gewolbten Verkleidung zu erkennen, auf der sich ein gro?er, braunlich gelber Fettfleck befand.
„Das sieht aus wie Schmiere, Sir“, sagte Dodds.
„Stimmt“, antwortete der Captain und fragte dann plotzlich: „Aber warum hat er ein Schmiermittel statt einer fluoreszierenden Markierungsfarbe benutzt?“
„Vielleicht hatte er es gerade zur Hand, Sir.“
Fletcher nahm von Dodds Antwort keine Notiz — es war sowieso nur eine rhetorische Frage gewesen — und sagte energisch: „Chen, wir sollten uns dem Wrack bis auf hundert Meter nahern. Haslam, halten Sie sich bei den Pressorstrahlen bereit, fur den Fall, da? ich mich verschatze und wir gegen dieses Ungetum prallen. Doktor Conway, leider kann ich unter den derzeitigen Umstanden keinen Offizier entbehren, den ich Ihnen mitgeben konnte, aber ein Hundert-Meter-Flug durch den Raum sollte keine ernsthaften Probleme aufwerfen. Verbringen Sie in dem alten Wrack aber bitte nicht allzuviel Zeit, ja?“
„Ich verstehe“, entgegnete Conway.
„Sehr gut, Doktor. Halten Sie sich bereit, in funfzehn Minuten aufzubrechen, und denken Sie bitte an zusatzliche Sauerstoffbehalter, an Wasser und allen moglichen medizinischen Bedarf, den Sie fur notwendig halten. Ich hoffe, Sie finden ihn. Viel Gluck!“
„Danke, Captain“, antwortete Conway knapp. Er fragte sich, welche Art von Medikamenten man wohl fur einen Arzt brauchen wurde, der sich in guter korperlicher Verfassung befand, aber geistesgestort genug war, um sich auf eine Expedition in ein solches Wrack zu begeben. Hinsichtlich seiner eigenen Bedurfnisse fiel ihm eine Entscheidung nicht schwer — er wurde einfach fur die Dauer von achtundvierzig Stunden Vorrate mitnehmen, nach deren Verlauf die Rhabwar abfliegen mu?te, ob er Sutherland nun gefunden hatte oder nicht. Wahrend er die zusatzlichen Sauerstoffbehalter uberprufte, flog Prilicla uber ihn hinweg und landete auf der Wand neben ihm. Die Beine des kleinen Empathen zitterten, wahrend sie an der wei?en Plastikoberflache hafteten, als ware er starker emotionaler Ausstrahlung ausgesetzt. Als Prilicla sprach, war Conway erstaunt, da? die Emotionen vom Empathen selbst herruhrten. Er hatte schlichtweg Angst.
„Wenn ich Ihnen vielleicht einen Vorschlag machen durfte, mein Freund“, sagte Prilicla, „die Aufgabe, das Lebewesen Sutherland zu finden, wurde viel leichter und schneller zu bewaltigen sein, wenn ich Sie begleite.“
Conway dachte an das Gewirr von Metallplatten und Bauteilen, die unter der Wrackhulle lagen; auf ihrem Weg durch das Wrack wurde praktisch bei jedem Fu?tritt die Gefahr bestehen, sich die Raumanzuge zu zerrei?en.
Und er dachte an all die anderen Risiken, die man sich nicht einmal vorstellen konnte. Er fragte sich, was aus der beruhmten Angstlichkeit des Cinrusskers geworden war, die seine wichtigste Uberlebenseigenschaft als Angehoriger dieser unglaublich feingliedrigen Spezies war.
„Sie wurden also wirklich mit mir kommen?“ fragte Conway unglaubig.
„Sie bieten mir tatsachlich an mitzukommen?“
Prilicla antwortete schuchtern: „Ihre emotionale Ausstrahlung zeugt zwar von leichter Verwirrung, mein Freund, ist aber im gro?en und ganzen schmeichelhaft fur mich. Ja, ich werde Sie begleiten und meine empathischen Fahigkeiten benutzen, um Sutherland finden zu helfen, wenn er noch am Leben ist. Wie Sie wissen, bin ich alles andere als ein mutiges Wesen, und ich behalte mir das Recht vor, mich von der Suche zuruckzuziehen, wenn ein gewisses Risiko eine fur mich akzeptable Grenze uberschreitet.“
„Jetzt fuhle ich mich wieder erleichtert“, entgegnete Conway lachelnd.
„Einen Augenblick lang hab ich an Ihrem Geisteszustand gezweifelt.“
„Ich wei?“, erwiderte Prilicla beilaufig, wahrend er begann, seinen Raumanzug mit den notwendigen Ausrustungsgegenstanden zu versehen.
Da die Hauptschleuse mit der Tenelphi verbunden war, verlie?en Sie das Schiff durch die kleine Besatzungsschleuse im Bug, und mu?ten mehrere endlose Minuten mit anhoren, wie sich Captain Fletcher laut um sein Schiff und die ganze Situation angstigte. Dann waren sie endlich drau?en, und der Rumpf des Wracks dehnte sich vor ihnen und uberall um sie herum wie eine gigantische Wand aus. Er war durch Jahrhunderte' wahrende Meteoriteneinschlage mit der Zeit derart zerlochert und zerrissen worden, da? die ursprungliche Kugelform des riesigen Schiffs aus nachster Nahe nicht mehr zu erkennen war. Und als sie auf das Wrack zusteuerten, vollzog sich ein plotzlicher und um so verwirrender perspektivischer Wandel — das Wrack war jetzt keine senkrechte Mauer mehr, sondern eine gewaltige Metallandschaft, die sie gerade betreten wollten. Im Himmel daruber schwebten die beiden zusammengekoppelten Schiffe.
Conway fand es sehr viel unproblematischer, einfach auf den markierten Bereich zuzusteuern, als seine Gefuhle unter Kontrolle zu halten, die er bei dem Gedanken empfand, auf einem der sagenumwobenen Generationenschiffe zu landen. Doch wahrscheinlich wurde seine emotionale Ausstrahlung Prilicla nicht allzu sehr belastigen, weil der Empath ziemlich ahnliche Empfindungen haben durfte — obwohl es fur einen Cinrussker physiologisch unmoglich war, eine Gansehaut zu bekommen oder vor schierem Erstaunen ein Kribbeln in den nicht vorhandenen Nackenhaaren zu verspuren.
Denn dies war eins der Generationenschiffe, die vor der Entdeckung des Hyperraumantriebs Kolonisten von ihren Heimatwelten zu den Planeten anderer Sternsysteme transportiert hatten. Samtliche technologisch fortgeschrittenen Spezies, die heute die galaktische Foderation bildeten, hatten ihre Generationenschiffphase durchlaufen. Die Bewohner der Planeten Melf, Illensa, Traltha, Kelgia und Erde gehorten der Gruppe jener Kulturen an, die in der Zeit zwischen der Entwicklung chemisch- oder nukleargetriebener interplanetarischer Raumschiffe und wirklich interstellarer Fluge durch den Hyperraum diese planetarischen Saatbehalter ins All geschossen hatten.
Nachdem diese Kulturen ein paar Jahrzehnte oder Jahrhunderte spater den Hyperraumantrieb perfektioniert oder ihn von einer der Spezies der entstehenden galaktischen Foderation erhalten hatten, machten sie sich damals auf die Suche nach diesen dahinkriechenden, unter Lichtgeschwindigkeit fliegenden Ungetumen. Die Mehrzahl davon wurde auch wenige Jahrzehnte oder Jahrhunderte nach dem Start von ihrem Herkunftsplaneten geborgen.
Das hatte man bewerkstelligen konnen, weil man die Kurse der Generationenschiffe ganz genau kannte und ihre Positionen zu jedem Zeitpunkt ihrer jahrhundertelangen Reisen ohne Schwierigkeiten berechnen konnte.
Vorausgesetzt, da? sich in der Zwischenzeit keine physische oder psychologische Katastrophe auf einem dieser Schiffe ereignet hatte — und einiges von dem, was im seelischen Bereich auf den Generationsschiffen schiefgelaufen war, sollte den angehenden Rettern ein Leben lang Alptraume bereiten —, dann war der Transport der Kolonisten zu ihren Zielplaneten nur noch eine Frage von Tagen und nicht mehr von Jahrhunderten. Wie Conway wu?te, hatte man die zuletzt kontaktierten Generationenschiffe bereits vor uber sechshundert Jahren entdeckt. Wie bei allen anderen Schiffen dieser Bauart waren die Reaktoren und Metallteile ausgeschlachtet worden. Einige von ihnen hatte man aber auch als Unterkunfte fur Personal umgebaut, die bei Bauprojekten im All eingesetzt waren.
Aber dieses Generationenschiff hier war eins der wenigen, mit dem man keinen Kontakt aufgenommen hatte, als der Hyperraumantrieb perfektioniert worden war. Entweder war es durch einen Unfall oder wegen eines Konstruktionsfehlers vom Kurs abgekommen und zu einem interstellaren Samling geworden, der dazu bestimmt war, niemals einen brachliegenden Boden zu erreichen.
Gerauschlos landeten sie auf dem Rumpf des Wracks. Wegen der langsamen Drehung des Schiffs mu?te Conway Hand- und Fu?magneten benutzen, um zu verhindern, wieder sanft ins All geschleudert zu werden, wahrend Prilicla einen G-Gurtel und Magnetsohlen zu Hilfe nahm, die an den Spitzen seiner sechs bleistiftdunnen Beinchen befestigt waren.
Vorsichtig kletterten sie durch das Loch in der Metallverkleidung und entfernten sich somit aus dem direkten Sonnenlicht. Conway wartete, bis sich seine Augen an die Dunkelheit gewohnt hatten und schaltete dann den Anzugscheinwerfer an.
Ein unregelma?ig geformter, fast naturlich wirkender Tunnel fuhrte ungefahr drei?ig Meter abschussig in das Wrack hinein. Am unteren Ende ragte ein Metallstuck hervor, das mit gruner Leuchtfarbe und einem Fleck Schmiermittel bestrichen worden war.
„Wenn die Offiziere der Tenelphi den Weg markiert haben, sollte das die Suche eigentlich beschleunigen“, sagte Fletcher, nachdem Conway dem Captain von der Entdeckung berichtet hatte. „Naturlich nur unter der Voraussetzung, da? Sutherland den gekennzeichneten Pfad auch nicht verlassen hat. Aber es gibt ein weiteres Problem, Doktor. Je weiter Sie in das Wrack eindringen, desto schwieriger wird es, Ihre Funksignale zu empfangen. Wir haben hier mehr Energie zur Verfugung als Sie fur Ihr mobiles Funkgerat. Deshalb werden Sie uns auch dann noch horen konnen, wenn wir Sie hier schon lange nicht mehr empfangen. Ich rede naturlich von gesprochenen Nachrichten. Wenn sie jedoch tief im Innern des Schiffs Ihr Funkgerat einschalten, werden wir es immer noch als
