ich liebe dich, wer auch immer du bist.« Er hustete, und dabei trat ihm blutiger Schaum auf die Lippen.
Als die MPs nur Sekunden spater durch die Tur hereingerannt kamen, war sie tatsachlich dankbar.
»Er braucht Hiberzine. Sofort!«, befahl sie.
Einer der MPs zog bereits eine Spritze aus dem Etui an seinem Koppel.
»Captain Makepeace, oder wie Sie auch hei?en mogen, Sie sind verhaftet.« Der XO der Brigade, Colonel Tartaglia, hatte selbst die Fuhrung der Gruppe ubernommen. Dass sie hier waren, ging eindeutig auf einen Anruf von Pry — nein, General Stewart — zuruck und war nicht etwa eine Folge der abgefeuerten Schusse.
»Ich wei?.« Sie brauchte jetzt nicht mehr seinen Blutverlust zu verhindern, weil ein weiterer MP ihren Platz eingenommen hatte, und so strich Cally mit einer blutbeschmierten Hand uber sein Kinn, ehe seine Augen sich
