achtern zusammengekoppelt waren, damit das Ambulanzschiff seine Hyperraumhulle erweitern konnte, um das havarierte Schiff darin einzuschlie?en und als Beweismittel fur die bevorstehende Untersuchung der Kollision mit sich zuruckzubringen. Mit zwei zusammengekoppelten Schiffen, von denen nur eins kontrollierten Schub geben konnte, sei ein solch unglaublich gewagtes Manover, das erforderlich ware, um auf dem Wrack zu landen, allerdings unmoglich.

Wenn man eine solch halsbrecherische Aktion versuchen wurde, konnte die Rhabwar womoglich sehr schnell in dem gleichen Zustand enden wie die Tenelphi. Au?erdem gabe es noch die schier unendliche Gro?e des Wracks zu bedenken… „… das Schiff ist oder war in seinem ursprunglichen Zustand kugelformig“, fuhr der Captain fort, und das Bild vom Teleskop der Rhabwar erschien auf dem Repeaterschirm des Unfalldecks. „Es hat einen Durchmesser von vierhundert Metern und verfugt in einigen Kammern tief im Innern zwar noch uber Restenergie und Druck, aber uns ist ja bereits von der Tenelphi berichtet worden, da? sich an Bord kein Leben mehr befindet…“

„Sutherland konnte jetzt aber an Bord sein, Captain.“

Fletchers Seufzer verursachte im Lautsprecher ein Rauschen, dann fuhr er mit seiner beharrlichen, fast rasend machenden Vortragsstimme fort: „Die Erkenntnisse der Tenelphi sind zuverlassiger als unsere eigenen, Doktor Conway. Der Nachweis fur Leben ist das Resultat einer gro?en Anzahl von Sensorabtastungen, die Aufschlu? geben uber Art und Verteilung der Energiequellen, sowie uber die von den mechanischen Teilen der Lebenserhaltungssystemen herruhrenden Vibrationen und die Druckund Temperaturschwankungen im Schiffskorper. Weiterhin spuren Sensoren Kommunikations- und Beleuchtungssysteme auf und entdecken weitere, noch sehr viel subtilere Anzeichen. Wir beide sind uns daruber im klaren, da? viele Extraterrestrier extrem niedrige Temperaturen benotigen oder nur au?erhalb unseres visuellen Frequenzbereichs sehen konnen.

Deshalb ist es haufig einfacher, sie zu entdecken, wenn man sich bei der Suche nach ihnen auf ihre Erfordernisse zur Lebenserhaltung konzentriert.

Bis zu diesem Zeitpunkt kann ich jedenfalls nicht mit Bestimmtheit sagen, ob irgend etwas oder irgend jemand in diesem Ding lebt oder nicht. Die gro?e Annaherung an die Sonne hat die Au?enhaut so stark aufgeheizt, da? es nicht mehr moglich ist, feine Temperaturunterschiede im Innern des Wracks festzustellen. Wegen der Auswirkungen der Hitzeausbreitung uber die gesamte Konstruktion sind die Me?werte der restlichen Sensorabtastungen zudem nur ungenau und mit au?erster Vorsicht zu behandeln. Abgesehen davon ist das Schiff gro?. Sein Rumpf ist durch Meteoriteneinschlage derart zerrissen und durchlochert, da? Sutherland uberall einen Weg nach innen gefunden haben konnte. Wo wollen Sie ihn zuerst suchen, Doktor?“

„Wenn er wirklich dort ist“, antwortete Conway, „wird er uns bestimmt irgendwie wissen lassen, wo wir nach ihm suchen mussen.“

Der Captain schwieg einen Augenblick lang. Obwohl sich Conway uber Fletchers Benehmen ihm gegenuber noch immer argerte, konnte er doch nachempfinden, in welchem Dilemma sich der Captain befinden mu?te.

Genauso wie Conway wollte auch Fletcher dieses Gebiet nicht verlassen, ohne den vermi?ten Schiffsarzt gefunden oder sich wenigstens Klarheit uber dessen Schicksal verschafft zu haben. Doch galt es auch auf das Wohlergehen der restlichen Besatzung zu achten, das eigentlich in Conways Verantwortlichkeitsbereich fiel, und sich um die Sicherheit des Ambulanzschiffs zu kummern, fur die ganz klar Fletcher zustandig war.

Da alle drei Schiffe den imaginaren Gravitationsschacht der Sonne hinunterrutschten, und zwar mit beangstigender und stetig wachsender Geschwindigkeit, war die fur die Suche nach dem verschwundenen Schiffsarzt bestimmte Zeit stark begrenzt. Au?erdem wollte sich der Captain bestimmt nicht gern in die Rolle drangen lassen, sowohl Chefarzt Doktor Conway vom Orbit Hospital als auch den Schiffsarzt Sutherland vom Monitorkorps auf dem Wrack zuruckgelassen haben zu mussen.

Ebensowenig konnte er es riskieren, zusammen mit Conway einen seiner Offizier loszuschicken; denn wenn dieser auch noch verlorenging, wurde der Captain vor einem sehr ernsthaften Problem stehen — die Besatzung der Rhabwar war klein, und es gab keine Uberschneidungen der Spezialgebiete. Zwar sollte es Fletcher auch so schaffen, schlie?lich zum Orbit Hospital zuruckzukehren, doch ware eine solche Reise durch den Hyperraum mit ernsthaften Risiken und Verzogerungen verbunden und konnte sich somit nachteilig auf den Zustand der Verletzten auswirken.

Im Wandlautsprecher war erneut ein Seufzer zu vernehmen, und Fletcher sagte: „Also gut, Doktor, Sie konnen nach dem Schiffsarzt suchen. Dodds, nehmen Sie das Teleskop. Sie suchen nach irgendwelchen Spuren, die auf ein kurzliches Betreten des Wracks schlie?en lassen. Lieutenant Chen, vergessen Sie im Moment die Proben fur die Pathologin, und kommen Sie zum Maschinenraum zuruck. Ich will in funf Minuten Manovrierschub haben. Doktor, ich werde das Wrack der Lange nach in einer Entfernung von einem Kilometer umkreisen. Da es sich alle zweiundfunfzig Minuten einmal um sich selbst dreht, werden wir seine Rumpfoberflache innerhalb von vier Umkreisungen einmal scannen konnen. Haslam, stellen Sie mit den Sensoren alles an, was in Ihren Kraften steht, und geben Sie dem Doktor eine gewisse Vorstellung von der Geographie des Schiffsinnern.“

„Vielen Dank, Captain“, sagte Conway erleichtert.

Dodds hatte Murchison dabei geholfen, einen der Verletzten in ein Druckzelt zu bringen. Sobald er damit fertig war, entschuldigte er sich bei ihr und machte sich zum Kontrollraum auf. Conway blickte auf den Repeaterschirm und das Bild des Wracks, dessen eine Halfte in Dunkelheit getaucht war. Die andere Halfte stellte sich als ein Durcheinander aus glitzernd reflektierenden Rumpfplatten und kreuz und quer daruber verteilten schwarzen Rissen und Kratern dar. Von Zeit zu Zeit warf er einen fluchtigen Blick auf das Wrack, wahrend er half, Biosensoren an den Verletzten zu befestigen, und sah, wie es gro?er wurde und sich allmahlich uber den ganzen Bildschirm ausbreitete. Plotzlich verschwand das Bild und wurde durch eine schematische Darstellung des Wracks ersetzt.

Sie zeigte den Querschnitt des kugelformigen Schiffs mitsamt der Deckebenen, die zum Innern hin konzentrische Kreise zogen. Nahe am Mittelpunkt lagen mehrere Kammern unterschiedlicher Gro?e, die sich durch verschiedene Gruntone voneinander abhoben. Dicht an der Innenwand der Schiffshulle befand sich an einem Punkt eine gro?e rechteckige, rot markierte Kammer. Feine rote Linien verbanden diesen Bereich mit den grun gekennzeichneten Kammern im Mittelpunkt.

„Doktor, hier Haslam. Ich projiziere jetzt ein Sensordiagramm vom Innern des Wracks. Es ist leider nicht sehr differenziert, und das meiste davon beruht auf reinen Vermutungen…“

Laut Haslam handelte es sich bei dem Wrack um einen uralten Generationentransporter in Kugelgestalt. Diese Form wurde zu einer Zeit vorgezogen, als ein Maximum an Lebens- und Kultivierungsraum noch eine zwingende Notwendigkeit gewesen war. Die Fortbewegungsrichtung verlief entlang der vertikalen Achse, wobei sich der Kontrollbereich vorn und der Reaktor und die Antriebsdusen hinten befanden. Das Schiff konnte sich ziemlich schnell um die vertikale Achse drehen, um mittschiffs gelegene au?ere Deckebenen mit kunstlicher Schwerkraft zu versehen, selbst dann, wenn das Schiff Schub gab.

Haslam wu?te zwar nicht, ob uber das Schiff nur eine einzelne Katastrophe oder gleich mehrere Katastrophen hereingebrochen waren, aber das Ungluck hatte den gesamten Kontrollbereich zusammen mit dem Rest der Au?enhullen- und Deckebenen zerstort und dabei die schnelle Rotation auf einen Bruchteil der eigentlich notwendigen Geschwindigkeit gedrosselt. Die Reaktoren waren von dicken Schutzschilden umgeben, die sie vor ernsten Schaden bewahrt hatten.

Das Schiff war praktisch entvolkert worden, doch einige Kammern tief im Innern hatten Druck und Energie behalten, und eine gewisse Anzahl Uberlebender mu?te in der Lage gewesen sein, eine Zeitlang in ihnen weiterzuleben. Dabei handelte es sich um die grun gekennzeichneten Abschnitte. Die Atmosphare in einigen dieser Kammern stelle zwar nur wenig mehr als ein Vakuum dar, fugte Haslam hinzu, doch in anderen konnte sie wahrscheinlich noch heute von Mitgliedern der Spezies, die das Schiff einst gebaut hatte, geatmet werden, um wen oder was es sich dabei auch immer handelte.

„Besteht die Moglichkeit…?“ setzte Conway zu einer Frage an.

„Keine Uberlebenden, Doktor“, entgegnete Haslam mit Bestimmtheit.

„Die Tenelphi hatte bereits keinerlei Leben an Bord dieses altertumlichen Schiffs gemeldet. Wahrscheinlich geschah die Katastrophe schon vor einigen Jahrhunderten, und die Besatzung hat nur noch eine kurze Zeit uberlebt.“

„Ja, naturlich“, erwiderte Conway. Aber warum wollte Sutherland dann dort hingehen?

„Captain, hier Dodds. Ich glaube, ich hab etwas gefunden, Sir. Kommt gerade ins Sonnenlicht. Jetzt konnen Sie es in voller Vergro?erung sehen.“

Auf dem Repeaterschirm wurde ein kleiner Bereich der verwusteten Au?enhaut des Wracks dargestellt. Dort befand sich eine schwarze, gezackte Offnung, die in die Tiefen des Schiffs fuhrte. Direkt daneben war ein Teil der

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