»Wir bleiben noch zwei oder drei Tage im Orbit, um die Information uber seine Reiseplane mitnehmen zu konnen«, sagte Tommy.
»Gut. Du kennst ihn? Von wo? Bei der Einsatzbesprechung hast du das nicht erwahnt«, sagte sie.
»Cally, es tut mir Leid. Ich habe Mist gebaut. Ich kannte ihn vor vierzig Jahren, bei den GKA, und als ich ›Lieutenant‹ horte, bin ich einfach nicht draufgekommen. Erst als wir nach deiner Festnahme sahen, wer der neue CO ist.« Er richtete sich auf den Sturm ein, der gleich kommen wurde.
»Okay. Wie war er damals?«, fragte sie.
»Was?«
Mary’s Diner war entschieden kein Lokal, das man irgendwie mit den Tongs oder etwas anderem als billigen Mahlzeiten fur sparsame Kolonisten in Verbindung bringen konnte, die auf ihr Emigrantenschiff wanderten. Das Publikum dort war jedenfalls rund um die Uhr sehr gemischt. Es gab einen Pausenraum fur die Angestellten — uberflussig, weil Mary und ihr Mann das gesamte Personal darstellten. Mary war eine Klatschbase — sie klatschte uber alles Unwichtige. Und au?erdem kochte sie ordentlichen Tee.
Und alles das waren Grunde, weshalb James Stewart bei einer Tasse Tee in ihrem Pausenraum sa? und mit dem
»Sie wissen naturlich, dass das, was Sie haben mochten, sehr teuer ist, nicht wahr?« Der andere nippte genusslich an seinem Tee. Sein Gastgeber hatte ausgezeichneten Geschmack. Er trank importierten Oolong am liebsten sehr hei?. Der Raum war recht sympathisch eingerichtet, mit einem Miniaturspringbrunnen, der vor sich hin gurgelte, und einem Zweig Kirschbluten, naturlich Seide, in einer Kristallvase auf dem Tisch. Ein guter Ort, um Geschafte zu machen.
»Ach, kommen Sie schon. Ich wei?, wie so etwas funktioniert. Wie sollen Sie denn sonst Profit daraus schlagen? Glauben Sie denn nicht, dass ich es wert bin?«, grinste Stewart.
»Vielleicht. Ich will gar nichts versprechen, aber ich werde meinen Gro?vater fragen«, sagte er.
»Mehr verlange ich ja auch nicht. Wann meinen Sie denn, dass Sie mir Bescheid geben konnen?« Der ehemalige Gangleader und heutige General nippte an seinem Tee.
»Morgen. Morgen werde ich es wissen«, sagte er.
»Dann sehen wir uns morgen.« Stewart verabschiedete sich hoflich und ging hinaus. Er musste eine Beforderung bekannt geben.
Nachdem Mary ihnen den Kaffee eingegossen und den Raum verlassen hatte, reichte ihm der
»Ihre Passage zur Erde ist auf unserem Schiff
»Vielen Dank. Ich bin Ihnen sehr dankbar. Das war eine anstrengende Reise, und ich freue mich darauf, so bald wie moglich wieder zur Erde zuruckkehren und dort wieder meine Arbeit aufnehmen zu konnen.« Der General stand auf und nahm sein Ticket und das AID vom Tisch.
»Ja, naturlich. Falls wir Ihnen jemals wieder in irgendeiner Weise zu Diensten sein konnen, sollten Sie nicht zogern, mit uns Verbindung aufzunehmen. Ich wunsche eine angenehme Reise.« Er schuttelte dem anderen die Hand, wobei ein Datenwurfel den Besitzer wechselte.
Als der General hinausging, sagte er zu dem Gerat, das nicht viel gro?er als eine Packung Zigaretten war:
»Diana, bitte gebe meine Reisedaten an General Vanderberg durch. Herrgott, ich kann’s nicht erwarten, wieder nach Hause zu kommen.« Er ging hinaus, und der
»Ja, James. Sendung abgeschlossen«, sagte sie.
Wirklich jammerschade, dass Cally nicht hier sein konnte. Der Aufenthaltsraum fur die Crew war vermutlich der bequemste Raum, den das ganze Schiff zu bieten hatte. Die Sessel waren mit wirklich gutem braunem Lederimitat gepolstert, und an einer Wand knisterte in einem offenen Kamin ein holografisches Feuer. Ein diskreter Luftauffrischer in der unteren Ecke des Bildschirms des Kamins verbreitete den Duft verbrennender Buchenscheite. Ein paar kleine Tische standen herum, die man in Gruppen zusammenstellen konnte, wenn man das wollte, und es gab sogar tatsachlich eine ordentliche Bar. Die Kaffeedose fur Trinkgelder und ihre Abneigung gegen Alkohol nahm dem zwar ein wenig das Vergnugen, aber man konnte schlie?lich nicht alles haben.
Tommy blickte von seinem Backgammon-Spiel mit Papa O’Neal auf, als der Navigator hereinkam und auf ihn zuging.
»Sir, wir haben gerade eine verschlusselte Nachricht von einem benachbarten Schiff empfangen. In der Adresse sind Sie genannt.« Er reichte Tommy einen Datenwurfel.
»Danke.« Er legte ihn neben das Spielbrett, ignorierte das Zogern des Mannes, bis dieser offenbar bemerkt hatte, dass es hier nichts zu schnuffeln gab, und sich in Richtung auf die Brucke entfernte.
»Ich denke, ich werde mal nach Felicia sehen, wenn es dir nichts ausmacht, dass wir das Spiel kurz unterbrechen.« Sie wurde ihn umbringen, wenn sie diese Nachricht nicht sofort nach dem Entschlusseln zu sehen bekam. Man konnte es ihr auch nicht verubeln. Wenn er Wendy dort unten wusste, wurde er jetzt auch an seinen Fingernageln kauen.
Das Zugangsrohr zum Laderaum des Shuttle, das er statt des Passagiergangs zur Hauptkabine benutzen musste, war eiskalt. Er hatte sich mit Ausnahme von Gesicht und Nase vollig vermummt, aber es war trotzdem verdammt kalt. Weniger abgewetzte Stellen in dem grauen Rohr lie?en vermuten, dass es fruher einmal blau gewesen sein musste. Vermutlich war es funfzig Jahre alt und stank nach Kohlenwasserstoff, der von drau?en eindrang. Zum Gluck musste er das blo? hochstens eine Minute lang ertragen.
»Diana, ich werde dich jetzt in meinen Koffer stecken, bis wir oben auf dem Schiff sind. Ich habe bei weitem nicht so gut geschlafen, wie die Arzte das gern hatten, und ich glaube, ein kleines ungestortes Nickerchen wurde mir auf dem Flug in den Orbit machtig gut tun.« Er stopfte das AID zu seinen Uniformen in den Koffer.
»Geht in Ordnung, James. Wenn es dir gut tut. Wir sehen uns dann an Bord.« Sie klang fast wie eine Mutter, die ihr Kind zu Bett bringt.
»Gute Nacht, Diana.«
»Gute Nacht, James.«
Er klappte den Koffer zu und verstaute ihn im Laderaum des Shuttles.
