bestimmt nicht Ihre. Sie haben ja gesehen, was mit der Tenelphi passiert ist, als der medizinische Offizier versucht hat, damit zu fliegen. Kummern Sie sich einfach um Ihre Patienten, und lassen Sie uns in Ruhe.“

Chen wischte sich den Schwei? vom Gesicht und sagte entschuldigend: „Was der Captain zu sagen versucht, Doktor, ist, da? er Ihnen nicht in funf Minuten beibringen kann, wofur er funf Jahre intensivster Ausbildung gebraucht hat. Und an der Verzogerung fur den Sprung in den Hyperraum sind wir selbst schuld, weil es beim erstenmal gleich richtig klappen mu?, falls wir fur einen zweiten Versuch nicht fit genug sein sollten und in einem falschen galaktischen Sektor materialisieren. Dem Captain tut sein schlechtes Benehmen bestimmt leid, aber er fuhlt sich furchtbar mies.“

Conway lachte und erwiderte: „Ich nehme seine Entschuldigung gern an.

Ich hab mich ubrigens gerade mit einem der Opfer von der Tenelphi uber das unterhalten, was wir jetzt mit ziemlicher Sicherheit fur eine der alten Grippearten halten. Zusammen mit den beiden anderen Mitgliedern eines Trupps, der zuerst an Bord des Wracks ging, gehort er zu den ersten, die an dem Virus erkrankt sind. Allmahlich hat er jetzt wieder normale Temperatur, und die der anderen beiden fallt ebenfalls relativ schnell. Ich wurde sagen, ein Ausbruch dieser siebenhundert Jahre alten Grippe kann mit unterstutzenden Medikamenten durchaus erfolgreich verhindert werden, obwohl das Hospital wahrscheinlich darauf bestehen wird, uns alle eine Zeitlang unter Quarantane zu stellen, sobald wir zuruckgekehrt sind.

Jedenfalls ist der Offizier, mit dem ich gesprochen hab, der Astronavigator der Tenelphi“, fuhr er rasch fort, „und offen gesagt, ist er in weit besserer Verfassung als Sie beide. Sie brauchen doch Hilfe, oder?“

Fletcher und Chen sahen ihn an, als hatte er gerade ein Wunder vollbracht, als ware auf irgendeine sonderbare Weise einzig und allein er fur all die komplizierten Mechanismen verantwortlich, die die terrestrische Lebensform DBDG entwickelt hatte, um sich gegen Krankheiten zu schutzen — was naturlich vollig lacherlich war. Er nickte ihnen zu und kehrte auf das Unfalldeck zuruck, um den Astronavigator der Tenelphi in den Kontrollraum zu schicken. Seiner Ansicht nach wurde jeder Kranke an Bord — naturlich mit Ausnahme der beiden immunen Lebewesen Prilicla und Naydrad — innerhalb von hochstens zwei Wochen vollstandig wiederhergestellt und genesen sein. Vor allem aber wurde er dann die Pathologin Murchison nicht mehr wie eine Patientin behandeln mussen.

DRITTER TEIL

Quarantane

Unmittelbar nach der Ruckkehr zum Orbit Hospital stellte man die Rhabwar mitsamt dem an Bord befindlichen terrestrischen Personal unter strenge Quarantane und verweigerte der Besatzung den Zutritt zum Hospital. Conway hatte seit der Infektion an Bord weder mit den Besatzungsmitgliedern der Tenelphi noch mit denen des Ambulanzschiffs direkten korperlichen Kontakt gehabt und stand praktisch unter doppelter Quarantane: Entweder steckte er in einer virusfreien Luftblase, die die Form eines Menschen hatte — im Raumanzug also —, oder er befand sich in einer Kabine, die man in aller Eile so umgebaut hatte, da? sie unabhangig von dem verseuchten Lebenserhaltungssystem des Ambulanzschiffs war.

Bei der die Gesundung der beiden Schiffsbesatzungen fordernden Behandlung traten keine wirklich ernsthaften Probleme auf, da Prilicla und Naydrad Conway dabei assistierten. Als Extraterrestrier waren Prilicla und Naydrad naturlich gegen terrestrische Krankheitserreger immun, und auf diese medizinische Tatsache bildeten sie sich nicht gerade wenig ein.

Conways Patienten sprachen auf die Behandlung entweder gut an oder befanden sich bereits auf dem Weg der Genesung, wenn auch in unterschiedlichen Stadien. Auch bei der Unterbringung der beiden Besatzungen gab es keine Schwierigkeiten — die Offiziere der Tenelphi hatte man auf dem Unfalldeck einquartiert, und das Personal des Ambulanzschiffs besa? schlie?lich eigene Kabinen. Trotzdem war die Rhabwar zeitweilig furchtbar uberfullt — und das oftmals ganze dreiundzwanzig Stunden am Tag.

Das eigentliche Problem war namlich, da? auf der einen Seite praktisch jeder im Hospital arbeitende Terrestrier und Extraterrestrier einen Grund zum Besuch des Ambulanzschiffs zu finden versuchte, wahrend auf der anderen Seite den Kranken der Zutritt zum Hospital verwehrt wurde.

Wahrend der ersten Woche arbeiteten Arzte- und Technikerteams gemeinsam rund um die Uhr. Die Techniker spulten die Luftsysteme der beiden Schiffe mit Wasser aus und sterilisierten alles, was mit der infizierten Luft in Beruhrung gekommen war. Die Arzte uberpruften ununterbrochen die Genesungsfortschritte der Patienten und uberwachten diese auch nach erfolgter Heilung, um so sicherzustellen, da? sie keine anderen Wesen der Klassifikation DBDG infizieren konnten. Schlie?lich gab es noch diejenigen, die nur deshalb an Bord kamen, um sich mit den Patienten zu unterhalten und sich womoglich uber Conways Verhalten bezuglich der Vorfalle auf der Einstein zu beschweren.

Zu dieser Gruppe gehorte auch Thornnastor, der elefantenartige Tralthaner und leitende Diagnostiker der Pathologie, der hauptsachlich wegen Murchison kam, die eine Mitarbeiterin seiner Abteilung war. Um sie moralisch aufzubauen, berichtete Thornnastor ihr den neuesten Hospitalklatsch, der auf einigen ET-Stationen ganz besonders farbenfrohe Bluten trieb. Des weiteren bestand dieser Personenkreis aus einer bunten Mischung hochqualifizierter Arzte und bitter enttauschter Amateurhistoriker.

Diese Besucher wollten mit der Besatzung der Tenelphi uber deren Erlebnisse an Bord des Wracks sprechen und Conway tadeln, weil er keine anderen Fundstucke als ein siebenhundert Jahre altes medizinisches Lehrbuch mit zuruckgebracht hatte, das obendrein auch noch zu Staub zerfallen war, als man es mit einer heutzutage ublichen Sterilisationstechnik konfrontiert hatte.

Im Innern der sterilen anzugformigen Luftblase bemuhte sich Conway stets eine betont kuhle und unbeteiligte Haltung zu bewahren — allerdings nicht immer erfolgreich. Captain Fletcher hingegen, der schon so weit genesen war, da? ihn seiner Uberzeugung nach nur noch medizinischer Burokratismus an der Wiederaufnahme seiner Pflichten hinderte, fiel es noch schwerer, Gleichgultigkeit vorzugaukeln. Besonders dann, wenn sich das Personal der Rhabwar zu den Mahlzeiten versammelte.

„Schlie?lich sind Sie der Chefarzt und immer noch der ranghochste Offizier auf diesem Schiff“, stellte der Captain in betrubtem Ton fest, wahrend er uber das von den Ernahrungswissenschaftlern des Hospitals verordnete ziemlich fade schmeckende Essen herfiel. „Anders als wir sind Sie ja nie Patient gewesen, Doktor. Deshalb hat man Ihnen auch nicht Ihren Offiziersrang mit der Aushandigung eines Krankenhemds genommen. Ich meine, Thornnastor ist als Wesen ja ganz in Ordnung, aber er ist eben ein FGLI, und seine Bewegungen strahlen ungefahr die Grazie und Eleganz eines sechsbeinigen Elefantenbabys aus. Haben Sie eigentlich gesehen, was er mit der Leiter auf dem Unfalldeck und mit Ihrer Kabinentur angestellt hat, Murchison…?“

Fletcher brach ab und lachelte Murchison bewundernd an. Lieutenant Haslam murmelte irgend etwas vor sich hin, wie da? er selbst schon haufig Lust gehabt hatte, die Tur der Pathologin einzutreten, doch der Captain brachte ihn mit einem Stirnrunzeln zum Schweigen. Lieutenant Dodds und Chen blieben als artige rangniedrige Offiziere in respektvoller Weise stumm.

Zusammen mit den restlichen anwesenden mannlichen Terrestriern der Klassifikation DBDG strahlten sie gedampfte, angenehme Emotionen aus, die Prilicla als mit dem Drang zur Paarung verknupft beschrieben hatte.

Oberschwester Naydrad, die nur selten eine Storung bei der Nahrungsaufnahme zulie?, nahm von den Au?erungen und Vorgangen keine Notiz und fuhr mit der Einverleibung gro?er Portionen gruner und gelber Pflanzenfasern fort, die von ihrer Spezies als Nahrung besonders geschatzt wurden.

Der fur Emotionen empfangliche Doktor Prilicla, der einfach niemanden ignorieren konnte, schwebte ohne Anzeichen emotionalen Leidens still uber der Tischkante. Ganz offensichtlich war der Captain also gar nicht so verargert, wie er klang.

„… jetzt mal im Ernst, Doktor“, fuhr Fletcher fort. „Es ist ja nicht nur Thornnastor, der sich in nicht fur FGLIs bestimmten Schiffsabschnitten wie ein Elefant im Porzellanladen auffuhrt. Einige andere Extraterrestrier nehmen schlie?lich auch ganz schon viel Platz ein. Manchmal sitzt jedem einzelnen Besatzungsmitglied der Tenelphi ungefahr ein halbes Dutzend ETs oder Terrestrier zu Fu?en und lauscht den Berichten uber das, was sie auf diesem Wrack gesehen haben. Aber uns hier vom Ambulanzschiff behandeln die, als hatten wir uns eine besonders

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