dich.«
»Worum geht es?«
»Ich mochte, da? du morgen nach Singapur fliegst.«
»Singapur?«
»Ein Steward wurde dort auf dem Flughafen verhaftet, weil er eine Ladung Kokain bei sich hatte. Sein Name ist Stefan Bjork. Er sitzt im Gefangnis. Ich mochte, da? du ihn auf Kaution herausholst, ehe er zu singen anfangt.«
»In Ordnung.«
»Komm so schnell wie moglich zuruck. Du wirst mir fehlen.« Er zog sie an sich und ku?te sie zartlich auf die Lippen, dann flusterte er: »Ich liebe dich, Jennifer.« Und sie wu?te, da? er diese Worte nie zuvor zu einer Frau gesagt hatte.
Aber es war zu spat. Es war vorbei. Irgend etwas in ihr war fur immer gestorben, und sie war zuruckgeblieben, fur immer einsam, fur immer schuldig. Sie hatte sich entschlossen, Michael zu sagen, da? sie ihn verlassen wurde. Es wurde keinen Adam und keinen Michael geben. Sie mu?te irgendwohin gehen, allein, und von vorn anfangen. Sie mu?te eine Rechnung begleichen. Sie wurde diese eine Angelegenheit noch fur Michael in Ordnung bringen und ihm nach der Ruckkehr ihre Plane mitteilen. Am nachsten Morgen flog sie nach Singapur.
53
Nick Vito, Tony Santo, Salvatore Fiore und Joseph Colella a?en in Tony's Place zu Mittag. Sie sa?en an einem der vorderen Tische, und jedesmal, wenn sich die Tur offnete, blickten sie auf, um den Ankommling zu mustern. Michael Moretti hielt sich im Hinterzimmer auf, und obwohl es zur Zeit keine Streitigkeiten zwischen den Familien gab, war es immer besser, auf Nummer Sicher zu gehen. »Was ist Jimmy passiert?« fragte Joseph Colella. »Astutatumorte«, sagte Nick Vito. »Der blode Hurensohn ist auf die Schwester eines Bullen reingefallen. Die Braut war nicht astrein, sage ich euch. Sie und ihr Bullenbruder haben Jimmy einen Floh ins Ohr gesetzt. Er hatte einen richtigen Hohenflug. Jimmy arrangierte ein Treffen mit Mike, und dabei trug er eine Drahtstange im Hosenbein.«
»Und dann?« fragte Fiore.
»Dann wurde Jimmy so nervos, da? er dringend pissen mu?te. Als er seinen Hosenschlitz aufgemacht hat, ist der gottverdammte Draht rausgerutscht.«
»Oh, Schei?e!«
»Genau die hat Jimmy gebaut. Mike hat Gino auf ihn losgelassen. Der hat ihn mit seinem eigenen Draht stranguliert. Er wurde ganz langsam getotet - suppilu suppilu.« Die Tur offnete sich, und die Manner blickten auf. Es war der Zeitungsbote mit der Nachmittagsausgabe der New York Post. Joseph Colella rief: »Hierher, Sonny!« Er wandte sich an die anderen. »Ich mu? mir mal kurz die Sportseite ansehen. Ich habe heute in Hialeah ein Pferd am Start.« Der Zeitungsjunge, ein wettergegerbter Mann in den Siebzigern, reichte Joseph Colella eine Nummer der Post, und Colella gab ihm einen Dollar. »Der Rest ist fur dich.« Genau das hatte Michael Moretti gesagt. Joseph Colella schlug die Zeitung auf, und Nick Vitos Aufmerksamkeit wurde von einem Foto auf der Titelseite angezogen. »He«, meinte er. »Den Burschen kenne ich doch!« Tony Santo warf einen Blick uber Vitos Schulter. »Naturlich kennst du ihn, Witzbold. Das ist Adam Warner. Er bewirbt sich um die Prasidentschaft.«
»Nein, ich meine, ich habe ihn personlich gesehen.« Er zog die Augenbrauen zusammen und versuchte, sich zu erinnern. Plotzlich fiel es ihm ein.
»Jetzt wei? ich's. Er war der Mann, den ich mit Jennifer Parker in einer Bar in Acapulco gesehen habe.« »Wovon sprichst du eigentlich?«
»Wei?t du noch, wie ich letzten Monat druben war und eine Lieferung abgegeben habe? Ich habe diesen Burschen in Begleitung von Jennifer Parker gesehen. Sie haben zusammen was getrunken.«
Salvatore Fiore starrte ihn an. »Bist du sicher?«
»Ja. Warum?«
Fiore sagte langsam. »Ich glaube, du solltest vielleicht besser Mike davon erzahlen.«
Michael Moretti starrte Nick Vito an und sagte: »Du hast wohl deinen verdammten Verstand verloren! Was sollte Jennifer Parker mit Senator Warner zu tun haben?«
»Keine Ahnung, und wenn Sie mich schlagen wurden, Bo?. Ich wei? nur, da? sie in dieser Bar sa?en und Margaritas tranken.«
»Nur sie beide?«
»Ja.«
Salvatore Fiore schaltete sich ein: »Ich dachte, du solltest das wissen, Mike. Dieser Warner untersucht sogar noch unsere Schei?e. Er macht uns das Leben zur Holle. Warum sollte Jennifer einen Drink mit ihm nehmen?«
Genau das wollte auch Michael wissen. Jennifer hatte von Acapulco und dem Konvent erzahlt und ein halbes Dutzend Leute erwahnt, die sie getroffen hatte. Uber Adam Warner hatte sie kein Wort verloren.
Michael wandte sich an Tony Santo. »Wer ist zur Zeit Geschaftsfuhrer der Portiersgewerkschaft?« »Charlie Corelli.«
Funf Minuten spater telefonierte Michael Moretti mit Charles Corelli. »Ein Freund von mir wohnte vor neun Jahren in den Belmont Towers«, sagte Michael. »Ich wurde gern mit dem Mann sprechen, der damals dort Pfortner war.« Michael lauschte einen Moment. »Ich wei? das zu schatzen, mein Freund. Ich schulde Ihnen einen Gefallen.« Er hangte auf. Nick Vito, Santo, Fiore und Colella beobachteten ihn. »Habt ihr Bastarde nichts zu tun? Macht, da? ihr hier rauskommt, zum Teufel!«
Die drei Manner verlie?en eilig den Raum. Michael sa? an seinem Schreibtisch, dachte nach, stellte sich Jennifer und Adam Warner zusammen vor. Warum hatte sie ihn nie erwahnt? Und Joshuas Vater, der in Vietnam gefallen war. Warum hatte Jennifer nie von ihm gesprochen? Michael Moretti begann in seinem Buro auf und ab zu gehen.
Drei Stunden spater fuhrte Tony Santo einen schuchternen, schlecht angezogenen Mann von etwa sechzig Jahren in den Raum. Der Mann hatte offensichtlich Angst.
»Das ist Wally Kawolski«, sagte Tony.
Michael stand auf und schuttelte Kawolski die Hand. »Danke, da? Sie vorbeikommen konnten. Ich wei? das zu schatzen.
Setzen Sie sich. Mochten Sie etwas trinken? Eine Zigarre?«
»Nein, nein, danke, Mr. Moretti. Es geht mir gut, Sir, danke sehr.«
Fehlte nur noch, da? er sich verbeugte. »Sie brauchen nicht nervos zu sein. Ich mochte Ihnen nur ein paar Fragen stellen, Wally.«
»Gern, Mr. Moretti. Alles, was Sie wissen wollen. Alles, was ich wei?. Alles.« »Arbeiten Sie immer noch in den Belmont Towers?« »Ich? Nein, Sir. Ich habe dort vor, oh, ungefahr funf Jahren aufgehort. Meine Schwiegermutter hatte einen schweren...«
»Erinnern Sie sich noch an die Mieter?«
»Ja, Sir. Zumindest an die meisten, schatze ich. Sie waren ziemlich...«
»Erinnern Sie sich an eine Jennifer Parker?« Walter Kawolskis Gesicht strahlte. »Oh, naturlich. Sie war eine vornehme Dame. Ich kann mich sogar an die Nummer ihrer Wohnung erinnern. 1929. Wie das Jahr mit dem gro?en Borsenkrach, wissen Sie? Ich mochte sie.«
»Hatte Mi? Parker viele Besucher, Wally?« Walter kratzte sich gemachlich den Kopf. »Nun, das ist schwer zu sagen, Mr. Moretti. Ich sah sie eigentlich nur, wenn sie hereinkam oder hinausging.«
»Haben manchmal Manner die Nacht in ihrer Wohnung verbracht?«
»O nein, Sir.«
Eine Welle der Erleichterung durchflutete Michael. Also war alles viel Larm um nichts gewesen. Er hatte die ganze Zeit gewu?t, da? Jennifer niemals...
»Ihr Freund hatte ja auftauchen und sie erwischen konnen.« Michael glaubte, nicht richtig gehort zu haben. »Ihr Freund?«
