schweifte in die Runde. „Habt ihr das schon einmal gemacht?“ fragte er. „Ich meine, jemanden absichtlich belauscht?“
„Nur die Feinde der Konigin. Durer belauschen wir oft“, antwortete Aldis.
„Oh? Und konntet ihr etwas in Erfahrung bringen?“
„Er macht sich in letzter Zeit viel Gedanken uber die Bauern.“
„Welches Interesse hat er denn an ihnen?“
Toby grinste wissend. „Er hat Zwist zwischen zwei Bauern auf den Landereien der Konigin gesat. Ein junger Landmann wollte die Tochter eines alten Bauern heiraten, aber der lie? es nicht zu. Und der Junge hatte es wohl aufgegeben, wenn auch verzweifelt und mit gebrochenem Herzen, aber da kam Durer und hetzte ihn auf, und die meisten der Bauern gaben ihm recht, als er fragte, ob er es einfach hinnehmen wollte, da? ein tattriger Idiot ihm das Madchen, das er liebte, verweigert. Also entfuhrte der Junge das Madchen und machte ihr ein Kind.“
Rod spitzte die Lippen. „Ich nehme an, Papa war daruber nicht erfreut.“
Toby nickte. „Er schleppte den Jungen vor den Dorfpriester und verlangte, da? man ihn wegen Schandung hange, aber der Priester sagte, es sei Liebe und nicht Schandung gewesen, und die einzig passende Strafe dafur sei die Ehe und nicht der Galgen.“
Rod grinste. „Das Parchen war bestimmt sehr traurig daruber.“
„So traurig, da? sie nicht wu?ten, wohin mit ihrer Freude“, versicherte ihm Toby feixend. „Und der alte Bauer gab seinen Segen.“
„Da mischte sich Durer wieder ein?“
„Allerdings. Vor all ihren Lords und Ladies forderte er die Konigin auf, die Gerechtigkeit ihrer neuen Ordnung zu beweisen, indem sie in diesem Fall Gericht sprach, denn waren diese Bauern nicht von ihren eigenen Landereien?“
Rod grinste und klatschte sich auf die Schenkel. „Sie durfte gute Lust gehabt haben, ihm ins Gesicht zu spucken!“
„Ihr kennt die Konigin nicht. Mit dem gro?ten Vergnugen hatte sie ihm einen Dolch zwischen die Rippen gesto?en, aber sie mu?te die Herausforderung annehmen und sich bei ihrer nachsten offentlichen Rechtsprechung des Falles annehmen.“
„Offentliche Rechtsprechung? Was ist das?“ fragte Rod.
„Jeden Monat offnet die Konigin eine Stunde ihren Hof, um allen, ob nun Edlen, Bauern und Geistlichen, ihr Ohr zu schenken. Meistens horen die Hohen Lords zu, wahrend der niedrige Adel und das einfache Volk ihre Beschwerden vorbringen, da konnt Ihr Euch sicher vorstellen, da? kaum einer den Mund auch wirklich zu offnen wagt.“
„Wann ist diese nachste offentliche Rechtsprechung?“
„Morgen“, antwortete Toby. „Und ich glaube, die Hohen Lords werden dafur sorgen, da? ihre Geistlichen und Bauern gezwungenerma?en gegen die neuen Richter und Priester der Konigin protestieren. Naturlich werden die Lords zuerst ihren
Protest vortragen, und die anderen werden es kaum wagen, nicht zuzustimmen.“
Rod nickte. „Aber was verspricht Durer sich davon, diesen Verfuhrungsfall in die Offentlichkeit zu ziehen?“
„Das wei? nur Durer“, erwiderte Toby.
Rod studierte die jungen Gesichter um sich. „Ist das nicht genau die Information, die die Konigin braucht? Warum gebt ihr sie ihr nicht?“
Die Gesichter wurden ernst. Toby bi? sich auf die Lippe und schaute zu Boden. „Wir haben es versucht, Freund Gallowglass.“ Er blickte Rod fast flehend an. „Wir haben es versucht, aber sie will uns nicht anhoren.“
„Was soll das hei?en?“
„Der Page, den wir zu ihr schickten, kam zuruck und erklarte, die Konigin habe gesagt, wir sollten ihr fur den gebotenen Schutz dankbar sein und nicht so unverschamt, uns in ihre Regierungsangelegenheiten zu mischen. Aber vielleicht ist es besser so, denn sie hat auch so genug Sorgen, da? wir sie nicht noch mit Warnungen drohenden Unheils belastigen durfen.“
Rod grinste freudlos. „Stimmt, mit ihren Edlen und den Bettlern hat sie genug Kummer.“
Toby nickte ernst. „Ja, sie hat mehr als ausreichend Schwierigkeiten mit den Ratgebern, dem Haus Clovis und dem Gespenst auf dem Dach.“
„Ja, Grund genug“, pflichtete Rod ihm bei. „Ich glaube, da? die Angst sie in den Klauen hat.“
Tom setzte sich auf, als Rod auf Zehenspitzen zu seinem Bett schleichen wollte. „Seid Ihr krank, Meister?“ fragte er besorgt.
„Nein, ich konnte nur nicht schlafen. Hast du schon einmal etwas von Kricket gehort?“
„Nein, Meister, was ist das?“
„Ein Spiel. In der Mitte des Spielfelds steht ein Tor, Wicket genannt. Eine Mannschaft versucht, es mit einem Ball zu treffen, wahrend die andere es zu schutzen sucht, indem sie den
Ball mit einem Schlagholz aufhalt oder ablenkt. Dann wechseln die Mannschaften die Seiten. Die, die das Wicket zuvor angegriffen hat, verteidigt es jetzt.“
„Und was soll das alles, Meister?“ fragte der Riese und schuttelte verwirrt den Kopf.
„Nun, ich wollte eigentlich nur darauf hindeuten, da?, wer immer auch gewinnt, das Wicket ziemlich mitgenommen wird.
Und ich habe das Gefuhl, da? hier ein gewaltiges Kricketspiel stattfindet. Nur beteiligen sich statt zwei gleich drei Mannschaften daran: die Ratgeber, die Bettler…“
„Das Haus Clovis“, murmelte Tom.
Rob hob uberrascht die Brauen. „Ja, das Haus Clovis. Und naturlich die Konigin.“
„Aber wer ist dann das Wicket?“
„Ich.“ Rod warf sich auf das Bett und pre?te den Kopf auf das Kissen. „Und jetzt mochte ich schlafen. Gute Nacht.“
„Meister Gallowglass!“ rief eine Jungenstimme.
Rod schlo? die Augen und betete um Kraft. „Ja, Page?“
„Eure Dienste werden zum koniglichen Fruhstuck erwartet.“
Rod mu?te zugeben, da? Catherine Plantagenet sich in Szene zu setzen verstand. Noch vor Sonnenaufgang standen die Posten Wache vor dem E?saal, und alle Lords und Ladies, die die Ehre hatten, am koniglichen Fruhstuck teilzunehmen, kamen gleich nach dem ersten Hahnenschrei an. Doch erst, als alle versammelt waren und schon hungrig das Fruhstuck beaugten, machte Catherine ihren Auftritt und lie? sich von Lord Loguire an ihren Platz fuhren.
Jede Platte, die die vier Diener servierten, wurde erst von Brom O'Berin gekostet, der zur Linken der Konigin sa?. Er probierte von allem, und wenn er nach ein paar Minuten noch lebte, wurde der Konigin davon vorgelegt.
Rod stand an der Osttur, wo er auch jetzt Catherine wieder gut sehen konnte, die am Nordende der Tafel sa?, mit Lord Loguire zu ihrer Rechten, und Durer wiederum zu dessen.
Durer beugte sich vor und murmelte seinem Herrn etwas zu.
Loguire winkte ungeduldig ab. Er kaute an einem Stuck Fleisch und spulte es mit einem Glas Wein hinunter, dann wandte er sich an Catherine. „Eure Majestat, ich mache mir Sorgen.“
Catherine betrachtete ihn kuhl. „Wer tut das nicht? Wir mussen mit ihnen fertig werden, so gut wir es konnen.“
„Meine Sorge gilt Euch und dem Wohlergehen des Konigreichs“, erklarte der Herzog gepre?t.
„Nun, ich will doch sehr hoffen, da? das Wohlergehen meiner Person auch Einflu? auf das meines Reiches hat.“
Loguires Nacken lief rot an, aber er lie? nicht locker. „Ich bin erfreut, da? Eure Majestat in einer Bedrohung Eures Wohlergehens auch eine in dem Wohlergehen dieses Landes sieht.“
Catherine zog die Brauen zusammen. „Das tue ich wahrhaftig.“
„Wenn das Leben der Konigin bedroht ist, wird das Volk unruhig.“
Catherine legte ihre Gabel nieder und lehnte sich in ihrem Sessel zuruck. Ihre Stimme klang mild, ja fast su?. „Ist mein Leben denn bedroht, Mylord?“
„Es hat ganz den Anschein“, erwiderte der Herzog bedachtig.
