Archie zuckte Janes Schultern. »Ich glaube nicht, dass es ihm so wichtig ist. Er braucht einfach nur jemanden, an dem er seine Wut auslassen kann. Er ist wirklich sehr verargert daruber, was jene drei Droods mit seiner feinen Armee gemacht haben. Ihr hattet ihn horen sollen! Ich hab ihm den Vorschlag gemacht, Eddie und Sebastian einfach umzubringen und sie dann als Zombies wiederkehren zu lassen. Dann hatte er zwei Droods mit Torques, die alles tun wurden, was er ihnen sagt. Aber anscheinend war das nicht genug fur ihn. Die Droods haben Torques, also muss er auch welche haben. Es ist eine Frage der Gleichberechtigung. Aber du solltest dir nicht ausgeklammert vorkommen, Molly; so wie ich ihn verstanden habe, hat er auch fur dich sehr detaillierte Plane. Er unterhalt spezielle Folterzellen fur diejenigen unter seinen eigenen Leuten, die sich gegen ihn wenden.«
Plotzlich stromte Kraft in mich herein, als Mollys Zauberkrafte die letzten Wirkungen der Droge erstickten. Das Gefuhl kehrte in jeden Teil von mir zuruck, und meine Gedanken waren klar und scharf. Ich blickte in Mollys Richtung, lenkte ihre Aufmerksamkeit auf mich und bildete mit den Lippen das Wort
Ich war schon auf den Fu?en und ging auf Archie zu. Und uberlegte indes fieberhaft, wie ich ihn aufhalten konnte, ohne Janitscharen-Jane zu toten oder auch nur zu beschadigen. Archies letzten Wirtskorper hatte ich umbringen mussen, um ihn zu stoppen, aber hier durfte ich nicht so verfahren - auf mein Konto sollten keine toten Unschuldigen mehr gehen! Leider war er dadurch im Vorteil. Ihn kummerte es nicht, was mit Janes Korper geschah; er konnte jederzeit in einen anderen springen. Ich knallte in Archies geklauten Korper, als sie gerade den letzten Rest des Verhedderspruchs abschuttelte, und wir beide schlugen zusammen auf dem Boden auf. Das Gewehr flog aus Archies Hand und sie wehrte sich verbissen unter mir und gab sich alle Muhe, das Messer in ihrem Gurtel zu ziehen.
Ich packte das kandarianische Amulett mit beiden Handen. Es versuchte sich mir zu entziehen, wand sich hierhin und dorthin, aber in dieser Beengtheit konnte es nirgendwohin. Ich schloss beide Hande um das schreckliche Ding und druckte fest zu, und das Amulett verbrannte mir die Handflachen mit einer Kalte, die grimmiger als jede Hitze war. Ich sprach innerlich die aktivierenden
Ich rollte mich von Archie weg, wahrend er wie eine verdammte Seele schrie und Janes Korper um sich schlug und trat, als sein besitzergreifender Geist die Gewalt uber sie verlor und sie ihn aus sich herauszwang. Archie konnte nirgendwohin; sein ursprunglicher Korper war schon vor langer Zeit zerstort worden. Ich setzte meinen
Janitscharen-Jane lag bewusstlos auf dem Boden, zuckend und zitternd. Physisch entkraftet und psychisch unter Schock vermutlich, aber sie wurde sich erholen. Sie war eine Kampferin und hatte in ihrer Karriere schon Schlimmeres durchgemacht.
Das kandarianische Amulett wand sich in meinen es umschlie?enden Handen wie ein lebendiges Wesen und brannte kalter als der grimmigste Winter. Eine Kalte des Herzens und der Seele. Ich konnte seine Gegenwart bei mir in der Rustung spuren, wie es darum kampfte, mir seinen Willen aufzuzwingen. Die Rustung konnte mich nicht beschutzen, solange das Amulett darin war. Es kam mir vor, als ob ich einen Chor von dunklen, nicht menschlichen Stimmen horte, der langsam naher kam:
Das Amulett rutschte uber den Fu?boden, und Sebastian erwachte ruckartig aus seiner scheinbaren Erstarrung, rollte sich auf die Seite und riss es gierig an sich. Er rappelte sich auf und lachelte schrecklich, als er seine Beute an sein Herz druckte. »Du bist nicht der Einzige, der sich schlafend stellen kann, Eddie; ich habe mich schon vor Jahren gegen samtliche Gifte geschutzt. Und nun … besitze ich Macht, die meine kuhnsten Traume ubertrifft! Denn auch wenn du nicht den Mumm hast, das hier zu benutzen - ich habe ihn! Ich werde mich an Hunderten von Korpern erfreuen, jungen Korpern, und Lebensspannen leben …«
»Wirf es weg!«, forderte ich ihn auf und erhob mich langsam. »Es wird dich zerstoren.«
»Wie diesen Narren Archie Leech? Das glaube ich nicht! Ich kann es kontrollieren!«
»Niemand kann es kontrollieren«, sagte ich. »Es richtet einen zugrunde, das macht es. Du wirst genau wie Archie enden, als Seelenschander.«
»Ich brauche einen neuen Korper«, sagte Sebastian. »Dieser hier wird allmahlich alt. Er wird langsamer und er lasst mich bisweilen im Stich. Leute wie ich sollten nicht altern mussen; nicht wo wir das Leben so sehr genie?en, seine Freuden und Qualitaten so sehr zu schatzen wissen. Es ist nicht richtig, dass jemand wie ich sterben sollte, nur weil ein alter Korper sich verschlei?t.« Er lachelte mich an, und es war nicht sein Lacheln, nicht mehr. »Vielleicht werde ich mir deinen Korper nehmen, Eddie, nur fur einen kleinen Testlauf. Um zu sehen, was er kann. Und vielleicht werde ich schreckliche, schreckliche Dinge mit deinem Korper anstellen, nur so zum Spa?.«
Molly zog ihm von hinten die Manxkatzenstatuette uber den Kopf, und er sturzte wie ein nasser Sack bewusstlos zu Boden. Er war so damit beansprucht gewesen, mich zu verhohnen, dass er uberhaupt nicht gemerkt hatte, dass Molly sich von hinten an ihn herangeschlichen hatte. Die Manxkatze bekam Sprunge, brockelte auseinander und zerfiel. Molly sah mich an, lachelte achselzuckend und streifte die letzten paar Splitter von ihren Handen ab. Das kandarianische Amulett war aus Sebastians Hand gefallen, als er zusammengebrochen war, und lag jetzt auf dem Boden zwischen uns. Dass so ein kleines Ding so bose sein konnte! Ich trat vor und trampelte darauf herum, und der uralte Stein zerbroselte unter meinem Absatz zu Staub.
Aber mit dem Zerspringen der Manxkatze war auch die Energie, die Mollys Verhedderzauber gespeist hatte, verschwunden, und das Dutzend schwarz uniformierter Manner rappelte sich wieder auf und hob die Waffen. Stinksauer, weil sie so leicht au?er Gefecht gesetzt worden waren, eroffneten sie alle das Feuer auf Molly. Wieder und wieder trafen die Kugeln Molly und lie?en sie unter den wiederholten Einschlagen zurucktaumeln. Blut spritzte aus Dutzenden von Wunden, ihr Kopf wurde hin und hergerissen, und sie bekam nicht genug Luft zum Schreien. Endlich horten die Manner zu feuern auf, und Molly fiel hin, als ob die Schusse alles gewesen waren, was sie auf den Beinen gehalten hatte. Ich fiel neben ihr auf die Knie und ergriff ihre Hand. Sie versuchte, mir etwas zu sagen, wahrend ihr das Blut schmerzhaft aus dem Mund sprudelte und spritzte, und alles, was ich tun konnte, war, ihre Hand zu halten, bis schlie?lich das Leben aus ihren Augen wich. Ich blickte zu den bewaffneten Mannern hoch, und alle wichen einen Schritt zuruck, aus Angst vor dem, was auch immer sie in meinem Gesicht sehen mochten.
Aber ich hatte nicht vor, sie zu toten. Das ware nicht genug gewesen.
Endlich fiel mir ein, den Knopf auf meiner Umkehruhr zu drucken und die Zeit zuruckzuspulen. Fast hatte ich zu lange gewartet. Die Uhr wollte mich nicht weit genug zuruckbringen, aber ich druckte den Knopf einfach wieder und wieder, bis sie mich schlie?lich zu der Stelle zuruckbrachte, wo die bewaffneten Manner gerade ihre Waffen auf Molly richteten. Ich warf mich vor Molly, zwischen sie und die Kugeln, und rustete noch in der Bewegung hoch. Das lebende Metall schwappte im selben Moment uber mich, als die ersten Kugeln durch die Luft flogen; und so schnell die Kugeln auch waren, die Rustung war schneller. Jeder einzelne Schuss, der Molly getotet hatte, prallte stattdessen von mir ab.
Ich warf mich auf die bewaffneten Manner, prugelte sie windelweich und schleuderte sie eine Weile durchs Zimmer, bis Molly schlie?lich einschritt und mich aufhielt - nicht um ihretwillen, sondern mir zuliebe. Sie wusste, dass ich mich schlecht fuhlen wurde, falls ich sie umbrachte. Ich rustete herunter und lachelte ihr angstlich zu. Ich war so nah daran gewesen, sie zu verlieren!
»Ich bin eine Hexe«, sagte Molly langsam und blickte mir fest ins Auge. »Ich sehe Dinge und ich erinnere mich an Dinge, die anderen verborgen bleiben. Ich erinnere mich daran, sterbend auf diesem Boden gelegen zu
