Angst stieg in Rod auf, als er Mord in Toms Augen las. Er rausperte sich. „Tom, deine eigenen Leute sind jetzt gegen dich. Du bist ihnen zu keiner Treue mehr verpflichtet. Und die Mi?stande, die sie beheben wollten, kann ich auch beheben.

Wenn du zu ihnen zuruckkehrst, werden sie dich umbringen.

Ich nicht, das wei?t du.“

Der machtige Riese entspannte sich. „Ihr habt recht, wenn auch nicht ganz so, wie Ihr denkt. Die haben mich blo? fur eine Weile eingesperrt, bis die gro?en Taten vollbracht sind, aber sie werden mich wieder in Gnaden aufnehmen, denn ich bin zu wertvoll fur sie, als da? sie sich so einfach meiner entledigen wurden. Aber umbringen werden sie mich — in einem Jahr, vielleicht, oder in zwei, drei oder funf Jahren, wenn ich meinen Zweck erfullt habe. Und ich mochte gern langer leben.“ „Sie zweifeln an deiner Loyalitat?“ fragte Rod skeptisch. „Dazu besteht kein Anla?, Herr. Ich bin lediglich gegen ihre Mittel, nicht gegen das Ziel. Aber gerade deswegen werden sie mich fruher oder spater toten.“

„Rod“, sagte die Stimme hinter seinem Ohr, die nur er horen konnte. „Einen Augenblick“, wandte er sich an Tom. „Ich erhalte gerade eine Botschaft. Wir sprechen spater weiter.“ „Rod, der Elfenkonig ist hier. Er fuhrt einen Trupp Elfen an.“ Und schon wurden zwei knorrige Gestalten mit wei?en Barten hinter dem Fenstergitter sichtbar. „Gekab“, murmelte Rod. „Das sind keine Elfen, sondern Gnomen.“ „Gnomen? O ja, metallbearbeitende Elfen.“ Die Gnomen brachten Hammer und Mei?el mit leichtem Bronzeglanz zum Vorschein, dann wichen sie zur Seite und reichten das Werkzeug einer gro?eren, dunkleren Gestalt, die fast das ganze Fenster einnahm.

Die Loguires verdrehten ihre Halse, um hochsehen zu konnen. Und Tom brummte: „Ich wurde gern sein Gesicht sehen, damit ich einmal meinen Kindern, wenn ich sie erst habe, davon erzahlen kann. Noch kein Sterblicher durfte sich je preisen, das Gesicht eines Elfenkonigs gesehen zu haben, obgleich man sagt, sie lebten seit undenkbarer Zeit. Sie sind… Uh… Ah…“ Toms Kopf sackte auf die Brust und er begann zu schnarchen. Weitere Schnarchtone wurden laut. Rod drehte sich um und stellte fest, da? auch die beiden Loguires selig entschlummert waren. Verwirrt schaute er hoch. Der erste Gitterstab fiel gerade auf den stinkenden Strohboden. Dieser Elfenkonig mag vielleicht unvorstellbar alt sein, dachte Rod, aber langsam oder altersschwach ist er zweifellos nicht.

Der nachste Gitterstab fiel herunter, und die restlichen folgten erstaunlich schnell, und gleich darauf sprang ihnen eine schwere Gestalt nach. Unglaubig sperrte Rod die Augen auf. Er verstand jetzt, weshalb Tom und die Loguires hatten einschlafen mussen.

Er schluckte, kampfte um seine Fassung, dann lachelte er. „Gut gemacht, Brom O'Berin.“

„Stets zu Diensten, Rod Gallowglass.“ Der kleine Mann verbeugte sich und lachelte boshaft. „Ich schulde dir Prugel fur deine Impertinenz gegenuber der Konigin — vielleicht aber auch gro?en Dank. Ich bin mir noch nicht ganz schlussig.“ Er kniete sich neben Rod und druckte seinen Unterarm auf den Boden.

„Ruhr dich nicht, sonst bist du um ein Stuck Knochen armer!“

Er druckte den Mei?el auf das erste Kettenglied am Eisenband und durchtrennte es mit einem einzigen Hammerhieb. Sofort machte er sich am anderen Arm zu schaffen.

„Du wirst zwar noch Armbander tragen, aber keine Ketten mehr. Die Bander mussen warten, bis wir zur Burgschmiede kommen.“

„Hm, das ist verdammt harte Bronze.“ Rod deutete auf den Mei?el, der durch das Eisen glitt.

„Sehr hart“, stimmte Brom ihm zu und beschaftigte sich mit den Fu?ketten. „Nach einem alten Rezept meiner Familie.“

„Deiner Familie?“

Brom blickte auf. „Auch im vergessenen Griechenland gab es Elfen, wu?test du das nicht, Rod Gallowglass?“

Als er alle von den Ketten befreit hatte, bat Brom Rod, ihm zu helfen. Er sprang durch das Fenster und warf einen Strick herein. Rod band es unter Toms Achselhohlen und stemmte den glucklich schnarchenden Riesen hoch, wahrend Brom zog.

„Warum weckst du ihn nicht einfach auf, da? er selbst hinausklettert?“ fragte Rod schwitzend.

„Ich mochte nicht, da? mein Stand unter den Sterblichen bekannt wird“, brummte Rod.

„Und warum hast du mich nicht schlafen geschickt?“

„Einer von euch mu?te mir schlie?lich mit den anderen helfen“, knurrte Brom, aber Rod hatte das Gefuhl, da? das nicht die ganze Wahrheit war. Er stellte jedoch keine weiteren Fragen mehr, bis seine Zellengeno ssen aus dem Fenster waren und schlie?lich Brom ihn hochzog. Rod duckte sich und streckte Brom den Hintern zu.

„Was soll das?“ brummte Brom.

„Sagtest du nicht, du schuldest mir Prugel?“

Der Zwerg lachte und schlug ihm auf die Schulter. „Nein, Junge, du hast nur getan, was ich selbst vor Jahren hatte tun sollen, aber nie ubers Herz brachte. Doch komm jetzt, wir mussen uns beeilen.“

Nicht viel spater sa?en sie um das Feuer in der koniglichen Ratskammer. Catherine hatte sich wortreich bei Loguire entschuldigt und Tuan vollig ignoriert. Tuan hatte links vom Kamin Platz genommen, und Catherine so weit von ihm entfernt im Zimmer, wie es nur moglich war, mit einem schweren Eichentisch und Brom O'Berin zwischen sich und ihm.

„… ich bin nicht langer Herzog, und die Rebellen sind bereits auf dem Marsch“, beendete Loguire seinen Bericht.

„Ihr werdet wieder Herzog sein“, sagte Catherine kalt, „sobald wir die Verrater geschlagen haben.“

Loguire lachelte traurig. „Sie sind nicht so leicht zu schlagen, Catherine.“

„Eure Majestat!“ fauchte sie.

„,Catherine! „donnerte Rod. Sie funkelte ihn wutend an, und er funkelte zuruck.

„Was bin ich, Brom?“

„,Eure Majestat'„, erwiderte Brom mit der Spur eines Lachelns. „Doch fur Euren Onkel und seinen Sohn, Euren

Vetter, seid Ihr Catherine.“

Jetzt galt ihm der funkelnde Blick. „Stellst du dich auch gegen mich, Brom O'Berin?“

„Genausowenig wie dieser Falke hier…“ Er deutete auf Rod.

„Wenn Ihr das nur einsehen wurdet.“

Catherine musterte Rod von oben bis unten. „Ein Falke, ja.

Und was ist mit diesem Laffen?“

Tuans Kopf scho? hoch, als hatte er eine Ohrfeige bekommen.

Zutiefst gekrankt starrte er Catherine an. Doch dann pre?te er die Lippen zusammen, und eine Falte zeichnete sich zwischen den Brauen ab. Eines Tages, dachte Rod, wird sie bei ihm ein kleines bi?chen zu weit gehen, und das konnte vielleicht der glucklichste Tag ihres Lebens sein — wenn sie ihn ubersteht!

„Ich bin fur Euch!“ hauchte Tuan. „Selbst jetzt noch, Catherine, meine Konigin.“

Sie lachelte selbstzufrieden und abfallig. „Das hatte ich gewu?t.“

„Verdammtes Miststuck!“ murmelte Rod.

„Was habt Ihr da vor Euch hinzubrummen, Meister Gallowglass?“

„Nur etwas, dessen ich mich nicht enthalten konnte, kleine Konigin. Aber was die Rebellen betrifft, was beabsichtigt Ihr, gegen sie zu unternehmen?“

„Wir marschieren ihnen entgegen und stellen sie auf dem Bredenfeld.“

„Nein!“ Loguire sprang auf. „Ihre Starke ist zehnmal die unsere!“

„Wir werden nicht hierbleiben und uns wie eine Ratte im Loch verkriechen!“ Diesmal galt das Funkeln ihrer Augen ihrem Onkel.

„Dann werdet Ihr geschlagen werden!“ erklarte ihr Rod.

Sie schaute auf ihn herab (was nicht einfach war, wenn man bedachte, da? sie sa? und er stand). „Daran ist nichts Unehrenhaftes, Meister Gallowglass!“

Rod schlug sich auf die Stirn und rollte die Augen himmelwarts.

„Was sollte ich sonst tun? Mich vielleicht auf eine Belagerung vorbereiten?“ fragte sie hohnisch.

„Genau das“, erwiderte Rod.

„Wenn Ihr marschiert, habt Ihr auch noch das Haus Clovis zu befurchten, das Euch in den Rucken fallen wird“, sagte Tuan mit tonloser Stimme.

Verachtlich verzog sie die Lippen. „Bettler!“

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