schlossen und zwei MPs sie in die Hohe zogen.

»Sie schaffen General Stewart ins Lazarett.« Der Colonel wies auf drei MPs. »Die Ubrigen nehmen sie mit. Und Vorsicht!« Er zeigte auf Beeds Leiche. »Sie ist hollisch gefahrlich.«

Basis Titan

Dienstag, 18. Juni, 19:45

Im Shuttle meldeten sich Jays PDA und sein AID im gleichen Augenblick. Da die Nachricht dringend war, was bei ihrem Spiel wohl nicht zutraf, schaltete das Spiel automatisch auf Pause und offnete die eingehende Datei.

Jay reagierte als Erster, von der Nachricht keineswegs uberrascht. Zu seinem Pech vergisst der menschliche Korper im brutalen Uberlebenskampf erworbene Reaktionen so lange nicht, wie er selbst fit ist. Tommy Sunday war sehr fit.

Jays verzweifelter Sprung — ein perfektes Flying Tackle in der Sprache des Sports — warf Sunday zwar aus seinem Sitz, aber der Schlag, der seine Luftrohre zerschmettert hatte, traf sein Ziel nicht, sondern glitt harmlos an seinem schutzend gehobenen Arm ab.

In dem engen Cockpit des Shuttles war Tommys Gro?e kein Pluspunkt. Trotzdem war Jays Kampftechnik, die er als Ringer im Team seiner Schule gelernt hatte, der durch standiges Training zu einer wahren Kunst entwickelten Kampftechnik des erfahrenen Veteranen nicht gewachsen. Menschen kampften zwar nicht wie Posleen, aber Tommy wusste aufs Jota genau, wozu sein Korper fahig war; daruber hinaus hatte er ein paar schmutzige Tricks drauf, von denen der andere noch nie gehort hatte.

Spater konnte Tommy die prazise Reihenfolge der Etappen jenes verzweifelten Kampfes nie exakt schildern. Zumindest erzahlte er es jedes Mal anders. Eines stand allerdings fur ihn fest: Als Papa O’Neal schlie?lich zur Tur hereinkam und ihn neben Jays Leiche sitzend vorfand, bemuht, Luft zu holen und mit hollischen Schmerzen im Unterleib, wo ihn ein Kniesto? Jays getroffen hatte, fehlte Jay ein Auge, zwei seiner Finger sowie sein Genick waren gebrochen. Und im Ubrigen war er eindeutig mausetot.

»Hast du’s bereits zur Erde geschickt?«, fragte der Altere, als ware das Bild, das sich ihm bot, die selbstverstandlichste Sache der Welt, und stieg uber die Leiche, um an das Kommunikationsgerat zu kommen.

»Nein, bis jetzt noch nicht.« Tommy schuttelte den Kopf, wuchtete sich hoch und lie? sich vorsichtig auf einem Sessel nieder.

O’Neal rausperte sich lautstark und tippte ein paar Augenblicke auf den Tasten herum, verschlusselte die Daten und schickte sie durch ein kompliziertes System von Funkrelais, die sie als dreimal wiederholten Rauschimpuls, eingebettet in ein routinema?ig abgefangenes Stimmsignal, zur Erde schickten.

»Was machen wir mit ihm?«, fragte Tommy und deutete mit einer Kopfbewegung auf die Leiche.

»Wir legen ihn ins Frachtabteil. Dort ist es hubsch kalt. Da wird er sich schon halten.« Er wuhlte in seiner Hemdtasche herum, bis er seinen Tabaksbeutel gefunden hatte. »Man sollte nie eine gut erhaltene Leiche vergeuden, wenn man das vermeiden kann. Schlie?lich kann man nie wissen, wann man vielleicht eine braucht.«

»Was ist mit Cally?«

»Du hast offensichtlich den Schluss der Nachricht nicht gesehen. Lass fur alle Falle die Motoren warm laufen, aber …« O’Neals Gesicht war vollig ausdruckslos, als er sich den Priem in den Mund steckte und den Beutel in die Tasche zuruckschob.

Tommy hob sein AID wieder auf und lie? es die Datei anzeigen, sodass er sie diesmal bis zum Ende und bis hinunter zu dem Code am Schluss lesen konnte, der nach Beurteilung ihres PDA bedeutete, dass die Festnahme des Agenten unmittelbar bevorstand, Rettung oder Flucht unwahrscheinlich war, weitere Sendungen vermutlich kompromittiert.

»Hey, ihr Buckley ist schlie?lich immer pessimistisch drauf, oder?«, meinte er.

Springfield

Dienstag, 18. Juni, 19:55

Aus der jahrtausendelangen Erfahrung der Bane Sidhe mit den Darhel, die immer wieder jede Art elektromechanischer Datenubertragung abgehort hatten, galten personliche Treffs als die sichersten, wenn es darum ging, Informationen weiterzugeben, weshalb dies auch Teil der allgemeinen Dienstvorschrift war. Zu Anfang der Zusammenarbeit hatte es nur einiger katastrophaler Verluste in den Rangen der Cybers bedurft, um sie davon zu uberzeugen, dass die Klugheit dies erforderte. Eine Konsequenz dieser Vorschrift war, dass Teams wie Hector und Isaac neben ihren ublichen Kommandoeinsatzen auch mit nachrichtendienstlichen Auftragen betraut wurden, welche die Ubernahme korperlicher Berichte von Agenten vor Ort vorsahen.

In Anbetracht der knappen Ressourcen pflegte man dazu das Team wo immer moglich aufzuteilen und jeden Agenten mit einem einzelnen Segment der Route zu betrauen. Um die einzelnen Vorgange aber wirksam koordinieren zu konnen, waren auch dabei periodische, personliche Treffs erforderlich. Bedauerlicherweise hatten nachrichtendienstliche Erkenntnisse die Tendenz, schnell ihren Wert zu verlieren. Derartige Treffs erlaubten es jedem Teammitglied, die Erkenntnisse des gesamten Teams entgegenzunehmen und sie sozusagen stromaufwarts an einen Kurier weiterzuleiten, ehe das jeweilige Mitglied sich wieder seiner Teilaufgabe zuwandte.

Levon mochte das Wexford. Nicht so sehr dieses Pub im Speziellen als vielmehr billige, kleine Kneipen mit gemischtem Publikum, wo einen, solange man nicht laut wurde oder auf den Tischen tanzte, keiner ein zweites Mal ansah. Sie benutzten niemals einen bestimmten Ort ofter als dreimal in zehn Jahren fur einen personlichen Treff, wenn sie das irgendwie vermeiden konnten. Fur das Wexford war dies das zweite Mal, dass es dieser zweifelhaften Ehre zuteil wurde.

Er lie? beim Betreten des Lokals automatisch den Blick uber die Bar schweifen und katalogisierte im Geiste das Gesehene, wahrend er sich einen leeren Tisch an der Wand aussuchte und sich dort auf einem Stuhl niederlie?, der einen ungehinderten Blick auf die Tur ermoglichte. Ein Mann und eine Frau an der Bar, sieht so aus, als wurde er versuchen, sie anzubaggern, offensichtlich auch mit Erfolg. Zwei jungere Gentlemen in einer Nische, beide sehr sportlich wirkend und offensichtlich stark aneinander interessiert. Ein Mann an einem Tisch am Fenster, trinkt alleine, starrt auf die Stra?e hinaus. Ein Mann und eine Frau in der Nische hinten, ein wenig verstohlen uber dem Tisch Handchen haltend. Weg zum Hinterausgang an der Kuche vorbei frei.

Eine betont frohliche Bedienung kam an seinen Tisch, und er bestellte einen Krug Apfelwein und einen Cheeseburger. Okay, auch Junkfood, aber wenigstens ohne Mais und Sojabohnen.

Barry traf vor dem Apfelwein ein und konnte sich deshalb sein Essen bestellen und sich ein kaltes Bier einschenken, wobei er die Speisekarte als Tarnung benutzte, um einen Wurfel auf den Tisch zu legen, wo ihn die verschiedenen Gegenstande, die dort herumlagen, vor neugierigen Augen schutzten. Levon zundete sich eine Zigarette an und griff sich den Wurfel, wahrend er den Aschenbecher zurechtschob. Eigentlich schmeckten ihm die Dinger gar nicht, aber sie waren eine wirklich gute Tarnung, um seine Hande zu bewegen.

Sam kam dicht hinter Barry, ein kleines, sanft gerundetes Madchen mit mausbraunem Haar, das sich um ihre Ohren ringelte. Er spurte, wie ihr Wurfel in seine Jackentasche fiel, als sie sich uber ihn beugte, um ihm einen freundschaftlichen Kuss auf die Wange zu geben, ehe sie wieder um den Tisch herumging und sich neben ihn setzte.

Wie nicht anders zu erwarten, verspatete sich George. Nach seinem Schwiegersohn konnte man die Uhr stellen. Wenn er zur Tur hereinkam, war es mit todlicher Sicherheit zwanzig Minuten nach dem Zeitpunkt, an dem er eigentlich da sein sollte. Er schwor jedes Mal heilige Eide, dass er das nicht absichtlich tat, und hatte fur seine Verspatung stets einigerma?en plausible Erklarungen zur Hand. Einzig und allein dann, wenn fur den Erfolg des Einsatzes exakte Koordination wirklich unerlasslich war — dann war er punktlich. Seine Frau machte sich gern daruber lustig. Levon dachte, er ging so in seiner Rolle auf, dass er sich manchmal tatsachlich wie der Teenager verhielt, den er darstellte.

Den ersten Hinweis, dass etwas nicht stimmte, bekam er, als alle, mit Ausnahme der Bedienung und des Barkeepers, gleichzeitig in Bewegung gerieten. Er hatte kaum Zeit, die Wurfel in seinen Apfelwein fallen zu lassen, ehe einer von ihnen uber ihm war und ihm, wahrend er kurz abgelenkt war, etwas in den Schenkel rammte. Er

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