beiseiteschoben und -stie?en. Wo kein Platz war, fuhren die gro?en schwarzen Wagen einfach uber das, was ihnen im Weg war, hinweg, wobei sie kleinere Fahrzeuge wie Panzer zerquetschten. Andere Fahrer wurden von der Stra?e gedrangt oder so eingeschuchtert, dass sie plotzlich Abzweigungen nahmen, die sie gar nicht gewollt hatten. Der Verkehr zwischen den schwarzen Wagen und uns nahm rapide ab, und aus den dunkel getonten Fenstern der beiden Wagen lehnten sich Manner und feuerten mit automatischen Waffen auf uns. Zum Gluck ist das sehr viel schwieriger, als es in den Filmen immer aussieht.
Ich drehte mich wieder um und schrie Molly ins Ohr. »Manifestes Schicksal, direkt hinter uns! Und sie schie?en auf uns!«
»Tatsachlich hatte ich das schon bemerkt! Bist du sicher, dass es nicht deine Familie ist?«
»Hundertpro! Die wurden keine Gewehre benutzen; die wurden etwas viel Extremeres benutzen!«
Molly lie? die Maschine um eine enge Kurve fliegen und legte sich dabei ganz auf die Seite. Ich tat mein Moglichstes, um ihr zu helfen und mich mit ihr hinauszulehnen, aber alles was ich tun konnte, war mich mit einem Arm festzuhalten. Einen Moment lang schien der Boden furchtbar nah zu sein. Molly rang die Vincent wieder senkrecht und gab Vollgas. Wir donnerten die Stra?e entlang, schossen wie ein geolter Blitz zwischen erschreckten Autos hindurch, manchmal so dicht, dass wir ihnen den Lack mit unseren Seitenspiegeln verkratzten, und die ganze Zeit uber wichen wir Gewehrfeuer von hinten aus. Sie fingen an, sich einzuschie?en. Ich drehte mich auf dem Ledersitz um und riskierte noch einen Blick nach hinten. Wie Rammen schoben die schwarzen Wagen alles, was ihnen im Weg war, zur Seite, und was keinen Platz machte, wurde zu Schrott gefahren. Ins Schleudern geratene Zivilfahrzeuge krachten ineinander, einige uberschlugen sich, und auf dem gesamten Stra?enabschnitt hinter uns gab es Massenkarambolagen. Die schwarzen Wagen fuhren einfach weiter und die Kugeln kamen immer naher, egal wie sehr wir Slalom fuhren und auswichen.
Ich rustete hoch. Binnen eines Moments floss das lebende Metall glatt uber und um mich und schottete mich hermetisch von einer feindlichen Welt ab. Kugeln trafen meinen Rucken und prallten einfach ab; sie konnten mir oder Molly jetzt nichts mehr anhaben. Das Gewehrfeuer wurde heftiger, denn die schwarzen Wagen kamen naher; Kugeln spritzten mir uber Rucken, Schultern und Hinterkopf. Ich spurte den Aufprall nicht, aber ich konnte ihn horen. Meinen linken Arm zu panzern hatte ihn wieder stark gemacht, wenn auch die Schmerzen nicht geringer geworden waren. Ich schob ihn vorsichtig um Mollys Taille und fuhlte mich ein wenig sicherer.
Die Vincent rohrte uber die Stra?e, und die voruberziehende Welt war nur noch ein nebelhafter Eindruck. Molly war lauthals am Lachen und jauchzte vor Freude an der Geschwindigkeit; ich war eher besorgt daruber, was passieren wurde, falls auch nur eine der Kugeln zufallig den Treibstofftank der Vincent treffen wurde. Ich erwahnte das Molly gegenuber.
»Keine Sorge!«, schrie sie nach hinten. »Das hier ist kein richtiges Motorrad! Es sieht nur aus wie eins!«
»Kein richtiges Motorrad? Keine richtige Vincent Black Shadow?«
»Tu doch nicht so! Was hast du von einem Bettelarmband erwartet?«
»Solange es sich nicht um Mitternacht in einen Kurbis verwandelt …«
Molly lachte wieder und gab noch mehr Gas. Ich nahm den rechten Arm von Mollys Taille und zog den Repetiercolt aus dem Schulterhalfter. Es dauerte eine Weile und tat meiner Schulter hollisch weh, aber schlie?lich hatte ich ihn drau?en. Einen Moment lang atmete ich schwer, bis ich den Schmerz unter Kontrolle gebracht und meine Krafte fur das, was ich als Nachstes tun musste, zusammengenommen hatte. Ich verstarkte den Griff meines wieder erstarkten linken Arms um Mollys Taille, drehte mich auf dem Sitz herum und sah auf die Wagen hinter uns. Es waren jetzt vier davon und ein funfter holte auf; sie pflugten sich ihren Weg durch allen Verkehr, der nicht schnell genug auswich. Manner lehnten sich aus den Wagenfenstern und schossen mit einer ganzen Waffensammlung auf mich. Einer hatte sogar einen Raketenwerfer. Er feuerte das Ding ab, und die Rakete schoss heraus, knallte in meine gepanzerte Seite, prallte ab und jagte einen Gap-Laden in die Luft. Ich hoffte, dass niemand drin war, aber sicher sein konnte ich nicht. Dem Manifesten Schicksal war es egal, wer verletzt oder getotet wurde. Und in diesem Moment beschloss ich, dass diesen Schweinen nur zu entkommen nicht genug war.
Inzwischen feuerten sie alle auf mich, und Kugeln spritzten von meiner Brust und meiner goldenen Gesichtsmaske ab. Die Maschine knallte hierhin und dahin, als wir in einen Stau hinein- und wieder aus ihm herausrasten. Die Extraschmerzen in meinem Arm lie?en mich aufschreien, und unter meiner golden Maske liefen mir die Tranen ubers Gesicht. Doch der Repetiercolt in meiner rechten Hand lag verdammt ruhig, als ich ihn auf die verfolgenden Wagen richtete.
Zuerst versuchte ich, auf die Reifen zu schie?en. In den Filmen funktionierte das immer. Aber obwohl ich jeden Reifen traf, auf den ich zielte, platzte kein einziger davon: Die gepanzerten Wagen fuhren auf Reifen aus massivem Gummi. Das Manifeste Schicksal musste die Filme wohl auch gesehen haben. Also zielte ich auf den Fahrer des Wagens, der uns am nachsten war. Er lachte mich durch seine Panzerglaswindschutzscheibe aus, bis zu dem Moment, wo der Repetiercolt eine Kugel durch die Windschutzscheibe schickte und seinen Kopf zerfetzte. Der Wagen brach in wilde Schlenker aus, fuhr auf den Burgersteig und nietete drei Parkuhren um, ehe er rutschend zum Stehen kam. Ich zielte sorgfaltig und erschoss die anderen vier Fahrer, und ihre Wagen gerieten ins Schleudern und krachten und knallten in Schaufensterfronten.
Aber schon schlossen sich weitere schwarze Wagen der Jagd an und kamen mit quietschenden Reifen um die Ecken samtlicher Seitenstra?en geschossen, die wir passierten. Schnell hatte sich ein Dutzend neuer Wagen an unser Hinterrad gehangt, die Schlangenlinien fuhren, um mir das Zielen zu erschweren. Ich putzte weiter die Fahrer weg, einen nach dem anderen. Eine solche Zielgenauigkeit ware unter diesen Umstanden normalerweise unmoglich gewesen, aber zum Gluck erledigte der Repetiercolt fur mich den Gro?teil der Arbeit. Danke, Onkel Jack! Noch mehr Wagen schlossen sich der Verfolgungsjagd an; sie schienen von uberall her gleichzeitig zu kommen, pflugten durch den Zivilverkehr, als ob er gar nicht da sei, schleuderten leichtere Autos zur Seite oder zerstampften sie unter sich. Hinter uns herrschte ein Chaos aus zertrummerten und brennenden Fahrzeugen, so weit ich blicken konnte. Manner und Frauen mit weit aufgerissenen Augen drangten sich in Ladeneingangen zusammen und schrien in Handys, als wir vorbeirasten.
Das Gewehrfeuer war jetzt konstant, prasselte auf mich und die Maschine ein, versuchte uns durch den schieren Druck der Kugeln zu Fall zu bringen. Die meisten prallten ab, zersiebten Schaufensterscheiben und mahten Fu?ganger nieder. Das Manifeste Schicksal benutzte mich, um unschuldige Menschen zu toten! So durfte es nicht weitergehen!
Ein schwarzer Wagen kam donnernd aus einer Seitenstra?e und setzte sich neben uns. Der Mann auf dem Rucksitz schoss mir aus kurzester Entfernung ins Gesicht und schrie wutend auf, als die Kugel von meiner goldenen Maske abprallte. Sie waren auf meiner linken Seite, ich konnte sie also nicht erschie?en. Ich riskierte es, meinen linken Arm von Mollys Taille zu nehmen, durchschlug die Windschutzscheibe des Wagens, zog den Fahrer heraus und warf ihn auf die Stra?e davor. Der schwarze Wagen fuhr uber ihn, geriet ins Schleudern, rammte ein parkendes Auto und uberschlug sich einmal der Lange nach, eher er krachend zum Stehen kam. Ich legte meinen schmerzenden Arm wieder um Mollys Taille.
Ein Polizeiauto versuchte sich einzumischen; es kam mit heulenden Sirenen, Blaulicht und kreischenden Reifen um die Ecke. Zwei der schwarzen Wagen nahmen es von beiden Seiten in die Zange, und dann rissen beide Fahrer gleichzeitig die Lenkrader herum. Die schwer gepanzerten Wagen quetschten das Polizeiauto zwischen sich ein und zerknitterten das serienma?ige Stahlfahrgestell, als ob es aus Alufolie sei. Die schwarzen Wagen donnerten weiter, wahrend das au?er Kontrolle geratene Polizeiauto durch eine glaserne Ladenfront krachte und mit hilflos wimmernder Sirene liegen blieb. Ich hatte ein schlechtes Gewissen wegen der Polizisten in dem Auto: Es ist nicht vorgesehen, dass die Polizei in unsere Kriege hineingezogen wird; sie haben nicht die notige Ausrustung, um sich mit unseresgleichen einzulassen.
Ich drehte mich wieder nach vorn und brullte Molly ins Ohr. »Es sind jetzt sogar noch mehr Wagen hinter uns als zu Anfang! Fahren wir irgendwo Bestimmtes hin?«
»Ja! Fort!«
Ich musste lachen. »Ich bin ja so froh, dass wir einen Plan haben …!«
»Sonst noch was, Eddie? Ich bin namlich im Moment ein wenig beschaftigt …«
»Es werden zu viele Zivilisten verletzt! Vielleicht sollten wir einfach anhalten und es ausfechten.«
»Denk nicht mal dran! Die Chancen stehen echt beschissen! Du kannst drauf wetten, dass wir in dem Moment, wo wir aufhoren uns zu bewegen, von Prazisionsschutzen ins Visier genommen werden. Davor kann mich deine Rustung nicht beschutzen! Sie wurden damit drohen, mich zu toten, wenn du dich nicht bereit erklarst
