zu losen sind.
Aber uns bleiben noch drei?ig Stunden zur Bewaltigung der Schwierigkeiten, wenn Sie Sauerstoff sparen und sich…“
„Bis dahin ist mein Dampf langst zu Wasser kondensiert“, warf der TLTU mit seiner emotionslosen Translatorstimme ein. „Und ich selbst bin dann schon langst an Hyperthermie gestorben.“
„Ich auch“, fugte Gilvesh hinzu, ohne seine Aufmerksamkeit von dem Luftschlauch abzuwenden, den er gerade in die geoffnete Luftrohre der Kelgianerin schob. „Und dabei ist der Bazillus, der Ihnen allen so viel Kopfzerbrechen bereitet, wahrscheinlich gar nicht an einem Chloratmer interessiert.“
Conway schuttelte grimmig den Kopf und sagte: „Was ich eigentlich sagen will, ist, da? wir uberhaupt nichts uber diesen Bazillus wissen.“
„Halten Sie es nicht fur langsam an der Zeit, schleunigst etwas uber den Erreger herauszufinden, Doktor?“ fragte O'Mara in einem Ton, dessen Scharfe dem von Conway erst kurzlich geschwungenen Skalpell gleichkam.
Langere Zeit herrschte Schweigen, und Conway spurte die im Gesicht aufsteigende Hitze. Dann wurde die Stille von der Stimme des Hudlarers unterbrochen, der den Mitgliedern des Transportteams Anweisungen bei den an Thornnastor vorgenommenen Beatmungsversuchen gab.
„Na ja, wahrend der letzten Stunden ging es hier ein wenig hektisch zu“, entgegnete Conway verlegen, „und Thornnastors Analysator eignet sich praktisch nur fur Tralthaner. Aber ich werde sehen, was ich damit anfangen kann.“
„Je eher, desto besser“, erwiderte O'Mara bissig.
Conway uberhorte den Ton des Chefpsychologen, weil O'Mara sehr wohl wu?te, was auf der Station vorgefallen war, und eine Zurschaustellung verletzter Gefuhle nichts als Zeitverschwendung gewesen ware.
Ganz unabhangig von dem, was mit den auf der Station eingeschlossenen Wesen letztendlich geschah, mu?te man nach Conways Dafurhalten den restlichen warmblutigen Sauerstoffatmern im Hospital so viele Daten und Fakten wie moglich verschaffen, einschlie?lich der zu diesem Problem gehorigen Hintergrundinformationen. Als er zu Thornnastors Analysator hinuberging und sich mit dem Bedienungspult befa?te, begann Conway zu sprechen und berichtete den auf der Station Anwesenden und den vielen Zuschauern an den Bildschirmen von der Suche nach etwaigen Uberlebenden in den weit verstreuten Wrackteilen des DBPK-Schiffs.
Zweifellos hatte Captain Fletcher eine viel detailliertere Beschreibung der Suchaktion geben konnen und wurde sie spater ganz bestimmt auch noch nachholen, aber Conway ging es dabei auch nur um die medizinischen und physiologischen Aspekte dieses Vorgangs.
„Der Analysator sieht furchterregender aus, als er in Wirklichkeit ist“, beruhigte ihn Murchisons Stimme, als er sich vor ein Ratsel gestellt sah und verdutzt dreinblickte. „Statt der beschrifteten Knopfe sind auf dem Bedienungsfeld Sensortasten angebracht. Ansonsten ist aber alles exakt so aufgebaut wie auf der Rhabwar. Ich hab Thorny ein paarmal bei der Bedienung geholfen. Die Displays funktionieren naturlich auf Tralthanisch, aber das Audiosystem ist an den Translator angeschlossen. Die Flaschen zur Entnahme von Atmosphareproben befinden sich gleich hinter der blauen Schiebetur.“
„Vielen Dank auch“, sagte Conway. Dann fuhr er mit dem Bericht uber die Bergung und die nachfolgende Untersuchung und Beobachtung der uberlebenden DBPK-Patientin fort. Gleichzeitig offnete er die Ventile der Flaschen, lie? die infizierte Atmosphare der Station in die luftleeren Glaskolben zischen und schlo? dann die Ventile wieder. Er entnahm die Luftproben aus einem Bereich, der nur wenige Zentimeter von der Patientin entfernt begann und sich bis zur Einla?schleuse am anderen Ende der Station erstreckte. Danach entnahm er mit einer Saugpumpe Proben vom Fell der Patientin und der darunterliegenden Haut und sammelte Abschabungen von der Oberflache des Untersuchungstischs, den benutzten Instrumenten, dem Boden und den Wanden der Station ein. Schlie?lich war er gezwungen, eine kurze Arbeitspause einzulegen, weil er sich bei Murchison nach der richtigen Eingabeart der Proben in den Analysator erkundigen mu?te.
Gilvesh nutzte die Unterbrechung in Conways Schilderung, um von der tiefen und regelma?igen Atmung der Kelgianerin zu berichten, die naturlich in Wirklichkeit von der Beatmungsmaschine durchgefuhrt wurde. Und nach Priliclas Angaben blieb Edanelts Zustand genauso wie Thornnastors stabil — allerdings auf besorgniserregend niedrigem Niveau.
„Machen Sie weiter, Conway“, befahl O'Mara in barschem Ton. „Ihnen sieht und hort praktisch jeder dienstfreie Arzt im Hospital zu.“
Conway fuhr mit dem Bericht uber die Bergung und Rettung der verletzten Schiffbruchigen und den Transport der Leichen auf die Station der Rhabwar fort. Dabei betonte er besonders die Tatsache, da? nach der Ruckkehr aufs Schiff kein einziges Mitglied der Besatzung und des medizinischen Personals Masken getragen hatte, als die Patientin und die mehreren toten DBPKs untersucht worden waren. Da die Uberlebende das Bewu?tsein nicht wiedererlangt und sich ihr Zustand zusehends verschlechtert habe, sei man schlie?lich zu dem Entschlu? gekommen, die Suche nach weiteren Uberlebenden lieber abzubrechen.
„Wir haben den Vermessungs- und Kontaktkreuzer Descartes gebeten, die Gegend weiter abzusuchen, falls sich…“
„Sie haben was getan…?“ fiel ihm Colonel Skempton ins Wort, dessen Gesicht plotzlich eine aschgraue Farbe angenommen hatte.
„Wir haben die Descartes gebeten, die Gegend weiter nach Uberlebenden abzusuchen und Material uber die Aliens, also Bucher, Bilder, personliche Gegenstande und so weiter, zu sammeln und zu untersuchen“, antwortete Conway. „Denn solches Material wurde der Besatzung der Descartes vor der Herstellung des offiziellen Kontakts behilflich sein, diese neue Lebensform besser zu begreifen. Die Descartes ist eins der wenigen Raumfahrzeuge, das einen Computer besitzt, der auch noch die Bewegungen sehr weit verstreuter Wrackteile analysieren kann, um daraus einen ungefahren Annaherungswert des ursprunglichen Hyperraumkurses des zerstorten Schiffs zu berechnen. Sie kennen ja die Vorgehensweise, Colonel. In solchen verfolgt man stets den errechneten Kurs zuruck. Sobald man den Planeten ausfindig gemacht hat, tritt man so schnell wie moglich mit dem Heimatplaneten der Uberlebenden in Kontakt, um die Hilfe eines Arztes ihrer eigenen Spezies zu erbitten…“
An dieser Stelle brach Conway seine Erklarungen ab, weil der Colonel ihm inzwischen gar nicht mehr zuhorte.
„Geben Sie sofort mit voller Leistung einen Hyperraumfunkspruch der hochsten Dringlichkeitsstufe durch“, befahl Skempton irgend jemandem, den man nicht auf dem Bildschirm sehen konnte. „Setzen Sie zur Verstarkung des Energieversorgungsgenerators auch die Zusatzenergie des Hospitals ein. Geben Sie der Descartes Anweisung, keine, ich wiederhole, keine Gegenstande, technische Materialien oder organische Proben aus dem Wrack mit an Bord zu nehmen. Falls sich bereits irgend etwas davon auf dem Schiff befindet, soll die Besatzung diese Gegenstande unverzuglich uber Bord werfen. Unter gar keinen Umstanden darf die Descartes den Herkunftsplaneten des Wracks ausfindig machen oder gar Kontakt mit den Bewohnern herstellen. Ihr ist au?erdem jeder direkte Kontakt mit allen anderen Schiffen, Stutzpunkten, Satellitenstationen und bewohnten oder unbewohnten Planeten und Planetoiden verboten. Die Descartes soll auf der Stelle zum Orbit Hospital zuruckkehren und weitere Anweisungen abwarten. Einzig Funkkontakt ist erlaubt. Das Einlaufen in den Dockbereich des Orbit Hospitals ist ihr ausdrucklich untersagt. Die Besatzungsmitglieder werden auf dem Schiff bleiben und bis auf weiteres keine Besucher irgendeiner Spezies an Bord lassen. Verschlusseln Sie den Funkspruch als Foderationsnotfall. Na los, wird's bald?“
Der Colonel wandte sich wieder um, sah Conway an und fuhr fort: „Dieser Bazillus oder dieses Virus oder was auch immer das ist, befallt also warmblutige Sauerstoffatmer und vielleicht auch andere Lebensformen. Wie Sie selbst sehr gut wissen, Doktor, sind drei Viertel der Burger der Foderation warmblutige Sauerstoffatmer, und den gro?ten Teil davon machen wiederum die kelgianischen, tralthanischen, melfanischen und terrestrischen Lebensformen aus. Hier im Hospital haben wir gute Chancen, den Erreger aufzuhalten und etwas zu entdecken, womit wir ihn bekampfen konnen. Aber wenn er die Descartes befallt, konnte er sich auf dem Schiff so schnell verbreiten, da? der Mannschaft vor dem Aussetzen der Notsignalbake nicht einmal mehr die Zeit bleibt, daruber nachzudenken, was fur neue Probleme sie damit hervorruft. Denn das oder die Schiffe, die aufgrund des Notsignals zu Hilfe eilen, tragen dann die Infektion nach Hause oder, noch viel schlimmer, zu anderen Anlaufhafen. Eine Epidemie von solchen Dimensionen wurde ganz bestimmt das Ende der Foderation und ziemlich sicher den Untergang der Zivilisation auf einem Gro?teil der Planeten bedeuten.
Wir konnen nur hoffen, da? die Descartes die Nachricht noch rechtzeitig erhalt“, fugte er mit grimmiger Miene hinzu. „Aber da der Zusatzreaktor des Hospitals die Ausgangsleistung des Senders verstarkt, mu?te die Besatzung schon blind, stumm und taub sein, wenn sie nichts von dem Funkspruch mitbekommt.“
