Soldaten unterrichten, da? sie auf unserer Seite sind.“

„Ja, naturlich“, murmelte sie. Sie schaute in das Feuer. „Es ist seltsam, da? die, die am meisten gegen mich schrien, jetzt fur mich kampfen…“

Rod schaute sie mit einem ironischen Lacheln an.

„Tuan…“, flusterte sie.

Brom rausperte sich. „Und ich habe heute nacht mit dem Elfenkonig gesprochen. Er stellt uns seine gesamten Legionen zur Verfugung.“

Sie war wieder ihr altes Selbst. „Elfenlegionen, Brom O'Berin?“ sagte sie sauerlich.

„Unterschatzt sie nicht.“ Rod rieb sich den Hinterkopf und dachte an den Hieb, den er dort abbekommen hatte, und an den eingefangenen Werwolf. „Und dazu haben wir auch noch Euren eigenen Hexenzirkel…“

„Und die machtigste Hexe von ganz Gramayre“, brummte Brom.

„Ja, und sie alle sind bereit, dem einzigen Herrscher der Geschichte, der Hexen je schutzte, zu helfen.“

Catherines Augen glanzten und schienen in weite Ferne zu blicken. „Wir werden siegen“, flusterte sie. „Wir werden siegen.“

„Nun, mit allem Respekt, Eure Majestat, aber bleiben wir auf dem Boden der Tatsachen. Sagen wir, wir haben eine gute Chance.“

Das Bredenfeld war ein Delta, offen im Suden, aber im Norden durch die Mundung von zwei Flussen geschlossen. Ein Dickicht von Buschen und Baumen, entlang der beiden Flu?ufer, begrenzte das Feld, das mit hohem Gras und Lavendel uberwuchert war. Doch davon war jetzt wenig zu sehen, denn dichter Nebel hing bis auf den Boden.

Tuan, der die Hande am Lagerfeuer warmte, murmelte duster: „Dieses Wetter schlagt sich auf das Gemut der Truppen.“

Rod hob eine Braue und lauschte der lauten Lustbarkeit, die von der Abteilung der Bettler zu ihm drang. Auch die Hexen waren mehr als vergnugt, denn sie hatten des Wetters wegen mit ihrer ublichen Party schon gegen Mittag begonnen.

„Hm“, brummte er. „Hort sich gar nicht so an. Aber macht Euch keine Sorgen, Tuan, die Prakog… uh — Hexen meinen, es wurde morgen ein herrlicher, sonniger Tag.“

„St. Georg sei gepriesen, da? wir nicht vorher kampfen mussen.“ Tuan hullte sich frostelnd enger in seinen Umhang.

Broms Miniaturspione hatten gemeldet, da? die Sudtruppen sich noch einen halben Tagesritt entfernt befanden. Catherine war mit Brom und ihrer Armee gestern abend angekommen, und die Bettler ruhten sich bereits einen ganzen Tag aus und waren kaum noch zuruckzuhalten, dem Feind entgegenzumarschieren. Tuan mu?te seine ganze Autoritat aufbieten, sie zu bremsen.

„Ich sehe eigentlich nicht ein“, sagte Rod und zupfte an seiner

Lippe, „weshalb wir bis morgen warten sollten. Wir konnten ihnen doch wahrend der Nacht einen Hinterhalt stellen, solange sie ihre Truppen zusammenziehen.“

„Ein Nachtangriff!“ rief Tuan sichtlich erschrocken.

„Warum nicht?“ Sie werden mude vom langen Marsch sein, und wissen nicht, wo wir uns befinden. Wir hatten eine viel gro?ere Chance, zu siegen.“

„Ja, genau wie man eine gro?ere Chance hat, einen Mann zu toten, wenn man ihn erschlagt, wahrend er auf dem Boden liegt!“

Rod seufzte. „Ich dachte, das Wichtigste bei einem Kampf ist, zu gewinnen?“

„Ja, aber nicht mit solch gemeinen Mitteln. Wer wurde einer Konigin treu bleiben, die ihre Macht auf solche Weise aufrechterhalt?“

Das war der Kern der Sache, mu?te Rod zugeben. Prestige war auf Gramayre alles, und Ehre war der Eckstein des Prestiges.

„Ihr mu?t wissen, was Ihr tut“, sagte er seufzend. „Schlie?lich seid Ihr derjenige, der mit Menschen umzugehen versteht.“

Tuan lachelte traurig und schuttelte den Kopf. „Freund Rod, ich habe kein Geschick im Regieren.“

Rod gestattete sich eine skeptische Miene. „Vielleicht nicht, aber Ihr seid ein verdammt guter Fuhrer.“

„Ho!“ polterte eine Stimme. Rod drehte sich um und schaute der machtigen Gestalt entgegen, die sich aus dem Nebel loste.

„Alle glucklich da druben?“

„Und wie, Meister. Sie haben ihr ganzes Leben nie solchen Wein getrunken oder soviel davon“, versicherte ihm Tom.

„Hmmm.“ Rod zupfte an der Lippe. „Roll die Fasser lieber bald weg. Wir konnen sie so kurz vor der Schlacht nicht betrunken brauchen!“

„Nein!“ widersprach Tuan fast automatisch, wie Rod bemerkte.

„La? sie trinken, soviel sie wollen, dann schlafen sie eher ein.

Am fruhen Morgen wecken wir sie, geben jedem einen Krug voll oder auch zwei — dann kampfen sie wie die Teufel.“

Rod mu?te zugeben, da? Tuan damit nicht unrecht hatte.

Feinheiten oder Taktik verlangten sie ja von den Bettlern nicht, Hauptsache, sie fielen uber den Feind her.

Vereinzelte Leuchtpunkte, die Wachfeuer der koniglichen Streitkrafte, spitzten durch den nachtlichen Nebel. Weitere Lichtpunkte naherten sich aus dem Suden, wo die Edlen und ihre Ratgeber ihre Truppen heranfuhrten. Von der Nordwiese war rauhes Gelachter, zungenschwere Wortfetzen und dumpfe Musik zu horen. Die Bettler befolgten dort erfreut den Befehl, sich so schnell vollaufen zu lassen, wie nur moglich. Aber mi?billigendes Schweigen herrschte auf dem Hang jenseits des Flusses, wo Catherines Soldaten nuchtern unter ihre Decken krochen.

Nur in Catherines Zelt fand dieses Schweigen keinen Einla?.

„Nein und nochmals nein!“ rief die Konigin und stapfte wutend auf und ab. Abrupt blieb sie stehen. „Ich will keine Widerspruche mehr horen! Ich reite morgen fruh an der Spitze meiner Armee, basta!“

Rod und Brom tauschten Blicke. Tuans Gesicht war tief rot vor Arger, Ohnmacht und Sorge.

„Und nun la?t mich allein!“ befahl Catherine.

Widerstrebend zogen die Manner sich mit einer Verbeugung zuruck. Au?erhalb des Zeltes knurrte Brom: „Sie la?t sich einfach nichts sagen und mu? ihren Kopf durchsetzen. Uns dreien bleibt nichts ubrig, als sie zu beschutzen und den Schlachtplan Sir Maris zu uberlassen.“

„Der sicherste Weg zur Niederlage!“ brummte Rod. „Seine Vorstellung von einer Schlachtaufstellung ist so uberholt wie die Phalanx.“

Brom seufzte und rieb sich die Augen. „Aber wie ich sagte, ich werde notfalls an ihrer Seite sterben. Doch vielleicht bleiben wir am Leben, denn ich habe einen kleinen Plan“

Er stapfte in die Dunkelheit, ehe sie ihn danach befragen konnten, woraus Rod schlo?, da? dieser „Plan“ lediglich daraus bestand, ihm und Tuan allein durch seine Erwahnung Mut zu machen.

„Wir werden bei ihrer Verteidigung sterben“, flusterte Tuan bleich und abgespannt. „Aber wenn wir nicht mehr sind, wird auch sie sterben, und das mochte ich nicht.“ Hoffnungslos hob er die Hande. „Aber was kann ich tun?“

„Nun…“ Rod spitzte die Lippen und schaute uber die Schulter auf das beleuchtete Zelt. „Ich wu?te einen sicheren Weg, da? sie morgen nicht reitet…“

Tuans Gesicht leuchtete auf. „Sprecht, so sprecht!“

„Seht zu, da? sie am Morgen nicht sitzen kann.“

Tuan starrte ihn an. Langsam roteten sich seine Wangen, um gleich wieder zu erblassen. Bebend stammelte er: „Wa-as — was meint — Ihr damit?“ Seine Stimme klang drohend. Er hob eine zitternde Faust.

Rod betrachtete ihn stirnrunzelnd. „Versohlt sie! Versohlt sie so ausgiebig, da? sie bis nachsten Sonntag auf dem Bauch liegen mu?. Anders la?t es sich nicht machen.“

Tuan lie? die Faust fallen. Farbe kehrte in sein Gesicht zuruck.

„Oh“, murmelte er und wandte sich ab. „Hm, es wurde vielleicht gar nicht schaden.“

„Es gibt nur diese eine Moglichkeit, wenn Ihr nicht wollt, da? sie stirbt.“

Tuan nickte. Energisch drehte er sich zum Zelt der Konigin um, und straffte die Schultern. „Dann werde ich

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