Tentakel und den Knochenpanzer des FSOJ deutete, „verfugt er fur so eine Aufgabe auf jeden Fall uber die passende Ausrustung.“

„Ich verstehe nicht, warum die blinden Aliens Beschutzer brauchen, wo sie doch fur den Bau von Raumschiffen in technologischer Hinsicht fortgeschritten genug sind“, wunderte sich Naydrad.

„Vielleicht haben sie auf dem Heimatplaneten naturliche Feinde, mit denen sie nicht fertig werden…“, setzte Fletcher zu einer Erklarung an.

„Spater, spater“, unterbrach ihn Conway in scharfem Ton und beendete damit den Beginn einer Diskussion, die zwar interessant, aber zeitraubend zu werden versprach. „Wir konnen das spater besprechen, wenn wir mehr Informationen besitzen. Jetzt mussen wir erst einmal zum Alienschiff zuruck.

Diese Entfernung ist namlich fur den gedanklichen Kontakt mit Nichttelepathen wie uns bestimmt die au?erste Reichweite, und deshalb mussen wir so nah wie moglich an den Alien heran. Und diesmal werden wir ihn retten…“

Mit Ausnahme des Captains blieb das nichtmedizinische Personal an Bord der Rhabwar. Denn man hielt Haslam, Chen oder Dodds fur keine besondere Hilfe, jedenfalls so lange nicht, bis man sie zum Aufschwei?en des Alienschiffs benotigte. Au?erdem konnten drei zusatzliche, nicht vollstandig uber den Stand der Dinge aufgeklarte Gehirne durch konfuse Gedankengange dem uberlebenden Telepathen die Kommunikation mit den anderen nur erschweren. Obwohl diese nach Conways Dafurhalten auch nicht viel weniger verwirrt waren als die Besatzungsmitglieder.

Falls die Telepathie nicht funktionieren sollte, postierte sich Prilicla zur Uberwachung der emotionalen Ausstrahlung wiederum nah am Rumpf.

Fletcher fuhrte einen Hochleistungsschneidbrenner mit sich, um — wenn notig — schnellstens den Druck aus dem Alienschiff abzulassen und den vermeintlichen Beschutzer zu toten, und Naydrad bezog mit der Drucktragbahre au?en vor der Luftschleuse Stellung. Denn trotz der allgemein vorherrschenden Uberzeugung, der blinde Alien konne einen Druckverlust weit ungefahrdeter als der FSOJ durchstehen, wurden Conway und Murchison ihn fur den Fall einer notwendigen medizinischen Behandlung in der Drucktragbahre aus dem Schiff bergen mussen.

Ihre Kopfe fuhlten sich immer noch so an, als ob jemand einen neurochirurgischen Radikaleingriff vornahme, ohne die segensreiche Erfindung der Narkose anzuwenden. Seit der nur wenige Sekunden dauernden Kommunikation an Bord der Rhabwar hatte sich au?er eigenen Gedanken und den unertraglichen, juckenden Kopfschmerzen nichts in ihren Gehirnen abgespielt, und das anderte sich auch nicht, als Murchison, Fletcher und Conway die Luftschleuse betraten. Der gleich nach dem Offnen der Innenluke einsetzende Larm des wie ein Alienschlagzeug stampfenden und quietschenden Mechanismus im Kafiggang trug auch nicht gerade zur Milderung der Kopfschmerzen bei.

„Versucht diesmal, an den Alien zu denken“, bat Conway, als sie durch den geraden Teil des Korridors ins Schiff vordrangen. „Denkt daran, ihm zu helfen. Fragt ihn, wer und was er ist, denn wenn wir dem Uberlebenden helfen wollen, mussen wir uber diese Spezies soviel wie moglich in Erfahrung bringen.“

Sogar beim Sprechen spurte Conway, da? irgend etwas ganz und gar nicht in Ordnung war. Er hatte zunehmend das starke Gefuhl, es wurde etwas Furchtbares passieren, wenn er nicht stehenblieb und sorgfaltig nachdachte. Aber durch die immer heftigeren, juckenden Kopfschmerzen war es schwierig, uberhaupt noch an etwas zu denken.

Meinen Beschutzer hatte der Telepath auf dem Schiff den FSOJ genannt. Sie denken an meinen Beschutzer. Irgend etwas hatte er ubersehen. Aber was…?

„Freund Conway“, sagte Prilicla plotzlich. „Beide Uberlebende kommen durch den Kafiggang auf Sie zu. Die beiden kommen sehr schnell voran.“

Murchison, Fletcher und Conway blickten den Kafiggang mit dem klappernden und kreischenden Wald aus umherfuchtelnden Metallkeulen entlang. Der Captain machte den Schneidbrenner bereit und fragte: „Prilicla, konnen Sie sagen, ob der FSOJ dem Alien folgt?“

„Tut mir leid, Freund Fletcher“, antwortete Prilicla. „Die beiden sind dicht zusammen. Das eine Wesen strahlt Wut und Schmerz aus, und das zweite empfindet au?erste Besorgnis, Enttauschung und die mit hochster Konzentration verbundene Emotion.“

„Das ist ja furchtbar!“ schrie Fletcher uber den plotzlich zunehmenden Larm des Mechanismus im Gang hinweg. „Wir mussen den FSOJ toten, um den Alien zu retten. Ich werde den Gang zum All hin offnen…“

„Nein, warten Sie!“ rief Conway in eindringlichem Ton. „Wir haben das Ganze noch nicht genugend durchdacht. Uber die FSOJs, die Beschutzer, wissen wir noch uberhaupt nichts. Denken wir nach. Konzentrieren wir uns zusammen. Wir mussen uns fragen: Wer sind diese Beschutzer? Wen beschutzen sie und warum? Was macht sie fur die Aliens so wertvoll? Der Uberlebende hat uns schon mal geantwortet und antwortet uns vielleicht noch einmal. Konzentrieren wir uns also mit aller Anstrengung!“

In diesem Augenblick tauchte der FSOJ hinter der Biegung des Gangs auf. Trotz der auf den Korper sto?enden und einschlagenden Metallstabe und — keulen kam er schnell voran. Die vier Tentakel mit den Hornspitzen peitschten vor und zuruck, hammerten gegen die angreifenden Metallkolben und — stangen, verbogen sie und rissen einen Stab sogar aus der Verankerung. Der Larm war unbeschreiblich. Der FSOJ meistert diesen Spie?rutenlauf nicht unbedingt mit Bravour, dachte Conway grimmig, als er die zwischen den alteren Narben klaffenden Wunden in der Korperdecke und den aufgeblahten Bauch sah. Berucksichtigte man allerdings den Zustand des FSOJs, bewegte er sich ziemlich schnell vorwarts. Plotzlich spurte Conway, wie eine Hand an seinem Arm ruttelte.

„Conway, Murchison, sind Sie beide taub?“ brullte Fletcher sie an.

„Los, zuruck zur Luftschleuse!“

„Einen Moment noch, Captain“, antwortete Murchison und schuttelte Fletchers Hand ab. Dann richtete sie ihre Kamera auf den heransturmenden FSOJ. „Das mu? ich unbedingt festhalten. Ich wurde mir zwar zur Geburt meiner Kinder nicht so eine Umgebung aussuchen, aber andererseits nehme ich an, dem FSOJ hat man gar keine andere Wahl gelassen… pa?t mal auf!“

Der FSOJ hatte inzwischen den Abschnitt des Gangs erreicht, der von Fletcher mit dem Schneidbrenner zum Teil von den Metallstaben bereinigt worden war. Ohne ein sich ihm entgegenstellendes Hindernis sturzte sich das Wesen durch das beschadigte Gitter und zappelte — jetzt, wo es durch den Mechanismus im Gang nicht mehr zu Boden geschlagen wurde — plotzlich schwerelos uber ihnen und drehte sich hilflos um die eigene Achse, sobald einer der wild um sich schlagenden Tentakel die Wand traf.

Conway druckte sich mit den Handgelenk- und Fu?magneten flach zu Boden und kroch ruckwarts auf die Luftschleuse zu. Murchison tat bereits das gleiche, nur Fletcher war noch immer auf den Beinen. Er zog sich langsam zuruck und schwang dabei den voll aufgedrehten Schneidbrenner hin und her, den er wie ein Flammenschwert vor sich hielt. Einer der Tentakel des FSOJs hatte schwere Verbrennungen erlitten, aber fur das Wesen schien das uberhaupt kein Hemmnis zu sein. Fletcher stohnte plotzlich laut auf, als ihn einer der Tentakel des FSOJ am Bein traf. Durch diesen Hieb wurden die Fu?magneten vom Boden gerissen, und der Captain schlug hilflos Rader durch die Luft.

Instinktiv griff Conway nach einem vorbeiwirbelnden Arm, brachte den Captain wieder ins Gleichgewicht und schob ihn in den geraden Abschnitt des Korridors. Ein paar Minuten spater befanden sie sich alle drei in der Schleusenkammer und in so gro?er Sicherheit, wie man es in ein paar Metern Entfernung von einem herumwutenden FSOJ nur sein konnte.

Aber glucklicherweise handelte es sich um einen korperlich geschwachten FSOJ… Wahrend sie das Wesen durch die einen Spaltbreit geoffnete Innenluke beobachteten, uberprufte Fletcher den Ausloseknopf des Schneidbrenners und richtete das Gerat auf die Au?enluke. „Ich glaube, diese verdammte Bestie hat mir das Bein gebrochen“, sagte er mit schmerzverzerrter Stimme.

„Aber jetzt konnen wir die Innenluke offenhalten, ein Loch in die Au?enluke schwei?en und den Druck schnell aus dem Schiff ablassen.

Dann ist das Biest geliefert. Aber wo ist der andere Uberlebende? Wo ist der blinde Alien?“

Langsam und bedachtig schob Conway die Handflache vor die Duse von Fletchers Schneidbrenner. „Es gibt keinen blinden Alien mehr. Die Schiffsbesatzung ist tot.“

Murchison und Fletcher starrten ihn an, als ware aus dem Arzt mit einem Schlag ein geistesgestorter Patient geworden. Doch fur Erklarungen blieb keine Zeit.

„Wir sind mit dem Telepathen schon einmal uber eine gro?ere Entfernung als jetzt in Kontakt getreten“, sagte Conway langsam, wobei er die Worte mit gro?er Sorgfalt wahlte. „Jetzt befindet er sich in der Nahe, und wir

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