versuchte seine Pistole unter dem Hemd einzusetzen, aber der Mann schlug sie ihm aus der Hand. Barry und Sam hatten ihren ersten Mann auf dem Boden, bis Levon sich genugend gefangen hatte, um dem seinen das Genick zu brechen. Er bezweifelte, dass ihm das so schnell gelungen ware, wenn der Mann nicht gezogert hatte, offenbar weil er erwartet hatte, das Zeug, das er ihm injiziert hatte, wurde sofort wirken. Das Peitschen von Schussen verriet ihm, dass mindestens einer seiner Leute zum Schie?en gekommen war, aber die zehn Sekunden des Toten arbeiteten gegen sie.

Wahrend er mit der Frau aus der Nische ganz hinten kampfte, hatte er einen Augenblick Zeit, daruber nachzudenken, dass es sich bei dem Inhalt der Spritze um etwas handeln musste, was seine Nanniten Gott sei Dank sofort neutralisieren konnten. Diese Frau war nicht schlecht, aber sie hatte nicht die Krafte modifizierter weiblicher Bane-Sidhe-Agenten. Nach Jahren des Trainings mit Agentinnen und Agenten in der Halle und mit Mannern im Feld verga? man nur zu leicht, wie schwach es bei unmodifizierten Frauen doch um ihre Oberkorperstarke bestellt war.

Die beiden schwulen Typen, die sich ihr gegen ihn anschlossen, machten einen echten Kampf daraus, und als er die uniformierten Fleet-Strike-Soldaten durch die vorderen und hinteren Turen hereinstromen sah und horte, wahrend das Barpersonal sich klugerweise hinter die Bar verkrumelt hatte, wusste er, dass dies ein Kampf war, den sie nicht gewinnen konnten. Es waren einfach zu viele. Die Faust, die auf seinen Kopf zuschoss, sah Levon Martin nur fur den Bruchteil einer Sekunde lang. Oh, Schei?e …

Nachher war Bobby wirklich stolz auf seine Agenten. Sie hatten geduldig gewartet, bis alle drei Zielpersonen — die vierte war nicht aufgekreuzt — das Gebaude verlassen hatten, ehe sie geschossen hatten. Die ersten beiden fielen fast gleichzeitig. Der Dritte hatte ein paar Sekunden zu lange gebraucht und benotigte demzufolge drei Schusse.

Zum Gluck waren seine Reserveleute gut genug, ihre eigenen Waffen einzusetzen, sodass die Fleet-Strike- Typen sich lang genug daruber im Unklaren waren, wo das Feuer herkam, was ihnen genugend Zeit zum Ruckzug verschaffte.

Das einzig Schlechte war, dass die vierte Zielperson fehlte, sodass der Einsatz kein vollstandiger Erfolg war. Aber da konnte man nichts machen.

Cheryl Martin hatte am liebsten ihren PDA auf den Boden des Taxis geworfen und ihn zertreten. Nur Sekunden, nachdem die Schusse angefangen hatten, hatte das verdammte Ding gepiepst.

»Ja?«, brauste sie auf.

»Pinwheel, Pinwheel. Wiederhole, Pinwheel!« Der PDA hatte den leicht sterilen Klang, den sie mit Synthesizerstimmen assoziierte.

»Kevin, gibt es hier etwas, das ich toten kann?«, fragte sie.

»Cheryl, es tut mir so — warte!« Er riss das Taxi herum und auf den Burgersteig, versperrte damit einem kleinen, braunhaarigen Mann den Weg. »Schnapp ihn dir. Aber vorsichtig.«

Die hintere Tur auf der Fahrerseite des Taxis flog auf, und der Mann stoppte mitten in einer flie?enden, schnellen Bewegung, schwankte ein wenig, als er das kurzzeitig verloren gegangene Gleichgewicht zuruckgewann, weil er das nicht hatte zu Ende bringen konnen, was er vorgehabt hatte.

»Cheryl?«, krachzte er.

»Keine Zeit, steig ein. Unterwegs Codes tauschen.« Sie riss ihn auf den Rucksitz des Taxis, das nicht einmal wartete, bis die Tur ganz geschlossen war, ehe es zuruckstie?, seine Wende zu Ende brachte und in die Nacht hineinschoss.

»Pumpernickel. Alles schief gelaufen. Wir nehmen an, dass du der Einzige bist, der rausgekommen ist. Gut, dich zu sehen, Junge, aber warum zum Teufel warst du nicht dort drinnen?« Sie fummelte an ihrer Handtasche herum und brachte ein Packchen Papiertaschentucher zum Vorschein, die sie gleich brauchen wurde, das wusste sie.

»Was ist mit dem Rest meines Teams?«

»Nicht gut. Komm schon, George, gib ihr Antwort.« Kevin suchte im Ruckspiegel seine Augen.

»Ich … habe mich verspatet.« Die Schultern sackten ihm nach vorn.

»Und warum kommst du zu Fu??«, drangte der andere Mann.

»Ich … ich … ach, Schei?e, ich bin in zwei Unfalle hintereinander geraten, und dort herrschte solches Durcheinander, dass ich dachte, ich wurde zu Fu? schneller hierher kommen. Es war nur eine Meile von hier, und wenn ich hier gewesen ware …« Er verstummte.

»Hatte es nichts geholfen«, murmelte Cheryl.

»Das wei?t du nicht.« Seine Stimme klang verbittert.

»Doch, das wissen wir schon. Leider.« Das Taxi fuhr weiter.

Basis Titan

Dienstag, 18. Juni, 20:00

Das melodische Klingeln seines AID weckte den Tir aus tiefem Schlaf. Es brauchte die ublichen drei gemessenen Atemzuge, um gegen den Drang anzukampfen, etwas zu toten. Das AID horte und interpretierte die Veranderung in seinem Atemrhythmus aus langer Erfahrung und wartete geduldig, bis sein Herr und Meister sich unter Kontrolle hatte. »Abgefangene lokale Sendungen deuten auf Lebend-Gefangennahme eines Feindagenten. Agent befindet sich im Gewahrsam von Fleet-Strike-Personal, augenblicklich zum Verhor unterwegs«, sagte es.

»Verbindung mit dem Verteidigungsminister der Menschen. Datiere eine Resolution eines Votums des Ministerrats auf den jetzigen Zeitpunkt, die mich als autorisierten Beobachter des Rates bestellt, basierend auf kommerziellen Auswirkungen der Spionage. Zitiere entsprechende Prazedenzfalle und beschaffe naturlich die Zustimmung der AIDs der anderen Minister. Resolution dann an menschlichen Minister weiterleiten.« Seine Ohren stellten sich plotzlich wachsam auf, und seine Barthaare zuckten vor kaum unterdruckter Erregung.

»Resolution ubermittelt, bitte fur den Menschen Li bereithalten.« Die kuhle, melodische Stimme vereinte sich mit seiner Atemubung und verhalf ihm dazu, sich wieder vollig im Griff zu haben.

»Personlichen Kontakt absagen. Weise ihn an, die entsprechenden Befehle weiterzuleiten. Sorge dafur, dass sein AID sofortige Ma?nahmen veranlasst. Uberwache die Weiterleitung der Befehle und verstandige mich, wenn sie bei den Wachen im Gefangniszentrum eingetroffen sind.« In diesem Fall war es besser, den personlichen Kontakt zu vermeiden. Je intelligenter und kompetenter die menschlichen Unterlinge waren, umso nervoser waren sie gewohnlich, wenn sie sich der direkten und personlichen Einschaltung eines Darhel ausgesetzt sahen. Normalerweise war dies ein Vorzug, aber im Augenblick war Effizienz fur ihn wichtiger als Einschuchterung.

Mit einer knappen Handbewegung wies er seine Leibdiener an, sich um ihn zu kummern. Er hasste es, spat nachts seine Raumlichkeiten verlassen zu mussen, aber das war jetzt nicht zu vermeiden. Als das AID erneut tonte, hatten sie ihm gerade das Schlafgewand halb uber den Kopf gezogen.

»Verkehrsanalysedaten, Euer Tir.«

»Bericht.« Zumindest war er bereits wach.

»Unsere menschlichen Dienstleister berichten das bedauerliche Hinscheiden von drei feindlichen Agenten. Verkehrsanalyse meldet eine Sendung unmittelbar vor der Festnahme des lokalen Feindagenten durch Fleet- Strike-Personal. Sendeort war Abteilung, die ursprunglich die abgehorten Daten geliefert hat, in denen diese speziellen Feindagenten aufgedeckt wurden. Errechnete Sende- und Verarbeitungszeiten deuten darauf hin, dass dieses Leck die vermutliche Ursache dafur ist, dass der vierte identifizierte Feindagent sich planma?ig mit unserem menschlichen Dienstleister getroffen hat«, meldete das Gerat.

»Einen hier in der Hand fur einen unerreichbar dort. Ein gunstiger Tausch.« Er hielt den Indowy mit dem Wachgewand mittels einer kurzen Geste an und winkte einem anderen, ihm einen Teller mit Nahrung zu bringen. Nachdem der Leibdiener gegangen war, erlaubte er dem anderen, mit Ankleiden fortzufahren. Er wurde essen mussen, ehe er sich zum Gefangniszentrum begab. Au?erdem wurde sein Reisehelfer Stimulantia mitbringen mussen. Vermutlich wurde es eine lange Nacht werden.

Chicago

Dienstag, 18. Juni, 20:25

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