„Bettler und Mordbuben!“ erinnerte sie Rod. „Mit sehr scharfen Messern!“

„Soll die Konigin sich vor einem solchen Lumpenpack furchten? Nein! Sie sind Staub unter meinen Fu?en!“

„Was im Staub unter Euren Fu?en kriecht, ist eine Schlange“, brummte Brom, „und ihre Zahne sind spitz und verspritzen Gift!“

Catherine schaute unsicher zu Boden, dann hob sie das Kinn und starrte Tuan bose an. „Dann hast du sie also zu einer Armee gegen mich gedrillt und zu einem heimtuckischen Dolch fur meinen Rucken gemacht, Konig der Vagabunden!“

Sie wandte sich an den Herzog. „Ich werde gegen die Rebellen ziehen! Marschiert Ihr an meiner Seite, mein Lord Loguire?“

„Ihr seid eine Torin, Catherine, und werdet den Tod finden, aber ich werde mit Euch sterben.“

Einen Herzschlag lang glitzerten ihre Augen feucht. Hastig drehte sie sich zu Brom um. „Und du, Brom O'Berin?“

„Ich war der Wachhund Eures Vaters, jetzt bin ich Eurer.“

Sie lachelte ihn an. Dann verfinsterte sich ihr Gesicht. „Und du, Tuan Loguire?“

Der junge Mann schaute sie nachdenklich an. „Es ist erstaunlich, wie ich mich immer wieder zum Toren mache.

Doch wenn ich seit meiner Kindheit dein Narr war, Catherine, werde ich wohl auch noch die Torheit auf mich nehmen, an deiner Seite zu sterben.“

Ihr Gesicht war aschfahl. „Torheit…“, wisperte sie.

Rod schlug Tuan freundschaftlich auf die Schulter. „He, Konig der Vagabunden! Wir uberleben diesen Irrsinn vielleicht doch!

Wenn der Spotter und seine Helfershelfer nicht mehr waren, konntet Ihr dann die Bettler dazu bringen, fur die Konigin zu kampfen?“

Tuans Augen verrieten neue Hoffnung. „Ganz gewi?!“

Es war nicht leicht gewesen, Tom zu uberreden, da? er mitmachte. Rod hatte es auch verkehrt angepackt, da er angenommen hatte, Toms Loyalitat gegenuber der proletarischen Idee hatte ihr Ende gefunden, als er ins Verlies geworfen worden war. „Was haltst du von einer Chance, es deinen Freunden heimzuzahlen?“ hatte er gefragt.

„Es ihnen heimzahlen?“

„Haben sie dir nicht ubel mitgespielt und sind jetzt erst recht auf dein Blut aus?“

Tom grinste. „Ganz sicher nicht, Meister. Sie hatten mich befreit, sobald die Schwierigkeiten behoben waren.“

„Aber warum haben sie dich in Ketten gelegt?“

Tom zuckte die Schultern. „Eine Meinungsverschiedenheit. Sie wollten die Konigin und die Edlen zur gleichen Zeit angreifen, obwohl sie dadurch ihre Krafte hatten teilen mussen. Wahrend ich dafur war, erst die Edlen und ihre Ratgeber fertigzumachen, naturlich unter der Tarnung, es fur den Thron zu tun. Danach, dachte ich, sollten wir allmahlich das ganze Volk auf unsere Seite bringen, und sobald das geschafft war, die Konigin und Brom O'Berin ins Jenseits schicken.“

Rod schluckte und bemuhte sich, daran zu denken, da? der Bursche ja jetzt auf seiner Seite war. „Nun, wie war's, wenn das Haus Clovis tatsachlich erst die Edlen und ihre Ratgeber niedermacht? Und zwar an der Seite der Konigin. Danach kannst du ja zusehen, ob du deinen weiteren Plan durchzufuhren vermagst.“

„Glaubt Ihr denn, da? die Bettler fur die Konigin kampfen wurden?“

„Das uberlassen wir Tuan Loguire, nachdem wir deine vier Kollegen in das Verlies gesperrt haben, in das sie dich hineinwarfen.“

Ein breites Grinsen uberzog Toms Gesicht. „Das hatte ich mir ja denken mussen, Meister. Ja, dieser Junge wird sie uberreden.

Er hat eine Engelszunge! Aber es ist Euch doch klar, da? dann auch Ihr neben der Konigin und Brom an der Reihe sein werdet, wenn ich meinen weiteren Plan durchfuhre.“

„Es wird ein grandioser Kampf werden, Tom. Aber warten wir doch erst einmal ab.“

Tom machte sich an einem Stein der Au?enwand zu schaffen.

Er zog ihn vorsichtig heraus. „Ich hatte zwar gedacht, ich brauchte das Schlupfloch einmal, um aus dem Haus zu kommen, aber umgekehrt funktioniert es naturlich auch. Folgt mir.“ Er zwangte sich hindurch, und als Rod und Tuan schlie?lich neben ihm im Innern standen, verschlo? er das Loch wieder. „Na, die werden sich wundern, wie wir hereinkamen“, sagte Tom grinsend.

Sie befanden sich in einer riesigen ehemaligen Kuche. Die dichten Spinnweben verrieten, da? sie schon lange nicht mehr benutzt wurde.

„Was hat ein guter Junge wie du, Tom, eigentlich hier zu suchen?“ brummte Rod. Tom schnaubte verachtlich. „Nein, ich meine es wirklich“, versicherte ihm Rod. „Einen Gott, ein Idol, schatzt man nach den Menschen ein, die es anbeten.“

„Seid still!“ knurrte Tom.

„Aber ich habe doch recht, oder? Die Ratgeber sind bis ins Mark verderbt, das wissen wir schlie?lich. Und der Spotter und seine Kumpane sind schmutzigstes Ungeziefer. Du bist der einzige anstandige Mann in dem Haufen, weshalb willst du nicht…“

„Haltet den Mund!“ brummte Tom drohend und packte Rod am Kragen seines Wamses. „Und was ist mit der Konigin und

ihren Gottern, eh?“ Wutend schob er Rod gegen die Wand und lie? ihn los. Rod schuttelte sich und sah im Schein einer Fackel den Ha? in Toms Augen, ehe er vorwartsschlich.

„Loscht die Fackeln!“ flusterte er kurz darauf uber die Schulter zuruck. „Wir kommen gleich an eine Biegung, und dahinter halt ein Posten Wache. Vorsicht, Jungs!“

Als sie sich der Ecke naherten, horten sie zu ihrer Rechten, aus dem neuen Schlafsaal, schwaches Schnarchen. Tom druckte sich an die Wand, und schnell folgten Rod und Tuan seinem Beispiel.

„Halt!“ brullte eine Stimme hinter der Biegung.

Erschrocken hielten die drei den Atem an.

„Wohin zu dieser Stunde?“ fragte der Posten drohend.

Eine zitternde, nasale Stimme antwortete: „Auch nachts mu? man manchmal!“

„Aha!“ rief der Posten, „sicher nur, weil gleich neben den Toiletten der Frauenschlafsaal ist, hm? Nein, Burschchen, zuruck auf dein Lager. Dein Liebchen ist heute nacht nicht fur dich!“

„Aber ich…“

„Du kennst die Bestimmungen, Freundchen. Du mu?t zuerst schon die Erlaubnis des Spotters einho len.“ Mit vertraulicherer Stimme fuhr er fort: „So schwierig ist es doch nicht, den Schein von ihm zu bekommen. Dann halt dich niemand auf und du hast es schwarz auf wei?, wo und zu welcher Zeit du es treiben kannst.“

Der andere spuckte horbar aus. „Ja“, hohnte er. „Und jede Nacht brauche ich einen neuen Schein, wenn ich sie sehen will.

Verdammt, das war bisher das einzige auf der Welt, das man ohne Erlaubnis von anderen tun konnte!“

Die Stimme des Postens wurde wieder hart. „Das Wort des Spotters ist Gesetz im Haus, und ich werde ihm mit dem Prugel Nachdruck verleihen!“

Ein wutendes Knurren war zu horen, dann sich entfernende, schlurfende Schritte. Nach einer Weile setzte erneut Stille ein, bis der Posten wieder zu schnarchen begann.

Rod schaute Tuan an. Das Gesicht des Jungen war fahl, und die Lippen hatte er so fest zusammengepre?t, da? sie wei? wirkten.

„Ich nehme an, davon wu?tet Ihr nichts, oder?“ flusterte Rod.

„Nein. Als sie mich erst abserviert hatten, vergeudeten sie keine Zeit. Eine Wache vor jedem Zimmer. Ein Stuck Papier als Erlaubnis, da? zwei ein Bett miteinander teilen durfen — das ist schlimmer als die Lords des Sudens!“

Toms Kopf ruckte hoch. „Nein!“ knurrte er. „Es ist jetzt nur ein wenig unbequem, aber das Resultat ist diesen Preis wert.“

„Welches Resultat kann schon einen solchen Preis wert sein!“ schnaubte Tuan und hob seine Stimme ein wenig.

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